Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1913)
- Date
- 1913-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34. ״Jüdisch« BolkSstimm«." S«U» 9. verflossenen rückständigen Duodezfürstentümchens, sondern die Auffassung der fortschrittlichen Regierung eines Kulturstaates, wie Rumäniens repräsentiert. Wie dcm auch sei: uns Juden erwächst die Pflicht, jetzt, da die Frage der Gleichberechtigung der rumänischcn Juden anlässlich des Friedensschlusses wieder aktnell geworden ist, die Augen'der gesammtcn zivilisierten Welt aus diese Frage zu richten. Es ist daher angezeigt, einen seither leider verschollenen Vorschlag, den der jüdische Neichsratsabgcordnete Dr. Benno Strancher vor einigen Monaten gemacht hat, in modifizierter Form wieder aufzunehmcn: Während der Kongreßtage in Wien soll im Rahmen der Kongreßverhandlungen selbst oder was angezeigtcr wäre, in einer besonderen interparteiischen Konferenz, zu der die Vertreter aller :üdischcn Parteien, Organisationen und Institutionen einzuladen wären, eine machtvolle Kundgebung für die Gleichberechtigung der rumänischen Juden veranstaltet werden. Es gilt das Interesse der ״öfffeiitlichcn Meinung" Europas für das Schicksal der rumänischen Juden zu iveckcn! Tazu ist jetzt die geeignete Zeit und der zionistische Kongress oder eine interparteiische besondere Konferenz das geeignete Forum. Laut und vernehmlich müssen wir die so oft wiederholte Forderung nach Gleichstcllung der rumänischen Juden wieder erheben: im Namen der Zivilisation, des Fortschritts, der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit. Vielleicht wird' dann doch das vielzitierte eucopäische Gewissen erwachen und Rumänien im Jahre 191', zur Erfüllung und Einlösung des Vertrages von 1878 sowie der neuesten Versprechen zloingcn. Hohe, ja höchste Zeit wäre es schon dazu! A. E. Reine r. YERLOBUNQ5-RINQE BR/K1T5CHMUCK - - HOCHZEIT5QE5CHENKE EHE-RINQE .. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. W“ Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. Jakob Stern s. A. Mähr.-Lchönberg. Am 0. Ab, dem Tage allgemei- »er Trauer fand hier unter sehr grosser Beteiligung das Leichenbegängnis des Herrn Jakob Stern statt, der lange Jahre hindurch Vorsteher der Israel. Kultusgcmcindc Mähr.-Aussce und des Shnagogenvcreincs in Mähr.-Schönbcrg war, und -n dieser doppelten Eigenschast nahezu ein Mcnschcnaltcr in selbstloser Weise eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. Ter Verblichene gehörte zu den immer selteneren Männern, in denen trotz moderner Bildung noch die alte Frömmigkeit, die glühende, opferfreudige Liebe zum Judentnme lebt. Aus einer frommen, achtbare» Familie in Kanitz stammend genoss er in seiner Jugend einen sehr gründlichen IInterricht in ־pr, und in jüdischer Geschichte, in jener Zeit freilich, wo noch in den jüdischen Gemeinden Mährens ein edler Wetteifer in der Erlernung des Hebräischeu, dem Studium des jüdischen Schrifttums aber auch gleichzeitig in der Aneignung tvcltlichcn Wissens, herrschte. Diese Liebe und Begeisterung für die heiligen Schätze des Judentums bekundete er zeitlebens, und welch seines Verständnis befass er für die Bibel und die Kleinodien unserer Lithurgie. Dies konnte man aus seinem klangvollen, herzinnigen Vortrage der Haphtaroth oder der Kol Nidre und Neilageb deutlich herausfühlen. Bei aller seiner überaus regen Geschäftstätigteil als Scniorchef einer weitbekannten Handels-firma widmete er sich mit Hingebung und Eifer den Interessen der Gemeinde, und er kannte als deren treuer Führer nur c i n Ziel, den Frieden und die Einigkeit der Gemeinde zu erkalten, dabei aber das Judentum im Gcmcindclcbcn zu fördern und zu heben. Auch den grohen Gegenwartsfragen des jüdischen Volkes schenkte er besondere Aufmerksamkeit. Hiervon zeugt am besten die von ihm 1008 erschienene Broschüre unter dem Titel ״Wirtschaftliche Beiträge zur Kolonisierung der jüdischen Emigranten aus dem östlichen europäischen Ländern," die ihrer strengen Sachlichkeit und gediegenen Form wegen auch in Fachkreisen Anerkennung fand. Tie vielseitige Liebe und Verehrung, deren sich der Dabingeschiedene, durch seine glänzenden Charaktereigcnschasten, durch seine Pflichttreue, Ehrenhaftigkeit und Wohltätigkeit in den weitesten Kreisen erfreute, zeigte sich in der aufrichtigen Trauer und Teilnahme, die sein Ableben allenthalben auslöstc wie auch in der ausscrordentlich starken Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse. Eine schier unübersehbare Menge aus allen Schichten der hiesigen Bevölkerung nebst zahlreichen Verwandten und Freunden aus Nah und Fern gaben ihm vom Traucrhause bis zum hiesigen jüdischen Friedhofe das Ehrengeleite. Im Trauerhause hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Tr. G. Roscnmann einen ergreifenden Nachruf, loorin er zunächst sein glückliches, vorbildliches Familienleben schilderte. In der Zercmonicnhalle sprach der Herr Rabbiner noch einmal, indem er ein lichtvolles Lebens- und Schaffensbild des Verewigten in tiefempfundcnen Worten entwarf. Auch der gesangliche Teil der Traucrzcrcmonie durch Herr» Oberkantor K. Schlesinger aus Olmütz unter Assistenz des Herrn Kantors M. Herzka machte auf die Anwesenden den ergreifendstcn Eindruck. Am Grabe sprachen tiefempfundene Abschiedsworte Herr Kultusvorstcher Ignaz Ziegler im Namen der Kultusgemeinde und Herr Sigmund Berger, Vorsteher des Mähr.-Schönberger Synagogenvereines in! Namen desselben. Zum Schluss sprach Herr Stadtrat Leopold Lustig aus Brünn herzbewegende Worte im Namen der Bnc-Brith. Sie alle hoben die Pflichttreue, Friedensliebe. Herzensgüte und Opferfreudigkeit des Verblichenen rühmend hervor. Seine crspriehliche Tätigkcit und seine ausgezeichneten Eigenschaften sichern ihm ein ehrenvolles Andenken in der Gemeinde und bei allen denen, die ihm im Leben nahestanden. זכי־ צדיק ^כייכד Jüdische Berlagsgesellschast. In Angelegenheit der Jüdischen Perlagsgesellschaft haben unter anderen folgende Herren ihre Bereitwilligfeit, diese hochwichtige Sache zu fördern, zugesagt: Dr. 2. Altmanu, Salzburg, Prof. Antschcrl, Wien, Dc. 2. Arjc, Smicholv, Dr. Baneth, Gablonz, Dr. Diamand, Maricnbad, Tr. I. Eisenberg, Dobrzisch, Tr. S Frankfurter, Lobositz, Dr. I. Frankfurter, Taruvar. Dr. I. Feuckuwang» Wien, Dr. Richard Feder, Lau», Dr. H. Fleich, Kanitz, Tr. Folkmann, Hecmanmeiiec. Dr. Sal. Funk, Boskowitz, Dr. M. Goldschmidt, Prossnitz, Tr. I. Guggcnhcimer, Kolin, Dr. M. Grünwald. Wien. Dr. M. Gruncwald. Wien, Tr. I. Günzig, Loschitz, L. Grünhut, Wien. Pros. Tr. Grün, Prag, Tr. Feiwel Hillel, Leipnik, Tr. Theodor Haas, Brünn, Tr. Handel, Eibcnschitz, Prof. Tr. Hirsch, Krumau, Tr. I. Hirsch. Karolinentbal, Tr. M. Hoch, Jungbunzlau, Pros. Tr. Hofmann, Reichenberg, Pros. Tr. Kahan, Znaim, Tr. A. Kaminka, Wien, Tr. Felir Kanter, Zwittau, Pros. Tr. Alex. Kisch, Prag, Prof. Tr. Kurrein, Teplitz, Pros. Tr. Sam. Kraus, Wien, Tr. L. Lazarus, Göding, Tr. Ludwig Leivy, Brünn, Prof. Tr. T. H. Lieben, Prag, Tr. Lcwin, Nikolsburg, Tr. Josef Link, Hohenems, Tr. S. Mandl, Neutilschein, Dr. Morgenstern, Leitomischl. Tr. Wolf Mischel, Kimpolung, Tr. B. Oppenheim, Olmich, Schriftsteller Fr. Porges, Wien, Pros. Tr. T. Rabinowicz, Mäbr.-Weisskirchen, Pros. Tr. Reach, Gaya. Rabbiner Reich, Baden, Oberrabbiner Tr. Rosenseld, Czernowitz. B. :>ieich, Buchlowitz, Pros. Tr. H. Redlich. Wien, Tr. T. Rosenmann, Mähr.-Schönberg, Tr. T. Rothblum, Wien, Dr. Spider, Franzensbad, Tr. M. Spitzer, Wien, Dr. E. Seligmann. Frankfurt, Tr. Jako'1 Sonderling, .Hamburg. Tr. Marek Scherlag, Wien, Tr. Max Steif, Neu-Raussnitz, Prof. Tr. Stern, Saaz, Tr. I. Taglicht, Wien, Ing. Ullmer, Brünn, Tr. B. Wachstein, Wien, Tr. M. Wohl, Dachau, Tr. Weiß, Jglan, Prof. Tr. Ziegler. Karlsbad. Beitrittsanmeldunge», Vorschläge, Anregungen sind an Herrn Mar Hickl, :liedakteur in Brünn, zu richten. Aus der Geschichte der Juden in der Türkei Tas H>. Jahrhundert kann man als da» Zeitalter des Glanzes der Inden in der Türkei bezeichnen. Unter Sclim dem Zweiten tauchte in Konstantinopel ein Maranne Don Miquez aus Spanien aus. Durch seine Bitdüng, seine Klugheit und sein schönes Aeuhcrc zog er die Aufmerksamkeit TelimS d. Zw. ans sich. Bei diesem stieg er so in Gunst, dass er sämtliche Nebenbuhler bald aus dem Felde schlug. Seinen spanischen Namen legte er ab und nannte sich Josef Nässt, und unter dcm Nainen des ״Grossjuden Joses" lebt er in der türkischen Geschichte fort. Tem Thronfolger wlirde er einfach 1111־ entbehrlich, da er ihm nicht nur Tarlehen gewährte und Juwelen verkaufte, sondern vor allem edlen Cyperivein besorgte, den Sclim bald leidenschaftlich liebte, obwohl der Koran den Weingeiiuss streng verpönt. Tiefe Schiväche für Cyperwein benutzend, drängte Josef beständig zur Eroberung der Insel Chpern. Im Rausche war es, als Selim einst den drängenden Josef umarmte mit dem Ausrufe: ״Fürwahr, tverdc ich Sultan und erobere Eypern indessen, das Selim eroberte, wurde Josef trotz Glück ging Josef heim und liess in seinem Hause das gemalte Wappen Ehperns aufhängen mit der Umschrift: Josef, König von Eypern. Selim d. Zw. machte ihn zum Herzog von Naros und der ztvölf Cykladen. Eypern indem, das Sclim eroberte, wurde Josef trotz allen Versprechens nicht zum Leben übergeben. Tie Grossen des Reiches murrten über die Stellung dieses Juden und »lachten allerhand Versuche, ihn zu stürze», aber Joses tvar und blieb der Mächtigste i»1 Staate nächst dem Sultan. Wie geivaltig des Grossjude» Einsluss war, möge uian daran erkennen, dass der kaiserliche Gesandte Oesterreichs, v. Minkwitz, ein eigenhändiges Schreiben seines Souveräns an Josef überbrachte. Joses Nassy ist eine der glänzendsten und eigenartigste» Erscheinungeu nicht nur de» osniaiiische». sondern de» IndentumS überhaupt. Man kann ruhig behaupten, das! er unter Selim d. Zu>. indirekt ein aus der Höhe seiner Madtt stebendrS Weltreich beherrscht hat. Die P. T. Empfänger unserer Aeituiisi, die mit der Bezahlung des AbonncmentöbetragcS im Rückstände sind, werden um gefl. umgehende Bezahlung ersucht, da wir in anderem Falle die Rückstände mittels Postauftrages beheben mußten. Die Admin. Bibelschule des Vereines Machsike Hadas in Brünn. Vibctschule des Vereines Machsike Hadas. Tem in der levten Generalversammlung erstatteten :liechenschaftsberichte über die Bibelichule ist folgendes zu ent- »ehmen: Tie Schulkonimissiou bestand aus de» Herren Red. M. Hickl, 2. Reiniger, '.Ui. Tiebo, :1(. Vieisl, I. Berg manu. E. Glaser. Tie Schulleitung hatten tune: V!׳ Maureh Zedet E. Friedmann kniö Redakteur M. Hickl Die Schute wurde am 10. Oktober 101־J eröffnet und am Hi. Juni Hilü geschlossen. Die Schule war in drei »naben- und zlvei Mädchenklassen eingeteilt. Der Iltnerricht wurde erteilt für Knaben täglich von ä 0 Uhr abends, für Mädchen Sonntag vormittag und Mittwoch uachmiltags. Die Freguenz war folgende:: für miuUkmi 1. Klasse, Lebrer Herr Joses Gollerstepper, ± Klasse Lehrer Herr Isidor Menet, Schüler: 07. »lasse Lebrer Herr Ein. Friedinann, Schüler L8. Für Mädchen: l. .Klasse, Lehrer Herr Joses Gollersrepper, Schülerinneu H>. L. Klasse, Lehrerin Frl. Lia Steif. Schülerin neu L7. Unterrichtet wurde: Knaben: l. »laste. Das Erkennen der Buchstaben und zusammengesetzte Leseübiingen in der Fibel 1 Fuchs 1: Gebeibnchlesen mit daraus stch ergebenden lithurgische» Erklärungen: Übersetzen des I. Abschnitte» des Schemagebetes: das Schreiben der Bwbiiaben der jüdisch-deulschen Schritt. Klasse. Gebetbuchtesen samt diversen llebersevungen und likburgischen Erklärungen; diverse Segenstprnche und deren lithurgische Anwendungen: zniainenkängendes I ndisch - T e u tidi-Scktreiben. Klasse: Bibel lieber seven ,2. Buch Moses!: religiöse und lithurgische Erklärungeu der Feil und Fasttage״, Jüdisch-Teutich Schreiben und Lesen: diverse Raschi-lleberietzungeii. Mädchen: I. Klasse: Das Erkennen der Buchuabeii und znsammrnhängendes Lesen in der Fibel >Fuchs!: '׳׳!'׳ belbt'cktleseu >.»ol Jalobe L. .»lasse: ltzebettniehleien »01 Jakobi diverser Segenssprüche: lithurgische Ertlärun. gen: Jüdisch-Deutsch-Schreiben und -Leien iBuck,>!,!!> n »nd zusa»1menhä»ge»d>; praktische Küchen-Kaschrui:: biblische und lithurgische Erklärnngen der Fei!- und Fasttage. Die Lehrmittel tvie Fibel, Gebetbücher, Ehamoicknin wurde» den Schüler» von der Veeeinsleilnng gratis l!e> gestellt. Während des Schuljahres ivurde die Schule von den Mitglieder» der Schulkommiisioii inspiziert, '.,luili haben mehrere Rabbiner die Schule 111 u ihrem Besuche beehrt. Der Barmiztvaliitiiterricht wurde an mehrere Schüler unentgelüich erteilt. Ta l m >t d v o r t r ä g e. In den Wiinernwnale n fanden Montag »nd Donnerstag Talinndvortrage ninee der Leitung des Herrn Ein. Fcieduiaiin iiait. Das neue T eh!1 l j >1 h r. Das neue Sehn!sah!׳ wird Montag den Bck. Sepleniber ö. I. n», Ilbr nach »litlags tuit einem feierlichen Gottesdienst eröffnet. Eins cki reib n n g e n. D>c Einicheeibnngen jiir die Knaben und Mädchenselmle werden Dienstag den Hi., Mittwoch den 17., Donnerstag den 1h. September zwischen 5, und 7 tlhr abends uno Sonntag den ckl. zwi scheu lO und U Uhr vormittag.- vorgenomnien werden. Nachdem nur zirka >0!.׳ .»inde! Aniilahme finden, wird nin rechtzeitige Anineldting gebeten. Dringendes Ansuchen. Es ergeht an die jüdische Vevölkeriitig Vrünns und der Provinz das