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Jüdische Volksstimme · 1913-09-25 · Heft 39 (25.9.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 39 (25.9.1913)
Date
1913-09-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 39. Rabbinerinstallation in Jglau. Am Freitag den 18. September, um 6 Uhr abends, fand in der hiesigen festlich geschmückten Synagoge die 'sinirtUicriiiifl des ncugcwähltcn Rabbiners Sr. Ehrw. Herr» Tr. Friedrich Weiß statt. Schon lange vor der Feier war der Tempel bis aus das letzte Plätzchen gefüllt. Sc. Ehrwürden wurde von den beiden Tempel- Vorstehern, den Herren Max Wurmsohn und Heinrich Wcißennein von seiner Wohnung abgcholt und in der Porballc des Tempels von dem Vorstande, an dessen Spitze Kais. Rat Adolf Lieblich, empfangen. Der Vorsicher der Kultusgcmcinde, Kais. Rat Lieblich, richtete an den Herrn Rabbiner eine Ansprache, woraus derselbe zu seinem Platze geleitet lvurde. Ein vom hiesigen Ovcrkantor Weih komponierter ״Boruch Habo", der auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte, leitete die Feierlichkeit ein: Snlzcrs ״Hajaum icamzenu" beschloß diesen Einleitungsgcsang. Nach dein Mincha-Gcbet ivnrdc Psalm 183 ״Wie schön und lieblich ist cs, wenn Prüder stets in Eintracht leben," vom Obcrkantor und dem Gesangverein ״Schir Zion" erhebend vorgctragen. Hieraus bestieg der Herr Rabbiner die Kanzel, wo er in einer formvollendeten und begeisterten Rede die Zu- Hörer vom Anfang bis zum Ende zu feffcln verstand. Fm ersten Teile derselben gedachte er der früheren Größe des vcrcivigtcn Dr. I. Unger, der in der hiesigen Gemeinde als erster Rabbiner a» heiliger Stätte gewirkt hat, der zweite Teil war dkm öOjährigcn Bestände des Gotteshauses gewidmet. Die Rabbiner Dr. Adolf FeUinck-Wicn und Tr. I. I. Unger hielten seinerzeit die Einwcilhungsrcdcn, wo auch der unermüdlichen Tätigkeit des Führers der Gemeinde und des derzeitigen Präsidenten, des Herrn Kais. Plates Lieblich, gedacht lvurde. Ten Schlnßtcil bildete eine Huldigung aus unseren greisen Monarchen. Hieraus lvurde bei geöffneter BundeSIadc daS Kaiscrlicd gesungen. — So endete diese schöne Feier, die sicherlich den Anwesenden lange Zeit in Erinnerung bleiben wird. Auch der Gesangsvcrcin ..Sckiir Zion" hat durch seine klangvollen Gesänge viel zur Hebung dieser Feier bcigctragcn. —in—. Prof. Herzberg-Fränkel gestorben. Aus Wien, wo gegenwärtig ein Gcschichtssorscherkongrcs; stattfindet, kam die traurige Kunde, das; dort Herr Pros. Herzberg-Fränkel, der als. Vertreter der Czernowitzer Universität am Kongreß teilnahm, plötzlich gestorben ist. — Diese Nachricht hat die tiefste Teilnahme hervorgerufen. Die Czernowitzer Universität beklagt im Tode dieses Mannes den Verlust eines hervorragenden Gelehrten, dessen Ruf als österreichischcr Historiker von internationalem Klange >var. Pros. Dr. Herzberg-Fränkel ist am 7. März 1800 in Brodp als Sohn des dortigen Handelskammersekretärs Herzberg-Fränkel geboren. Er studierte zuerst Jus und hierauf Geschichte an der Berliner und Wiener Universität. Im Jahre 1 sso wurde er zum Doktor der Philosophie promoniert und setzte als Mitglied des Institutes für österreichische Geschichtsforschung seine historischen Studien fort. Besonders befasste er sich mit der Geschichte des deutschen Mittelalters, isst wurde er zum Privadozcnten für mittelalterliche Geschichte an der Wiener Universität ernannt. Im Jahre 180:5 wurde er als austerordentlicher Professor an die Czernowitzer Universilät berufen, nachdem er zwei Jahre später zum ordentlichen Professor ernannt wurde. Nachdem er als Dekan der philosophischen Fakultät gewirkt hatte, wurde er für das 11*05—1000 zum Nektar der Czernowitzer Universität gewählt. Als Pirilist im Landtage beantragte er die Errichtung eines Freilnftmuseums für die Bukowina. Die volkstüml. Kurse an der Czerno- Nutzer Universität sind seiner Initiative zu vcrdanken und stand er seit deren Gründung denselben als Obinonn vor. Pros. Herzberg-Fränkel war ein treuer Solm seines Volkes und wenn er auch nicht gerne össenllich hervortrat, war es doch bekannt, das; er seine jüdische Abstammung und Natioua'itäl mit Stolz betonte. Er hätte auch wiederholt Berufung nach dem Westen erhalten können, tvenn er nicht eben seinem Volke treu geblieben wäre. Oexen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Stern Hof er Bitterwasser“ Mild, doch zuverläßlich. Sternhof, Post Sokolnitz bei Brünn. Aufruf wegen Gründung eines. Asyls für jüd. Obdachlose in Wien Die letzte, kaum überstandene krisenhafte Epoche hat auch diesmal die Mittellosen am härtesten getroffen. Dic allgemeine Verelendung hat in dieser beklagenswerten ,schichte unserer Mitbürger geradezu unhcimlichcn Fortschritt geinacht. Hunderte von mühselig erhaltcncn, ohnedies kümmerlichen Existenzen sind völlig dem Ruine verfallen. Tie Zahl der Obdachlosen hat geradezu eine erschreckende Vermehrung erfahren. — In solchen Situationcn ist cs gebieterische Pflicht der Gesellschaft, helfend cinzngrcifcn. Eine vorläufig noch kleine Gesellschaft von indischen Männern und Frauen hat die ^.cc aufgcgriffen, in Anbetracht des nahenden Winters ein Obdachloscnhcim für Juden zu gründen. Viel in bereits in Tagcsblättern und Zeitschriften über das Elend der Obdachlosen geschrieben ivorden, doch nur die eigene Wahrnchinnng dieses namenlosen Jammers kann das Grauen über diese Zustände hervorrufcn. In den befugten und unbefugten Massenquarticreu der Kl. Schiffgassc und Floßgasse, um von vielen nur einige Beispiele hcrauszngrcifcii, sind in kleinen Räumen 15—20 Prsoncn zusammengepfercht. Ein Massengrab jedes gesunde» Körpers und jeder Seele, eine Brutstätte aller gefährlichen Krankheitskcinic, eine ungeheure in den Konsequenzen gar nicht absehbare Gefahr im Falle von Epidemien. Aber selbst diese erbärmliche Licgcstätte ist für die Acrmstcn der Armen unerschlvinglich, SO h beträgt die Taxe für eine Nacht. Wer die nicht aufbringt, mag in rauher, kalter Nacht seinen müden, hungrigen Leib wciterschlcppcn, und oft nicht einmal allein, sondern mit Familie, entweder wenn er als Vagant aufgcgrifscn wird, ans einer Znchthauspritschc oder, entzogen dem wachsamen Auge des Gesetzes, auf einer Bank im Schatten einer Allee eventuell einem Erfricrungstode cntgcgcnschlummcrn. Das stets bewährte jüdische Herz darf keinesfalls diesen nicht übertriebenen beschämenden Zuständen gegcnübcr ruhig bleibe». Hier ist rasche Hilfe notwendig. Wenn schon die ganze gutsituierte Gesellschaft Wiens nicht aufzurütteln ist, um durch eine großzügige Aktion helfend einzugrcifen, tvir Juden dürfen nicht länger tatenlos znschen, einmal durch amtliche Erhebungen von diesem Elend unserer Glaubensbrüdcr in Kenntnis gesetzt. Jüdische Männer, Frauen, Mädchen und Jünglinge meldet euch zum Beitritt zum Gründungskomitee zur Errichtung eines jüdischen Obdachlosenheims. Agiiicrt für unsere gute Sache. Noch niemals hat der Appell an das Humanitätsgcsühl des jüdischen Herzens versagt. Kein Zweifel, daß wir auch diesmal auf Verständnis, ja auf Begeisterung für unser edles Streben stoßen lvcrdcn. Die kommende rauhe Jahreszeit mit ihren tansendsältigcn Gefahren für die Gesundheit darf unsere armen obdachlosen jüdischen Mitbürger nicht hilflos antreffen. Anmeldungen nimmt entgegen: BrzirkSrat Alexander P o l l a k, Wien, 2/3, Im Werd 3. Üorrelpmulen5en. Misstitz. Sonntag den 31. August hat die konstituierende Hanptversainmlnng des diesigen jüdischen Turnvereines stattgcfunden und nach kaum achttägigem Bestände daben unsere Tnr- »er am Kongreß-Schauturnen teilgenommen, wofür idnen auch eine Belobung seitens des Vorstandes vom westösterreichischen Kreise zuteil wurde. Diese Leistung haben wir in erster Reihe unserem fachkundigen, unermüdlichen Obmanne und Turnleiter Herrn Rudolf Löw zu verdanken und in zweiter Reihe unserem Herrn Rabbiner Bela Diamant, der ein begeisterter, eifriger Förderer der zionistischen Idee innerhalb unserer Gemiende ist, und dessen Worte van der Kanzel und am weißen Tische starken Widerhall in aller Herzen gefunden haben. Für das unaufhaltsame Vorwärtsschreiten des Zionismus in unserer Gemeinde spricht auch der am Sonntag den 21. d. vom jüdischen Turnverein veranstaltete ״Kongreßabend"» welcher Massen- Haft besucht war und einen glänzenden Verlauf nahm. Nach der Eröffnungsansprache des Hrn. Rabbiners ergriff Herr cand. iur. Oskar Grünbäum das Wort zr! seiner einstündigen Rede über: ״Der Zionismus - Ter elfte Kongreß". Gespannt lauschte das Publikum seinen begcistertcn, tiefgehenden und überzeugenden Ausführungen. Reicher Beifall und das Bewusstsein, viele neue Anhänger für unsere hehre Sache ge- Wonnen zu haben, lohnten diese Glanzleistung. Hierauf erstattete unser Obmann Herr Rudolf Löw sein Referat über das Äongreß-Schautnrneu, welches beifällig anfgenominen wurde und machte der Zuhörerschaft die erfreuliche Mitteilnng, daß der Turnverein, trotz des kurzen Bestandes, nebst einer strammen Herrenriege, auch eine ansehnliche Damenriege anfzuweisei! hat. — Und noch ein wichtiges Ereignis macht den 21. September, den ersten Herbsttag, für uns zum ersten Lcnztag: unsere Kultusgemeinde, an dessen Spitze Herr Josef Pollenz, ein Mann gründlichen Wissens, unermüdlicher Tatkraft und treujüdischer Gesinnung, steht, hat ihren prinzipieklen Anschluß an die zionistische Organisation durch Gewährung einer Jahressubvention für den Jüdischen Nationalfonds zum Ausdruck gebracht. Und so wollen wir hoffen, daß unsere Kultusgemeinde in eifrigem, zielbewußtem, friedlichem Zusammenwirken mit dem neugegründeten jüdischen Turnvereine und mit dem seit Jahren bestehenden jüdischen Gesangsvereine und der jüdischen Volksbücherei, als wahre Kultur gemeinde — wie cs so trefflich Prof. Warburg entschlüpfte — den ihr gebührenden Anteil am Anfbaue unsere Volkstums nehmen wird. Ezerninvitz. In dem Dorfe Czernawka drangen nachts acht Männer in das Haus des Mendel Goldenbcrg und feuerten mehrere Schüsse ab, durch die Goldcnbcrg schwer verletzt wurde. Einer der Banditen schlug dem Sohne Goldcnbcrgs mit einem Pslockhicb das Auge aus. Die Gattin Goldcnbcrgs tvnrde arg mißhandelt. Tie Banditen, die der Beschreibung nach Bauernburschcn gewesen sein dürsten, flüchteten. Budapest. Wie in unserer letzten Nummer gemeldet, starb, 81 Jahre alt, der weltberühmte Orientalist Prof. Hermann Vambery. Er hieß eigentlich Bambergcr und war der Sohn armer jüdischer Eltern. Er sollte zuerst Damenschneider werden. Mit 22 Jahren kam er nach Konstantinopel und machte sich als Hauslehrer in vornehmen türkischen Häusern mit den orientalischen Sitten vertraut. Als Derwisch verkleidet, Wanderte er von 1801 bis 1804 durch Armenien und Persien, worüber er dann verschiedene Berichte und Bücher veröffentlichte. 1866 wurde er Professor in Budapest. Er war ein Freund König Eduards von England und des alten Sultan Abdul Hamid, der ihn öfter zu sich berief. Bekannt dürfte es sein, daß seinerzeit Dr. Theodor Herzl durch Vermittlung Vambcrys eine Audienz beim Sultan erhielt, die seinen großeit Plänen dienen sollte. Balasiagyarmat. Fürftprimas Dr. Escrnoch, der Suinmus Episcopns Ungarns, ivnrdc bei seinem Hiersein vom hiesigen Oberrabbincr I. Deutsch begrüßt. In seiner Antwort betonte der hohe Geistliche den Wert des orthodoxen Judentums für den Staat und die Kultur. Er bewunderte den Eifer der Orthodoxie, mit dem sic ihre Autonomie bewache, und treu ihrem Glaube» anhängc. Er sei überzeugt, nur eine religiöse Natur könne dem König und dem Vaterlande die Treue bis in den Tod bewahren. Er liebe den glaubenstrenen Menschen, ivelchcr Konfession immer, und bitte, daß dir Judcnhcit davon Kenntnis nehme. . Berlin. Die am!>. November in Hamburg tagende Hanptversanimlug des Verbandes der deutschen Inden soll von der dortigen Deutsch-israelitischen Gcmcinde durch eine besondere festliche Veranstaltung geehrt iverden. Außer einem Festmahl am Abend des Hauptvcrsammlnngstages, wie es bisher die Delegierten als Gäjle der Gemeinde des Versammlungsortes vcrcinigtx, wird ain Vorabend eine Feftvorstellung für die PersammIungStcilnchnicr und ihre Dame» stattsindcn, die ein Prolog cinleiten und an die sich ein geselliges Beija»׳,inensein in den Räumen des Theaters anschließen soll. Osfrnbach a. M. Unter den hiesigen russischen Juden herrscht starte Erregung, da seit kurzem die Auscnthaltsbedingungcn für ans Rußland gebürtige Ausländer crschlvcrt ivorden sind. Die Erschlvernngen sollen eine Revanche für die Behandlung deutscher Staatsbürger in Rußland sein. Unser verehrter Rabbi- »er und der Vorstand unserer Gemeinde sind bemüht, von Fall zu Fall zu intervenieren. Hannover. Seit drei Jahren besieht ans Norderney eine Institution, deren weittragende Bedeutung mich in diesem Jahre eine besondere Würdigung verdient. Es ist dieses das am Nordftrandc gelegene KindcrerholungSheim der ZionSlogc von Hannover. Es ist ein Herrlichcr Bau mit komsortahlen Einrichtungen, große» Inftigen Schlafräumen, prachtvollem Spciscsaal, Spielhof, Liegehallen usiv. Besondere Erwähnung verdient auch noch das von der derzeitigen Leiterin, Fräulein Meyer, in recht sinniger Weise inszenierte Kinderfest. Man hat in diesem Jahre von der Einladung Erwachsener ab-

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