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Jüdische Volksstimme · 1913-09-11 · Heft 37 (11.9.1913) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 37 (11.9.1913)
Date
1913-09-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. ״Jüdische Bolksstimme". Nr. 37. Me Mitwirkenden wurden mit Beifallsstürmen überschüttet und gerne kamen sic dem Wunsche nach, dein begeisterten Publikum, das den Beethoven- und Musikvercinssaal bis aufs letzte Plätzchen füllte, Zugaben zu gewähren, so das; das Konzert am Sonntag sich weit über Mitternacht ausdehnte. Den Czcrnowitzcr Sängern aber unseren Vesten Dank, sic werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. R. N. Korre!pvt,l!cnz(n. Brünn. Sonntag den 14. d. um 12 Uhr mittags findet die Trauung des Frl. Anna Wolf, Tochter des Herrn G. S. Wolf, mit Herrn Dr. A. Grünspann statt. Unsere herzlichsten Glückwünsche. Die Red. Austerlitz. Am (>. September nachts wurde im hiesigen Tempel zum vierten Male ein Einbruch verübt. De», Täter gelang cs, die Jad vom ת״רה “ßD zu stehlen, die ,צדקד Büchse, die sehr starke ירושלים Büchse zu erbrechen und auszuraubcn. Von dem Täter kehlt jede Spur. Kojctcin. Samstag den 30. August feierten Herr Hermann und Frau Fanni Drucker das Fest ihrer vOjähriger Hochzeit im Kreise ihrer Kinder und Enkel. Der Vorstand der Kultusgemeinde und der Chewra Kadischa entsendeten durch eitle Deputation den Jubilaren ihre Glücklvünsche. Herr Kantor Grünspan brachte während des Gottesdienstes einen hierzu verfaßten Misä-eberach zum Vortrage. Dem Paare wünscheu wir ein ad mco schonim. Zwittau. Kurz nacheinander haben wir in letzter Woche die zwei ältesten Mitglieder unserer Kultusgcmcindc und zugleich die ältesten Bewohner unserer Stadt zu Grabe getragen: Frau Rosa Koralck und Herr» Hermann W i n t e r n i tz. Erstcrc erreichte ei» Aller von 95 Jahren, letzterer starb im 87. Lebensjahre. Frau Koralcl stammte aus Goltsch-Jcnikan, von wo sie nach dem Tode ihres Gatten nach Zwittau übersiedcltc. Sic war eine schlichte, fromme Frau, die zu den eifrigstcn Besuchern unseres Gotteshauses gehörte. Sic hat am verflossenen Vcrjöhnungstagc gefastet und harrte den ganzen Tag im Goticshause aus. Herr Hermann Winlcruitz, der einige Tage später ins Jenseits abberufcn tvurdc. galt als der Frommste und Gelehrteste unserer Gemeinde. Kaufmann von Beruf, war er ein Muster der Einfachheit und Bescheidenheit und erfreute sich in allen Schichten und Kreisen der Stadt und Kultusgcmeinde der gröhten Hochachtung und Wertschätzung. Anläßlich seines 80. Geburtstages verlieh ihm der hiesige Oiabbincr Dr. Felix Kanter mit Einverständnis des mährischen Landcsrabbincrs Herrn Tr. B. Placzck den Maurcnutitcl. Der Verblichene gehörte noch zu denen, die den Sabbat streng nach Vorschrift feiern und besaß ein bcdclltcndcs Wissen auf jüdischem Gebiete. Ein unabsehbarer Zug von Leidtragenden gab dem Verblicheneu das letzte Geleite. Des hcrannahcndcn Sabbats tvegen mutzte sich der Herr Rabbiner nur auf einige Worte des Abschiedes an de» Verstorbenen beschränken. Das Andenken dieses Fromme» sei gesegnet. L. Egcr. (Rabbinerinstallation.) Am Vorabend des Sabbats (5. b.) wurde Se. Ehrw. Herr Tr. Arnold Grünfcld bei folgend geübter Zeremonie in fein heiliges Amt cingcführt: Nach Vollendüng des Minchagebetcs begab sich Herr Knlinsvorstchcr Ed. Löwy, umgeben von den beiden Herren Tempelvorstchcrn Bernhard und Edm. Kohn, in den Gemeindesitzungsfaal, von wo aus sie den ncugcwählten Rabbiner in den Tempel geleiteten. Das Gotteshaus war festlich belcnchrct. weis; gekleidete Mädchen bildeten Spalier und vom Ehorraunic erscholl in feierlichen Akkordcn ein Einzugsmarsch. Vor dem Altar angelangt begrüßte der Vorsteher den Seelsorger mit den Worten: ״Boruch-Habbo!" und markierte in knappen Worten, ausgehend vom Satze des Wochenabschnittes ״Ki wan wochar Haschern" die hehre Aufgabe des Rabbiner. Herr Dr. Grünfeld dankte für die Begrüßung und vcrsprach feine ganze fugcndliche Kraft dem heiligen Dienste der Seelsorge weihen zu wollen. Hierauf richtete des Vorstehers Töchtcrlei einen vom Hrn. Oberkantor Wilkowilfch verfaßten Spruch an den Gefeierten und überreichte einen schön gewundenen Blumenstrauß. Vor Kiddusch bcstieg Herr Dr. Grünfeld die ihm nun gewordene Kanzel und hielt die mit dem Leitmotive: Zcdek, zedek tirdauf.... Antrittsrede, die ungcteilten Beifall erregte .Auch Samstag nach der Thoravorlcfung wurde dem neuen Rabbiner durch einem Mifchcberach gehuldigt, den Herr Oberkantor Wilkowitfch in klassischem Hebräisck verfaßt hatte und feierlich zum Portrage brachte. Wien. Sonntag den 14. d. findet die Trauung des l Herrn Dr. Karl Pick mit Frl. Jenny Rosenbcrg um 2 Uhr nachmittags im Tempel, 1. Bez., Seitenstättengassc, statt. Unsere herzlichsten Glückwünsche. Die Redaktion. Nagy-Karoly. lLberrabbincr-Jnstallation.) Nach neun monatlicher Vakanz wurde am 31. v. M. die hiesigc altchrwüedigc Olicrrabbincrstellc mitdem Vinkovcaer Hbcrrabbiner Lazar Schönfeld, dem Schwiegersöhne unseres unvergeßlichen, so frühzeitig dahingerafften Oberrabbincr Efraim Fürst s. A. in höchst feierlichcr Weise besetzt. Zum Empfange des mit seiner Familic kommenden Oberrabbincrs fuhr eine sechsgliedrigc Deputation bis Ermihalyfalva entgegen, wo Vize- Präses Herr L. Weiß den neuen Oberrabbiner mit Herzlichcn Worten begrüßte. Am Bahnhöfe hier erschien untcr Führung des Gemeindepräsidenten Berger die 50glicdrigc Repräsentanz vollzählig und eine unüberschbare Menge zur Begrüßung des neuen geistigen Ober- Hauptes. Herr Gemeindcpräscs Berger richtete eine schöne Ansprache an den Oberrabbincr, welcher dieselbe geistreich beantwortete. Der Ausschuß des Jüdischen Fraucnvcrcincs empfing die Familie des Obcrrabbiners und Präsidentin Frau Dr. Somossy überreichte, der Gattin in Begleitung herzlicher Worte ein sehr schönes Bukett. Der Einzug in die Stadt gestaltete sich zu einer imposanten Manifestation für den jungen geistigen Führer, dem die Stadt ihren Prachtwagcn zur Verfügung stellte. In der Wohnung angclangt, wurde Herr j Oberrabbincr Schönfcld und Familie von Groß und Klei» der Kehilla hcrzlichst beglückwünscht. Die eigent-! Ische Jnstallationsfcier begann nachmittags um 5 Uhr. Eine Deputation der Gcmcindcrcpräsentanz führte Herrn Oberrabbincr in den festlich geschmückten Tempcl, bei dessen Eingang Advokat Herr Dr. Antal den anlommcnden Oberrabbincr in einer sehr schön gchaltcncn Rede begrüßte. Im dicht besetzten Tempel, wo auch die Vertreter der Behörden und Konfessionen anwesend waren, leitete die Feier Herr Oberkantor Kofflcr mit schönem Gesang ein. Nach Mincha bestieg der greise, ehrwürdige Debrecziner Oberrabbincr Kraus die .uanzel und führte den jungen Kollegen in sein hehres Amt ein. Tic Rede mit ihrem Schwünge und Gedankenreichtum übte auf alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck aus. Hierauf hielt Herr Öbcrrabbincr Schönfcld seine Antrittsrede, die durch ihre Schönheiten alle Zuhörer entzückte. Zu seinem Programmc machte er: "Zu hüten und zu lehren die Gesetze unseres Glaubens, welche im Schulchan Aruch gesammelt, von den Gloffatorcn authentisch erklärt, interprcncrt sind. Religiöse Erziehung der Jugend, PatriotiSmus, Frieden und Nächstenliebe. Fest der jüdischen Turnerschaft. Den Höhepunkt aller Veranstaltungen der Kongrcßtage bildete sicherlich da sFcst der jüdifchcn Turnerschaft, welches Sonntag nachmittag auf dem Sportplätze ״Hohe Warte" abgehalten wurde. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß dieses Fest geradezu ein Erlebnis bedeutete. Lange vor 3 Uhr hatte sich eine ungeheure Menfchcnmcnge eingefunden, um Zeuge des grandiofen Schauspieles zu fein. Leute, die sich auf derlei Dinge verstehen, schätzten die Besucherzahl ans 20.000 Personen. Unter den Klängen der ״Hatikwah" marschirrten gegen 1400 Teilnehmer ein. Voran die jugendfrischcn Wanderer des ״Wandcrbuud Blau-Weiß", für welche dieser Tag durch Enthüllung der neuen Fahne zum besonderen Ehren-1 tag wurde. Dann fast sämtliche Turnvereine der Turnerschaft in kleidsamer Tracht. Zuletzt der Sportklub ״Hakoah". Der imposante Zug machte ungeheuren Eindruck und mit Recht konnte der Obmann der jüdischen Turnerschaft Herr Rechtsanwalt Greifenhagcn in seiner Ansprache an die Mitglieder des A. C. darauf Hinweisen, daß die zehnjährige Arbeit der Turnerschaft von vollem Erfolg begleitet war. Mit dem Hinweise auf die untenstehende Jugend verlangte der Sprecher der Turnerschaft auch weiterhin die Unterstützung der leitenden Kreise. Diese Unterstützung wurde auch in der Antwort des Dr. Schnmrja Levin zngesagt. Nachdem sodann die neue Fahne des Wanderbundcs Blau-Weiß enthüllt worden war, begannen die turnerischen Vorführungen. Schon die Freiübungen der Männer- und auch der Frauenabteilungen zeigten, daß unsere Turnerschaft in den letzten Monaten fleißige Arbeit verrichtet hatte. Die Exaktheit in der Ausführung der nicht leichten Uebungcn, das harmonische Zusammenwirken fremder Elemente gab aber auch Zeugnis davon ab, daß unsere Turner im!,oben Grade sich jene Eigenschüft zueigen gemacht haben, die Disziplin heißt und welche im Interesse der Gesanitheit den Willen des Einzelnen unterordnet. Ueber die Geräteübungen im einzelnen zu berichten, ist bei der Fülle des Gebotenen unmöglich. Nur soviel sei' gesagt, daß man Leistungen zu sehen bekam, denen der höchste Aufwand an körperlicher Kraft und körperlichem Mute zugrund lag. Und selbst die Schwächeren hatten sich nicht zu schämen; auch bei ihnen konnte zähe Ausdauer und gute Schulung festgestellt werden. Wenn wir hier die Mitglieder des Budapester Vereines besonders hervorheben, so geschieht dies lediglich deswegen, weil derlei Leistungen bisnun auch bei andersnationalen Vcranstaltungen ähnlicher Art kaum zu sehen waren. In einer Reihe von Sondervorfuhrungen wetteiferten einzelne Vereine darum, zu zeigen, wie weit sie cs in turnerischem Können gebracht haben. Unser Brünner Turnverein, dessen Damenriege schon beim Aufmarsch durch ihre kleidsame Tracht und durch die Menge ihrer anmutigen Gestalten ausgefallen war, brachte einen konibinierten Keulenreigen und holte sich nach jeder Uebung stürmischen Beifall der Zuschauer. Insbesondere kann uns das Lob der turnerijchen Kreise mit Stolz erfüllen, die anerkannten, daß der Brünner Turnverein erfolgreiche Arbeit geleistet habe. Mit einem Hokey-Wettspiel zwischen Hakoah- Wien und Bar Kochba-Berlin fand das Turnfest seinen Abschluß. Alles in allem: Ein Tag, den man miterlebt haben muß, um seine Bedeutung voll und ganz würdigen zu können. In. Vermischtes vom Kongreß. Der Universitätsfonds. Für die zu begründende jüdische Universität wurde von einigen Delegierten ein Betrag von zirka 600.000 Franken gezeichnet. Versammlung jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Donnerstag den 4. d. fand eine große Frauenversammlung statt. Frau Justizrat Bodenheimer eröffnete die Versammlung. Das Nefcrat erstattete Frau Johanna Simon-Friedberg. Sie sprach über die speziellen Aufgaben der jüdischen Frau. Es sprachen noch Fräulein Hanna Kohn, Frau Dr. Meist aus Palästina. Eine große Anzahl von Frauen trat der Organisation bei. Acrzteversammlung. Samstag den 6. d. tagte im Bcethovensaale unter Vorsitz von Prof. Weizmann und Dr. Kalmus eine gutbesuchte Versammlung von Aerzten und Interessenten für die Sanierung Palästinas. Dr. Tschlenow, Dr. Massie und Dr. Goldberg- Jerusalem erläutcrndtcn die Bedeutung der diesein Zwecke dienenden Aerztegesellschaft. Universitätsprofcssor Dr. Ehrmann-Wien bezcichnete die Mitarbeit an der sanitären Hebung Palästinas als eine Pflicht aller Juden. Die jüdisch akademische Verbindung Jvria. gab zu Ehren ihrer A. H. A. H. eine Festkneipe, die zugleich als Kongreßtag der Jvria stattfand. Es sprachen JUC. Richard Koch, Landesgerichtsrat Dr. Julius Kohn Oberinspektor Emil Fried. } Der Kommers, den die jüdisch-akademischen Verbindungen Jwria, Libanonia, Makkabäer, Unitas und Zcfirah veranstalteten, nahm einen äußerst würdigen Verlauf. Es sprachen: JUC. Jokal (Libanonia), JUC. Hirsch (Unitas), Dr. Frankl (Jwria), Wolf (Zcfirah). Der Festgottesdienst. Anläßlich des Zionistcnkongresses veranstaltete der Vorstand der Wiener Knltusgemeinde im Leopoldstädter Tempel einen Festgottesdienst. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. "Bach. Die kantoralcn Funktionen versah Herr Oberkantor Morgenstern, desgleichen fanden aus diesem Anlässe in sämtlichen Gotteshäusern Festgottesdienstc statt. Konferenz der Sephardim. Der akademische Verein der spaniolischen Juden in Wien ״Espcranza" veranstaltete anläßlich des Kongresses am Sonntag den 7. September im Beethovensaale eine Konferenz der Sephardim. Dr. M. Löwy-Sarajewo sprach über 1 bic gegenwärtige Lage der spaniolischen Juden.

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