Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1913)
- Date
- 1913-09-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39. ״Jüdische Bolksstimme". Seite 5. gesehen, um das vorzüglich verlaufene Fest zu einem Kinderfest im engsten Sinne des Wortes zu gestalten. Die Kinder, auch diejenigen ohne besondere Stimmmittel, sangen ungeniert, deklamierten, tanzten und spielten nach Herzenslust und zollten sich gegenseitig für die gelungenen Darbietungen die höchste Anerkennung. London. Dein soeben erschienenen Jahresberichte der englischen Bibelgesellschaften entnehmen ivir, daß sie seit ihrem Bestände, d. i. seit dem Jahre 1804, insgesamt 2-15 Millionen Exemplare des Alten Testaments abgcsctzt hat. Im Berichtsjahre 1912 hat die Gesellschaft nicht weniger als siebeneinhalb Millionen Exemplare ihrer Bibclausgaben an den Mann gebracht. Die Bibel wurde bisher in 44V verschiedenen Sprachen heransgcgeben. Nrwyork. Der Ehassidim-Nabbi David Mordechai, genannt der Tolnaer $abif, ist hier eingctroffen. Er bat seine Heimat infolge Schikauierungen der russischen :«iegierung verlassen. Der dreißigjährige :liabbi folgte seinem Vater vor sechs Jahren, NIEDERLÄNDISCHE LEBEN SVERSICHERUN OS-GESELL- SCHAFT, WIEN, L, ASPERNPLATZ 1. Im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven ciika 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. - Unser neuester Tarif mit be/a jährlich fallender garantierte Prämie, General-Agentur für Wien, I., Aspernplatz 1, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion für Prag, Ferdinand-str. 20. neu, Leiter Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter LSbl Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan Rössner, St Sebadlana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitiing. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse tO. Leiter: Samuel Reiniger. Hundfchau. Sitzungen des Aktions-Eomitecs. Am Tage nach Schluß des Kongresses, am Mittn׳och den 10. September, trat das Engere Aktions- Eomitce in Wien zu einer konstituierenden Sitzung zusammcn. Zum ersten Vorsitzenden wurde Prof. Dr. Warburg, zum zweiten Vorsitzenden Dr. Tschlcnow geit'ählt. Dr. Tschlenow wird im Laufe des Winters von seinem bisherigen Wohnort Moskau nach Berlin übersiedeln. Auch das Große Altions-Eomitee hielt am 10. d. in Wien seine erste Sitzung ab, an der die »!eisten Mitglicder tcilnahmcn. Wiener Arortensammlung für jüdische Arme. Mit Erlaß der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei vom 14. Mai 1914. ,'j. 4.—2089, wurde das Statut obigen Vereines genehmigt. Tie konstituierende VereinSversamiulung wird Dienstag den 2:4. September d. I. um 7 Uhr abends im Sitzungssaale der israelitischen KultuSgemcindc, 1., Seitenslettengassc 4, stattsinden und beehren sich die Gefertigten, alle Gönner dieses wohltätigen Vereines hierzu höflichst einzuladen. Dr. :Robert Glesinger, Hof- und Gerichtsadvokat׳, Jda Barber. Schriftstellerin: Sal. Bauer: Josef Grob, Kantor; D. Pollak, Sigmund Lötvti» Oberlehrer i. P. Eine Mazzenfnbrik auf genoffenschaftlicher Basis. In Schönlanke gebt der Ban einer neuen Mazzenfabril seiner Vollendung entgegen. Tie Fabrik ist daö erste genossenschaftliche Unternehmen seiner Art. ״Bleiben wir unter uns." Im Inseratenteil des ״Berliner Tagblattes", dem betannten Heiratsmarkt der halb und ganz Getauften finden >vir folgende vielsagende Anzeige: ..Hiesiger Großkaufmann, Vater einer evangelischen, tvohlcrzogeneu, sehr sportliebenden jungen Dame von 2:4 Jahren, mit einer vorläufigen Mitgift von 180.000 Mk.!später große Erbschaft), beauftragte mich, zwecks Heirat passenden Lebensgefährten ans grotzindustriellen Kreisen zu suchen. Herren jüdischer Abstammung, jedoch evangelisch getauft, bevorzugt." Also wollen die evangelisch Getauften jüdischer ׳.tbslainmnng nicht mehr isoliert sein. Stiftung. Ter Wiener Fabrikant Bernhard Goldstein stifte!e zum Andenken seiner Eltern 10.000 Kronen für das israelitische Altersversorgungshaus in Paks. Ter Raute des Wohltäters wurde im Altcrsvcrsorgungs- Hause aus einer Mortnortafel verewigt. Uebrrtritt eines 15jährigen Knabe» zum Judentum. Aus Bouhhad wird uns gemeldet: Vor zwei Iahreu hat sich ein jüdischer Kaufmann in Tzedres!Kam. Tolna) an die ״Israelitische Landcs-Palronage" nach Budapest gelocndet, daß man ihm einen jüdischen Lehrburschen für sein Geschäft schicken möge. Tie Patronage schickte ihm auch eineu Jungen, jedoch merkte mau bald. daß cs ein Christenkind war. Auf die Beschwerde des Kaufmannes antwortete die ״Patronage", daß das Kind eine Waise ist und von jüdischen Eltern stammt, die, als der Knabe 2—4 Monate alt war, gestorben sind und man ihn mit noch anderen vier Knaben in einem Torfe nächst Budapest in christliche Hände zur Erziehung ge geben hat und bitten, den Knaben weiter zu behalten und ihn im jüdischen Glauben zu erziehen. Der Kaufmann handelte auch danach und vor einigen Tagen erklärte der Knabe, daß er bereit sei, sich beschneiden zu lassen, was die Bonnhader ״Machsike Hadas" übernahm. Die Bcschncidung wurde in! Beisein des Bezirksarztes -t°. Verdes vorgeitommen. Anwesend waren noch :»!abbiner Pollak, Redakteur Josef Schivarz u. 11. a. -Hebräisch als europäische spräche anerkannt. Tos südafrikanische Parlament bot ein neues Emigralivnsgesetz genehmigt, lout welchem die hebräische Sprache als eine europäische spräche anzusehen ist. Jüdische Jonrnalistenkonserenz. Am letzten Tage des elften Ziouistenkongresses lud der hebräische Dichter Cb. N. Biolik sämtliche in -Wien beim Kongreß onwesenden jüdischen Schriftsteller und Journalisten, welche in hebräischer Schrift schreiben, zu einer gemeinsoiuen Besprechung behufs Gründung eines jü vischeu Journalisten- und Schriftstellerveretnes ein. Die Jargonisten erklärten ober den Hebrai sten den Federkrieg und die Auseinandersetznngen waren derartig heftig, das; die Anwesenden sehr erregt und ohne Resultat den 3001 ver ließen. Pier,ist neue jüdische Dramen. In den letzten zwei Monaten erhielt die russische Zensur vierzig jüdische Dramen, die für dos jüdische Theater bestimmt sind.׳ Raubanfall. Bclz. Im Nachbardorse Zonziel pachtete ein Jude namens 3imon Läufer einen Karten und hielt sich dortselbst während des Sommers ans. Einige Bauern, die davon Kenntnis erhielten, das׳, er Obst verkauft hat, überfielen ihn und schlugen ihn, bis er bewusstlos niederfiel, dann raubten sie einen Betrag von -15 (dulden. Der Arme rang mit dem Tode einen Tag und starb. Er hinterlässt eine Fron und vier unversorgte Kinder. 30 schaut die jüdische Parnosoh in Galizieii aus! Der einzige Trost der Familie ist, daß es der Gendarmerie gelungen ist, der Räu ber habhaft zu werden. Antizionistischer Kongreß. Jerusalem. Die arabische Zeitung ״.Hakarmel" forderte das arabische Volk in Palästina ans, einen antizionistischen Kongreß einzu berufen. Die Idee fand unter der arabischen Bevölkerung großen Anklang und man ist bereits daran gegangen, die Genehmigung der :Ilegiernng zu erlangen. Trostspende. Ehelm. Bekanntlich sst der bisnnn polnische Kreis Ehelm von der Regierung russisiziert worden. Der neue Kreishanptmann wurde von allen bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Polen empfangen. Den Inden sagte der Hauptmann zu, daß keine Pogrome Vorkommen werden. Tie Rothschilds und die Türkei. Die Rothschilds proponierten der Türkei eine Anleihe von LO Millionen. Als Gegenleislnng forderten sie ein Monopol ans den Petroleumverkaus in der Türkei. Eiitjndung Rumäniens. Philadelphia. Ter Borsteher der jüdischen Wohltätigkcitsinstitute, Herr Hermann Lob, hat soeben in den Zeitungen einen Borschlag ׳,nr Entjndung Rumäniens veröfentlicht. Der Plan geht dahin, die :>!)0.000 Juden Rumäniens in Texas anznsiedeln. Tie hierzu notwendigen Kopitalien von ungefähr 10 Millionen Dollar haden reiche jüdische Amerikaner, wie auch Sie Regierungskreise in Texas zu beschaffen verspro chen. Eine jüdische Stimme über den religiösen Liberalismus. Ter jüdische Universitätsprofessor Tr. Artue Dachs in Breslau fällt in der deutschen ״Evangelischen Kirchenzeitung" ein bemerkeuswertes Urteil über den religiösen Liberalismus und über Religion und Politik. Er sagt u. a.: Jede liberale Religion trägt den Keim des kodes in sich. Eine Religion ohne Dogmen, Geistliche und Zeremonien ist ein Phantasiegebilde, das unter keinen Umständen fähig ist, dem ein-;einen Menschen oder der ganzen Menschheit den notwendigen Halt in diesem Leben, die Hossnnng auf eine Vollendung im Jenseits 1,׳t gewähren. In dem Augenblick, wo eine Religion'״liberal" wird, fängt sie an zur bloßen Philosophie berat׳.- znsinken. Kein philosophisches Snstem hat es bisher vermocht, die inetaphpsische Sehnsucht der Menschheit zu stillen, und man darf ruhig prophezeien, daß dies auch niemals in Zukunft gelingen wird, weil jede Philosophie dem menschlichen Hirn entspringt, während die Religion eine gnadenreiche göttliche Otsenharnng repräsentiert. Die Unzulänglichkeit der bloßen Philosophie haben die größten Geister aller Zeiten an crfaiutt.Den 30(3, daß Religion mit Politif nichts zu tun bade, erkenne ich unter keinen Umständen an. Ich bin im Gegenteil der lieber zeugnng. daß die Religion die Grundlage aller Politik bildet. Ich halte es kür durchaus inkon sequent. religiös-konservativ und politisch libe ral zu sein. Die religionserhaltenden Parteien lind die staatserhaltenden und umgekehrt. Da aber das Wesen des Judentums in Religious erbaltnng liegt, so wäre es die größte Paradorie der Weltgeschichte, wenn sich die Judenheit den staatsbekämpfcnden Parteien zngesellen wollte. Wenn die Jndenheir vor die 'Alternative gestellt .wird, ob sie gemeinsam mit den positiv-christ lichen oder den liberal-atheistischen Parteien gehen will, io muß sie unzweifelhaft zu erneren holten: ״Die Mutter — die Judenheit - darf nicht die Tochter — die Ehrislenheit — verlassen, um sich der Jeindin beider anzuschiießen!" Dbkento-uesettschaft bei der 0NardSsterreiehischen Bank' IRr ladnstrie, Handel am] Landwirtschaft, regtetri*rte Ocaosaeaachaft mit beschränkter Haltung In BrOnnf Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich ffir alle einschlägigen Baakgeschulte, hauptsächlich auch rar dm -י Eskompt offener Buchforderangen unter dm aOergfinatigaten Bedingungen. Maimo indes über Körperübungc». Daß sich in den Schriften des großen Mai monides auch eine Aeußerung über den Wert der körperlichen Uebnngen findet, wird nicht überraschen, wenn man bedenkt, daß er auch ein praktischer Arzt war uitd eine ganze Anzahl me dizinischer Einzelschristen versaßt hat. In sei nein berühmten philosophischen Werke, dem More, Teil :!, c. 25, behandelt er die menschlichen Handlungen in Rücksicht ans ihre Zwecke und kommt hierbei ans gewisse Dinge zu sprechen, die von einigen als notwendig und höchst nutz!ich. von anderen aber als ganz entbehrlich be trachtet werden. Mainwnides führt hierbei als Beispiel die verschiedenen Arten von Körper ülmiigen an, welche die Kenner der Heilwissen schast als ein notwendiges Mittel zur Erlialtnng einer dauernden Gesundheit betrachten. Er ful!v! Dann fort: Wer daher körperliche Uebnngen zur Erhaltung der Gesundheit anstellt, als das Ball spiel, Ringen. Zechten, Anhalten des Atems, der wird zwar in den Angen der Unvernünftigen eine nur spielende Handlung tun: die Vernüiit tigen aber werden sie nicht für eine solche ballen. Eine Boykottaufsorderiiiig gegen Lessing. Was die Antisemiten doch für Sorge haben! Es geht das in amüsanter Weise aus dem ״Brietkosten" der ״Deutsch-Sozialen Blätter" hervor, der angerüllt i 1c mit der Beantwortung von Z-ra gen. ob der oder jener Mensch jüdisches Blut in den Adern har oder nicht, mit ähnlichen Welt erschütternden I-ragen. In einer der letzten Rum mern wird einem Ankläger folgende Antwort erteilt: ״Unseres Erachtens wird es ziveckmäßig sein, wenn Sie eine Eingabe an den Bürgerans schuß machen, um die Anssührnng van Lessings ״Rathan der Weise" möglichst zu verhindern. Auch Aufklärung durch Eingesandts in den dartigen Zeitungen und Schreiben an die Theater gesellschast dürsten zweckmäßig sein. Die Thea tergesellschast wird sicherlich nicht nur mit jü dischen Besuchern ans Stadt und Laad, iondern auch mit christlich-deutschen Besuchern rechnen müssen, wenn sie Eiiinalnnen erzielen ivill. OV rode in Ostfriesland sitzen doch viele Judengeg