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Jüdische Volksstimme · 1913-09-25 · Heft 39 (25.9.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 39 (25.9.1913)
Date
1913-09-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39 ״JUische BolkSstimme." Seite 3 naiffancebewegung. Unser Endziel liegt im Osten, währcnd das Zentrum unserer Arbeit, unserer Bewegung, sich im Westen befindet. Hierin ist der Grund für unsere innere Zwiespältigkeit zu suchen, für die Zwicspältigkeit der Seelen und der Kräfte. Die innerhalb der Bewegung stehen, vergessen bisweilen das Endziel. und die sich dem Enziele nähern, vcrgeffen nicht selten, weil sic vom Zentrum der Arbeit entfernt leben, die Bedeutung jener Bewegung im Westen. Wir pendeln ständig zwischen diesen beiden Punkten hin und her. Gewiß ergänzen sich Ziel und Bewegung gegenseitig, aber cs fehlt der gemeinsame Mittelpunkt, durch den unsere ganze Arbeit zur Vollkommenheit gelangen könnte. Damit kommen wir zu dem zweiten bedeutsamen Moment in der Entwicklung des neuen Jischub, der sich nicht nur von der Vormundschaft der Geldgeber, sondern von der Bevormundung durch das Golus überhaupt zu befreien beginnt. (Beifall.) Der neue Jischub verlangt jetzt, daß man mit ihm nicht mehr als mit einem Mittel rechne, das die Notwendigkeit der Renaissancearbeit zu bctveiseü habe — er will im Gegenteil das Zentrum iverdcn, auf das sich die ganze Arbeit richten soll, er verlangt die Arbeit für das Ziel und will nicht mehr das Ziel für eine Arbeit sein, die nur da zu sein scheint, um die innere Leere des Golus-Lebens auszufüllen. Das ist die Tendenz, die aus den neuesten Forderungen des Jischub hervorgeht. Der Jischub will nicht mehr ein Objekt für die Institutionen sein, sondern der Zweck und die Ursache der Institutionen, weil sich der Jischub eben bereits als die lebendige Kraftwclle und als das Fundamcnt der nationalen Renaissance fühlt. Freilich stört diese neue Tendenz manche unserer Mitarbeiter, aber es läßt sich nicht leugnen, daß sie natürlich und gesund ist, überall, wo eine naturgemäße Entwicklung und ein starker Glaube an die eigene Krafr vorhanden sind. Dennoch scheint mir hierin ein wesentlicher Grund für den Streit der Meinungen innerhalb unserer Organisation zu liegen. Tic Entfernung vom Lande unscres Endzieles bringt es selbstverständlich mit sich, daß sehr viele von uns das Wachsen des neuen Jischub nicht beobachten, daß sie die sich leise ins Leben ringende :Renaissance nicht miterfühlen können. Infolgedessen sehen sic das Schwergewicht unserer ganzen Arbeit in de» von uns geschaffenen Institutionen, und so entsteht die Meinung, daß diese Institutionen die Hauptsache seien, deren Anhängsel in Palästina den neuen Jischub bilde. Wir müssen natürlich zu einer ganz anderen Ansicht gelangen, wenn wir uns die Anschauungsweise der Urheber und Schöpfer des jüdischen Jischub in Palästina aneignen. Sicher wissen auch sic, daß unsere Bewegung Form und Ausdruck in ihren Jnstitutionen findet. Aber sie wissen auch, daß unser Ziel eben nicht in unseren Institutionen sich venvirklicht, sondcrn im Jischub selbst. Man braucht nur zu fragen, wer denn eigentlich wofür geschaffen und bestimmt sei, und die Antwort versieht sich von selbst. Wenn wir diese Anschauung als Grundlage für unsere Arbeiten annchmen, so haben wir darin auch die beste Möglichfeit, zum Frieden in unserer Organisation zu gelangen. Und wir werden diese Ansicht annchmen müssen, denn der neue Jischub zwingt uns dazu. (Händeklatschen und lebhafter Beifall.) (Schluß folgt.) Persou, für alles, was ,lach außen Aufsehen erregele, war er ein Knauser, während er mit vollen Händen verschämte Arme und Notleidende der Familie, allerdings nach eigener Wahl, überschütten konnte. Zu den Festtagen wauderten Körbe voll Weinflaschen heimlich und ohne Angäbe des Absenders in die Wohnungen anständiger armer Familien, und wenn die Flaschen entkorkt wurden, so fanden sich nicht selten goldene Dukaten unter den Siegeln. Dagegen war sein Naine nie bei den Samntlungen zu lesen, die int Wochenblättchen mit dem öffentlichen Dank für die großmütigen Spender abgedruck: wurden. Das ganze Geschäftspcrsonal des Hauscs Markus bestand aus drei Personen: dem Herrn Assessor, der die Geschäfte und dergleichen Sachen alle mehr selbst besorgte, dem Kommis Bärmann» der eigentlich als Meschores (Diener) eingetrcten war, der aber als Leiter des Lotteriekontors senen vornehmen Titel von den Kundschäften des Hauses erhalten hatte, und dem Kutscher Mcwes, der in dieser Eigenschaft nicht nur Holz und Kohlen, sondern auch seinen Herrn zu fahren hatte. Zu diesem letzteren Behuf sauste er mit einer kleinen Kutsche aus hohen gelben Nädern und mit einem mageren braunen Klepper so geräuschvoll durch die Stadt, daß der alte Lewy dem Fahrzeuge den Namen ״Spinnradchen" gegeben hatte, den er bis an sein seliges Ende führte. (Fortsetzung folgt.) Assimilatorische Knechtseelen! In der letzten Nummer der ״Oesrerreichichen Wochenschrift" fand sich folgende Notiz: ״Ter Ausschuß der Pester israelitischen Religionsgemeinde hielt vorige Woche unter dem Vorsitze des Präsidenten Ludwig Adler eine Sitzung, die dem Andenken des Barons Josef Eötvös gewidmet war. Präsident Adler würdigte in einer wirkungsvollen Rede die Bedeutung des Baron Eötvös und dessen Verdienste um die Emanzipation der vaterländischen Juden. Der Ausschuß beschloß, zum Andenken an den großen Staatsmann jährlich vier Stipendien von je;.00 K an solche Frequentanten der israelitischen Bürgerschule zu verleihen, die in der ungarischen Sprache besondere Fortschritte gemacht haben." Diese Zeilen habe ich einigemale aufmerksam durchgelesen. Ich konnte meinen Augen nicht rauen und heute noch stehe ich wie vor einem eltsamen Rätsel. In einer jüdischen Schule wird die Würdigkeit eines Schülers ausschließlich nach einer Leistung in der ungarischen Sprache beurteilt. Man möge mich nicht mißverstehen! Gewiß soll in der Schule auf gründliche Kenntnis der Unterrichtssprache geachtet werden und eine jüdische Schule, mag sie in welcher Sprache im- 111er geleitet werden, macht hierin keine Ausnahnie. Aber welchen Zweck hat denn vor allem eine jüdische Schule? Warum geben denn die Juden ihr Geld für private jüdische Schulen her? Damit dort ungarische Kenntnisse mit jüdischen Geldern belohnt werden. Es ist ein lautes Geheimnis, daß in den öffentlichen Schulen unsere jüdischen Kinder geradezu — vergiftet werden, daß ihnen fremde Ansichten aufgedrängt werden. In den öffentlichen Schulen werden unsere Kinder gewöhnt, ihr eigenes Volk mit feindlichen Augen anzusehen. Tie Juden aus Budapest bringen das Opfer, sie gründen eigene Schulen mit jüdischen Tendenzen. In diesen von jüdischem Gelde erhaltenen Schulen ist nun das Ungarische Hauptzweck. Nicht Kenntnisse in der hebräischen Sprache, nicht solche in jüdischer Geschichte und Literatur, nein, die Kenntnisse des Ungarischen werden mit jüd. Gelde belohnt! O! Welch furchtbare Wunden hat doch das 2000jährige Goluth dem einst so stolzen jüdischen Charakter geschlagen! Wie tief, wie unendlich tief ist doch das Judentum gesunken, wenn die Pertreter seiner Gemeinde sich die erdenklichste Mühe geben, es zn verleugnen und vor einem fremden Götzen im Staube kriechen! Welch beißende Satire! Tie jüdische Gemeindeverwaltung schämt sich des Jüdischen und gibt ihr Geld her, damit ihre Kinder dem Goi gleichen sollen! Ungarische Sprache! Ja. wo waren denn die Ungarn mit ihrer Sprache, als das größte Kulturwerk die Bibel in hebräischer Spraye abgefaßt wurde? Wo waren überhaupt alle großen Völker Euro- Pas, als die Stimme Jesajas durch die Straßen Jerusalems donnerte? Hier haben wir ein glänzendes Eremplum der israelitisch-konfessionellen Lächerlichkeit, des erbärmlichen Jammers dieser Schattierung unscres Volkes. Tie israelitische Gemeinde gründet eine israelitische Schule. Wodurch ist aber diese Schule israelitisch, wenn die ungarische Sprache allein zum israelitischen Stipendium verhelfen kann? Hier haben wir wieder jene kläglichen Karrikaturen, die für ihre abscheuerregende Anbiederungssucht die Religion benützen. Ta man die jüdische Nase unmöglich wegtaufen kann, so ist man israelitisch-konfessionell und zum Beweis, daß man sich wirklich vom Goi nicht unterscheidet, daß man ein leiblicher Bruder jener ist, die täglich: ״Tod den Juden" rufen, wird das Jüdisch-Konfessionelle in der barbarischesten Art wieder in den Kot gezerrt. Und Leute von solch moralischer Verkammenheit, vom Mangel jeder menschlichen Selbstachtung, sind die Söhne jener Vorfahren, die auf der Folterbank und auf dem Scheiterhaufen ihre edle Seele ausgehaucht haben. Aber auch sie erleiden freiwillig alle Marter und selbst den Feuertod. Auch sie entfalten ebensoviel Heldenmut, um ihr Judentum zu verleugnen, wie ihre großen Väter, uni dem Judentum treu zu bleiben. Wahrlich eine interessante Gegenüberstellung. Diesseits der Leitha tagt der Zionistenkongreß. Juden beider Welten entsenden ihre Vertreter zur Beratung über das Judenvolk. In flaminendem Proteste wird der Hammer des jüdischen Leides auf den Anboß geschwungen, daß weithinaus die Funken sprühen. Im jesajanischen Hebräisch referiet Ussischkin über die jüdische Univerfität. Jüdische Turner marschieren unter den Hatikwahklängen auf und werden teils hebräisch loinmanoiert. Nach altem ehrwürdigen Elnlbrauche wandern 10.000 Juden zum Grabe ihres toten Führers. Jenseits der Leitha wird zu gleicher Zeit von Vertretern der jüdischen Gemeinde, das Judentum versteckt, das Hebräische verachtet und mit jüdischem Gelde die ekelerregende Assimilation unterstützt.... Zionisten! An die Arbeit! Ihr habt einen großen Reinigungsprozeß in eurem Volke vorzunehmeu. A. Sch. YERLOBUNQ3~RlNQE BRRUTSCHMUCK - - HOCHZEIT5QE5CHENKE EHE-R1NQE •••. in harvarragmdar Auswahl zu btsondsn billlgan Praias n. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen•, Uhren-, Goldn. Siiberwnrenbandlung Brünn, nur Ferdinandsgassa Nr. 2. Provinzauiiiige Anden sofortige Erledigung. Olmützer Brief. In der letzten Vertretersitzung unserer K'ultuSgemeinde stellten unsere zionistischen Kultusräte den motivierten Antrag: ״Tie Kultnsgemeinde möge den eben in Wien tagenden elften Zionistenkongreß telegraphisch begrüßen." In der Motivierung dieses Antrages wurde ausdrücklichst hervorgehoben, daß von niemandem ein Opfer an Ueberzeugung verlangt wird, daß es jedoch eine natürliche Pflicht jeder Kultnsgemeinde ist, das große weltumspannende Juden- Parlament, das zum ersten Male in Oesterreich seine Tagung hält, zu begrüßen und dessen Beratnngen zum Wähle des gesamten Judentums. Gedeihen zu wünschen. Dieser Antrag wurde schlank abgelehnt und zur Tagesordnung übergegangen. Wenn die christlichsoziale Gemeinde Wien den Kongreß nicht begrüßt hat. so mag dies als eklatanter Beleg für deren Gehässigkeit gelten: aber eine Pslichtvergessenheit war es nicht. Wenn sich aber eine Olmützer Kultusgemeinde an die Seite der Wiener christlichsozialen Gemeinde stellt und die gleiche Gehässigkeit dem Wiener Kongresse gegenüber zeigt, so ist kein Wort scharf genug, um dieses schändliche Verhalten zu brandmarken. Tie israelitische Kultusgemeinde Wien, die wahrlich nicht im Verdachte steht, zionsfreuiidlich zu sein, bat unter der Wucht des Ereignisses sich spontan entschlossen, den Kongreß durch eine» Delegierten außerordentlich herzlich zu begrüßen. Ein Festgottesdienst, zu Ehren des Kongresses und veranstaltet von der Kultusgemeinde Wie», rief die Gläubigen auf, um Gottes Segen auf unser Weltparlament zu erflehen, die Kultus׳ gemeinde Olmütz aber geht über diesen Gegenstand zur Tagesordnung über! Sind das unsere berufenen Führer in Olmütz? Sind das die gewählten Männer, in deren Händen das Wobl und Wehe unserer Kultusgemeinde ruht? Der Präses verweigert den gewünschten Gottesdienst anläßlich Moses Tod, eilt dafür zur Julfeier deutscher Studenten und läßt seinen Sohn in der Festrede den Julbaum bekränzen. Derselbe Präsident, dem selbst eine farblose Begrüßung des Kongresses ein Greuel ist, wagt es, sich mit der Würde eines Kultiispräsidenten der Gemeinde Olmütz zur schmücken, wenn er in einem Wahlaufruf Stimmen für den deutschradikalen Herrn Prayon wirbt! Welche Takt- und Würdelosigkeit! Der Vizepräses der Kiiltnsgemeiiide ist auch der Vizepräses der Freien Schule, die bekanntlich den Religionsunterricht aus den Schulen verbannen will und eben dieser Vize Präsident der Freien Schule wird Religions- Inspektor für den hebräischen Unterricht. Welche Summe der Verlogenheit steckt in diesem Beschlusse der löblichen israelitischen Kultnsge meindevertretung! Wie lange noch werden die Wähler, solche Führer unserer Gemeinde ertragen? Wir hoffen, wenn nicht bald Wandel ge schieht. und die Führer unserer Kultusgemeinde sich auf die Pflichten besinnen, welche ihnen ihr Mandat auferlegt, die Wähler über diese Manner gleichsam zur Tagesordnung übergehen werden.

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