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Jüdische Volksstimme · 1913-08-28 · Heft 35 (28.8.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 35 (28.8.1913)
Date
1913-08-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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«r 36. «JSttsche »olksstr»««.". «ev, S. und sonstigen bewährten Interventionen nicht gelungen, eine Wiederaufnahme dieses Prozesses, dessen Verlauf und Ausgang für Oesterreich geradezu eine Kulturschände bedeutet, zu erwirken. Ja, das Rechtsgefühl und Rcchtsbcwußtscin in Oesterreich ist, was den Fall Hilstler anbetrifft, bereits so erschüttert, daß jede Nachricht, welche die Eventualität einer Revision in Erwägung zieht, von vornherein aus Unglauben und Mißtrauen stößt und die breite Oeffentlichkeit sich nachgerade daran gewöhnt hat, in ereignisarmen Zeiten neben der traditionellen und stereotypen ״Seeschlange" auch die Nachricht von einer Wiederaufnahme des Hilsnerprozcsses als deren Entenpendant aufgetischt zu erhalten und diese Angelegenheit von Zeit zu Zeit sogar an leitender Stelle mit epischer Breite als willkommenen Lückenbüßer behandelt zu sehen. Das ist traurig. Denn mag die offizielle Dcmentierspritzc der österreichischen Justizverwaltung noch so oft in Anwendung kommen, mag der Staatsanwalt noch so oft unliebsame Bemerkungen mit seinem Rotstift tilgen. Tausende von ZeitungSexcmpkaren konfiszieren Und in die Stampfe schicken: die Üeberzeugung von der Unschuld Hilsners hat sich doch durchgerungen und trotz aller Praktiken wird det Rechts- und Schuldspruch im Falle Hilsner doch als Fehlspruch betrachtet, als Ergcbnis einer wüsten, gewissenlosen, antisemitischen Hetze, die in der Verurteilung Hilsners ein unerläßliches Und auf tierische PöbclinftiNkte vorzüglich wirkendes Ägitationsmittel sah. Denn in Hilsner sollte das Judentum getroffen werden, mit seiner Verurteilung sollte das RitualmordMärchen, das bisher nirgends durch Tatsachen seine Berechtigung erwiesen hatte, die richterliche Sanktion bekommen. Deshalb werden wir Juden und zusammen mit uns das gesamte, gebildete Oesterreich auch weiterhin, wie bisher mit aller Entschiedcnheit für die Wiederaufnahme des Hilsnerprozeffes unentwegt kämpfen. In Frankreich trägt Alfred Dreysus bereits seit Jahren das Kreuz der Ehrenlegion, in Rußland könneu die Staatsanwälte trotz ihres besten Willens keinen wie immer gearteten Schuldbeweis gegen Mendel Bcilis heraustonstruieren und nur Oesterreich kann sich des recht problematischen Vorzugs rühmen, eine Affäre zu besitzen, die cs durch eine Schuldigsprechung aus der Welt geschaffen zu haben meint, an welche niemand ernstlich glaubt, eine Verurteilung unter Auspizien, die jedem gesitteten Menschen die Schamröte ins Gesicht treiben, in jeder Brust Entrüstung und Abscheu wecken muß.... Wir wissen nicht, ob sich die Nachricht des ״Pragcr Tagblattes" bestätigen wird: aber dessen sind wir sicher: daß die Frage Hilsner solange nicht von der Tagesordnung verschwinden wird, bis nicht eine neuerliche Verhandlungen Schuld oder Unschuld Hilsners endgültig klarstellen wird. YERLOBUNQ5-RINQE BRFKIT5CHMUCK: - - HOCHZEIT5QE5CHENKE EHE-RINQE.. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Gold- 11. SilberwarenhandluDg Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. E- Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. Ausgrabungen in Palästina. Die Erforschung der Altertümer Palästinas aus der biblischen Zeit macht in den letzten Iahreu erfreuliche Fortschritte. Der archäologische Jahresbericht, den Professor Thiersch im ersten Heft des 30. Bandes der ״Zeitschrift des Deutz scheu Palästinavereines" über die wichtigen neuen Ausgrabungen in Jericho, Samaria, Beth-Sche mesch und Jerusalem (Ophcl) erstattet, bietet ein höchst interessantes Bild von der emsigen und erfolgreichen Forschungsarbeit, die in letzter Zeit in Palästina geleistet worden ist. Die Grabung in Jericho steht bekanntlich unter der Leitung von Prof. Sellin. Die reichen Mittel, die ihm von der Deutschen Orient-Gesellschaft zur Perfügung gestellt wurden, ermöglichtcn die Beschäftigung von zirka 200 Arbeitern und die Benützung einer Feldbahn. Die Ausgaben beliefen sich auf 68.000 Franken. In dem genannten Berichte heißt es mit Bezug auf diese Grabungen: 21111״ Schnittpunkte dieses uralten Verkehrsweges (der großen Meridionalstraße) mit einem Zweiten, ebenso alten und wichtigen, der in ostwestlichcr Richtung von Moab heriiber zu den Gebirgen Judas und Jsraels hinaufsteigt, und dazu in der Nähe guter, auch heute noch fließender Quellen und der berühmten großen Palmen- und Balsamoase gelegen, mußte Jericho früh schön merkantil und strategisch von besonderer Bedeuküng werden." Besonders interessante Ergebnisse brachte die Grabung um die äußere Stadtmauer, die ״etwas ganz Außerordentliches, auch in dem heute doch sehr reduzierten Zustand noch etwas Majestät!- sches und Ueberwältigendes ist." Es ergab sich, daß die Jnnemnauer, von deren Stattlichkeit jetzt freilich nicht mehr viel zu sehen ist, den Inden bei ihrem Einzug ins Land entgegentrat, während die viel'bedeutendere äußere Stadtmauer das Werk des Chiel ist, von dem es im ersten Buch der Könige 16, 34 heißt: ״Zu seiner (des Königs Achab) Zeit baute Chiel aus Beth- El die Stadt Jericho. Mit seinem Erstgeborenen Abiram.legte er ihren Grund, und mit seinem Jüngsten Segub setzte er ihre Türen ein, nach dem Worte Gottes, das er geredet durch Josua, ohn Runs." ״Man erkennt ihn wieder", sagt Prof. Thiersch, ״diesen Mann, dessen resoluter Trotz auch vor den schwerste!׳ Opfern am eigen Fleisch und Blut nicht zurückschrsckte, in der umsichtigen Entschlossenheit und kühnen Tatkraft, mit der er hier das Stadtganze systematisch von Grund aus erneuert hat." ״Die Moderne kann der Technik der Jerichomauer keinen Vorzug als den des Mörtels entgegenstellen. Jeder Zwischenraum ist ausgefüllt, so daß im Gewirre der Fugung keine Stelle bleibt, an der ein Instrument der Zerstörung einsetzen könnte. Nirgends hat auch im Lauf der Zeiten ein Vertikalriß das Gefüge dieser zyklopenhaften Mauer gelockert." ״Nichts gibt so wie dies monumentale Glacis von dem hohen Äulturniveüll, von dem stolzen Kraftgefühl seiner einstigen Bewohner und Erbauer eine deutliche Vorstellung." Nicht minder interessant sind die Ausgrabringen in Samaria, für die der bekannte amerikanisch-jüdische Philantrop Jakob Schiff mehr als 300.000 Franken gestiftet hat. ״Nächst Jerusalcm" — heißt es in dem mehrfach erwähnten Bericht — ״ist Samaria die Stätte, wo der größte Glanz der national-isrdelitischen Königszeit sich abspiclte.... in der Tat ein Arbeitsfeld, würdig der außerordentlichen Mittel und Kräfte der neuen Welt." Tie Grabung in Samaria übertrifft auch alle bisher in Palästina ausgeführten ähnlichen Untersuchungen. Sie ist noch nicht vollständig. Die Ausgräber sehen in einem Bau ״die Reste des alte KönigSpalasteS, die Gemächer Omris, Achabs und Jehus", während andere darin den von diesen stark zum Heidentum neigenden Königin erbauten Tempel des Baal erblicken wollen. Bekannt ist, daß sich dort ein Haufe althebräischer״ auf ToNscherben geschriebenen Quittungen über Lieferungen von Oel und Wein gefunden haben, die bestimmt auf den Beginn der israelitischen Königszeit binweisen. ״Wie vieles von allererster Bedeutung ist hier noch zu suchen und zu finden: der Palast des Herodes, die Gräber der alten Könige, der Zeitgenossen Elias und Elisas!" Die Grabung in Jerusalem, auf dem Hügel Ophcl südlich vom Tempelplatz, hat durch den Schleier, der über Veranlassung, Zustandekommen, Durchführung und plötzliches Ende derselden gebreitet war, ein unliebsames Aufsehen erregt. Der Kuriosität halber sei hier erwähnt, daß der Jerusalemer Korrespondent des ״Near East" vom 2. Mai es fertig bringt, die ganze Augelegenheit — den Jungtürken in die Schuhe zu schieben.Eine wertvolle Studie über die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Grabung hat H. Vincent geliefert. Interessant ist, daß Dr. Elias Auerbach in Haifa auf Grund seiner Lite־ rarischen und biblischen Studien zur Annahine eines alten Kanals gelangt ist. dessen Vorhandensein an dieser Stelle jetzt auch von Vincent, allerdings ohne allgemeine Zustinimung, behauptet wird. ■ Große archäologische Ueberraschungen brachte auch die Grabung des ״Palestine Erploiration Fund" in Ain-Schams, dem biblischen Beth- Schemesch. Die alte kanaanitische Stadtmauer wurde in ihrer ganzen Ausdehnung aufgedcckt. Tie viereckige Mauer umschloß ein Stadtgebiet von etwa dreieinhalb Hektar. Die Mauerdicke beträgt zweieinhalb Meter. Tie Zeit der Erbauung dieser Mauer dürfte etwa uni 1100 v. Ehr. anzusetzen sein. Im 11. Jahrhundert fiel die kanaanitische Stadt einer Eroberung, wahrscheinlich durch die Israeliten ,zum Opfer, bei der sie durch Feuer zerstört wurde, lieber der überall bemerkbaren Brattdfchicht lag eine neue, unbefestigte Siedlung, die Stadt zur Zeit der jüdischen-Könige. Während in der kanaanitischen Schicht die Keramik ägäisch-kyprischen Import bekundet, desgleichen auf Philistereinfluß hindeutet (mykenische Bügelkannen, kyprische .Halsringkannen) und ägyptische Jmportslücke ('Alabastervase, Skarabäen, Jsisstatuetten) auf die Beziehungen zu Aegypten verweisen, gibt es in der jüdischen Schicht keinen ägäischen Import und keine Plälisterware niehr. Im 0. Jahrhundert scheint die Stadt (wohl durch Nebukadnezars Eroberung» ihr Ende gefunden zu haben, um dann erst nach einem Jahrtausend der Verödung in byzantini scher Zeit wieder aufgebaut zu werden, wovon ein großer chanähnlicher Bau zeugt. — In der Mitte des alten Stadtgebietes kamen fünf umgestürzte Steinpfeiler zutage, offenbar das alte heidnische Sounenheiligtum, nach dem die Stadt einst benannt war (Beth-Schemesch =: Sonnen- Haus). . Dr. A. Marmorek über den Kongreß. Paris, 21. August 1013. Geehrter Herr Redakteur! Ich gehe nicht zum Kongreß und ich will mich daher über die meisten Fragen, die ihn beschüftigen werden, jetzt, knapp vor seiner Eröffnung nicht äußern. Gegen eine Seite desselben, die Festlichkeiten, habe ich in einer zionistischen Versammlung in Paris protestiert. Man wird auf dem Kongresse wahrscheinlich über praktische und politische Zionisten sprechen. Ich fürchte sehr, daß man weiter über den Unterschied zwischen ihnen falsche Meinungen verbreiten und ganz besonders, wie so oft. behaupten wird, daß die ״Politischen, mit Blindheit geschlagen, nicht imstande und nicht willens sind, zu begreifen, daß ״praktische Arbeit" in Palästina notwendig ist." Ich möchte denjenigen, die noch immer an diese Legende glauben, sagen, daß die Politischen nie aufgehört haben, diese Arbeit als einen Teil unserer Tätigkeit, als ein Mittel zur Erreichung des Zieles des Baseler Programmes zu betrachten, aber dagegen käuipfen. daß diese praktische 'Arbeit de facto die Tätigkeit und in Wirklichkeit das Mittel deS Zionismus geworden ist. Daß zum Ueberflusse noch diese Arbeit vielfach schlecht, mit zu großen Kosten gemacht wird und oft ohne wirkliches Interesse für die Gesamtheit ist, ist schon eine weitere Sache. Die wichtigste Entscheidung wird der Kongreß in der sogenannten Banksrage zu treffen habe». ES wird vorgeschlagen werden. Sie Bankleitung der jetzigen Majorität des Aktionskomi tees (den Praktischen) zu übergeben. Ich möchte die Delegierten beschwören, einen solche» ׳Antrag abzulehnen. Ich würde seine 'Annahme als eine Katastrophe für den Zionismus betrachten. Denn selbst die wärmsten 'Anhänger der Majorität des Aktionskomitees werden nicht leugnen, daß diese bei den geschäftlichen Unternehmungen des Zionisinus in Palästina sich vielmehr von Gefühlen und von Parteiansichten als von der lieber zen gung der kommerziellen Solidität ihrer Projekte leiten lassen. Eine solche Psnchologie ist eine Gefahr für die Eristenz einer Bank. 'Außerdem sind die bisherigen geschäftlichen Resultate, welche die Leitung der Palästinaarbeit auf zuweisen hat keine Empfehlung, unsere Bank nach denselben Prinzipien zu verwalten. Mögen die Delegierten sich der ganzen Veranwortung ihres Votums bewußt sein! Hochachtungsvoll und mit Zionsgruß Dr. Alerander Marmorek. Westeuropäischer Jugendtag. Ter von der ״Wiener zionistischen Verein!- gung" einberusene westösterreichische Jugendtag findet Dienstag den 2. September, 0 Uhr vormittags, im Cafe Pucher, l. Br׳,., Kohlmarkt 10, statt. Seine Tagesordnung lautet: 1. Eröffnung um 0 Uhr vormittags. 2. Zweck. Ziel und Organisation des öfterreichischen Bundes ״Blau-weiß" für jüdisches Jugendwandern. Referent: M. U. C. Otto Gersuny, Obmann der Führerschaft des Jüdischen Wandersbundes ״Blau-weiß", Wien. 3. Tie Monatshefte für Turnen und Sport als Organ der organisierten jüdischnationalen

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