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Jüdische Volksstimme · 1913-09-05 · Heft 36 (5.9.1913) · page 7

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36. ,/Jüdische BolkSstimme." Seite 7. Ausms zur Gründung einer jüdischen Berlagsgesellschast aus gmossenschastlicher Basis. Juden! Es ist eine ernste, dringende und heilige Sache, in welcher wir uns heute an Euch wenden. Es gilt, unseren enormen Geistes schätz, unsere einzig dastehende jüdische Literatur vor sicherem Untergange zu bewahren. Während jedes Volk sein geistiges Eigentun. hütet und Pflegt, während jede menschliche Organisation die Erzeugnisse ihres psychischen Schaffens allen ihren Mitgliedern.zugänzlich zu machen strebt, lasten wir unser hehres jüdisches Schrifttum, das viele Tausende von hervorragenden, erlesenen Werken umfaßt, vergilben und zugrunde gehen, lasten wir das Lebenswerk unserer Größten unbarmherzig der Vergessenheit und Verschollenheit anheimfallen. Gehet nur einmal in eine der größeren jüdischen Bibliotheken und haltet dort Umschau auf diesen Friedhöfen unserer jüdischen Literatur. Ihr werdet dann das schmerzliche Wunder erleben, zu sehen, wie die im Golus mühsam aesammelten Schätze versinken und in Staub zerfallen, während draußen der AbfoÄ grastiert, während unsere Jugend täglich mehr und mehr dem Judentum entfremdet wird — weil sie es nicht kennt. Tiefen Zuständen zu steuern, haben wir uns die Erhaltung und Verbreitung unseres jüdischen Schriftttums zur Aufgabe gesetzt. Unserer Heranwachsenden Jugend, welche von einer mächtigen religiösen Bewegung erfaßt ist, die sich mit allen Fibern nach dem verlorenen religiösen Glück zurücksehnt, die den Glauben besitzt, der jedoch die Kunde fehlt, wir wollen ihr den Rückweg zum alten, ewigen Judentum ermöglichen und ebnen. Wir werden unser Augenmerk aus zwei Ziele konzentrieren: einmal wollen wir unser jüdisches Schrifttum durch systematische Verbreitung gediegener und billiger Volksausgaben dem jüdischen Publikum — soweit es noch für Judentum Jntereste bekundet — näher bringenwollen wir unsere nationale Literatur aus der Diaspora der Bibliotheken und des privaten Besitzes sammeln, sichten und einem möglichst weiten» Kreise vertraut machen: andererseits soll den jüdischen Autoren zu günstigster» Bedingungen Gelegenheit geboten werden, diese nationale Literatur zu bereichern und zu befruchten. Beide Ziel sind von gleicher Bedeutsamkeit, von gleicher ethisch-jüdischer Höhe und von zu zwingender Notwendigkeit, als daß derselben das Wort geredet werden müßte. Es handelt sich hier keineswegs darum, die Liste der Verlagsgesellschaften um eine zu vermehren oder die unübersehbaren Bücherkataloge zu bereichern, sondern es handelt sich um Sein oder Nichtsein, um Bestand oder Unbestand Eures Judentums. Solange das Ghetto uns umfing, solange seine Mauern auch die Grenzen unserer Gedankenwelt bedeuteten, waren wir vor Entfremdung und Astimi- Und es, verwundet durch unsere Vergehen, gedrückt durch unsere Sünden, — dennoch unseres Friedens Einigungsband auf ihm und in seiner Gemeinschaft wird uns Heilung werden. Jesaja 53. 6. lation geschützt. Heute, da uns ein ganz und gar unreligiöses, unjüdisches Leben umbraust, kann uns nur ein eiserner Wille ein starkes jüdisches Innenleben und Selbstbewußtsein, die Sättigung mit jüdischem Wissen dem Judentum erhalten. Wenn Ihr nicht wollt, daß die ehrwürdige Reihe der Ahnen, die vor Gott und im Judentum lebten, gerade bei Euch und durch Euch unterbrochen werde und sich in einer unjüdischen, thorafremden Jugend in das extreme Gegenteil ihrer Lebensbestimmung umkehre; wenn ihr nicht wollt, daß in fünfzig Jahren Eure Tempel als Pagoden der ausgestorbenen ״Frommen" gezeigt werden, daß Eure Gebetbücher, Eure Tefillin und Mesusoth Euren Kindern nichts mehr als pietätvolle Andenken bedeuten; wenn Ihr nicht wollt, daß Eure Kinder und Enkel gedankenlos das zerstören, was unser Volk in zwei Jahrtausenden mit seinem Leben aufgebaut, mit seinem Herzblut, mit seinen Tränen und Seufzern besiegelt und geheiligt hat: dann dürft Ihr nicht länger teilnahmslos mitansehen, wie unsere Jugend ihrem jüdischen Sein entwurzelt und um ihr Judentum betrogen wird, wie sie heranwächst, ohne von demselben eine Ahnung zu haben, ohne hebräisch lesen zu können. Tann zeigt dieser Jugend, w a s sie mit ihrer Religion verliert, was sie mit ihrem Judentum aufgibt und wenn sie es dennoch verschmäht, werdet Ihr wenigstens Eure Pflicht erfüllt haben. Deshalb appellieren wir an dieses jüdische Pflichtbewußtsein, uns in dem Bestreben, den jüdischen Bevölkerungsschichten, vor allem der jüdischen Jugend, ein tiefes Erfassen und Eindringen ins Judentum zu ermöglichen, nach Eurem besten Können zu fördern. Um Großes leisten zu können, brauchen wir Eure finanzielle und geistige Mithilfe, Eure Ermutigung und euer stetes Interesse. Wir fordern jedermann zur Zeichnung von Anteilscheinen der Jüdischen Berlagsgesellschast auf, die im Betrage von 40 Kronen ausgegeben werden und denen eine sehr günstige Verzinsung mit Bestimmtheit vorausgesagt werden darf. Es ist begreiflich, daß unser Werk, wenn es vor Störungen bewahrt werden soll, auf solider finanzieller Grundlage fundiert sein muß. Also nochmals: wir wollen keine Mildtätigkeit, sondern Eure freudige Mitarbeit, kraftvolle Betätigung Eures jüdischen Pflichtgefühls. Anmeldungen und Vorschläge sind an Zeichner dieses zu richten. Für das vorbereitende Komitee: Max H i ck l, Redakteur, Brünn, Adlergasse Nr. 9. In Angelegenheit der Jüdischen Verlagsgesellschaft haben unter anderem folgende Herren ihre Bereitwilligkeit, diese hochwichtige Sache zu fördern, zugesagt: Dr. S. Altmann, Salzburg. Prof. Antscherl, Wien. Dr. S. Arje, Smichow. Dr. Baneth, Gablonz. Dr. Hugo Bergmann, Prag. Dr. Diamand, Marienbad. Dr. I. Eisenberg, Dobrzisch. Dr. S. Frankfurter, Lobositz. Dr. I. Frankfurter, Daruvar. Dr. I. Feuchtwang, Wien. Dr. Richard Feder, Laun. Dr. H. Flesch, Kanitz. Dr. H. Folkmann, Hermanmestec. Prof. A. Freud, Triest. B. Reich, Buchlowitz. Dr. Salomon Funk, Boskowitz. Dr. M. Goldschmidt, Proßnitz. Dr. I. Guggenheimer, Kolin. Dr. M. Grünwald, Wien. Dr. M. Grunewald, Wien. Dr. I. Günzig, Loschitz. L. Grünhut, Wien. Prof. Dr. Grün, Prag. Dr. Feiwel Hillel, Leipnik. Dr. Theodor Haas, Brünn. Dr. Handel, Eibenschitz. Pros. Dr. Hirsch, Krumau. Dr. I. Hirsch, Karolinental. Dr. M. Hoch, Jungbunzlau. Prof. Dr. Hofmann, Reichenberg. Prof. Dr. Kahan, Znaim. Dr. A. Kaminka, Wien. Dr. Felix Kanter, Zwittau. Prof. Dr. Alex. Kisch, Prag. Prof. Dr. Kurrein, Teplitz. Prof. Dr. Sam. Kraus, Wien. Dr. L. Lazarus, Göding. Dr. Ludwig Lewh, Brünn. Dr Levyt, Brumath, Elsaß. Prof. Dr. S. H. Lieben, Prag. Dr. Lewin, Nikolsburg. Dr. Josef Link, Hohenems. Dr. S. Mandl, Neutitschein. Dr. Morgenstern, Leitomischl. Dr. Wolf Mische!, Kimpolung. Dr. B. Oppenheim, Olmütz. Schriftsteller Fr. Porgcs, Wien. Dr. M. Präger, Wien. Prof. Dr. D. Rabinowicz, M.-Weitzkirchen. Prof. Dr. Reach, Gaya. Rabbiner Reich, Baden. Oberrabbiner Dr. Rosenfeld. Ezernowih. Prof. Tr. H. Redisch, Wien. Rabbiner Tr. Rosenmann, Wien. Dr. L. A. Rosenthal, Berlin. Dr. D. Rosenmann, Mähr.-Schönberg. Dr. D. Rothblum, Wien. Dr. Spitzer, Franzensbad. Dr. M. Spitzer, Wien. Tr. E. Seligmann, Frankfurt. Tr. Marek Scherlag. Wien. Tr. A. Schönhof. Brünn. Tr. Jakob Sonderling. Hamburg. Adolf Stand, Lemberg. Tr. Mar Steif. Neu-Raußnitz. Prof. Tr. Stern, Saaz. Dr. I. Taglicht, Wien. Ing. Ullmer. Brünn. Tr. B. Wachstein, Wien. Tr. M. Wohl, Tachau. Tr. Weiß, Jglau. Prof. Dr. Ziegler, Karlsbad. Beitrittsanmeldungen, Vorschläge, Anregungen sind an Herrn Mar Hickl, Redakteur in Brünn, zu richten.

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