Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 ״Jüdische Bolksstimme". Nr. 36 als Mitglied der dortigen Gemeindevertretung fungieric. Charakteristisch für die Beliebtheit, welcher sich der Verblichene auch in christlichen Kreisen erfreute, ist. klang. Herr Kultusvorsteher Viktor Lustig dankte der hohen k. k. Regierung für das Entgegenkommen, das sie bei der Konstituierung unserer Kultusgemeinde bedass für seine Genesung auch in der Kirche seiner Gcwies. Herr Bezirkshauptmann Jaxa Ritter v. Bobovski incindc Gebete verrichtet wurden. Das Leichenbegängnis fand am 28. August unter zahlreicher Beteiligung auf dem Wiener Zentralfricdhofe statt. Herr Rabbiner Dr. Grünioald würdigte in seiner Leichenrede die Verdienste des Verblichenen, worauf am offenen Grabe Herr Mor. Haas, Gutspächtcr in Wclka, zu dem Herr Grünfeld durch fast ein halbes Jahrhundert in Beziehungen engstcr Freundschaft stand, im eigenen Namen und namens des Minjanvcrcincs Welka von ihm Abschied nahm. Holleschau. Samstag den 30. August l. I. feierte der in weiten Kreisen hochgeehrte Herr Josef M e i s c I in vollkommener körperlicher und geistiger Rüstigkeit >m Kreise seiner Kinder und Enkelkinder das Fest sei- »cs 70. Geburtstages. Aus diesem Anlässe erschienen Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. Frcimann, im Vereine mit dem Kultusvorstande in der Wohnung des Jubilars und überreichte die mit Einverständnis des mährischen LandcSrabbinatS demselben verliehene ״Maurcnu" mit einer herzlichen Ansprache, in der Herr Rabbiner die wahrhafte Frömmigkeit und edlen Eigenschaften des Jubilars hcrvorhob. Herr Josef Meise! ist ein Schwiegersohn des verstorbenen RabbinatSasseffors Rabbi Avigdor Wolf s. A. und ein Schwagcr des sei. Dr. M. L. Wolf, Rabbiner in Klattau. Gleichzeitig erschien der Vorstand der Chewra-Kadischa und überreichte eine Adresse. Bon seinen Söhnen wir kcn Herr Isidor Mciscl, Obcrkantor in Brünn, und Herr David Mciscl, Obcrkantor in Karlstadt, sowie sein Schwiegersohn Herr David Kratka, Oberkantor in Orlau. Wir wünschen dem Jubilar, daß er sich der Auszeichnung noch recht lange an der Seite seiner wackeren Gattin bis עמ*עש Jahre erfreuen möge legte in einer liebenswürdigen, geistvollen Ansprache seinen liberale» und edlen Standpunkt klar, den er in seiner Amtstätigkeit allen Nationalitäten und Konfessioncn gegenüber gleichmätzig für seine Pflicht hält. Es sprachen noch Herr Kultusrat Josef Tobias, Herr Tcmpclvorsteher Josef Zänker, Herr Vorstandstellvertrctcr Hermann Jmmerglück, Kultusrat Josef Schwarz Herr Dr. Stratzmann, die Herren Rabbiner Dr. Spira, Dr. Färber aus Mähr.-Ostrau, Oberkantor Goldmann u. a. m. Am Schlüsse sprach Herr Dr. Friediger allen seinen Dank aus. Am nächsten Tage fand um 11 Uhr vormittags anlässlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ein Festgottesdienst statt, zu welchem alle Spitzen der Behörden, Bahnleitungen, Zollämter, In die von aufrichtiger Vaterlandsliebe u Oderbcrg. Am 17. August wurde unser erster Rabbiner Sr. Ehrw. Herr Dr. M. Friediger aus Pohrlitz i» sein Ami, aus die feierlichste Weise cingeführt. 'Aus den kleinsten Anfängen entwickelte sich hier in kaum einem Mcnschenaltcr eine jüdische Gemeinde, die mit Hilfe der an ihrer Spitze wirkenden tatkräs tigcn Männer durch ihr festes Zusammenhalten und durch ihre Opserwilligkeit, zu einem bedeutenden religiös-kulturcllcn Faktor wurde. Seit zwei Jahren ist sic eine selbständige Kultusgcmcinde und nun erhielt sie auch ihren religiösen Führer. Kurz vor Beginn des Gottesdienstes, der um 4 Uhr nachmittags begann, erschien zur Begrüßung in der Wohnung des Herrn NabbincrS eine Deputation des Kultusvorstandes unter der Leitung des Vorstandstcllvcrtrctcrs Herrn Hermann Jmmerglück, eine Deputation des Fraucnvercincs un ter Führung der Präsidentin Frau Charlotte Zänker und eine Deputation des hiesigen Volksvcrcincs ״Zion unter Leitung des Obmannes Herrn Adolf Stösscl Unterdessen versammelten sich in der festlich gcschmück teu Shnagogc die ganze jüdische Bevölkerung unseres Ortes und die Ehrengäste, unter ihnen, in Vertretung der k. k. schlesischen Landesregierung und der Bezirks Hauptmannschaft, Herr Bczirkshauptmann Jaxa Ritter v. Bobovsly, dann Landtagsabgcordnctcr und Bürger mcislcr Dr. Dlvorzak, mehrere Rabbiner, Vertreter der benachbarten Kultusgcmcindcn u. a. m. Am Eingänge der Svnagogc wurde Hr. Dr. Friediger von sämtliche Ausschussmitgliedern mit Thorarollcn crtvartet und vom Kultusvorstchcr Herrn Viktor Lustig mit einer fcicrlichcu BcgüssungSansprachc empfangen. Hierauf begab sich Herr Dr. Friediger unter vom Oberkantor Goldmann vorzüglich geleitetem Chorgesang und begleitet vom ganzen Vorstände auf seinen festlich geschmückten Ehrensitz, wo ihn der Tcmpclvorsteher Herr Josef Zänker im Gotteshause willkommen hictz und in einer geistreichen, an hebräischen Zitaten reichen Ansprache auf die Bedeutung der Wirksamkeit des Rabbiners im GotteShausc hinwics. Nach dem Minchagottcsdicnst nahm der bisherige Leiter der rabbinischen Angelegenbeiten, Sr. Ehrw. Herr Dr. Spira, Rabbiner in Mähr.-- Ostrau, Abschied von der Gemeinde und übergab die Kan.-.el durch eine feierliche Ansprache seinem Nachfolge׳. Hieraus folgte die gedankenreiche, von Begcisicru-ig getragene Antrittsrede des neuen Rabbiners, die .»it ungeteiltem Beifall ausgenommen wurde. Anschtiessend an den Feslgortesdiensl fand im Saale des Hotel Austria ei» Bankett statt, das die Festgästc bis Mitternacht in fröhlicher Stimmung vereinte. Von den vielen ernsten und humoristischen Tischreden seien erwähnt: Tie Begrühungsrcdc des VorstchcrstcllvcrlreterS Herrn Dr. Goldklang, die im Kaiscrtoastc aus- Ministerpräsident Kokowzeff den Ausführungen des Ackerbauministers bei, und der Antrag Maklanoff würde mit Stimmenmehrheit abgelehnt. Der Gesetzent- Wurf wird demnächst der Reichsduma unterbreitet werden. Hohe Auszeichnung. Se. Majestät hat dem Budapester Advokaten Dr. JlseS Pollak den Hofratstitel verliehen. Dr. Jlles Pollgk wird längst als einer der scharfsinnigsten Advokgten des Landes geschätzt und steht an der Spitze des LandeSadvokatenbundes. Notiz. Wir verweisen unsere geehrten Leser auf baS Inserat Franz Pawluschek jun., Pelzwarenerzeugung. Krapfengaffe 6, und empfehlen selbe aufs beste. 1913 Wochenkalender 5673. Begeisterung ausgenommen wurde. * « uordruckerei Plissicranstalf fanta,?ortgatte 2. « « « אלול* Aug. Festtage הפטרה M א 3 2—בידראש חדש. t. Rosch ch. D 2 4 ft נ & e S ד ה 6 7 פרק ראשון׳ שופטים איבי אנבי הוא M ו 8 ם;חםכם D ז 9 ' M ח 10 r ט 11 ft י 12 Jtundfcftcui. Massenhafte Schließung von Talmud-Thoraschulen und Jrschiwahs. Wie aus Munkacs gemeldet wird, wurden dort alle Talmud-Thoraschulen behördlich geschlossen. Ebenso hat die Behörde sämtliche Talmud-Thoraschulen in Beregszasz schlichen lassen. Ferner meldet man aus Jlosva, dass dort unter dem Vorwände, dass der dortige Rabbiner behördlich nicht bestätigt ist und daher nicht berechtigt sei, eine Jcschiwah zu halten, die Behörde die Jcschiwah aufgelöst habe. Kongreß der sephardischen Juden. Durch Initiative des spanisch-jüdischen Vereines ״Esparanza" wird in Wien im Herbst ein Kongress der sephardischen Juden stattfinden. Auf der Tagesordnung steht die Besprechung der Folgen des Balkankricges und die Verbreitung der spanisch-jüdischen Kultur. sknelMschev Wien, Prima כשר Selchwaren (Aufsicht der Schiffschule). Feinste Qualität. Reichste Auswahl. Schönes Lokal. Berkaufslokal: II., Große Schiffgasse 16. Josef Hanuä, Brünn Rudolfsgasse Nr. 25. sämtliche Damen-Modtwaren, Bänder, Spitzen, Seiden Stoffe, Posamenterie, und Zugehör für Damenschneide und Schneiderinnen. Auszeichnung russischer Juden. I. B. Markon in Petersburg, Herausgeber der hebräischen Enzykwpädic, ist zum ordentlichen Mitgliede der .Kaiserlichen Archäologischen Gesellschaft ernannt worden. Bei der Prcisbewcrbung für den besten Plan eines Nomanow-Jubiläums-Versorgungshauses für Adelige erhielt Architekt Nachmann den ersten Preis- Ansiedlungsrayon in Sibirien. In einer jüngstens abgehaltcnen Sitzung befasste sich der russische Ministcrrat mit dem für Sibirien neu zu schaffenden Ansiedlungsgcsctz. Ueber den Verlau׳ der Sitzung wird nun aus Petersburg folgendes mit geteilt: Minister des Innern Maklanoff stellte den An trag, in den Gesetzentwurf die Bestimmung aufzuneh men, dass Juden und Ausländer keinen unbeweglichen Besitz in Sibirien erwerben und sich daselbst auch ftei niedcrlassen können. Gegen diesen Antrag protestierte in ausführlicher Rede Ackerbauminijter Kriwoschin, der cs als lebhaftes Interesse des Ackerbaues erklärte, dass man den sich in Sibirien ansässig machen wollenden Juden kein Hindernis in den Weg legen soll. Wenn man cs schon vom Rasscn-Gesichtspunkte für notwenbig erachtet, im inneren Russland das bisherige System aufrecht zu erhalten, so muss man dieses System in Bezug aus Sibirien entschieden fallen lassen. Endlich muh cs denn doch schon einmal irgendwo im russischen Reiche ein Gebiet geben, auf welchem die Juden Russlands frei, ohne jede Einschränkung, ihre Bürgerrechte geniehcn können. Stach weiterer» Debatte stimmte auch Rotel Stephanie. 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