Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1913)
- Date
- 1913-08-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 ״JLttsche BolkSstimme." Seite & die in Jerusalem erscheinende ״Hascheruth", sowie eine ganze Anzahl von Wochenschriften und Monatsblättern. Der jüdischnationale Turnerverband ״Makkabi" hat bereits gegen 1000 Mitglieder in den jüdischen Kolonien und den Stadten Palästinas. So entwickelt die zionistische Organisation in Palästina eine rege Tätigkeit, und während man sich in Europa darum streitet, ob das Judentum sich auflösen oder weiterleben soll, wächst in Palästina ein neues jüdisches Geschlecht heran, das durch seine Existenz diesen Streit ein für allemal entscheiden wird. Ein jüdischer Verein für Palästinaforschung. Jerusalem. Hier ist vor einiger Zeit ein jüdischer Verein für die Förderung der Palästinakunde ins Leben gerufen worden. In letzter Zeit hat die Zahl der jüdischen Fachgelehrten auf verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten in Palästina stark zugenommen. Es sei nur erinnert an die jüdisch?medizinische Gesellschüft in Jaffa und Jerusalem, an das-Jerusalemer Gesundheitsamt, an die landwirtschaftliche Versuchsstation in Atlit usw. Auch die Zunahme der Ingenieure, der chemischen Laboratorien, der höheren Lehranstalten usw. war für die neue Gründung günstig. Der Verein zählt vorläufig über 70 Mitglieder. Zu den ersten Aufgaben des Vereines gehört die Einrichtung einer wissenschaftlichen Bibliothek und eines Museums für Landeskunde, die weitere Ausgestaltung der meteorologischen Stationen sowie die Herausgabe geeigneter Schriften in hebräischer Sprache, um die weitesten jüdischen Volkskreise für die Palästinakunde zu interessieren. In den Vorstand des Vereines wurden gewählt: David Jellin (Vorsitzender), Dr. Braver, Dr. A. Maste, A. M. Lipschitz, Dr. Rosenstein und Dr. Waldstein. Ein internationales Komitee für die Emanzipation der rumänischen Juden. Der frühere Ministerpräsident Luigi Luzzatti regt im ״Corriere della Sera" die Begründüng eines internationalen Komitees an, das im Namen der Zivilisation Rumänien die endliche Eiuanzipatiou der Juden aufnötigen soll. Tein Komitee sollen angehören Balfour, Clemenceau, Prof. Euckcn, Visconti Venosta, Martini und andere hervorragende Männer, unter ihnen in erster Linie Präsident Wilson. Einem derartigen inoralischen Drucke werde Rumänien schließlich nachgeben müssen. Bekanntlich besieht auch in Amerika seit kurzem bereits ein Komitee für die Emanzipation der rumänischen Juden, an dessen Spitze der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mr. Champ Clark, steht und den: sich neuerdings auch der bekannte Multimillionär Astor anaeschlossen hat. Josef Hanus, Brünn Rudolfsgasse Nr. 25. sämtliche Damen-Modt waren, Bänder, Spitzen, Seiden- Stolfe, Posamenterie, und Zugehör für Damenschneider und Schneiderinnen. TaS größte Schwimmdock im Adriatischen und Mittelländischen Meere. Die Bedeutung eines Schwimmdocks ist auf dem Fcstlande wenig bekannt. Es ist dies eine schwimmende Rcparaturhalle, in welche die Schiffe hiueinfahren. Der Körper dieser Halle wird dann durch Luftdruck vom Wasser cutlastet; er treibt solange in die Höhe, bis das Schiff trocken liegt und dann ohne alle Umstände gereinigt und repariert werden kann. In der Adriaausstcllung nahe dem Südportal zeigt der Cantiere Navalc Tricstino in Monfalcone an einem kleinen Modell den ganzen Vorgang. Dieses höchst interessante Ausstelluugsobjekt ist auch stets von zahlreichen Zuschauern umringt. Vor einigen Tagen aber konnte man in Monfalcone selbst beobachten, wie der zweitgrößte Dampfer der Austro-Americanaflottc — die ״Martha Washington" — gedockt und vollständig gereinigt wurde. Das Schwimmdock des Cant. Nov. Triestino ist das größte Privatschwimmdock nicht nur im Adriatischen, sondern auch im Mittelländischen Meere. Es ist 520 Fuß lang und kann nicht nur das größte Schiff der österreichischen Handelsmarine, den ״Kaiser Franz Joseph" bequem in sich aufnchmen, es wird auch für den neuen Riesendumpfer der Austro-Americana genügen, der auf derselben Werste gebaut tvird und nunmehr mit seinem ivasserdichtcn Doppelboden bereits ziemlich in die Höhe ragt. Dieser neue Schnelldampfer, dessen Name noch nicht feststeht, wird mehr als 20.000 Tonnen Wasser verdrängen. Aorresponäenzen. Brüun. Donnerstag den 28. d., 8 Uhr abds., findet in der Schwechater Bierhalle ein Lieberabend der jüdisch-polnischen Variete-Gesellschaft aus Wien statt. An dem Abende werden die Herren Lateiner, Fr. Fischer, Frl. Weitzmann, Herr Trigub Mitwirken. Brünn. Die Bethaussitze für Herren und Frauen im Vereine Machsike Hadas werden schon jetzt vergeben. Reflektanten wollen sich diesbezüglich an die Vereinsleitung wenden. Die Bibelschule des Vereines Machsike Hadas für Knaben und Mädchen wird am 22. September eröffnet. Einschreibungen finden am 16., 17. und 18. d. im Vereinslokale statt. Kojetein. (Todesfall.) Dienstag fand hier die Beerdigung der Frau N a n e t t e B i ck, Mutter des Kultusvorstehers Herrn Moritz B i ck, statt. Die Verblichene, die das hohe Alter von 87 Jahren erreichte, erfreute sich stets allfeitiger Sympathien und davon zeugte auch die starke Beteiligung am Begräbnisse seitens der jüdischen und christlichen Kreise. Zahlreiche Verwandte von Nah und Fern kamen, um ihr das letzte Geleite zu geben. Auf dem Friedhofe würdigte Herr Rabbiner S. Friedenthal in einent zum Herzen gehenden Nachrufe die guten Eigenschäften der Verblichenen. Die kantoralen Funktionen versah in würdiger Weise Herr Kantor I. Grünstein. — Friede ihrer Asche! Uug.-Hradisch. Eine besondere Auszeichnung wurde in diesen Tagen dem Oberkantor Herrn Wilhelm Lustig zuteil. Sonntag den 2-1. August fand im Sitzungssaale der israel. Kultusgenteinde eine vom Vorstande zu Ehren des aus unserer Gemeinde scheidenden Oberkantors veranstaltete Abschiedsfeier statt, zu welcher sich auch der Ausschuß der ״Chewra-Kadischa" eingefunden hatte. Nachdem Herr Lustig, der auf Veranlassung des Vorstandes im Saale erschienen war, den ihm angewiesenen Ehrenplatz eingenommen hatte, hielt der Vorsteher Herr Signtund Fürst eine herzliche Ansprache, an denselben, in welcher er die vielen Verdienste und Vorzüge dieses treuen und stets bewährten Beamten ins rechte Licht setzte. Hierauf überreichte ihm der Vorsteher eine prachtvolle, mit einer Inschrift versehene, goldene Uhr als Ehrengeschenk der Gemeinde, wobei er dem Wunsche Ausdruck gab, daß Herr Lustig die Gemeinde stets in gutem Angedenken-behalten möge, ebenso wie diese stets gerne seiner gedenken werde. Namens der Chewra-Kadischa richtete noch Herr Karl Schindler an den Scheidenden Worte des Tankes für die dem Vereine stets in bereitwilligster Weise geleisteten Dienste, wo bei er demselben in einer zierlichen, schön ausgestatteten Kassette fünf Dukaten als Ehrengeschenk der Chewra-Kadischa überreichte. Tief ergriffen von den vielen Beweisen der Sympathien dankte Herr Lustig für die ihm zuteil gewordene Ehrung und versicherte, auch fernerhin sein wärmstes Interesse für die ihm so lieb gewordene Gemcinde zu bekunden. Die Abreise des Herrn Lustig, der schon ant 1. September sein neues Amt in König!. Weinberge autritt, erfolgte Dienstag, bei welcher Gelegenheit ihm der Kultusvorstand und der Ausschuß der ״Chewra- Äadischa" in einigen Wagen das Geleite zum Bahnhöfe gab. Sch. Nng.-Ostra. Unter Leitung des Herrn Lehrer Karl Frank fand von der Lstraer Jugend am 24. d. M. in Pattlochs Restaurant (vormals Panzer) eine Theater- Vorstellung mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Nebst humoristischen Vorträgen von Herrn Paul Adler, welche großen Beifall beim Publikum fanden, wurden aufgeführt: ״Der Mustergatte", ״Ter Dienstmann Nante im Verhör". ״Mein Papa!"Diese Veranstaltung war sehr zahlreich besucht und war der Saal bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Das Reinerträgnis beträgt zirka 90 K und fällt zu gleichen Teilen den Ortsarmen und dem Jüd. Nationalfonds zu. Ein dreifaches Hoch dem Herrn Lehrer und möge er uns immer in seiner Ferienzeit durch seine Veranstaltungen erfreuen. Wien. Am 15. Tamus d. I. ist hier Herr Aron Freudmann, Schächter der isr. Kultusgemeinde Wien, nach schwerem Leiden und an den Folgen einer Operation im Alter von 63 Jahren gestorben. Derselbe war ein streng frommer und sehr gelehrter Mann; wiewohl seit seiner frühesten Jugend auf sich selbst angewiesen, warf er sich mit Freuden auf das Studium der heiligen Schriften, ward Schüler des Ben-Ilri in Brezova und des Keßaf-Sofer in Preßburg und erwarb sich bei letzterem den Marenu-Titel. Als er bereits seinen beruslichen Tätigkeiten nachging, oblag er in jeder freien Zeit und bis spät in die Nächte hinein der Forschung der heiligen Schrift. Seinen Kindern gab er eine echt jüdische Erziehung und ermahnte sie stets, im Sinne der Thora zu leben. Seit seinem fast 38jährigen Aufenthalt in Wien gehörte er zu den ständigen Besuchern des Gemorr-Schiurs im Bety-Hamidrasch der Schiffschul und manchmal vertrat er den abwesenden Vortragenden. In Erfüllung eines letztioillig geäußerten Wunsches wurden seine irdischen Reste an obgenanntem Lehrhause vorbeigeführt. Dem Leichenwagen folgte eine fast cndlose Schar, an deren Spitze Herr Rabbiner 2. Fürst lSchi ff'chul). Zur Beerdigung, die am שבעה עשר בתמין am Zcntralfriedhofe jtattfand, hat sich eine große Anzahl von Freunden, Verehrern und Bekannten des Verschiedenen eingefunden, um demselben daS letzte Geleite zu geben. Es seien hier unter anderen genannt: Se. Ehriv. Herr Lberrabbiner Dr. M. Güdemann, Se. Ehrwürden Rabbiner M. Kramer, alle dienstfreien Berufsgenossen des Verewigten, die Herren Amtsleiter I. Braun, W. Freistadt, und R. Kraus, die Herren Oberoffiziale L. Fersler und A. Meißner, und Bibliothekar Dr. B. Wachstein, vom Beamtenkörpcr der israelitischen Kultusgemeinde, die Vorsteher der Bethausvereine ״Adas Israel" (Schiffschul) und ״Ohel Abraham" Wolf Pappcnheim, R. Frommer und Sigm. Kohn, S. Schlinger namens des Vereines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender. Da sich der Verstorbene jeden Nachruf verbeten hat, konnte der älteste Sohn des Verstorbenen, Herr Tr. G. Freudmann. Beamter der isr. Kultusgemetnde Wien, vom Verewigten nur mit Worten des Dankes Abschied nehme».- Die Leidtragenden entfernten sich mit dem schmerzlichen Gefühle, daß ein tvahrhaft Frommer und Edler in Israel von dannen gegangen ist. Der Allmächtige möge der Witwe und den vier unmündigen Kindern Trost und Beistand gewähre». Sie können stolz sein, ihn zu den Ihrigen gezählt zu haben. ,6 זבר&צדיק לברבד• D. Wien. Samstag den 30. August, 10 Uhr vormittags, findet im Montefiore-Tempel, 2. Bez., Taborstraße 38, die Abschiedsrede des in den 4. Bezirk berufenen Rabbiners, Sr. Ehriv. Herr» M. Flesch, statt. Wien. Jüdischer Turnverein Favoriten. Am Samstag den 60. August um 8 Uhr abends siitbet im Saale des jüdischen Schulvereines Favoriten, 10. Bez. .Hasengasse 7, ein Vortrag statt. Thema: ״Wir jüdischen Turner und der 1l. Zionistenkougreß." Reserent: Herr med. Adolf Taglicht. Gäste willkommen! Wiener Theaternachricht. Freitag den 12. Septemder 1913 Eröffnungsvorstellung der Jüdischen Bühne. Direktor M. Siegler, Hotel Stephanie, Taborjtraße l2. Engagierte Kuustkräste: Frau Henriette Lpath, Primadonne aus dein Leinberger polnischen Theater, Frau Rosa Siegler, Frau :>t. Kalisch, Frau Jungwirth, Frl. Körner, Frau Fanico, Frl. Grünstein, Frau Rubinstein, r. Berso», Frau Kantor, Herr M. Siegler, Herr M. Streng, Herr L. Kalisch, Herr I. Reismann, Herr 2. Podsaintsche, Herr A. Rosenstei», Herr L. Jungwirth, Herr T. anico, Herr I. Kantor, Herr A. Rubinstein. -- Auch ist es der Direktion gelungen, die berühmte dramatischc Schauspielerin Frau D a > in a Fein in a » n für ein längeres Gastspiel zu gewinnen. Näheres br!ngen die Tagcsplakate und alle jüdischen Zeitungen. StaniSlau. Am 13. d. lvurde das in unserer Gemeinde sehr angesehene Gemeindeinitglied Herr Abra- Ham David Bertisch s. A.» der das 72. Lebensjahr erreichte, zu Grabe getragen. Schon vor 2 Uhr nachmittags, zu ivelchcr Stunde die Leichenfeier festgesetzt war, hatte sich vor dein Trauerhause eine überaus große Anzahl von Trauergäslen eingefunden. Nach der Tahare wurde die Bahre in das eigene im Hofe seiner Realitäten erbaute große Bethaus getragen, tvelcheS zu de» größten und schönslcn Slanislauer Bcthäusern gehört. Dasselbe, d. i. die Männer- und Fraucuabeilung, ivelche von Hunderten Kerzen beleuchtet waren, ivar von den Trauergäslen so überfüllt, daß viele keinen Einlaß mehr finde» konnte» und draußen bei den Fenstern des Ber Hauses standen, um die vielen Trauerreden zuzuhören. Nach den — um den אלמסר gemachten הקפלת wurde die Bahre vor der heiligen Lade aufgestellt. Nach mehrmaligem 2לא ^ה2״ש ^wurden hier השפד״״ס gehalten. Zuerst sprach der älteste Sohn Aron Bertisch, Kaufmann zu Stanislau, ein in der Stadl bekannter hervorragender Talmudist. Tann sprach der zweite Sohn Tr. Eh. G. Bertisch, Rabbiner aus Amslctten-bei Wien. Die dritte Rede hielt der dritte Sohn. Tr. L. Bertisch, Rabbiner aus Ledeez in Böhmen. Im Namen der אנעך ייךן ך—י2ף[ sprach Herr I. Kimmel. Nach den abgehaltcuen vier הספליש lvurde die Bahre vom Bethause bis auf dasN^^ragen, der ein unabsehbare Trauerzug folgte. Daselbst sprach Herr Rabbiner I.