Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 ״Jüdische BolkSstimme/ Seite 3. gewohnten meisterhaften Weise über die Bewegung und Ziele in der Belebung der Sprache. Aus dem von allen LandNiännschaften erstattete» Berichte erscholl der Iubclrus, daß die hebräische Sprache in allen Landen zu neuem Leben erwacht sei. daß das ganze jüdische Kulturleben von derselben beeinflußt wird und daß wir uns mit der neuen Generation freuen können, die hebräisch lernt, spricht und. was die Hauptsache isthebräisch schon denkt. ös wurden verschiedene Kommissionen zur Beratung über die von den Referenten vorgeschlagcnen Thesen eingesetzt. Die Anträge werden wir Nachträgen. Konferenz der russ. Delegierten. Die Delegierten der zionistischen Organisation i» Rußland, etwa IäO an Zahl, traten Freitag den 20. August im Becthovcnsaal zu einer Konferenz zusammen. Nach der Eröffnung begrüßte int Name» des E. A. C. Nahutii So ko low in hebräischer Sprache die Konferenz und gab eine Ikcbersicht über die Tätigkcit der zionistischen Bctvcgung in Rußland. Wie alle Parteien in Rußland, machte auch der Zionismus eine Krise durch, da er unter großen Schwierigkeiten zu arbeiten hatte, doch habe er jetzt die Krise überwunden. DaS zeigt die steigende Zahl der Schekelzahler, welche die Höhe von 40.000 erreicht hat. Ins Präsidium der Konferenz wurden gewählt: Dr. Tschlenow, Dr. Tapir und Ing. Bruck als Vorsitzende. Als Schriftführer fungierten Dr. Bernstein und H. Göldsteln. Die Verhandlungen bestanden in der Stellungnahme zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung auf dem Kongresse. Das Präsidium schlägt vor, den Bericht der Konferenz in hebräischer und rufstscher Sprache vorzulcgen, wogegen von seiten einiger Delegierten ein heftiger Protest eingelegt wird, welche verlangen, daß dies in hebräischer und jiddischer Sprache geschehe. Bei der Abstimmung wird der Antrag Bes Präsidiums mit einer kleinen Mehrheit an gciwmmen, woraus ein Teil der Konferenzteilnehmer demonstrativ den Saal verläßt. Das Referat über die Tätigkeit des rusiischen Z. K. erstattet Dr. Bernstein. In scharfer Weise kritisicrt er die mangelhafte Tätigkeit des Z. K., das nicht verstanden hat. eine breitere Organisation zu schaffen, um dadurch den Zionismus in die Massen zu tragen. Es wurde hierauf eine Resolution angenommen, die dem Z. K. nur für seine mühselige Arbeit den Dank lind das Vertrauen ausspricht. Del. Zabotinsky hält ein Referat in hebräischer Sprache über die Einführung des Hebräischen als Nutcrrichtssprache in den Schulen. Infolge geteilter Ansichten in der Stellungnahme zur Leitung der zionistischen Bewegung bildet sich eine eigene Gruppe Zeire Zion von ungefähr 40 Delegierteil, welche auch auf dem Kongresse als einheitliche Fraktion nuftrctcn wird. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, L, ASPERNPLATZ 1. n eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven ciika 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. - Unser neuester Tarif mit 5<V0 jährlich fallender garantierte Piämie, General-Agentur für Wien, I., Aspernplatz I, Lr"— David Nebenzahl, Sub.Direktion für Prag, Ferdirand-str neu, Leiter Rode-t Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, oucha 3. Leiter Löbl Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan Rössner, St. St bastlana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. sein scheint, alle Fragen des Kongresses rechtzeitig und eingehend zu erörtern. Schon heute läßt sich fcststellen. daß die österreichische Landsmannschaft ein einheitliches Gepräge aufweist und wahrscheinlich einen nicht unbedeutenden Faktor am Kongreß darftellen wird. Ehrung des Frl. Trude Herzl. Fräulein Trude Herz! kam nach Wien, um dem Zioiiistenkongreß beizuwohncn. Aus diesem Anlasse beschloffen die galizischen Delegierten, sie als die Tochtcr Theodor Hcrzls zu ehren. Am Vorabend des Kongrejfes, eine Stunde vor Eröffnung begaben sich die galizischen Delegierten mit ihrem Präsidenten Adolf Stand an der Spitze ins Hotel Imperial, wo Frl. Herzl wohnte und wurden von ihr im Feslsaale des Hotels empfangen. Unter den Führern der Delegation befanden sich noch David Wolfsühn, Katzenelsohn, Bankier Kann samt Frau Gemahlin. Frau Dr. Siibermann. Arztaisgattin aus Neu- Sandcz, überreichte einen herrlichen Blumenkorb, worauf Herr Adolf Stand folgende Ansprache hielt: ״Es ist eine althergebrachte Sitte, daß am Vorabend des höchsten Feiertages, des VersöhuungstageS. die Kinder zu ihren Eltern kommen, diesen das Allerbeste wünschen und von ihnen den Segen empfangen. Wir übertragen dies ins Nationale. Unser allerhöchster Nationalfeiertag ist der Kongreß und so erscheinen wir vor Beginn des Kongresses, zwar nicht bei unserem Vater, der leider nicht mehr lebt, sondern bei dessen Tochter und wünschen dir, Kind Theodor Herzls, du mögest glücklich sein, cs möge der Geist unseres großen nationalen Helden immer über dir wachen." Stand sprach einige Worte über die Persönlichkeit Hcrzls,!voraus alle Anwesenden gerührt von Frl. Herz! Abschied nahmen. In kurzen Worten replizierte noch vorher der Voriiiuitd der Kinder Theodor Herzls. David Wolfssohn, der erklärte, daß er Frl. Trude Herzl wie ihrem Bruder Hans ein Wahrer Vater im Sinne des verewigten Herzls war. Nachher fuhren die Herren und Damen vom Hotel zur Eröffnung des Kongresses. Prof. Marburg gegen Max Nordan. Berlin. In einer anläßlich des Kongresses stattgesnndeiien großen Versammlung erstattete Professor Warburg. der Obmann des zionistischen Aktioiiskomitccs, das Referat. Außer den bekannten Mitteilungen des A. C. kam Marburg auch aus die Reden Nordaus und Marmoreks zu sprechen. Tie Anklagen Nordaus wies Warburg zurück: insbesondere bemühte er sich, die Tätigkeit des A. C. zu rechtfertigen. Bemerkenswert sind die Ausführungen Marburgs in bezug ans die Oelbanmspendcn. Nach Marburgs Ansicht sei die Mitteilung Nordaus keine Neuigkeit. Man könne bei Pflanzungen die Kosten nie genau bestimmen. Allgemein siel cs auf, daß Warburg über die Finaitzinslitutioncn kein Wort verlor. Tatvid Wolfsohn. Der gewesene Präsident des zionistischen A. E. ist bereits seit Freitag in Wien. Zeitungsberichterstattern gegenüber äußerte sich Wolffsohn, es sei Pflicht eines jeden Zionisten, dem Kongresse beizuwohncn. Aus diesem Grunde könne er das Fernbleiben Nordaus und Marmorcks nicht billigen. Wolffsohn vertritt den Stand- Punkt auf dem Kongresse die zionistischen Finanzinstitutc im Interesse der Bewegung schützen zu müssen. Er werde entschieden gegen die Auslieferung der Jewish Eolonial Trust an die jetzige Leitung sein. Westösterr. Landsmannschaft. In einem in jeder Hinsicht unzulänglichen Saal fonsiituiertc sich um 3 Uhr nachmittags die westösterreichische Landsmannschaft, nachdem vorher das Z. K. getagt und die Sitzung entsprechend vorbereitet hatte, lieber Vorschlag des Vorsitzenden Dr. Emil Margulics ivurde die Leitung der Landsmannschaft wie in friibereu Jahren dem Z. K. überlassen und lediglich zti Schriftführern die Herren Dr. Weiner-Wien und Dr. Schönhos-Drünn bestimmt. In das Präsidium des Kongresses wurde Gg. Dr. Ehrlich-Wien vorgcschlagen. Eine lebhafte Debatte entspann sich lediglich über die Frage des Vorsitzenden des Kongresses. Stimmeneinhellig wurde der Beschluß gefaßt, unter allen Umständen für die Kandidatur Tschlcnows gegen Wolffsohn einzutrcten?! Schon bei dieser Debatte zeigte sich die luibedingte (!) Anhängerschaft der Landsmannschaft an die herrschende Partei. In den Permanenzausschuß wurden die Herren Tr. Emil Margulics, Ing. Robert Stricker und LcoKricger entsendet. Zur Bankfrage will die Landsmannschaft in einer eigenen Sitzung Stellung nchmcii, wie überhaupt das Bestreben vorherrschend zu Vierzigjähriges Jubiläum des ״Israel. Landeslehrervereines in Böhmen". Die Gründung dieses angesehenen Vereines fällt in die Zeit des Hasnerschcn Schulgesetzes, durch welches alle damals bestehenden össcntlichen isracl. Schulen i» Privatanslalten umgewandelt wurden und tvodurch bereit Lehrer ihrer früheren Rechte verlustig wurden. Ties betrisst ihre definitive Anstellung, die Gehalts- Verhältnisse, das Recht aus Altersversorgung u. a. nt. Zur Rettung dieser cristcnzlos gewordenen Lehrer erschien eine Verordnung, durch welche die Landesstelle in den ersten 40 Jahren zur Ernennung von Lehrern zu Dispens-Rabbinern ermächtigt wurden. In den 400 neukreierten Kultusgeineinden in Böhmen fanden daher viele Lehrer eine Rettung ihrer Erigenz. Seit der Gründung des ״Israel. Laiidrslehrcr- Vereines in Böhmen" wandte diese Berursorganisation allen Vorgängen im öffentlichen Lebeit des böhmischen Judentums auf dem Gebiete des Unterrichte» und des Kultus ihr Interesse zu: in allen Organisatioiis- und Berufsfragen. so der Frage der Altersversorgung der ' Lehrer, der Regelung ihcr AnstellungS- und Gehalts- Verhältnisse, ferner i» Angelegenbril der geistigen Fortbildung aus pädagogischer und methodischer Grundlage und der Kindcrerziehung hat sie Wertvolle» geschossen. Diese ersprießliche Tätigkeit mußte naturgemäß zur Hebung »nd Förderung des Vereines und de» Standes- Bewußtseins seiner Mitglieder sünren. Ter Verein unterließ »ich!», um geordnete Per hältnisse in alle das Iudeutum betreffende Fragen und Angelegenheiten zu bringe» und hat es sich zur vornehmen Ausgabe gemacht, immer zur Hebung des Judentum» im Interesse der Heranwachsenden Jugend zu wirken. Besonders hervorgehoben muß die humanitäre Arbeilsemsaltuiig des ״Israel. Landeslehrervereines" werden. Turch die Gründung einer Hilf»- und Krankenkassa, welche henke bereits einen Slammsonds von 270.000 K besitzt, greift der Verein in allen Hilf:- und Notlagen seiner Mitglieder helfend ein. Die jüdische Oerseutlichkeit ist gewiß e! n e s Sinnes, wenn sie den Verein zu seinem Jubiläum beglückwünscht und wenn sie erkorst, daß er ״och recht viel Ersprießliche» leisten wird. Der Weg hierzu nt durch das bereits Begoniieue und Geschassenc vorgezeichnet. IMoato-uesellschaft bei der ׳JNonMsterreichischen Bank' Kr Industrie, Handel and Landwirtschaft, registrlerte Genossenschaft mit beschrankter Haften« In Brünn, Ferdlnandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen BaakgescbSfte, hauptsächlich ancb rar den ע Eskompt offener Buchforderungen unter den allergSnstlgsten Bedingungen. «ftorrefponclenjen. Tobitschau. Am 24, d. M. veranstaltete ein rührigcs Komitee der Tobitschauer Zionisten im SitznngSsaal der biesige» Kultusgemeiudc einen sehr gelangeneu VoriragSabeiid. Nach einer Begrüßung der Anwesenden durch den Kultusvorsleher Herrn Rudolf Iellinek. sprach Herr Tr. Alfred Low , Massada) über ״Assimilation". Der Redner geißelte snsbesondere die politische Inditserenz der mährischen Inden, Sodanit ergriff Herr Tr. Heinrich Mandl ,Massadada» Wort und erörterte in geistvoller Weise die Bedeutung de» elften Zionisteiikougresses. Beide Redner ernteten rdcheit, wohlverdienten Beifall. Bei dem daraufsolgeuden musikalische» Teile des Abends glänzte insbesondere Fräulein Valerie Mandler, eine ׳Absolventin der Wiener Akademie für Musik »ttd darstellende Knust, welche durch ihre,;11 liinstlerischa׳ Weise zum Portrage gebrachten Stücke, Lißi: ״Tie Nachtigall", Ehopin: ״Vakse", die Vetvilnderung aller 'Amvesenden erregte, Fräulein Liga und Herr Frch Thorich legten tu dem, zum Vortrag gebrachten Beriet: Konzert Nr. 0 eine Technik a» de» Tag. wie man solche bei Tilettaiiten selten findet. Nach diesem Vorirage an tele nochmals Fräulein Liga Tlwrsch dttrch einen cuf zuckenden Klnviervortrag «Grieg: ״An den Frühling"! reichen Beifall. Attch ein zufällig hier weilender ('du, Herr Bondh-Prag, trug durch einige hübsch vorgeiragene .Klaviervorträge reichlich zur Unterhaltung der Anwesenden bei. Zum Schlüsse trug Herr HanS Löw!',.Ilnilas" und ״Giskalah") in meislerhaiter Weise Gedichte er»- gen und heiteren Inhaltes vor. Attch ein Tamenkomitee trug zu da» gttten tinattzielleit Ergebnis de» Abends dttrch fleißigen Verkauf am Büffet bei. Tic Tobitschauer Zionisten rönnen sowohl mit dem moralischen als auch materiellen Erfolge de» Abend» zufrieden sein. Das Reinerträgiiis im Ge samtbetrage von 100 K ׳/ «י wurde wlgendamaßen verteilt: Der zionistische Ieutraliond erhielt .">0 K, der Tobitschauer Ind. Frauen-Wohltätigkeitsverein ׳-"> ,V. die Knnstgewerbeschule Bezalel ä, das hebräische Gum, itasittm i» Iernsnlem!0 i\, der Hlunchet׳ jüdische Frei lischverei»!0 K und det indische Nanonaliond den Welfa. Am B>. Auguit starb in einem Wiener Sanatorium der hiesige .Kanimniin Here Tavid Grünseid im Alter von 00 Jahren. Tee Versiorbene ersrente sich ob sattes hitmaiien uub edlen Eharaktecs ,tilge meiner Achtung und Wertschävung. ec war glanbenstreuer Jude und gehörte ztt den Begründern und eitriggen Förderern des israelitische» Miiijaiivcretne» seiner Heimatsgemeinde, so wie er auch dlirch viele Jahre