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Jüdische Volksstimme · 1913-09-11 · Heft 37 (11.9.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 37 (11.9.1913)
Date
1913-09-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ״Jüdische Volksstimme. Nr. 37. Durch die Gründung einer Parzcllierungsgenossenschaft hal׳c man cs ermöglicht, ausgeschlossene Güter zu erwerben; die Errichtung der Grossfarmcn Kincrcth und Ben.Lckemcn habe die Ausbildung landwirtschaftlicher Arbeiter möglich gemacht. Tic ״Tat von Kinereth" sei die Voraussetzung gewesen für die Entstehung blühenden jüdischen Lebens am Tibcriasscc, sür die Gründung von Merchawja und Migdal und Dagania, für die zukunstsrcichc Achusa-Bcwcgung und schliesslich für das Entstehen der Mädchensarmcn zur landwirtschaftlichen Ausbildung von Kolonistinncn. Die Frage der Bcschäfligung van jüdischen Arbeitern sei eine Notwendigkeit. Tie Umsätze des Palästinaamtcs hätten sich in den letztcn fünf fahren vcrdrcitzigsacht. Während 1908 der Umsatz 208.00(1 Franken betrug, habe er im ersten Halbjabr 191.S bereits die Summe von dreieinhalb Millionen Franken überschritten. David T r i c t s ch, Berlin, hebt hervor, das Paläitinaamt habe sich ein Monopol aus die Palästinaarbeit verschafft und dadurch tvürdcn eine Unmenge der besten Projekte nicht ausgcführt. Redner übte scharfe Kriiik an der Einrichtung der Baumspcndc, die durch eine absolut verkehrte, aus viel zu kleine Grundlagen ziigeschnittenc Ausführung, ihre ungeheuren Chancen absolut nicht ausgcnutzt hätte. Verkehrt sei auch die ein-!'eilige Betonung des landwirtschaftlichen Charktcrs imscrer Kolonisationsuntcrnehmungcn. Durch Einführung von Jnduslrieen würde nicht nur die Entwicklung des Landes erheblich gefördert, sondern könnte auch ein zah- Icnmähig viel stärkeres jüdisches Element in das Land gebracht und dort unterhalten werden. Notwendig sei die Errichtung einer besonderen Palästina-Zentrale inncrbalb der Leitung. Der nächste Redner, Herr I. H. K a n n, Haag. :>iedner!vandtc sich gegen die Behauptung, dass er und seine Freunde Gegner der praktischen Palästinaarbeit seien. Sie wünschen diese Arbeit, aber sic sind mit den Methoden der jetzigen Arbeitssührung nicht cinvcrstanden. Der Redner sicht das prinzipiell Verkehrte dieser Arbeitsweise in der Neigung zur Ilcberslürzung, zum allzu schnellen Zugrciscn, zur Vielgründung. Er vcrlangt keineswegs, dass die kolonisatorischen Untcrnch- »ningen alle rentabel sein müssen. Tatsächlich seien aber auch die Farmen nicht einmal gut geführt. Die Gelder des Nationalfonds seien über die zulässige Grenze hinaus in Palästina investiert. Die Leitung versuche das Ilnerfrenliche dieses Zustandes zu verschleiern, und das sei unrecht. Nur die allergröhtc Klarheit und Offenheit könne die Paläsiinaarbcit zu einer gedeihlichen Entwicklang bringen. Herrn Kann antwortet Tr. Schmarja Lewin. Er sieht den prinzipiellen Unterschied in der Auffassung Kanus und der Mehrheit der Zionisten und des Kongresses in dem Ouantum der Begeisterung. Herr Kann und seine Freunde seien gewiss für praktische Paläsiinaarbcit, aber nur innerhalb einer eng umzogenen Grenze. Wenn das jüdische Volk in Palästina Einfluss gewinnen wolle, so müsse cs alle sich bietenden Gelegenheiten ergreifen. Es sei unrichtig, dass die zionistischen Kolonisationsnnternebmungcn schlecht geleitet würden. Mit der Kannscheu Methode wäre auch das verhältnismässig Wenige, das jetzt schon in Palästina eristicrc, niemals geschehen. Eine grosse Volksbewegung müsse ganz anders angcschaut tvcrden, und cS sei das Glück und die Bedeutung der zionistischen Beivegung, dass diese sich von jener :>!echenmetbode sreigemacht und sich ohne lange lieberlegnng mit der ganzen Fülle ihres Empsindens und der ganzen Krast ihres Vermögens aus die Arbeit in Palästina geworfen. Montag de» 8. September, Vormittagssitzung. In der Fortsetzung der Paläsiinadebatte entwickelt Tel. David 'ft e l l i n, Jerusalem, in längere» Aussührangen die Forderungen und Erlvartungeu der palästincnsischcn Fndcnheü, die etwa darin gipfelt, die durch de» Baltantrieg eingetretene Auswandererbeivcgung nach Syrien Innzuienken und die Verbesserung des Verhältnisses zur arabischen Bevölkerung und Schafsang einer Filiale des Paiästinaaintes in Jerusalem, die »ordereilende Schrille zur Schaffung einer allgemeinen Organisation der paläninensiscben Fudenbeitcn Herr Nabum Lola low verbreitete sich sodann über die Bedeutung der Gelvinnung der amerikanischen Faden sür den Zionismus, insbesondere der in der letzten;!eit geivonnenen Persönlichkeiten der Herren Natban Straus; und Jakob Brandeis. Der Präsident des E.alizischcn Zentralkomitees teilte sodann unter slürinischem Beifall der Versammlung mit, dass die von Herrn Dr. W. Zipper cingeteilete Sammlung von 100.000 Franken für das hebräische Gymnasium i» Ferusalem soeben abgeschlossen sei. Ilssischlin stellt fest, dass wir in den letzten zwei Fahren trotz mancher Fehler, die unvermeidlich lvaren, sehr bedeutend vorwärts gelommcn sind. Wenn wir jetzt mit Mcrchalvjah im Eine! Jisrccl Fass gefasst habcn, wenn wir hier jetzt nicht nur Boden, sondern auch jüdische Arbeiter haben, die ihr Leben dafür cinsetzcn, um uns eine neue wichtige Position zu erobern, so geht cs nicht an, zu fragen, wieviel wir dafür zu zahlen hatten. Das Gleiche gilt auch für Kincrcth, die Lehrsarm für Arbeiterinnen in Palästina. Als die wichtigsicn Ausgaben der Palästinaarbcit bezeichnet der Siedncr die Durchsetzung des Prinzips der jüdischen Arbeit, die Schaffung einer Agrarbank und die Einleitung einer grosszügigcn Aktion zur materiellen und kulturcllcn Hebung Jerusalems. Sodann nahm der Leiter des Palästinaamtcs, Herr Dr. Ruppin, das Wort und ivandte sich insbesondere gegen die Angriffe des Herrn Kann. Es könne gar keine;•lebe davon sein, dass die Summen, die Herr Kann als verloren bezeichnet habe, irgendwie als Vcrlust zu buchen seien. Fm Gegenteil seien etwa 90 Prozcnt der vom Nationalsonds in Palästina angelegten Gelder nach bankmäßigen Grundsätzen gedeckt und auch der geringe Nest, der für die Vorbereitung und Besitzcrgrcisung der Ländereien habe aufgcwendct werden müssen, könne keinesfalls als verloren bezeichnet werden. Nach Dr- R u p p i n kritisierte der Farmlciter T 0 lk 0 wsky aus Palästina Einzelheiten der Arbeit der Paleslinc Land Development Company. Er vcrlangte einen stärkeren Einfluss auf die Alliance-Schulen im nationalen Sinne, um die Auswanderung von Kolonistcnsühnen zu verhindern. Montag den 8. September» Nachmittagssitzung. Von den gewählten acht Gcncralrcdncrn kamen zuächst die palästinensischen Delegierten Ahroncwitsch und Doktor Bogratschclv zum Worte. Ahronowitsch kritisicrtc die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds in Palästina, insbesondere mit Bezug auf die Gründung dcS Stadtviertels Tel-Awiw in Jaffa, die mit dem eigentlichen Zweck des Nationalfonds nichts zu tun hätte. Dr. B 0 g r a t s ch c tv!nacht der Leitung zum Vorivurs, daß ihr der Zionismus mehr eine Ideologie, als eine persönliche Lebensfrage sei. Das Palästinaamt inlercjsicrc sich viel zu wenig für die industriellen Möglichkciten in Palästina und in der Arbeiterfrage begehe man den Fehler, nur für die organisierten Arbeiter zu sorgen, die sich ziemlich gut selbst Helsen könnten. Während z. B. die Jasfacr Handwerker sich selber überlassen blieben. Herr K a n n hält die von ihm in der Sonnabendjitznng vorgcbrachtcn Vorlvürsc aufrecht, und verlangt die Einsetzung eines kaufmännischen Beirates für das Palästinaamt. Herr B. Goldbcrg betont, dass die Anglo Pa- Icstinc Company, die Zionistische Bank in Palästina bereits ja einen kaufmännischen Beirat des Palästinaaintes darsicllt. Israel S ch 0 ch a t, Delegierter des palästincnsischon Arbcitervcrbandcs Poalc Zion, betont die überragende Bedeutung des Landcrwcrbs. Leider geschehe nach dieser Richtung viel zu wenig. Auch für den jüdischeu Arbciterstand, namentlich für die Heranziehung oer jemenitischen Fanden, tonnte noch viel geschehen. Abraham Goldbcrg. Ncwyork, hält bei aller Anerkennung der Paläsiinaarbeit doch die grösste Vorsicht für geboten. Julius S i 1» 0 n, Mannheim, betont, dass cs zwei verschiedene Arten von Kritik gäbe. Eine, die fördern ivill, »nd eine solche, die zur Vernichtung der Arbeit führen muss. Leider müsse er erklären, dass die Kritik des Herrn Kann zu der ziveitcn Kategorie gehöre. Herr Kan» habe gesagt, man habe mit der Palästinaarbeit begonnen, nur um die Massen zu befriedigen. Das heweisi, dass er die Bedeutung der Arbeit verkennt. Dr. Bodcnhcimer gebt auf die einzelnen, von den :•iedncr erhobenen Eimvände ein, besonders ans diejenigen von Herrn Kann, die er sich nur so erklären kann, dass Herr Kann falsche Schlüsse aus den Zahlen des Nationalfonds gezogen hat. Der Bodenbesitz der P. L. D. E. hastet uns nämlich vollständig für den dieser Gesellschaft gewährten Kredit. Herrn Kaplansky mit seiner Forderung einer Unterstützung der Genossenschast verweist er aus die Betonung dieser Notwendigfeit im NationalfondSbericht. Das Direktorium des Nationalsonds Hai die einzelnen Kolonisatioiismcthoden sorgfältig studiert, hat Tausende für Gutachten ausgcgeben und fordert nun vom Kongress, dass er seine gewissenhaste Arbeit durch neues Vertrauen belohne. Dr. Kaplansky von der Arbeiterpartei Poalc Zion gehl ausführlicher auf die Notwendigkeit ein, einen jüdischen Bauernstand in Palästina zu schaffen, da durch Erwerbung des Bodens durch Privatbcsitz allein die jüdische Frage nicht gelöst lverden könne. Da die Erfolge der SiedelnngSgenosscnschast in Merchawja noch zu ungewiss sind, um ein Urteil zu ermöglichen, ivünscht der Redner im Namen der Poalc Zion, dass man eine weitere gnosscnschaftliche Kolonie begründe und stellt ferner den Antrag, der Gcnossenschaftssonds möge durch einen Betriebsfonds sür die Genossenschaften ergänzt lverden, damit der vom Nationalsonds gekaufte Boden auch wirklich bearbeitet werden kann und ein wirklicher jüdischer Landarbeiterstand sich entwickelt. Nach einem Schlußwort von Tr. Nuppin brachte namens der Palästinakommission Dr. Holpern folgcndcn Antrag ein: Der Kongreß billigt die vom Engcrcn Aktionskomitee dem Nationalsonds und dem Paläjtinaamtc geleistete Kolonisationsarbeit und fordert deren Fortsetzung und Ausbreitung auf Grundlage der bisherigen Prinzipien. Ter Antrag wird einstimmig angenommen. Montag den 8. September, Nachtsitzung. Die cingcschobcnc Nachtsitzung am Montag, den 8. September, gestaltete sich zu der zweifellos bedeutsamstcn Sitzung dcS elften Zionistcnkongresscs. Die Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem, die den Hauptinhalt dieser Sitzung bildete, lvurdc um einen bedeutsamen Schritt vorwärtsgebracht. Von der Tribüne des Kongresses konnte verkündet werden, daß mehr als 500.000 Franken bereits vor der öffentlichen Diskussion über diese Frage sür die Gründung der Universität gezeichnet worden sind. Die Sitzung begann mit einem von Herrn Zlatopolsky, Kiew, erstatteten Referat des Herrn Feldstein, Warschau, über den Kulturfonds ״Kcdem", für den Herr Feldstein bereits 500.000 Fankcn gestiftet hat. Dieser Fonds dient der Pflege der hebräischen Literatur in Palästina. Hieraus erstattete Herr M. U s s i s ch k i!!, Odessa, sein Referat über jüdische Kulturarbeit in Palästina. Seine in hebräischer Sprache gcniachtcn Ausführungen gipfelten in dem Verlangen, daß der Kongreß die Organisation zur intensiven Pflege der hebräischen Sprache verpflichte. Sodann erstattete Herr Prof. Dr. W c i g m a 1111 ein ausführliches Referat über die Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem. Er erwähnt, dass bereits der fünfte Zionistenkongrcss zu Basel im Jahre 1001 das Aktionskomitee beauftragt habe, die Frage der Gründung einer jüdischen Hochschule einem gründlichen Studium zu unterziehen. Theodor Hcrzl hatte damals schon Schritte unternommen, um von der türkischen Regierung eine Konzession sür die Universität zu erhalten. Aber infolge drängender anderer Probleme trat das Projekt in den Hintergrund. Das Beispiel der Universitäten in Beyrouth und Brussel beweist, daß man auch mit sehr kleinen Mitteln ansangcn kann, um das Institut durch Fleiß und kluge Leitung allmählich zu bedeutendem Ansehen zu bringen. Die medizinische Fakultät in Beyrouth wurde 188.8 mit vier Professoren und elf Studenten eröffnet. Sic erhielt von der französischen Negierung einen einmaligen Kredit von 150.000 Franken und eine jährliche Subvention von 30.000 Franken. 1894 zählte die Fakultät 100 und heute über 400 Studenten, obwohl die ottomanische und die französische Regierung erst 1898 die Diplome der Universität Beyrouths anerkannten. Professor Wcizmann legt aus Grund der bisherigen Vorarbeiten einen Kostcnvoranschlag für eine medizinische Fakultät vor, der 1,240.00 Franken einmalige Aufwendungen und ein Jahrcsctat von 240.000 Franken Vorsicht. Für eine juristisch-staatswissenschastlichc Fakultät werden 100.000 Franken einmalige u!1d 75.000 Franken jährliche Ausgaben erfordert. Als Lchrsprache käme sowohl aus natiolialcn, wie aus praktischen Gründen nur das Hebräische in Betracht, das ein gemeinsames Band für die in sprachlicher Beziehung bunt ziisammengesetzte Studentcnschast bilden tvürdc. Der;)leferent erklärt am Schluss, der Kongreß sei sich gewiss der Schwere der Aufgabe belvußt und er müsse sich auch hüten, Projekte in die Welt zu setzen, ohne materielle Grundlage zur Realisierung. Es sei aber an der Zeit, ernste Vorbereitungen zu trcffen und wenn dann die Grundfragen geklärt seien, mit der Agitation und der Sammlung von Fonds sür dieses bedeutsame Projekt zu beginnen. An das Referat Wcizmann schloss sich die sögenannte Kulturdcbattc, die bis spät in die Nacht hinein dauerte. Es sprachen der Grossrabbiner Dr. Gasier, Lon- Von, Herr Referent Taichcs, Herr Rafsalavsky, Ekaterinoslaw, Tr. Mossinjohn vom hebräischen Gymnasium in Jaffa, sowie Tr. i'k'Uiu, Jerusalem. Tirnsta!, bcn 9. September, Bormittagssitziing. Als erster Gencralredncr in der Kulturdebatte kam Herr Tr. Bendcrsky, Kiclv, einer der Initiatoren der Universität, zu'Wort. Eine Reihe bedeutender jüdischer Gelehrter, mit denen er Rücksprache genommen habe, hätten sich zur Förderung der Sache schon zur Verfügung gestellt. Für das Zustandekommen der Universität müssen auch alle diejenigen cintrcten, die die ivachsendc Taufbcivcgung, insbesondere in Rußland, mit Unruhe verfolgen. Die Errichtung einer Hochschule in Palästina sei nicht nur praktisch von höchster Bedentung, sondern auch ein politischer Akt von größter Not- Wendigkeit. Rabbiner :)i c i n e s, Lida, übt Kritik an dem hebräischen Gymnasium in Jaffa und insbesondere an dem r L

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