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Jüdische Volksstimme · 1913-08-21 · Heft 34 (21.8.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 34 (21.8.1913)
Date
1913-08-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ״Jüdische BolkSstimme." Nr. 34. dringende Ansuchen zur Erhaltung der Bibelschule eine entsprechende Spende an die Leitung des Vereines Machsikc Hadas, Brünn, Adlcrgaffe zu senden. In Anbetracht der erzielten Erfolge und der Wichtigkeit dieser Schule für unsere Jugend erwartet die Vcrcinslcitung eine materielle und gleichzeitig moralische Förderung. ״Anstedlungsrayon" in Ungarn. Die russischen Methoden beginnen langsam auch auf Ungarn abzusärben. So ist z. B. jetzt den Juden der Aufenthalt in denk Badeorte Rank-Fürcd, der unter Verwaltung des königl. ungarischen Ackerbauministeriums steht, einfach verboten worden. Der Badcinspektor Graf Paul Haller hat den strengen Befehl erteilt, keinem einzigen Juden in deni Badeorte ein Zimmer zu vermieten. Dieser gräfliche Vertreter der kön. ungarischen Regierung geht in seinem Judenhassc so weit, daß er den Juden, die, als sic sich vom Badeorte selbst förmlich ausgeschlossen sahen, in der Nähe desselben in Bauernhäusern cinmictcn und ein Privatbad benützten, selbst den Zutritt in das Gebiet des Badeortes durch eigens hierzu beorderte Gendarmerie verwehrt. Es mus; allerdings zur Entschuldigung des Grafen Haller angeführt werden, schreibt die Ocstcrr. Wochenschrift dazu, das; cs sich hier bloß uin arme Äaftanjudcn aus Marnaros und Galizien handelt, welche auch von den chauvinistischen Assimilanten in Ungarn in aller Form verfolgt werden, so das; Graf Haller sicherlich nicht daran dachte, antisemitisch zu handeln, wenn er etwas tat, was auch die ״liberalen" Juden in Ungarn zu tun pflegen. Ein Skandal bleibt die Angelegenheit jedenfalls, die übrigens jetzt den Gegenstand einer Untersuchung seitens des Ministeriums bildet. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUN GS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven ciika 116 Millionen Kronen. — Billigste Tante, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 50/0 jänrlich fallender garantierte P.ämie, Qenerai-Agentur für Wien, 1., Aspernplatz I, Leiter David Nebenzabl, Sub.Direktion für Prag, Ferdinandsstr. 20. neu, Leiter Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Sza]- oucha 3. Leiter LObr Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan Rüssner, St. Sebastians 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. Judenverfolgungeu in Rußland. In der jüngsten Zeit macht sich in Rußland wieder ein stärkeres Aufflammen der Pogrombewegung bemerkbar. Zeitungsmeldungen berichten, daß in Nola bei Lodz drei Häuser jüdischer Besitzer in Brand gesteckt wurden, wobei ein sicbenjährigcs Kind verbrannte; im Bezirke von Micro sind vom dortigen Gouverneur erwiesenermaßen Judenverfolgungen inszeniert worden, wahrscheinlich, um die richtige Temperatur für für den dortigen Beilis-Prozes; hcrbcizuführen, für welchen nunmehr auch die Sachverständigen bestellt wurden. In Odessa mußten zwei private Mädchengyinnasicn sowie die Stadtgymnasien die Aufnahme jüdischer Schülerinnen einstellen. In Malisch wurde ein Progrom befürchtet, weil das Gerücht verbreitet wurde, das; ein Diebstahl in einer Kirche von Juden verübt worden sei. Die Diebe sind aber rechtzeitig erwischt und als rechtgläubige Russen agnosziert worden. Im Flecken Parczcwo hat sich ein Kind, das zu einem jüdischen Feldscher zwecks Impfung geschickt worden ist, verirrt. Sofort verbreitete sich das Gerücht von einem Nitualmord. Tie Bevölkerung begann zu rauben und zu plündern, bis das Kind am Abend wiedcrgcfunden war. Das sind gewiß Einzelfälle, die wahrscheinlich bloß Glieder einer langen Kette von Elend und Ungemach sein dürften, denen die russischen Juden wieder einmal ausgcsctzt sind. Aber nirgends in Europa rührt es sich; die frommen Christen Rußlands, die Gott und die Heiligen fortgesetzt auf der Zunge, aber nicht im Herzen tragen, sehen diesem rüden, furchtbaren Treiben ganz tatlos zu, das große humonistische Europa, das für Gleichheit, Brüderlichkeit und Duldsamkeit allen Menschen gegcnüber theoretisch schwärmt, findet kein Wort der Abwehr, keine Geste der Empörung, die doch wenigstens den Erfolg hätte, das; die. russische Eigenliebe aufgcstachclt würde, so daß von Amts wegen das Leben der armen, geknechteten jüdischcn Mitmenschen erträglicher gestaltet werden könnte. Die Verhältnisse in Rußland scheinen danach eine sehr trübselige Richtung zu nehmen. Schließlich krümmt sich auch der Wurm, wenn er i getreten wird. Es wäre nicht zu verhindern, daß diese so tief erniedrigten, in ihren äußersten Le-, bensmöglichkeitcn gehinderten Menschen zu ir-I gendeiner verzweifelten Gcgnwchr aufgereizt würden; aber cs mag ja leider sein, das; gerade dieses Ziel der hinterhältigen russischen Politik vor Augen schwebt. Kunäsckau. Zur Illustration der Zustände in der Kultusgrmeindc Neutitschein. Jedermann konnte cs in der letzten Numincr der ״Ncutitscheincr Volkszcitung" lesen, daß am 18. d. um 11 Uhr vormittags anläßlich des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers im hiesigen ״Kaiser-Jubiläumstcmpcl" ein Fcstgoitcsdicnsl abgchaltcn werden wird. Am 18. d. um 11 Uhr vormittags: Die Vertreter der Bezirkshauptmannschaft, der übrigen Behörden und der Gemeinde kommen tu den Tempel und werden vom — Schammcs empfangen. 11 Uhr 10 Min. Beginn der Feierlichkeit, bei der alle Mitwtrkendcn ihr Bestes leisteten. Nun zum Auditorium: Linker Hand: in der ersten Bank die ebcncrwähntcn Vertreter, lauter Ehrtstcn natürlich; in der zweiten vier jüdische Herren, hieraus zehn leere Bänke, dann wieder zwei Herren und zum Schluß der Schammcs. Rechts: in der zweiten Bank zwei Herren mit dem Tempclvorstchcr, dem einzigcn Bcrlrclcr des Kultusvorslandcs, hieraus wiederum zehn leere Bänke, schließlich in den letzten einige Studeuten. Durch die vorzügliche Reklame in der Volkszcitung angelockt, hatte sich auch eine Anzahl Ehristen eingesunden, die'rückwärts standen und dieser ״imposanten" Feier beiwohnten. Wir halten weitere Kommentare für überflüssig, werden cs jedoch nichl Unterlasten, in unserer Kultusgcmcindedie Zustände entsprechend zu würdigen. Schächtvcrbot in Frankreich. Nach einer Mitteilung der ״Revue pratique des abatoirs" plant man in Frankreich ein Gesetz, durch das das Schächten nach dem Vorbild der Schweiz verboten werden soll. Tie Erzeugung ritueller Würste. Vor dem Bezi.rksrichter Dr. Wladarcz in Wien (2. Bezirk) hatten sich Vieser Tage die Fleischergehilfen Johann Schmutz, Leop. Miltl, Josef Punschert und Cyrill Skoda wegen Uebertretung des LcbenSmittelgesetzes zu verantworten. Ter Anklage zufolge bedienten sich die Angeklagten, die beim Fleischselcher Moritz Lazar, Wallensteinstraße, der sich mit der Erzeugung von Koscherwürstcn befaßt, bei der Herstellung der Würste eines Farbstoffes, um das Aussehen der Würste frischer zu machen. Die Angeklagten erklärten, das; sic sich keines Farbstoffes bedient hätten. Der als Sachverständiger vernommene Genossenschaftsvorsleher der Fleischselcher, Vieröckl, gabt an, das; die Angeklagten im vorliegcnden Falle auf keinen Fall ein Verschulden treffe, da sie nur nach Weisungen ihres Chefs vorgcgangen wären. Auf dem Wiener Markte würden aber überhaupt keine Würste erzeugt, die den Vorschriften des jüdischen Ritus entsprächen. Es sei den Fabrikanten unmöglich, gleichzeitig den Anforderungen des Wiener Publikums und des' Rabbinats zu entsprechen. Dadurch, daß das Blut ansgelaugt werde, verlören die Würste ihren frischen Glanz und würden von niemanden gekauft werden. Nur in sehr beschränktem Maße erfolge die Fabrikation sogenannter ״koscherer" Würste, die aber ausnahmslos nach auswärtigen Gegenden erportiert würden. Ans Grund des erstatteten Gutachtens sprach der Bezirksrichtcr Wladarcz die vier Angeklagten frei. Tic jüdischen Gefangenen in Belgrad. In der Belgrader Festung befinden sich gegenwärtig folgende 20 gefangenen Juden, .die im bulgarischen Heer dienten: ans Küstcndil: Samuel Di. Jankow, Schimon I. Koen, Tschilibi I. Bcracha, Samuel I. Konforna, Nissim I. Lazar; aus Sofia: Tschilibi B. Ninia, Ascher B. Jsak; ans Tatar-Basardschik: David A. Benbasat; aus Rustschuk: Nissim Arstin; aus Varna: Chain! S. Barach, aus Philippoppel: Josef I. Israel, Marko B. Saräta; aus Samokow: David CH. Melamcd. Die jüdischen Gefangenen ans dem türkischen Heere sind bereits in die Heimat entlassen. Außer den erwähnten 20 gefangenen Juden sind noch mehrere in Nisch und Muinanowo interniert. Die Gefangenen werden in Belgrad menschlich behandelt. Nach den Wahrnehmungen des Unterzeichneten, der vo mKriegsministerium die Erlaubnis erhielt, die Gefangenen zu besuchen, werden sie genügend genährt. Die Kasernen sind rein gehalten. Hebräische Bezeichnungen für Margarine und Kunstspeisefetf. Nach einem Gutachten der Berliner Handclskammcr ist cs in den intcrcstierten Kreisen des Berliner Wirtschaftsgebiets nicht bekannt, daß für Margarine und Kunstspciscfcttc hebräische Bezeichnungen, z. B. Hodor, Minnich, Matamin, Eggos, Mosaun, Malkoh, Eggaus usw. allgemein angewcndct werden. Sprach- und vcrkchrsüblichc Hinweise auf die Eigenschaft der Ware könneu nach Auffassung der Interessenten in derartigen Bezeichnungen nicht erblickt werden, da kaum ein Käufer oder Verkäufer der so bczeichncten Produkte die Bcdeutung der betreffenden Worte kennt und daher annehmen muß, daß cs sich um frei erfundene Phantasicnamen handelt. Der Allgcmcinbcrkchr hat demnach kein Jntercstc daran, daß ihm die Benutzung solcher Worte Vorbehalten bleibt. Dfekonto-öesellschaft bei der ° NordOsterreSchischen Bankr Jftr Industrie, Handel amd Landwirtschaft, registrierta Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Baakgeschifte, hauptsächlich auch rar den > Eskompt offener Buchfordeningen | unter den allergfinstigsten Bedingungen. Eine bölimtsche Steuer sur Esrogtm tm 18. Jauri-unvert. Im Jahre 1736 machte ein Prager Kaufmann. David Heinrich Lehmann, der böhmischen Hofkanzlci den Vorschlag, auf die Einfuhr der Esrogim eine >.bcsondere Maut" zu legen. Diese besondere Maut werde ״dem höchsten Aerario" ein ״sicheres Quantum ablverfeit" und cs in die Lage setzen, dem Antragsteller eine Gratifikation von 2000 Dukaten' anszuzahlcn. Der Vorschlag kam erst acht Jahre später zur Behandlung. In einem Hofdckret au die böhmische Hofkanzlci und an das königliche Amt in Brünn wurde mitgctcilt, daß der Antrag ״wohl zu akzeptieren wäre, daß man es den Juden aber auch weiterhin frcisiellc» wolle, die Esrogim zu kaufen, wo und wie cs ihnen beliebt. Für diese gnädigst gewährte Freiheit sollte aber die Judcnschast von Böhmen, Mähren und Schlesien jährlich den Betrag von •40.000 fl. an die Acrarialkassc in Wien abführcn. Für das Jahr 1744 sei der Betrag sogleich zu erlegen, widrigenfalls die Juden vom 1. Jänner 1748 an gczwangen sein werden, ihre Esrogim um festgesetzte Preise und in einem bestimmten Ausmaße nach Weisung der Regierung zu beziehen. Die verlangten 40.000 sl. waren so aufzutcilcn, daß die Juden in Böhmen sieben Zwölftcl, die mährischen vier Zwölftel und die schlesischen Juden ein Zwölftel der Stimme erlegen sollten. Für die Juden war die neue Steuer unerschwinglich. Doch darum bekümmerte sich die Behörde nicht und die Juden mußten zahlen. Die Zahl 13. Der bekannte Altertumsforscher Prof. A. Berthold in Basel schreibt über die Zahl 43: ״Wenn es heutzutage Mode geworden, ist möglichst viel Knlturerrungeuschasten von Babel abzuleiten, wenn diese Neigung zum ״Panbabylonismus" in gewissen Kreisen sogar alles- Blaß überschreitet, so ist int speziellen Falle Wohl wirklich einmal auch das besagte Stück Aberglaube ein vabhlonischcs Erbe. Zur Zeit des jüdischen Exils nämlich war das in Babhlon gebräuchliche Kalendcrprnizip ein Mondjahr von abwechselnd 20 und 30 Tagen, was für zwölr Monate 384 Tage ausmachtc. llm nun den Ausgleich mit dem Sonnenjahr zu erreichen, wurde in entsprechcndcn Zeiträumen ein weiterer, dreizehnter Monat eingeschaltet; als überschüssiger aber galt er als cigcntlicher Unglücksmvnat, der seine Zahl 13 in Verruf brachte. Und damit hängt gleich ein Weiteres zusammen: Wie jeder der gewöhnlichen zwölf Monate einem der bekannten Ticrkreiszcichcn entsprach, so entsprach dem Schaltmonat das Ticrkreiözeichen des :!laben, weshalb der Rabe der Unglücksvogcl wrude. In diesem Zusammcntrcffcn von Unglückszahl und Unglücksvogel liegt gerade die beste Gewähr, daß diese Erklärung des- AberglaubenS von der 13. Zahl das Richtige trifft. Dem Ehristcntum wäre er somit durch das Judentum übermiltclt worden." Ein Gesuch Melier Amschcl Rothschilds. Der Stammvater der Rothschilds hat unter dem 2. April 1805 das nachstehende, den Wandel der Zeiten widcrspicgelndc Gesuch an den Kurfürsten von Hessen gerichtet:

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