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Jüdische Volksstimme · 1913-09-11 · Heft 37 (11.9.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 37 (11.9.1913)
Date
1913-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 37. ״Jüdische Bolksstimme". Seite 5. dort gepflegten System der Koedukation, die er als dem jüdischen Geiste widersprechend bezeichnet. Herr Hermann Struck, Berlin, fordert von der Leitung eine scharfe Stellungnahme gegen die zunehinende Zahl der Mischehen und eine Kontrolle der von zionistischen Organisationen hcrausgegcbenen Literatur. Tr. Klausner, Odessa, Redakteur der bckanutcn hebräische» Zeitschrift ״Haschiloach", betonte, dag alle großen Bewegungen und Gedanken durch Studenten verbreitet werde», und dag die Gründung einer Universität in Jerusalem daher für die Ausbreitung des nationalen Gedankens durch die an ihr ausgebildeten Studenten außerordentlich viel leisten könnten. Auch die ökonomische» Vorteile, die der Bevölkerung Jerusalems durch das Zustandekommen der Universität erwachsen ivürdcn, sei nicht zu unterschätzen. Ter Präsident der Jüdischen Kolonialbank, Herr Tr. N. Katzeneisohn, Libau, erstattete sodann den Bankbericht. Tie Jüdische .Kolonialbank ist vor 15 Jahren gegründet tvorden und seit 10 Jahren aktionsfähig. Sie hat ihren Weg nur unter großen Schwierigkeiten machcn lönncii, denn sie ist die einzige wirkliche Volksbant der Welt und hat mehr als 150.000 Aktionäre. Ihre Hauptgründung ist die Anglo Palcstine Company, die zionistische Palästinabank, die an der gesunden Entwicklung des jüdischen Palästinas den größten Anteil hat und heute einer der größten wirtschaftlichen Machtfaktorcn des Landes ist. Außerdem hat sic die Anglo Lebantinc Banking Co. in Konstantinopel eingerichtet. Die Jüdische Kolonialbank ist das wichtigste Kreditinstitut der zionistischen Institutionen geworden. Die Bank mit ihren Tochterinstituten hat über 10 Millionen Depositen. Das arbeitende Kapital der Bank verzinst sich mit 8,1 Prozent, natürlich leidet die Entwicklung des Mutteriustituts darunter, daß der weitaus größte Teil ihres .Kapitals zur Errichtung der Tochterinstitute gegeben Ivnrde, die seit Jahren 4‘i-. bis 4•'/« Prozent Dividende verteilen. Wenn auch die Fortschritte der Jüdischen Kolonialbank nur langsam vonstattcn gehen, so kann man doch eine andauernde Entwicklung nach Vorlvärts konstatieren. Insbesondere ivird die Anglo Palcstine Company immer mehr der Träger der ivirtschaftlichen Ent- Wicklung Palästinas und einer der Hauptsaktoren zionistischcr Palästinapolitik. Durch ihre Forderungen der Genossenschaften auf Gegenseitigkeit hat sie sich ein außerordentliches Verdienst um die wirtschaftliche Hebung des Landes erworben und dabei bisher fast keine Verluste gehabt. Ohne die Anglo Palcstine Company wäre jede zionistische Arbeit in Palästina unmöglich. Schluß der Sitzung nach 1 Uhr. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, L, ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven cirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 50/0 jänrlich fallender garantierte Prämie, General-Agentur für Wien, I., Aspernplatz I, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion kür Prag, Ferdinand.-str. 20. neu, Leiter Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Löbr Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan Rössner, St. Sebartiana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitling. Hauptagentur fUr Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. Dienstag den 0. September Nachmittagssitzung. Vorsitzender Dr. W o l f f s o h 11. Tr. 330Dcnl)cintor berichtet über die ohne Debatte angenoiiiinene Ehrengerichtsordnung und wünscht, daß dieselbe einer Kommission be- Hufs redaktioneller Durchsicht übergeben werde. Dr. Heinrich Löwe spricht über die Bedeutung der hebräischen Universität, weist ans die triste Lage der russisch-jüdischen Studenten hin, denen auch nnnniehr die deutschen Universitäten verschlossen werden. Folgender Antrag bezüglich der Universität in Jerusalein wird mit allen gegen drei Stiminen angenoininen: ״Der Kongreß beschließt, das A. C. zu beaustragen, eine Kommission einzusetzen zum Zwecke der vorbereitenden Arbeiten für die Gründung einer hebräischen Universität in Jerusalem." ZIatopolski als Referent des ״Kedem" hält ein kurzes Resümee und wird mit reichein Beifall belohnt. S o k o I o w macht dem Kongreß die Mitkeilnng von der Gründung einer allgemeinen nationalen Organisation der Sephardim. (Großer Beifall.) In die Budgetkommission werden durch en bloc-Abstiinmung gewählt: Dr. Heymann, Levite, Rosow, Dr. A. Margulies, Cowen, Dr. Halpern, Dr. Klee. G o l d b e r g übermittelt den! Kongreß auf die Palästinaarbeit bezügliche Anträge von Dr. Mafie-Jerusalem, Trietsch, Farbstein. Julius Simon feiert unter stürmischem Beifall den hochherzigen Förderer der zu errichtenden Universität und des Jaffaer Gymnasiums Herrn Moser. Herr L i p s k y beantragt eine Reformierung der Geschäftsordnung. Herr Dr. Friedman n beantragt die Gründung eines jüdischen Museums in Jerusalem. Pros. Tr. Weizmann: Im Aufträge des Permancnzansschusses habe ich folgende Erklärung abzugeben: Ter Permanenzausschuß hat in seiner Sitzung am Sonntag den Beschluß gefaßt, daß nach seiner Meinung das Große A. C. mit dem Aufsichtsrat der Bank identisch sein soll. Auf Ersuchen des E. A. C. aber, welches sich im Laufe des Kongresses mit der Bankleitung verständigt hat, hat der Permanenzansschuß darauf verzichtet, auf Durchführung des Beschlusses weiter zu bestehen. Indem ich diese Erklärung im Namen des Permanenzausschusses abgebe, stelle ich gleichzeitig den Antrag, über alle weiteren Erklärungen und Anträge zu diesem Punkte zur Tagesordnung überzugehen. (Beifall.) Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Die Schlußsitzung des Kongresses. Dienstag den 9. September, JP/V zihr abends. In der letzten Sitzung des elften Zionistenkongresses wurde das von der Budgetkommission des Permanenzausschusses revidierte Budget beraten, das nunmehr nach dem Bericht Dr. Heymanns in Einnahme und Ausgabe mit 2-12.000 Mark abschließt, gegenüber dem Voranschlag des E. A. C., der mit 220.000 Mark balancierte. Der Einspruch Eownes gegen einen Posten des Budgets wurde durch die nahezu einstimmige Annähme des Budgets erledigt. Die Vorschläge des Permanenzausschusses wurden dem Kongreß wieder von dem traditionellen Referenten dieses Ausschusses. Prof. Dr. Weizmann, unterbreitet. Für das Engere Aktionskomitee wurden vorgeschlagen: Prof. Dr. Otto Warbnrg-Bcrlin׳. Rechtsanwalt Dr. Artur Hantke-Berlin: Dr. Viktor Jacobson-Konstantinopel׳. Dr. Schmarja Levin-Haifa! Nahum Sokolow-Berlin׳, Dr. Jechiel Tschlenow-Moskan. Die Liste wurde einstimmig en bloc angenominell. In das Große Aktionskomitee wurden auf Vorschlag des Permanenzausschusses gewählt: David Wolffsohn-Köln. Justizrat Dr. M. I. Bodenheimer-.Köln. Jean Fischer-Antwer- Pen, Tr. Frank-Altona, Tr. Friedemann-Wiesbaden, B. A. Goldberg-Wilna, Dr. H. G. Heymann-Berlin, Wladimir Jdelsohn-Petersbnrg, Jakobus Kanu-Haag, Ingenieur Keßler-London. Rechtsanwalt Tr. Klee-Berlin. Ingenieur Kremenetzky-Wien, Tr. Alerander Marmorek-Paris, Leo Motzkin-Berlin, Naiditsch-Moskau, I. Poblischewski-Warschau, Dr. Leon Reich-Lemberg, Rosoff-Petersburg, Rechtsanwalt S. Rosenbanm-Minsk, Heinrich Schein-Galatz, Julius Timon-Mannheim. Adolf Stand-Lemberg, Oberingenieur Stricker-Wien, Ingenieur M. Ussischkin-Oüessa. Prof. Tr. Chaiin Weizniann-Manchcster. Prof. Warburg sprach danach dem Präsidium den Dank aus, begrüßte die Wahl Dr. Tfchkeiiows in das Engere Aktioiiskomitee und verweilte in warmen Worten bei der sympathischeu Haltung der Wiener Bevölkerung und der österreichischen Presse. Tie folgende Resolution, die von Rabbiner Tr. Osias Thon-Krakau eingebracht wurde, fand debattelos die Zustimmung des Kongresses: ״Der Zionistenkongreß als legitime Vertretung der größten jüdischen Organisation aus allen Ländern der Welt erhebt aus Anlaß des Kiewer Beilisprozesses feierlich Protest gegen die ungeheuerliche Beschuldigung, daß es Juden gäbe, die zu Religionszwecken Menschenblut verwenden. Wir brandmarken es als einen Schandfleck unserer Zeit, daß man es wagen kann, einen solchen wahnwitzigen Verdacht zu erheben gegen unser Volk, das drei Jahrtausende Menschheitlicher Hochkultur durchlebt hat und das der Menschheit Nächstenliebe und Humanität gelehrt. Im Namen der Solidarität der gesitteten Menschheit fordern wir die ganze Kulturwclt auf, gemeinsam mit nns den Kampf zu führen gegen die finstere Barbarei, und uns zu helfen, unsere geichändere Menschenwürde und verletzte Volksehre zu verkeidigen und zu schützen." Sodann erhielt Ehaim Nahum B i a l i k. der berühmte hebräische Dichter, das Wort ׳,a einer Ansprache, in der er die Gründling der jüdischen Universität in Jerusalein als Sen Be ginn einer neuen Aera feierte. Ingenieur Syrkin-Kiew dankte dem Präsidenten des Kongresses David Wolffsohu für die umsichtige Leitung der Verhandlungen. Mit einem Schlußwort Wolfssohns und dem tausendstimmigen Gesang der ״Hatikwah" wurde um halb 12 Uhr der elfte Kongreß geschlossen. Der Gang;um Grabe Her;ls. Sonntag vormittags, nm 10 Uhr, versamtnelten sich über 8000 Zionisten, größtenteils Teilnehmer und Gäste des Kongresses, bei der Wiener Hochschule sur Bodenkultur, um einen gelneiusamen Besuch des GrabcS von Tr. Theodor He rzl zu unternehmen, des lOOl verslorbeneu Begründers der zionistischen Bewegung. Am Grabe, an dem die jüdischen Studentenverbinduugen Wiens einen großen Lorbeerkrauz uiedergelegt hatten, sa»g Lberkantor Do» stuchö von der Wiener Kultusgemeiude den jüdischen Tcanergesaiig, ..El mole rachainim". TaS Tesile der Teilnehmer am Grube dauerte über ein und eine halbe Stunde. Der Czernowitzer Gesangsverein in Wien. Freitag den 7>. September stellten sich nns die Czernowitzer Sänger zum erstenmal in einer Konzertmatinee vor. Ans dem Motto, das sie sangen, tönte uns schon die ganze Macht, die ganze Kraft des jüdischen Liedes entgegen. Wie das durch den Saal klang, wie mächtig der Ge sang auf unsere Seele wirkte. Frendentränen hätte man weinen können, denn der Gesang der hebräischeil Lieder erschütterte nns tief. In Wien mußten wir in vielen Punkten unsere Organ! iationen bezüglich ihrer Disziplin tadeln, aber für den Czernowitzer Gesangsverein hatten wir diesbezüglich nur hohe Bewunderung übrig. Da sahen wir wie das jüdische Lied zu Manneszucht erziehen kann, zu einer begeisterten schwärmerei für unsere Sache vielleicht mehr, denn so manche getane Arbeit für den Zionismus. Da gibt es nur einen herrlichen Akkord, der durch keinen Mißton gestört wird. Unsere Sänger sind eins in dem Gedanken, dem jüdischen Liede;1t neuem Glanze zu verhelfen, daß er uns wieder so scheine, wie zu Davids und Salomos Zeiten. Unsere Sänger brachten uns hebräische Lie der und Lieder im Jargon. Ter Unterschied ist im vorhinein gegeben. Hier das Leid und die Trauer in der Diaspora, dort die Kraft und die Macht unseres Volkes. Sie jubelten uns zu die herrlich gesungenen Psalmen, sprechend von ver gangeuer Größe, sie sprachen eine beredte Sprache, die Jordanslieder, die nns fühlen ließen, daß wir auch heute noch ein Volk sind, das ein Recht hat, als solches zu leben und sich in seinem Volkstum zu freuen. Wir sind uns schon lange darüber klar, daß das Turnen die körperliche Regenera tiou für das Judentum bedeutet und wir können behaupten, daß das jüdische Lied ein Großteil der seelischen Regeneration unseres Volkes bedeuten wird. Die Darbietungen des Vereines standen ans voller Höhe. Zu bewundern ist die Technik der Sänger und Herr Rosensteg, der Dirigent des Vereines, kann stolz auf das Geleistete zurückblicken. Wie wunderschön ist das Piano, das An- und Abschwellen der Töne. Kraftvoll erbeben sich die Tenorstimmen, während Bariton und Baß zuriickhaltend begleiten, und wundersam klingt der Chor ans. Auch die Solisten. Herr Schächter und Wand (beide Vereinsmitglieder». entzücken nns durch ihre warmen, hellgesnngenen Tenor soli. Sonntag gaben die Czernowitzer Sänger wieder ein Festkonzert, bei dem wir auch Herrn G o l l a n i n s schönen Tenor bewundern konn len. Er sang auch hebräische Lieder und sehen wir in ihm einen Mann, der eine Zukunft hat. Frl. Margery Bentwich. eine junge Geigerin, spielte gestern zum erstenmal in Wien lind ja» den wir in ihrem Spiel eine sein airsgeglichene Technik, die ihr die schwierigsten Läuse und Griffe leicht macht.

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