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Jüdische Volksstimme · 1913-09-11 · Heft 37 (11.9.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 37 (11.9.1913)
Date
1913-09-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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,Zttische voMstimme.« «eite S die früheren praktischen Zionisten, als sie ans Ruder kamen, sich sofort politische Zionisten genannt haben. Sic muffen doch also zu ihrer früheren Parole kein rechtes Vertrauen gehabt haben. Wir politischen Zionisten sind der Meinung, daß die Organisation nur die Bedingungen für die Einwanderung nach Palästina schassen darf und die Hindernisse und Beschränkungen aus dem Wege zu räumen hat. Tie Kolonisationsarbeit muh der Privatinitiative überlaffcn bleiben. Wenn wir in Palästina eine große Anzahl gut ge- Icitetcr Unternehmungen, die von der Organisation geschassen wurden, hätten, so würden wir meiner Meinuitg nach damit nichts erreicht haben. Wenn diese Untcrnchmungen aber von privater Seite gegründet werden, so würden sich viele Nachahmer finden. Wir politischon Zionisten begnügen uns nicht mit den Zielen der praktischen. Wir wollen nicht bloh Kolonisationsarbcit und ein Kulturzentrum schaffen, sondern die Verwirklichung des Baseler Programms, d. h. die Befreiung der Juden vom Goluth. Der Redner führt aus, daß die Leitung nicht bcrcchtigt sei, zu verlangen, daß ihr die Finanzinstitute unterstellt würden. Die Bank und der Nationalsonds seien unter den Auspizien des politischen Zionismus gegründet worden. Man habe ihnen ihr Kapital gegeben, >vc!l man von ihnen die Förderung des politischen Zionismus erwartet. Der Redner schließt mit der Aufforderung an die Leitung, sie möge, so wie Herzl sechs Millionen für die Kolonialbank gesammelt habe, gleichfalls sechs Millioncn für eine nach ihren Arischauungen zu leitende Bank -• etwa eine Agrarbank — aufbringen, und der Kongreß werde ihr mit Freuden die volle Kontrolle hierüber zugestehen. Fünfte Sitzung. Donnerstag den 4. September, nachmittags halb 5 Uhr. Zu Generalrcdnern wurden die Herren Aronolpitsch (Jafsat, Syrkin, Dr. Tschlcnow, David Wolsfsohn. L. Mopkin und Prof. Weizmann gewählt. Del. I. Brutzkus stellt im Namen der russische״ Delegierten folgenden Antrag: Der Kongreß spricht dem Aktionskomitee sein unumschränktcs Vertraue» aus und fordert, daß dem Aktionskomitce, als der höchsten Instanz der Bewegung, ein entscheidender Einfluß auf die Finanzinsritutionen eingeränmt wird. Del. A r o n o w i t s ch, Vertreter der palästincnfischen Arbeiterpartei Hapocl Hazair, betont, daß engherzige kaufmännische Gesichtspunkte dort unangebracht sind, wo cs sich um die Wiedergewinnung des nationalen Bodens handelt. Ter Zweck der Palästinaarbeit ist nur dann gesichert, wenn die Organisation als solche die Arbeit leistet, da Privatpersonen immer ihre Privatintcrcffcn voranstellcn. Er fordert das Aktionskomitee auf, in Zukunft die Leitung nur dann zu übernehmen, wenn ihm gleichzeitig die finanziellen Machtmittel der Organisation überantwartet werden. Der zweite Gcneralredncr. Tel. Syrkin (Kiew), betont, daß cS ein Fehler sei, zu glauben, daß cs der Majorität des zehnten Kongresses bei der Neubesetzung der Leitung um Personcnfragcn zu tun war. Es Handelte sich vielinehr um Prinzipicnfragen. Wir haben von der Leitung nur Mahnungen, nur Gcldfordcrungcn erhalten. Es ist uns nichts in literarischer und agitatorischer Beziehung geboten worden. Die Agitation, die man eingcschlagen hat, war auch schlecht, sic hat sich nur auf eine kleine Gruppe kapitalskräftigcr Kreise reduziert, ivir haben ausgchört, die großen Volksmaffcn aufzusuchen. Es wäre Pflicht der Zionisten gewesen, sich an der Gründung jüdischer Koopcrativgesellschaften zu beteiligen. Desgleichen vermißt der Redner eine scharfe Stelluiignahmc gegen bei in Rußland mehr denn je grafficrcnde Dausbewcgung. Der Führer der russischen Zionisten Tr. Tschlenow begann damit, daß er seine uneingeschränkte Zufriedcnhcit mit den Leistungen der gegcnwärtigcii Leitung zum Ausdruck brachte. Die Ausgaben der Organisation sind vollständig durch Einnahmen gedeckt worden, ohne daß eine Besteuerung der Finanzinstitutc vorgenommcn wurde. -In der Forderung, den jüdischen Nationalfonds nach Berlin zu überführen, ist bisher ein wichtiger Punkt unbcrücksichtigt geblieben. Ter Nationalfonds ist die einzige kolonisatorische Institution unserer Bewegung. Herr David Wolsfsohn erhielt sodann als viertcr Gencralredncr das Wort: Es fällt mir außerordentlich schwer, hier an meineu Nachfolgern Kritik zu üben, und ich hätte es nicht getan, wenn ich nicht durch die Forderung der Leitung, die Bank in die Hand zu bekommen, hierzu gezwungen ivordcn wäre. Redner verbreitet sich sodann über die von bet üeitunQ vorgelegte Bilanz und tadelt deren angeblichen Mangel an Klarheit. Man hat mir. als ich die Leitung der Bewegung in Händen hatte, vorgeworfen. daß ich es nicht verstanden hätte, unsere Ideale hochzuhalten, und mir kaufmännische Führung der Geschäfte der Bewegung zum Vorwurf gemacht. Jetzt haben wir Männer an die Spitze gestellt, die für die Seele der Bewegung sorgen sollten, und nun kommen diese Leute und verlangen auch den Körper, d. h. unsere finanzicllen Institute. Ich verlange von der Leitung, daß sie sich mehr als Leitung der gesamten Organisation fühlt denn als Leitung einer Partei. Im Moment, wo sic an die Spitze der Organisation kam. mußte die Leitung jede Richtung in der Organisation anerkennen und durfte nicht Männer, wie Nordau und Marmorek verhindern, am Kongreß teilzunchmcn. Redner führt eingehend aus. wie schivcr es gewesen sei, die zionistischen Bankinstitute ins Leben zu rufen, und welche unendliche Mühe es gekostet habe, ihnen das Vertrauen des Publikums zu verschaffen. Dieses Vertrauen basierte darauf, daß die Banken bankmäßig geleitet würden. Die Leitung verlange die Acndcrung in der Zusammensetzung des Aufsichtsrates der Bank nicht etwa aus geschäftlichen Gründen, sondern ausschließlich aus Parteirücksichten. Eine nach parteimäßigen Grundsätzen geleitete Bank verliert aber sofort das Vertrauen aller Geldgeber, und wir warneu daher dringend, den Anträgen der Leitung stattgugeben. Tie Leitung ist gegenwärtig bereits hinreichend in den Bankvorständcn vertrete», und cs ist nicht nur überflüssig, eine Acnderung cintreten zu lassen, sondern eine Gefahr für die Banken und die Bewegung. Er jedenfalls und seine Freunde könnten und würden eine derartige Politik nicht mitmachen. Tcr Baseler Kongreß sei ein Friedenskongreß geworden, weil man sich auf der jetzigen Grundlage geeinigt hat. Ter Wiener Kongreß wird ein Unfricdenskongrcß werden, wenn man den Anträgen der Leitung entspricht, und ich ersuche den Kongreß, sie samt und sonders abzulehnen. Tie Rede Wolsfsohns, die die stärksten Angriffe enthielt, die aus diesem Kongreß und Wohl überhaupt auf einem Zionistenkongrcß je gegen die Leitung gerichtet lvurden, gab loiederholt zu stürmischen Szenen An- VERLOBUNGS-RINGE BRdüTsciinucrc - - HOCHZEIT SQESCHENKE EHE-RINGE. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Golda. Si.berwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. יי■* Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. echste Sitzung. Del. Z c r o r aus Aegypten übcrbrachte die Grüße der ägyptischen Zionisten. Tie Belvegung habe i» der letzten Zeit in Aegypten, dank der von Palästina ausgehenden Wirkung, große Fortschritte gemacht. Hierauf nahm der fünfte Generalredner. Herr L. Motzkin, das Wort zu folgenden Ausführungen. Auch ich flehe auf dem Standpunkte des Herrn Fischer, daß man sich nicht darauf beschränken darf, unsere jetzige Arbeit in Palästina als die Erreichung unseres Zieles zu bezeichnen. Wir dürfen vielmehr nie vergessen, daß >vir die gesamte Judenhcit fiir unsere Bewegung gewinncn müssen. Unsere Leitung hat es leider nicht verstanden, alle Elemente in der Bewegung zusamnicnznhalten, insbesondere Hai die Redaktion unseres Zentralorgans ..Tie Welt" in dieser Beziehung manches gesündigt. 'An der Spitze der Redaktion der ״Welt" müßte ein Mann siehe», der aus dem Judentum kommt, so daß unser Blatt ein Organ des Judentums und nicht nur des Zionismus wäre. Unsere Mahnung an die Leitung, in seiner Amtspcriode zu vergessen, daß cs zwei Parteien gibt, ist leider nicht befolgt worden. Prof. Dr. W e i z in a » ״, Manchester, bedauert, daß man den Eindruck gewinnen konnte, daß der ganze Zionismus auf eine Bankfrage zusammeugeschrumpst sei. während es doch anderes zu erörtern gibt. Er wolle jetzt daS Programm der Leitung festlegen und die Zukauft der zionistischen Tätigkeit besümmen. Ter Palesline Land Tevclopment Eompany wäre zum Vorwurf gemacht worden, daß sie einige tausend Pfund verloren hätte. Und man vergäße hierbei, daß diese Gesellschaft wertvolle Bedingungen für die Arbeit geschaffen habe. Nach kaufmäniiischen Prinzipien dürfe man sich bei der Arbeit in Palästina nicht richten. Wenn hier behauptet worden sei, daß man den Zionismus zu einem Kolvnisations- und Kulturverein degradiert habe, so sei er der Meinung, daß die politische Bedeutung der Bewegung progressiv mit unserer Arbeit in Palästina wachsen würde. Er meine, daß die Ausbildung jüdischer Arbeiter mehr wert sei, als alle ökonomischen Verluste. Trotzdem er und seine Freunde keineswegs die ungeheuren Schwierigkeiten, die sich der rlrbeit entgegenstellcn. verkennen, würden sic den Mur nicht verlieren, weil sie aus der Judengasse und durch die Judengasse zum Zionistenkongreß gekommen seien. Wäre Nordau nicht der große Einsiedler in Paris, so Hütte auch er sich nicht vom Kongreß ausgeschlossen. Das Schlußwort erhält sodann das Mitglied des Engeren Aktionskomitees, Herr Dr. H a n t k e. Berlin. Redner gibt sein Erstauneii darüber Ausdruck, daß die Generaldebatte einen ganz merkwürdigen Eharakter angenommen habe. Die Leitung kämpfe nicht gegen Personen. sondern für ein System, das auf dem vorigen Kongreß geheiligt worden sei und daS sich durch die Arbeit der letzten zwei Jahre als richtig erwiesen habe. Wenn »1,711 hier der Leitung vorgeworfen habe, daß sie von einem merkantilen Geist beseelt gewesen sei, so könne er nur daruf erwidern, daß er und seine Kollegen mehr für die ideale Seite der Bewegung getan haben, als man von ihnen erwartete. Tie Hauptfrage des Kongresses sei. ov derselbe die Fortsetzung der Arbeit in denselben Richtlinien wie bisher wünsche oder nicht. Man müsse aber anerkennen, daß die Leitung alles getan habe, was in ihren Kräften stand, und daß man eine» Schritt vorwärts gekominen wäre. Wen» man »un frage, warum die Leitung sich nickt mit der Anerteiiiiniig begnüge und den Einfluß auf die Machtmittel der Organisation verlange, so müsse er erklären, daß dies eine tinuingüiigliche Notwendigkeit sei. um der Leitung einmal das volle Vertrauen in allen .Kreisen zu sichern, zum anderen, um ihr die Möglichkeit zu gebe», wertvolle Beziehungen, die sie mit anderen Organisatwnen angeknüpft habe, weiter aiiszubaiien. Durch de» von der Leitung gestellte» Forderungen für die Besetzung des AusfichtsraleS der Jüdischen Kolonialbanl würde auch kein Novum verlangt, sondern es wäre vielmehr auf dem vorigen Kongreß eine Anomalie geschaffen worden, deren Beseitigiing nnuinganglich notwendig ist. ES entspann sich eine lange und sehr erregte (Keschästsordnungsdebatte über die Abstiminung. Nachdem Herr Julius Simon seinen Antrag vorläufig zurückgestellt hatte, tvurde der Antrag der Federation Poale Zion aus Trennnng der Abstiminung ivege» des Ver traiienSvotu»! und der Unterstellung der Finaiizinstitute unter den Einfluß der Leitung mit überlistegender Mehrheit angenoniinrn. Sodann ivird der An» trag der russischen Landsmannschaft, der der Leitung in ivärnijtcr Form daS Vertrauen and den Taut der Organisation anssprickt. einsliinmig angenomnien. Am Freitag nachmittags halb 5 tthr. In der Nachmittagssitzling erstattete Justizrat Dr. B o d e n h e i in e r, Köln, den Tätigkeitsbericht des In dischcn Nationalfonds. Ter gegenwärtige Stand seines Vermögens beträgt über vier Millionen .Kronen. Wenn der Nationalfonds daher seinen großen Aufgaben einsgcrmaßen gerecht werden will, müssen die Eiiinakinen verdoppelt werden. In der verflossenen Periode konnte der NalionalfondS sich nicht mit .Kolonisation in großem Stil befassen. Wir haben uns mit dem Ausbau unserer Farmen in Ben Schemen und Hulda, der Arbrilergenossenschaft in Tagania. der SiedlnngSgenosseiifchafl in Merchawja und der Pslanznngsgenossenschast in ('Win■ Schmuel gewidmet. Ferner haben ustr die Erbannug von Arbciter-Heiinitättcn in die Hand genoinmen. Wir seben in der Ansiedlung von Arbeite!» in der Nähe von Pflan ziingstolonien eine überaus nützliche Ergünzniig unsete-s Systems der Heranbildnng von Kleiitbauerit und Pstch lern. Tas Tirektorinm oes Nationalsonds Hai für die zivei ersten Jahre einen Benag von loo.ono Franken für die Errichtung von Jeineiiitenhäiiiern zur Per in gung gestellt. Ich freue mich, konftaiieren zu können, daß wir für diese Sammlung großes Interesse auch in!lichtzioniitischen Kreisen gesunden haben, daß sich an diesem Werke jiiSbcsondere Knltnsgemeindeii in Oener reich und Italien, der Koloiiisationsverestn E-sra in Berlin, der Jüdische Kolonisationsverein in Wien, Bne- Brith-Logen in Oesterreich und die Großloge für Teutschland beteiligt habe». Redner wende» sich dann zn der von der Leitung beaiitragien Vereinigung des NationalfondS-BnreanS mit dein Zentralbnrean in Berlin. ES sprechen gewiß manche ZiveckniüßigkeilsgtUtzde für die Bereiniguiig der Bureaus, absolut zwingend er scheinen ihm aber die Momente für eine wiche lieberfiedlnng nicht. Rcdncr bedauert, daß es ihm ״ich! mögtief» sein würde, für den Fall der Verlegung des NaiionalfondS nach Berlin die Geiebnrie iveiierzurühren. Sitzung am Samstag den Sevtember abends. Tr. Artur R u p p i n «Jaffa! referier! über ״Tie zionistische Arbeit in Palästina". Bei dem Beginn der Palästinaarbeit habe es ssch darum gehandelt, neue Wege zu finden, die es ermög- | lichten, mit relativ kleinen Misteln Erfolge zu erzielen.

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