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Jüdische Volksstimme · 1913-08-14 · Heft 33 (14.8.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 33 (14.8.1913)
Date
1913-08-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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*Wt* Neuerliches Debatte der deutschliberalen Israeliten m Znaim. An den vollständigen Sieg der Oppositionellen im zweiten Wahlkörper schloß sich ein nicht weniger bedeutender Erfolg im ersten Wahlkörper der Znaimer Kultusgemeinde an» indem es den Jüdischnationalen gelang» Herrn Dr. Rosenfeld im engeren Ausschuß und Herrn Sanitätsinspektor Dr. Wolfenstein und Herrn Dr. Benesch im erweiterten Ausschuß dürchzudrucken. Alle Mittelchen versuchten die Machthaber, um ihrer Liste zum Siege zu verhelfen; die mißliebigsten Personen ließ sie nach bewährtem Muster sofort fallen, die Akademiker brüskierte man, Wahllokal und Wahlstunde ״vergaß" man anzuzeigen und der Wählerschaft Mächte man eine Stellungnahme unmöglich» indem sie die offiziclle Kandidatenliste erst 36 Stunden vor oer Wahl in die Hände bekam. Die Wahl aber zeigte, wie vielleicht keine andere, die Unzufriedenheit der Wählerschaft mit der bisherigen Leitung und wie berechtigt der Kampf der Oppositionellen war. Die Kahalleitg. hätte sich kein überzeugenderes Mißtrauensvotum holen können. Aber noch nicht genug daran. Ihre Niederlage sollte noch vollständiger werden. In der Vorstanoswahl» die Sonntag den 10. August 1913 stattfand» bekamen die Jüdischnationalen von drei Vorstandsposten beide Beiratsstellen: Herr Dr. 3tosenfeld wurde erster, Herr Samuel Scheuer zweiter Beirat. Beide Herren, bieten uns die Gewähr dafür, daß in der Znaimer Kultusgemeinde endlich einmal auch dem jüdischnationalen Standpunkte Rechnung getragen werden wird. Wir bitten unsere Leser bei Bestellungen unsere Inserenten zu bevorrügen und sich dabei auf die ״Jüdische Volksstimme" zu berufen. Dr. Franz Heltai. Budapest. Dr. Franz Heltai, Oberbürgermeister der ungarischen Hauptstadt, der — wie wir cs seinerzeit meldeten — dem jüdischen Glauben angehörte, starb Sonntag abend im Badeort Ischl, wo er während seiner Sommerkur plötzliih erkrankte. Die hervorragendsten Persönlichkeiten der Monarchie interessierten sich täglich ob des Zustandes des schwerkranken Oberbürger- Meisters und auch Se. Majestät ließ sich täglich über seinen Zustand telephonisch berichten. Einigemale schickte der König sogar seinen Adjutanten zum Krankenbette Franz Hcltais, um dort den allerhöchsten Wunsch, der Kranke möge je früher genesen, persönlich ausdrücken zu lasten. Franz Heltai, der zu Szentes (Kom. Csongrad) als Sohn eines jüdischen Kaufmannes geboren ist, begann seine Laufbahn als Mitarbeiter einer kleineren Zeitung. Durch seinen außerordentlichen Fleiß brachte er es — mit seinem außerordentlichen Talent — zu einer solch hohen Stufe der Kenntnis im Fache des sozialökonomischen Wistens, daß er sich in kurzer Zeit die Hochachtung aller Fach- Icute Ungarns erwarb. Seine Bahn wurde frei. Er wurde gewählt als Mitglied des ungarischen Parlaments. Im Kreise dieses zum Mitglied der ungarischen Delegationen des östcrreichisch-ungarischen Reiches. Und vor zirka sechs Monaten würbe ihm eine der größten Auszeichnungen des ungarischen Staates zuteil. Er wurde — als vom König an erster Stelle nominierter Kandidat — Hum Oberbürgermeister Budapests gewählt. Zugleich wurde Dr. Heltai zum Mitglied des ungarischen Magnatenhauses von Se. Majestät berufen. Er — als Mann der Arbeit während seines ganzen Lebens — betrat dieses hohe Amt mit großer Ambition und Arbeitslust, doch war es ihm nicht vergönnt, seine großen Pläne zu vollführen. Ein religiöses Leben im echten Sinne des Wortes lebte der Verblichene zwar nicht, doch seinen Glauben opferte er nicht dem Fortkommen zulieb. Der Tote wird von Ischl nach Budapcst übergcführt und am jüdischen Friedhofe zur eisigen Ruhe bestattet werden. I luiuiin If l Anilr Optiker und Mechaniker, Brünn LUilnll| (VI ullllv Krapfengasse25 empfiehlt sein reichhaltiges Lager von Operngi. ser, Brillen u. Zwicker. Installierung v. Fiaustelegaphen und Telephonen, sowie Reparaturen prompt und billig. ^Ktdifche Vollvstimrue." Jüdische Berlagsgesellschast. In Angelegenheit der zu gründenden Jüd. Verlagsgesellschaft findet anfangs September in Wien eine Besprechung der Interessenten statt. Ort und Zeit werden rechtzeitig bekanntgegeben. Diejenigen Personen, die gewillt sind, an dieser Besprechung teilzunehmen, werden ersucht, ihre Adressen dem vorbereitenden Komitee z. H. des Herrn Max H i ck l, Redakteur in Brünn, bekanntzugeben. In Angelegenheit der Jüd. Verlagsgesellschaff haben weitere Persönlichkeiten ihren Beitritt, eventuelle Mitarbeit zugesagt. Prof. Dr. N. Grün, Prag. Dr. M. Grunwald, Wien. Dr. Handl. Eibenschitz. Dr. M. Lewin, Nikolsburg. Dr. Josef Link, Hohenems. Dr. Morgenstern, Leitmeritz. Dr. B. Oppenheim, Olmüh. Prof. Dr. H. Redlich, Wien. Dr. M. Nosenmann, Wien. Dr. I. Taglicht, Wien. Dr. Fr. Weiß, Jglau. Weitere Anmeldungen sind an Herrn Mar Hickl, Redakteur in Brünn, zu richten. Rabbiner Dr I. Ziegler. Am 16. August 1913 wird die israelitische Kultusgemeinde Karlsbad das 25jährige Jukiläum des Herrn Dr. Ziegler als Karlsbader Rabbiner festlich begehen. Ignaz Ziegler ist in Also-Kubin am 29. September 1861 geboren. Am 22. Juni 1888 wurde er am Budapester Seminar zum Rabbiner promoviert, seit dem 15. August 1888 wirk: er als Rabbiner in Karlsbad. Von seinen Schriften erwähnen wir: 1889 die Uebersetzung der Haphtoroth, — 1894 ״Religiöse Disputationen im Mittelalter", — 1900 ״Die Geschichte des Judentums", — 1903 ״Die Königsgleichniste des Midrasch, beleuchtet durch die römische Kaisergeschichte," — 1907 ״Der Kampf zwischen Judentum und Christentum in den ersten drei christlichen Jahrhunderten", — 1912 ״Die Geistesrcligion und das jüdische Religionsgcsetz", — 1913 (im August) ״Dokumente zur Geschichte der Juden in Karlsbad". Das Kaiser Franz Jofef-Regierungs-JuLiläumshospiz für arme Israeliten in Karlsbad verdankt ihm sein Entstehen; ebenso das israelitische Ferienheim, das ein eigenes Heim in Schlaggenwald besitzt. Von Sr. Majestät dem Kaiser ist er mit dem 3titterkreuz des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet worden. Dr. Ignaz Ziegler ist nicht bloß einer der hervorragendsten jüdischen Theologen und einer der glänzeirdsten Prediger Oesterreichs, er ist auch auf humanitärem Gebiete ein Mann von starker Initiative und unermüdlicher Tatkraft, genießt eine große Popularität und feine zahlreichen Freunde werden gewiß die Gelegenheit benützen, ihm an dem Jubiläumstage ihre begeisterte Verehrung zu bekunden. Kunälckau. Verlegung eines Samstag-Markttages. - Wie wir seinerzeit berichteten, hat der ״Ungarischc Kaufmännische Verein" im verflossenen Winter über Antrag seines Ausschutzmitgliedes Lesider Korein beschlossen, die Verlegung der am Samstag stattfindenden Wochen- und Jahrmarite auf einen anderen Tag der Woche beim Handelsministerium zu befürworten. Der Verein hat denn auch eine diesbezügliche Denkschrift an das Ministerium gerichtet, worauf das Ministerium erklärte, daß es bereit sei, falls die betreffenden Ortsbehörden die Verlegung der Samstagmärkte beschließen, in jedem einzelnen Falle zu sanktionieren. Wie nun aus Äorpona gemeldet wird, ist es dem Jpolysager Oberrabbiner Jonathan Weiß zu danken, daß dort der Wochenmartt von Samstag auf Mittwoch verwgt wird. In diesem Ort, der zum Jpolysager Nabbinatsbezirke gehört, wird der Markt seit alten Zeiten am Samstag abgehalten und halten demzufolge alle jüdischen Kaufleute ihre Geschäfte Samstag offen. Auf Anregung des Oberrabbiners beschlossen sic, falls der Markttag verlegt wird, ihre Geschäfte am Samstag zu schließen. Den eifrigen Bemühungen seiner Ehrwürden ge¬ Nr. 33. lang es auch bei der Korponaer Stadtrepräsentanz zu erwirken, daß sie die Verlegung des Marktes auf Mittwoch beschloß. Die Sanktionierung seitens des Handelsministeriums ist bereits erfolgt und vom 1. Oktober an werden die Märkte nicht am Samstag, sondern am Mittwoch abgehalten. Ein gemaßrcgclter antisemitischer Kommandant. Newyork. Wie seinerzeit berichtet wurde, ist der jüdische Unteroffizier Samuel Littmann nicht zur Offiziersprüfung zugelassen worden weil er Jude ist. Littmann quittierte, aber hervorragcnde jüdische Persönlichkeiten haben die Anzeige erstattet, worauf Gouverneur Sulzer eine Untersuchung gegen den Kommandanten Bartmann, auf dessen Befehl Littmann abgcwiesen wurde, anordnete. Die Untersuchung ergab, daß die Abweisung tatsächlich bloß aus judenfeindlichen Motiven erfolgt ist. Gouverneur Sulzer ordnete die Veröffentlichung des Untersuchungsprotokolls an, verfügte eine entsprechende Maßregelung des Kommandanten Bartmann und die Wiederzulassung Littmanns zur Offiziersprüfung. Gouverneur Sulzer sthließt diese Verfügung mit folgenden Worten: ״Als ich Gouverneur wurde, erklärte ich, daß es in der Nationalgarde keine Unterscheidung nach 3tasse, Äonfesiion oder ähnliche Bedingungen geben dürfe. Ich habe dieses Versprechen ernst gemeint. Mögen alle, die es angeht, dies zur Kenntnis nehmen und sich danach richten." Stanislaw Meudelson, der Chefredakteur der in Warschau erscheinenden polnisch-jüdischen Tageszeitung ״Przeglad Codzienny" ist im 55. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene, der einer alten angesehenen Bankiersfamilie entstammte, war einer der hervorragendsten polnisch-jüdischen Publizisten der Gegenwart. Stanislaw Mendelson war ein Schwager des verewigten Gustav Karpelos und ein Schwiegersohn des rühmlichst bekannten Nahum Sokolow. Hofrat Professor David Popper. Fast gleichzeitig mit der Nachricht, daß der bekannte Cellist mit der Hofratswürde ausgezeichnet wurde, kommt die erschütternde Nachricht von seinem plötzlichen Hinscheiden. Mir David Popper, dem Künstler und Lehrer, ist auch ein edler Mensch, ein geistsprühender Liebling der Gesellschaft, ein stolzer und aufrechter Jude, der ein Jude nicht nur durch Geburt, solldern auch mit Herz und Seele war, dahingegangen. Die jüdischen Volksschulen in Ungarn. Aus dem Bericht des ungarischen Kultus- Ministers ist die traurige Tatsache ersichtlich daß neuerdings 14 jüdische Volksschulen eingegangen sind. Im ganzen Land gibt es derzeit 416 jüdische Volksschulen mit 832 jüdischen Lehrern. Die Zahl der in diesen Schulen inskribierten Schüler beläuft sich auf 35.216 (darunter 2541 Nichtjuden), während 11.494 jüdische Schülcr die Schulen anderer Konfessionen besuchten. Tic Zahl sämtlicher jüdischer Elementarschüler beläuft sich auf 94.131. 7405 schulpflichtige jüdische Kinder besuchten keine Schulen. Von den 416 jüdischen Schulen wurden 356 Schulen mit 558.889 K vom Staate unterstützt. Ein Wundcrknabe. Auf einen fünfjährigen Wunderknaben machen die bekannten Professoren Bechterew und Schakow in der Presse aufmerksam. Der Junge, Mischa Atlas mit Namen, ist in Astronomie. Zoologie, Chemie und Literatur verblüffend bewandert. General Lambert. Das Museum der Gendarmerie in Nancy hat dieser Tage in feierlicher Weise seine Sammlung mit dem Porträt eines der berühmten Kinder der Stadt Nancy, des im Jahre 1896 verstorbenen Generals Aime Lambert, des Sohnes des Abraham Samuel Lambert, bereichert. Der ״Nepublicain" schildert in folgenden knappen Zügen die großen Verdienste dieses Mannes: Aime Lambert, Grand-Offizier der Ehrenlegion, oer 1896 in Paris starb, hatte eine lange rühmliche Karriere durchgemacht, indem er an drei׳ zehn Schlachten teilgenommen, mehrere Wunden erhalten und während des Kriinkrieges allein im Tagesbefehl ־ lobend genannt wurde. Dieser stolze Soldat war Besitzer zahlreicher Auszeichnungen und aller Medaillen des Krimkrieges, des italienischen, mexikanischen und türkt-

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