Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1913)
- Date
- 1913-09-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 37 ,-Jüdische Bolksstimme. «eite 1r. Gewahr dafür, daß unsere Ortsgruppe vielen Gemein» den Rußlands zum Muster dienen wird. Wilna, Aus einer Reihe von größeren und kleine» reit Gemeinden laufen Nachrichten ein über die Grün» dnng bau Ortsgruppen unserer Agudas Jisroel-Organisation, die insgesamt für die Zukunft recht gute Früchte verheißen. Besonders erwähnenswert erscheint Uns die Ortsgruppengründung in Prusanh, BrianSk, Beissagüta, Kupischock. Altczechnowtze, Kalinkiewitz und anderen mehr. Zakopane. Unser Kurort hatte in diesem Jahre 8as Vergnügen, einen der eifrigsten Vorkämpfer der Agndas Jisroel-Beivcgung in Galizien, Herrn Isaak Thumim aus Przemysl, unter seinen Gästen zählen zu dürfen. Herr Thumim ließ sich, wie es ja selbstverstündlich ist, die Gelegenheit nicht nehmen, auch unsere Gemeinde Mit den Bestrebungen der Agudas Jisroel vertraut zu machen. Auf Wunsch unserer Gemeinde- Mitglieder hat unser verehrter Rabbiner. Herr Elias Eichenstein, eine Versammlung cinberufendie einen imposanten Verlaus nahm. Nach der BegrühungsSU» spräche Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners ergriff Herr Thumim das Wärt,- und mit der ihm eigenen zündenden Beredsamkeit, gepaart mit bewunderungswürdigen Kenntnissen in der gesamten rabbinischen Literaturlegte er die Idee der Agudas Jisroel dar. Seine Worte ernteten reichen Beifall. Zum Schluß sprach nochmals Herr Rabbiner Eichenstein ausführlich über die Agudas Jisroel. Auch seine Rede hinterließ bei den Zuhörern einen tiefen Eindruck. Eine Ortsgruppe wurde auf der Stelle gegründet. In den Vorstand Wurden gewählt die Herren: Rabbiner Elias Eichenstein, Vorsitzender, Vizepräsident Samuel Holläiidcr, Schriftführer Lehrer H. Frauwirth. Schargorod (Gv, Podolien). Die Gründung des Thorafonds ״Jessod HaMaalo" durch die AgudaS JiSrüel-Organisation wird auch hier als ein lange empfundcncs Bedürfnis mit Begeisterung begrüßt. Endsich ist eine Institution ins Leben gerufen worden, die sowohl den begüterten als auch den minderbemittelten Thorafreunden die Möglichkeit schafft, größere und kleinere Stiftungen und Legate zur Förderung des ThorastudiuMs unter Kontrolle der jüdischen Gesamtheit zu errichten. Ein Mitglied unserer Gemeinde, Herr Hillel Nachminowitz, hat damit dieser Tage den Anfang gemacht, indem er für den Thorafönd der Agudas Jisroel ein Legat vermachte mit der Bestimmung, daß von dem Erträgnisse seiner Stiftung alljährlich zwei palästinensische Jeschiwos unterstützt werden. Möge dieses Beispiel in allen Kreisen des gesetzestreuen Judcntums recht viele Nachahmer finden. Der Sohn eines Bürgermeisters. Eine jüdische Sage. In Worms lebte ein von allen Bürgern hoch angesehener Mann, dessen Sohn jedoch dem Vater sehr unähnlich tvar und cs immer darauf abgesehen hatte, auf dem Gange zur Schule und bei der Heimkehr die Juden durch Schimpfen und Steinwerfen zu belästigen. Man wußte allgemein, das; der Barer ein derartiges Benehmen seines Sohnes durchaus nicht billigte. Nachdem dieser aber seine rohe Handlungsweise nicht einstellte, gab man dem Vater davon Kenntnis, der nicht wenig erschrak. Doch als seine eindringlichfron Ermahnungen nichts nützten, machte der Vatcr dein Lehrer hiervon Anzeige, der den Jungen hart bestrafte. Die Strafe des Lehrers hatte scheinbar wohl den gewünschten Erfolg; aber es entwickelte sich gleichzeitig in dem Herzen des Jungen das Gefühl der Rache gegen die Juden, das sich mit jedem Tage steigerte. Als der Junge zu einem Studenten herangewachsen war, machte er einer Anzahl feiner Kollegen den Vorschlag, sich als Krieger zu verkleiden, Offiziere zu ernennen und in militärischer Ordnung den Weg zur Judengasfe einzuschlagen. ״Gewiß wird man uns," sagte er zu seinen Kollegen, ״dort sehr freudig empfangen. Wir laden die Juden ein, auf dem freien Platze zu erscheinen, um sich an unseren! militärischen Schauspiele zu ergötzen. Sind sie nun, nichts Böses ahnend, alle erschienen, dann töten wir sie." Auf einen derartigen schlimmen Ausgang waren die übrigen Studenten nicht gefaßt und einstimmig gaben sie ihrem Freunde ihr Mißfallen zu erkennen mit der hinzugcfügten Bemcrkung, daß ihnen nichts ferner liege, als unschuldiges Blut zu vergießen. Erst nach langen!, fortgesetzten Drängen entschlossen sie sich, den Freund nur dann in seinem fürchterlichen Plane zu unterstützen, wenn er als ״Oberster des Regiments" die erste Mordtat vollbringe. Damit einverstanden, Kaufte er sich sofort ein scharf geschlissenes Messer und mit flatternden Fahnen und klingendem Spiele setzte sich der Zug nach der Judengasse in Bewegung. Ta die Bewohner derselben nichts Schlimmes ahnten, eilten sie alle herbei. Doch kaum waren sie auf den! freien Platze erschienen, als plötzlich der ״Oberst" sein Messer hervorholt und dasselbe auf den ihm nächststehenden Juden zückt. Da ward ihm plötzlich schwach, so daß er das Messer sinken ließ und selbst zur Erde siel. Die Juden eilten herbei und nicht achtend, wer er sei, und was er zu tun beabsichtigte, kamen sie ihm zu Hilfe, eilten zur Apotheke und pflegte׳.! ihn so lange, bis er sich wieder erholt hatte. Der Wiedergenesene freute sich, daß Gottes Füguug ihn von der Ausführung einer so schrecklichen Tat ferngehaltcn hatte. Mit dem Gelöbnis im Herzen, diese edle Tat der Juden nie zu vergessen, schied er aus der Gasse. Und was er in seinem Innern feierlich gelobt, hat er als Ehrenmann gewissenhaft gehalten. Nicht nur so lauge als sein Vater noch lebte, sondern auch als dieser gestorben war und er als dessen Nachfolger wirkte: immer zeigte er sich, seinem Versprechen treu, als aufrichtiger Freund der Juden. Die Frau im jnd. Sprichwort. Eine Witwe, besitzt sie gleich ein golden Dach, ist doch eine Witwe. Ein gutes Eheweib ist ein halbes Auskommen. Nimmt der Jüngling die Witwe um ihr Brot, hat er von ihr den Tod. Ist die Hausfrau eine Katz, ist die Katz eine Hausfrau. Ein Haus ohne Frau ist wie ein Wagen ohne Räder. Einer guten Hausfrau füllt sich das Faß. Die Hausfrauen reden von den Dienstboten im Zimmer die Dienstboten von der Hausfrau in der Küch'. Besser ein häßliches Weib für sich, als ein schönes für andere. Jede ״einzige Tochter" macht sich ihre besondere Koketterie zurecht. Die ״einzige Tochter" soll man freien, das ״einzige Töhnchen" soll man scheuen. Lieber als eine reiche Köchin heirate eine arme Hausfrau. Braut und Bräutigam haben gläserne Augen. Vater und Mutter zu sein ist eine große Kunst, und alle Menschen unternehmen's. Hab' eine Tochter in der Not und einen Sohn nach dem Tod. Eine Waise hat viele Mütter. Alle Bräute sind schön, alle Toten sind fromm. Nicht das Schöne ist lieb, sondern das Liebe ist schön. Liebe ist süß — aber gut mit Brot. ütwulMmu. Eine R. Tarphon-Jnschrift in Groß-Enzersdorf. In Nr. :!2 der ״Oejlerr. Wochenschrift" d. I. macht Dr. Grunwald Mitteilung über eine in Groß-Enzersdort entdeckte Steininschrist,die eine Grabschrist des Juda den R. Tarphon enthalten soll. Dazu bemerkt Dr. Kaufmann in Ar. 34 der erwähnten Zeitschrift, die besagte Inschrift bilde eine Kopie eines in Jaffa aufbewahrten Originalsteines. Derselbe wundert sich über den Inhalt dieser Inschrift, da R. Tarphon nur eine Tochter hatte, deren Sohn später Schwiegersohn des Patriarche» R. Juda dem Ersten wurde. Sabbat! 10 a.) Dazu märe jedoch folgendes zu bemerken: R. Tarphon hatte tatsächlich einen Sohn namens R. Schimon, der Urheber einer talmudischen Halacha ist.!Scholenoth 17.) Daß er verheiratet war. wird schon s.Kidnschin 81) erwähnt. R. Tarphon, welcherseine Tochter mit ausgesuchtester Zärtlichkeit behandelte und ihr sogar jeden Abend ins Bett half, wenn sie sich zur Ruhe begab, hatte die sonderbare Gewohnheit, seine halachischeu Anschauungen mit einem Schwur beim Leben seines Sohnes zu bekräftigen. (Tosifta Oholoth 15, 12. Vgl. Tosista Ehagiga 3, Menachoth 1, 8 und Sabbat 13, 5.) Als sein Sohn im jugendlichen Alter starb, so wurde cs als Strafe für diese Redeweise des R. Tarphon angesehen.!Baba M. 85.) Es ist daher unerklärlich, wenn eine solche Grabschrist ihm in den späteren Jahrhunderten vindiziert wurde. Dr. Eisenberg, Dobrzisch. Der Austritt eines siebzigjährigen Mannes. aus dem Judentum ist ein Ereignis, das nicht alltäglich vorkommt und daher vom journalistischen. Standpunkte einige Ausmerksamteil verdient. Deshalb registrieren wir auch an dieser Stelle den Austritt des Wiener Advokaten Dr. Rudolf M a n h a r d, der früher Mandelbauin hieß. Was den im 71. Lebensjahre stehenden Greis zum Austritt aus dem Judentum veraulaßt hat. ist uns nichl bekannt; es ist auch nicht unsere Sache, diesen Ursachen nachzugehen. So viel können wir jedoch vermuten, daß Herr Dr. Manhard nicht im Begriff steht, ein Staatsamt anzutreten; deshalb ist der Austritt nur be fremdender. Expreß Oesterreich׳ Südamerika. Die Entseruungen schrumpfeii immer mehr zusammen. Während früher die Reise von Oster׳ reich-Uugarn nach Südamerika über die nördlicheu Häsen l—3 Wochen dauerte, gelangt man nunmehr über Trieft nach Rio de Janeiro in zwei Wochen, nach Buenos Aires in 18'/״ Tagen. Diese Erpretzfahrt mit dem Schnelldampfer ״Kaiser Franz Joses" der Austro-Americana wird in diesem Herbste zweimal durchgeführt, und zwar am 30. Oktober und 18. Dezemher ab Triest über Neapel und Barcelona Spanien) und Las Palmas (Kanarische Inseln». Der Anstro-Ainericanadainpfer ״Kaiser Franz Joses" ist das schnellste Schiss ans dieser Linie, es bietet allen modernen Komfort der großen Ozeandampfer, fährt außerordentlich ruhig nnd verspricht, begünstigt durch die angenehme Route, alle ttur erdenkliche Sicherheit für eine behagliche Reise. Diese zwei Erpreßsahrten empfehlen sich auch für Reisen nach den Kanarischen Inseln und nach Spanien. Anskunft erteilt tind Prospekte versendet Sie Austto-Americana, Triest. Via Molino Piccolo Nr. 2, ihre Bureaus und Agenturen sowie die bekannten Reisebureaus. Emigrantensürsorge der Israel. Allianz zu Wien. Während des Monates August l!»I3 wurden von der Zentrale der Israel. Allianz zu Wien insgesamt 240 Emigranten, davon 233 russische nnd 7 rumänische weiterbefördert, und zwar 170 nach den Vereinigten Staaten, 13 nach Argentinien, 31 nach Kanada, 2 nach England. lO nach Frankreich und 2 iiach anderen Länder». I» ihre Heimat znrückbesördert wurden 30 Rück- Wanderer. Wahrend des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate August für 23 Personen zusammen 30 Dage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 03 Personen zusammen 273 Speiseinarken für die Israel!- tische Volksküche ausgcgebcn. Da trotz der bereits vor mehreren Monaten veröstenllichten Warnung dem Bureau der Allianz noch immer zahlreiche Meldungen!in letzter Zeit ans?rebitsch. Budwcis. Pakrac in Slavonien nnd Nag!>-Kanizsai über Wandergruppen zugehcn, die mit Pferd und Wagen durch da» Land reisen und zablreiche i»■ dische Gemeinden um Nnteritichuilg angehen, so wird noch einmal mitgeteilt, daß cs sich in allen solchen Fallen um prosesjionelle Wanderbetrlcr handelt, die!ich betrügerischerweise als aus Kiew vertriebene Jaden ausgeben. Alljährlich bilden sich solche Gruppen in der Vn kowina, besonders in Sadagora. mieten oder kaufen Pferde und Wagen, da sie aus Erfahrung wissen, daß die über die Organisation der ivirklicheu Emigranten Fürsorge durch die Israel. Allianz nicht informierten Landgemeinden aus eine Vorspiegelung des Auswande rerelends hineinsallen und an jedem Orte große Saminlungen veranstaltet werden. Die umfassende Organisation der Israel. Allianz zu Wien mit ihren zahlreichen Greiizkoinitees im Vereine mit den in Rußland mit in allen Orten eiligerichteten Vertretungen geivährt de» durch Verfolg»»- gen zur Auswanderung gezwuugeuen Emigranten cussischer Herkunft Schutz und Unterstützung. Diese in n> geregelt, daß es ganz ausgeschlossen ist, daß solche Emigranten sich von Ort zu Ort betteln müssen, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Es darf speziell den Angaben der Wanderbettler, daß man ihnen in Wien die Weiterbeförderung nach Amerika oder Palänina in :'!>׳»- sicht gestellt hätte, in keinem Falle Glauben geschenkt werden und die Gemeinden täten gut, in jedem solchen Falle sich telegraphisch lim Auskunft an die Israel. Allianz zu Wien (2. Bez., Unter Toiiausiraße 33, Telegrammadresse: Jsra Wien) zu wenden. Pairschub in Ungarn. In der letzten Zeit sind vier jüdische Magnaten- Hausmitglieder, und zwar die Barone Alexander und