Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1913)
- Date
- 1913-10-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41. ״Jüdische Bolksstimme". Seite S. Dr. Hieronymus Fiala. Tonnerstag den 2. Oktober, am ersten Tag Roschhaschonoh, 0 Uhr abends, ist der Präsident der Vrünner israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Hieronymus Fiala, in der deutschen Lese- Halle, infolge eines Schlaganfalles im 69. Lebensjähre gestorben. Die Nachricht verbreitete sich mit Blitzeseile und wurde allseits mit großer Teilnahme ausgenommen. Am Vormittage wohnte Herr Dr. Fiala dem Gottesdienste bei und wurde noch zur Thora aufgerufen. Dr/ Hieronymus Fiala gehörte durch zirka 10 Jahre dem Vorstande der Brünner Israel. Kultusgemeinde an und war zuletzt durch zirka zehn Jahre Präsident dieser Körperschaft. Unter seiner Aegide wurde der neue Tempel nach den Plänen des verstorbenen Architekten Fleischer erbaut. Durch mehrere Jahre gehörte Dr. Fiala dem Kuratorium des mähr.-jüd. Landesmassefondes und dem Kuratorium des Mar und Jo- Hanna Rosenthal-Stiftungshauses an. Er war weiters Vorstandsmitdlied des mähr.-jüd. Waisenhilfsvercines, des Israel. Knabenfreitischvereines, Ehrenmitglied des Kaiser-Franz-Josef- Jubiläums-Mädchenfreitischvereines und Ferien- Heimes für.jüd. Kinder. Außerdem gehörte er den meisten jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen in Brünn an. Vom Vorstände der israel. Kultusgemeinde wurde Dr. Fiala als Vertreter der Neligionsgenossenschaft in den mähr. Landesschulrat delegiert. Dr. Hieronymus Fiala war jahrzehntelang einer der tüchtigsten Anwälte des Brünner Barreäns. Er war ein ausgezeichneter Redner, der mit vollendeten sprachlichen und stilisierten Ausdrucksniitteln seine Reden aufbaute. Dr. Fiala war in des Wortes unverbrauchtem Sinne ein Meister nicht nur der Gerichtsrede, er verstand es auch zu ergreifen, zu erschüttern und dies alles aus dem Borne einer Natürlichkeit heraus. Anläßlich der Holleschauer Exzesse, sowie mehrerer Ritualmordaffären wurde Dr. Fiala mit der Vertretung dieser für das Judentum so wichtigen Fragen betraut. Die politische Judengemeinde in Holleschau hat in Anerkennung sei- »er Verdienste dem Verstorbenen das Ehrenbürgerrecht verliehen. Die österr.-israel. Uion, deren Mitglied Dr. Fiala war, betraute ihn mit der Vertretung jüdischer Rechtsangelegenheiten. Dr. Fiala gehörte auch dem Präsidium des österr.- israel. Gemcindebundes an. Dr. Fiala wurde im Jahre 181-1 in Koritschati in Mähren geboren, etablierte sich als Verteidiger in Strafsachen in Brünn und gehörte durch acht Jahre der Brünner Stadt- Vertretung an, wo er das Finanzreferat inne hatte. In politischer Beziehung gehörte Dr. Fiala der deutschsortschrittlichen Richtung an. Wir anerkennen gerne die Verdienste, die sich der Verstorbene um die hiesigen jüd. Institutionen erworben. Die Römer sagten, daß nian einem Toten nur Gutes nachsagen soll. Wir Juden erkennen aber den besseren Spruch: ״lieber den Verstorbenen walte die Stimme der Wahrheit." Tr. Fiala, der aus der altliberalen Schule hervorging, war kein Freund der nationalen und religiösen Richtung im Judentum. Durch siebzehn Jahre standen wir in Opposition zur Leitung der Brünner Kultusgemeinde. Der Kamps galt nicht der Person des Präsidenten, sondern einzig und allein dem System, das er vertreten zu müssen glaubte. Wir glauben nicht verschweigen zu dürfen, daß Herr Dr. Fiala befähigt war, für das Judentum ini allgemeinen Hervorragendes zu leisten. Er hätte auch viel mehr geschaffen, und seine Tätigkeit nicht nur zumeist aus administrative Agenden beschränkt, wenn die maßgebenden Kreise der jüdischen Bevölkerung Brünns in dieser Hinsicht auf ihn mehr Einfluß ausgeübt hätten. _______ Ehre seinem Andenken! Trauersitzung. Vor dem Begräbnis fand im Zeremoniensaale des großen Tempels eine Trauersitzung des Vorstandes der Brünner Kultusgemeinde statt. Der Vizepräsident Herr Leopold Baue r hielt den Nachruf; namens . der Rosenthalstiftung Sprach Herr Dr. H o z e. Begräbnis. Sonntag den 5. d. fand das Begräbnis des Verstorbenen vom großen Tempel aus statt. Das Portal, wie das Innere des Tempels, wo die Leiche aufgebahrt war, war schwarz drapiert. Das ganze Gotteshaus füllte eine dicht gedrängte Menge, aus allen Kreisen der Bevölkerung. 1111ter den Anwesenden bemerkte man: Se. Exzellenz Oberlandesgerichtspräsident Regner Ritter v. Bleyleben, Oberstaatsanwalt Ritter v. Jantsch, Landesgerichtspräsident ׳Hofrat Kunze, dann die Hofräte Nazowsky, Spengler, Statthaltereirat Schön und Bezirkshauptmann Krükl, ferner Landeshauptmannstellvertreter Jelinek, Reichsratsabgeordneter d'Elvert, Bürgermeister Tr. Ritter v. Wieser und Bürgermeisterstellvertreter Jelinek, die Landtagsabgeordneten Fritsch, Kais. Rat Grünfeld und Dr. Jarolim, die Mitglieder des Landesschulrates Regierungsrat Dr. Sonneck und Direktor Winkler, die Hofräte Weiß, Dr. Bräunl und Dr. Hatschek, die Oberfinanzräte Tr. Friedl, Kofranek und Dr. Äoretz, die Stadträte Hrdliczka, Lustig, Kais. Rat Zwicker, Tr. Feith, Feldmann und Dr. Grünblatt, die Gemeinderäte Bayer, Tr. Ellinger, Dr. Krziwaczek, Polak und Reach, Bezirksvorsteher Löw Beer, der provisorische Vorsitzende der Handelskammer Kais. Rat Urban und die Kanimerräte Kais. Räte Gerstmann, Gottlieb, Hayek, Perschak und Subak; die Advokatenkammen hatte ihren Präsidenten Dr. Löwenthal und den Vizepräsideuten Dr. Hodac, der deutsche Advokatenverein den Obmann Dr. Popper mit den meisten Mitgliedern entsendet; ferner die Vorstandsmitglieedr der israel. Kultusgemeinde Brünn, die Herren Leopold Bauer, Hofrat Dr. Spitzer, Gustav Tandler, Stadtrat Feldmann, Adolf Herdan, Bernhard Nischawy, Heinrich Kätscher, Dr. Schiniinerliny, Dr. Hermann, Dr. Schreyer. Dr. Schcrbak, Kais. Rat Perlhefter, Sigm. Schwarz. Als Vertreter der Wiener isr. Kultusgemeinde und des isr. Gemeindebundes Herr Tr. Markus Spitzer. Sekretär Fleischer von der Oesterr.-isr. Union. Kultusgemeinde Olmütz durch Kais. Rat Fischl und Dr. Hochwald, Kultusvorsteher Dr. Weiß, Boskowitz, Kultnsvorstandsmitglied Feldmann, Jglan, Färber, Kremfier. Kultusvorsteher Heinrich Beer und Bürgermeister Bernhard Ehrlich, Holleschau. Bügermeister Richard Löw, Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Mar Steif. Neu- Raußnitz. Kultusvorsteher Holländer, Lundenbürg. Weiters waren die Gemeinden Ung.-Hradisch und Prerau vertreten. Die jüdischen Vereine, wie: Israel. Knaben- und Mädchenfreitischverein, Jüdische Lesehalle und Volksbibliothek, Toynbeehalle, Humanitärer Verein Moravia, Verein jüdischer Ferienheime, Einzelverein ״Zion Theodor Herzl", Jüd. Kultuswählerverein, Jüd. Turnverein, Jüd.-akad. Lesehalle. Verein Machsike Hadas, Galizischer Hilfsverein usw. waren durch die Vorstandsmitglieder vertreten. Tie Vorstandsmitglieder des Tempels, Ottgasse: die Herren Rud. Meist, Heinrich Zaitschek, Wilhelm Sonderling, die Vorstandsmitglieder des polnischen Bethausvereines, sowie des Bethauses Machsike Hadas. Die Religions- Professoren Dr. Mar Grünfeld, Tr. Schorstein und Dr. Steinhardt. Die Sekretäre Dr. Oppenheim und Tr. Maas usw. Tie kantoralen Funktionen versah in ergreifender Weise Herr Oberkantor Heller, Herr Rabbiner Tr. Ludwig Lewy hielt dem Verstorbenen einen warmeinpfundenen Nachruf. Am Grabe sprach namens des Vorstandes der Brünner Kultusgemeinde Hosrat Dr. Spitzer, namens des Advokatenvereines Tr. Popper. Der Leichnam wurde in einem Ehrengrabe beigesetzt. Den Hinterbliebenen sowie der Kultusgemeinde kamen aus allen Kreisen Kondolenzen zu. u. a. auch von den Änltusgemeinden .Krakau, Lemberg, M.-Ostrau, Wien. * Zur Präsidentenfrage in der Brünner israel. Kultusgemeinde. Durch den Tod des Herrn Tr. Fiala ist das Mandat des Präsidenten der Brünner Kultusgemeinde frei geworden. Nachdem die Kultilsgemeinde der letzte Rest jüdischen Selbstbestimmungsrechtes ist, hat die vorzunehmende Präsidentenwahl für die gesamte jüdische Bevölkerung ein gewaltiges Interesse. Es wird auch in allen Kreisen diese Frage in der lebhaftesten Weise besprochen. Wie uns mitgeteilt wird, soll aus diesem Anlasse auch eine große Kuituswählcrversamnilung abgehalten werden, um zur Wahl des Präsidenten Stellung zu nehmen. Wir wollen heute den diesbezüglichen Beratungen der Vorstandsmitglieder sowie der Steuerträger nicht vorgreifen, glauben aber aus folgende Momente Hinweisen zu müssen: Der Präsident einer Brünner Kultusgemeinde muß vor allem ein Mann sein, der jüdisch denkt, fühlt und handelt; ein Mann, der über jüdisches Wissen verfügt, repräsentationsfähig ist, gegen keine Richtung in unserer Gemeinde eine feindselige Haltung einnimmt; er muß in jeder Beziehung konziliant und die Fähigkeiten besitzen, die die heutige Zeit von dem Führer einer 10.000 Seelen starken Gemeinde fordert. Wir eröffnen hiermit über diesen Punkt die Diskussion. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I.. ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Verliehenes Kapital cirka 400 Millionen Reserven cirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit sw« )ährlicb fallender garantierte Prämie, Qeneral-Agentur für Wien, I., Aspernplatz I, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion für Prag, Ferdinanden. 20. neu, Leiter Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Ssajoueba 3. Leiter Löbl Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan RSssner, St Sebastian» 10, Generalagentur für Blclitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heuling, Hauptagentur fOr BrOnn, Wawrastraase 10. LaKar: Samuel Reiniger. Jüdische Berlagsgesellschast. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich figuriere mit unter den Interessenten einer zu gründenden ״Jüdischen Verlagsgesellschaft", ich habe sogar die Absicht, mich aktiv an die Gesellschaft zu schließen und gestatte mir deshalb auch in der nun aufgeworfenen Debatte das Wort zu ergreifen. In der letzten 'Nummer Ihrer Zeitung entwickelt Herr Leopold Grünhut ein Verlagsprograimii, das zur Gänze nicht gutgeheißen werden kann. Ich bin Berufsschriftsteller, habe mit mehreren ersten Verlagsgesellschaften Fühlung und in ihren Apparat Einsicht und glaube schon, daß wir die Erfahrungen dieser jahrelang wirkenden Institute bei der Gründung unseres Verlages verwenden könnten. Unser Verlag kann sein Wirkungsfeld nicht weiter als über Deutschland und Oesterreich — das heißt in den Landen deutscher Zunge — ausdehnen. Wir brauchen für unsere Kultur, für unsere Wissenschaft, für unsere Regeneration und für unsere lesenden Jung-Juden unsere mode r, 11 e 11 Schriftsteller, die Juden sind, die uns unser jetziges Element, unsere jetzige Psyche geben. Wir dürfen uns nicht zu Haufen isolieren und Angriffslinien entwickeln, wir müssen unter den Feinden bleiben und von hier aus unsere Hiebe führen. Wir eitzverben in erster Linie Romane, Novellen, Skizzen. Gedichte unserer jetzigen jüdischeu Schriftsteller und nehmen unsere Klassiker in Volks- und Sonderausgaben mit, wie es eben die anderen Nationen mit ihren Klassikern machen. Der Jüdische Verlag mit dem von mir vorveschlagenen Untertitel ״für Kunst und Wissenschaft" teilt sich laut seiner Annonce in zwei Abteilungen. Was an Kunst und Wissenschaft im Inden geleistet wird, ist unser Feld, da setzen wir ein! Ernst Oestreicher, dramat. Schriftsteller. Bor dem Sturm. Die Wolken werden trüber, Es fiebern die Winde. Zieht bald ein Sturm vorüber An unserer Lindes Die breitet ihr Geäste Erschauernd ins Grau. Es fiel aus seinem Neste Ein Vöglein in den Tan. Marek 2 ch e r l a g. Uordruckeref « « « Pli$$kran$talt י « « _F*ht<, PostgasM r. | וי¬ ו ff U »s 4׳ ..t .1. ׳♦ .; r '. N f-£ > h -I 1! l- ן ■ i 1״: