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Jüdische Volksstimme · 1913-08-07 · Heft 32 (7.8.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 32 (7.8.1913)
Date
1913-08-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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-f-Vy־ ״•?;; ■VSP***^ ■־ Nr. 32__ ״Jüdische BolkSstimme." Seite 5 Rechtsberaubungen der Juden zu protestieren. In den darauffolgenden Debatten gaben mehrere Delegierte ihre Mißbilligung über die fortwährenden Judenversolgungen zu erkennen. Die Polizei jedoch ließ wissen, sie werde die Diskussion der Judenfragc nicht dulden. Judenverfolgungen in «iidarabien. Jerusalem. In den jüngsten Tagen sind hier wieder aus dem Jemen traurige Nachrichten über die Drangsalierung der dortigen Juden eingetroffen. Da der an dem Schwager des Chacham-Baschi (Oberrabbiners) von Sanaa vor einigen Monaten verübte Mord ungesühnt blieb, wurde jetzt in der Gegend von Menaska ein Jude in noch grausamerer Weise umgcbracht. Dem jungen Schalom Jlkasar wurde nämlich auf dem Wege aufgelauert, und er wurde, als er ahnungslos vorbei kam, ergriffen und lebendig begraben. Diese beiden Mordtaten, die an Angehörigen der angesehensten jüdischen Familien verübt wurden, haben alle Juden des Jemen in tiefste Trauer und Bestürzung versetzt. Die unerträglichen Bedrückungen, die die Juden seitens des Imam Jachja zu erleiden haben, halten an, ohne daß der türkische Mali es wagt, gegen den übermächtigen Imam einzuschreiten. Vor kurzem verklagte ein Jude einige Araber, die ihn ohne Grund mißhandelt hatten, beim Gerichtshof in Sanaa. Aber weder die jüdischen noch die türkischen Zeugen, die er stellte, wurden zur ZcugeNschaft zugelassen und so blieben die Nebeltäter wieder unbestraft. Ein Brief aus dem Jemen, der alle diese Klagen vorbringt und in der Jerusalemer Zeitung ,.Hacheruth" veröffentlicht war, schließt mit der Bitte, die Juden in Jerusalem möchten den Chachmn- Baschi in Konstantinopel auffordern, energisch für den Schutz der Juden im Jemen einzutreten. Neu ist in dein Brief die Mitteilung, daß man im Jemen nunmehr unfängt, auch die jüdischen Frauen zu mißhandeln. Sonst pflegten auch die fanatischesten Völker des Islam loenigstcns den Frauen der Andersgläubigen eine gewisse Achtung cntgegenzubringen; den völlig wehrlosen Juden gegenüber läßt man auch diese Rücksicht fallen. Der ZionlsiUns in Aegypten. Die zionistische Bewegung hat auch hierzulande in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Dies zeigte sich jüngst wieder einmal anläßlich der Anivesenheit der Familie Ben-Jehuda aus Jerusalem, der cs gelungen ist, für die Zwecke des großen hebräischen Wörterbuches ,Thesaurus totius Hcbraitätis) von Eliescr Ben-Jehuda «von dem bereits drei Bände im Langcnscheidtschcn Verlag erschienen sind) eine» ansehnlichen Betrag in Aegypten aufzubringcn. Eine großzügige zionistische Werbearbeit wird in Alexandrien und in Kairo entfaltet. Auf dem bevorstehenden Zionistenkongreß in Wien toird Aegypten durch drei Delegierte vertreten sein. In letzter Zeit kommen viele Juden aus Saloniki sowie aus anderen ehemals türkischen Städten »ach Alexandrien. Die hiesige jüdische Gemeinde sorgt nach Möglichkeit für die Unterbringung der meist mittellosen Einwanderer. Bei der augenblicklich recht gedrücklen lvirtschastlichcn Lage ist jedoch nur geringe Aussicht vorhanden, daß alle diese Flüchtlinge hier eine neue Eristenz iverdcn finden können. Mehrere von ihnen sind daher entschlossen, weiter nach Palästina oder nach Smyrna zu reise». Jerusalemer Ehronit. Zii den Reformen/ die die Regierung in Palästina einführen will, gehört auch die Herausgabe einer amt- I-chcn Zeitung, die demnächst in Jerusalem i» arabischer Und türkischer Sprache erscheinen!oird. Jeder Beamte i!n Mutcssariflik Jerusalem, der ein Mindestgehalt von f;00 Piaster monatlich bezieht, wird diese Zeitung, die alle ofsiziellcn Bekanntmachungen der Behörden veröfsentlichcn wird, abonnieren müssen. Der jüngst erschienene englische Konsularbericht konstatiert, daß die jetzige städtifcktc Verwaltung von Jetlisälem sich mancherlei Verdienste erworben hat. Die hiesige Regierung ist telegraphisch aufgefordert worden, Pferde für die Militärverwaltung in Konstantinopcl anzukaufen. Eine hiesige Zeitung bringt die Nachricht, daß die französische Regierung die Absicht habe, in Jerusalem eine Akademie für Medizi» zu gründen. Dieser Tage fand hier zum erstenmal eine Versammlung sämtlicher Jerusalemer Aerzte statt. Ter Tirektor des Instituts zur Bekämpfung der Malaria, Prof. Mühlens, berichtete über die mit dein Jerusalemer Gesundhcitsaint «begründet von dem amerikanisch-jüdischen Philantropcn Nathan Straus) sowie mit der Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler getroffene Vereinbarung bezüglich einer Arbeitsteilung in Jerusalem. Hierauf sprach Tr. Arje Bcham. der Leiter der serologischen und Wutschutzabtcilung, in hebräischer Sprache über die Aufgaben dieser Abteilung. Für die nichtjüdischeu Aerzte, die des Hebräische» unkundig sind, übersetzte Dr. Segall Behmus Referat ins Französische, Ein jüdischer Erfinder. Ein Kind der Ostmark ist der Erfinder der jetzt viel erwähnten sprechenden Uhr in Berlin. Er ist ein geborener Filehner namens Max Marcus und der jungste Sohn der hier lebenden Witwe Frau M. Marcus, geb. Philipp. Tie Erfindung und Verwertung schenkt Mutter und Sohn einen sorgenfreien Lebensabend. In der Notwehr. Wegen Todschlags siand in Chicago der 20jährige Benni Bernstein vor den Geschworenen und wurde freigesprochen, trotzdem der Staatsanwalt Todesstrafe beantragt hatte. Ter Fall ist folgender: B. kam vor vier Jahren von Rußland herüber. Er verdiente bei schwerer Arbeit 7 bis 8 Dollar die Woche und schickte von diesem Gclde noch seinem Vater. Leider wurde er lungenkrank und mußte Besserung in einem Krankenhause suchen. '5'ach kurzer Zeit wurde er jedoch entlassen und fand dann Beschäftigung u der Fleifchobteilung oei Firma Rothschild und Co. in Chicago. Hier arbeitete er neben einem Menschen, der ein wüster Antisemit war und «hu beschimpfte und mißhandelte. Beschwert«,׳ bei feinen Chefs nützte nichts״ ,׳er solle sich mit seinem Kollegen vertragen." Als er eines Tages wieder aufs gemeinste inipoandelt wurde, zog er sein Messer und erstach seinen Peiniger. Die ״christliche Synagoge. Welch große Summen der Missionsfonds in Kanada verschlingt, geht aus einem Berichte hervor, den englische Blätter über die Einweihung der ״Chrislina Synagogue" in Toronto veröffentlichen. Mit ganz bcsondercm Pomp wurde hier eine Institution geschaffen, in welcher sich alles befindet, was geeignet erscheinen könnte, arme Juden in die Versuchung 311 führen. Die ״christliche Synagoge" hat nicht nur einen überaus grogen, ganz nach jüdischem Ritus eingerichteten Betraum, sondern auch einen Krankcnpavillon, ein Gymnasium für arme jüdische Schüler, ein Tagesheim für Arbeiterlinder, Turnsäle, Volksküchen, eine Bibliothek, Lesehalle usw. Trotz des ausführlichen Eiiuvcihungsberichtes wird auch nicht mit einer Zeile erwähnt, wieviele Juden der Zeremonie beigewohnt haben. Es scheint eben, daß auch in Kanada die Juden solchen Mätzchen nicht aufsihen wollen. Ein Lehrstuhl für rabbinische Literatur an der Universstät — Madrid. Der ״Frankfurter Zeitung" ivird ans Madrid geschrieben: Tie spanische Regierung hat kürzlich den Plan gefaßt, an der hiesigen Universität einen Lehrstuhl für rabbinische Literatur zu errichten. Die von dem Minisierium eingesetzte Kommission, der die namhaftesten Orientalisten angchörtcn, hat der Regierung vorgeschlagen, ein etatsmäßiges Ordinariat für jüdische und hebräischc Literatur in größerem Umfange zu errichten und auf diesen Lehrstuhl den Berliner Orientalisten Dr. A. S. E. s'sahuda zu berufen. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß dieser Plan der Initiative der spanischen Regierung bezw. der Madrider Universität cntspruiigen ist." Die ״Frankfurter Zeitung" fügt hinzu: ״Außer der Universität Cambridge in England dürfte vorläufig die Madrider Universität die einzige sein, die ein Ordinariat für jüdische Literatur in Aussicht genommen hat. Seit einigen Jahren ist auch auf der Leipziger Universität das Fach der rabbinische» Literatur in Form eines Lektorats vertreken." Knoblauch als Lebensverlängerungsmittel. Dem Knoblanch, der sich besonders i» den östlichen Gbettis eines großen Zuspruches erfreut, widmet Sauitätsrat Dr. Gudrum in einer Agramer Zeitung eine sehr ausführliche Betrachtung. Tr. Gudrum hält den Knoblauch als ein Lebensverlängerungsinittel. weil er wegen seiner chemischen Beschaffenheit desinfiszierend auf den gesamten Darmtraft wirkt und dessen Erkrankungen verhütet. Dr Gndrum schreibt es dem reichlichen Knoblanchgenuß zu, daß er während seiner fünfjährigen ärztlichen Praxis in Bulgarien beinahe gar keine Tarmerkranknngen katarrhalischer und entzündlicher Form beobachtete und dispeplische Erscheinungen nur selten zn konstatiere» in der Lage war. Diese günstigen Gesundheitsverhält- »isse sind in allen Schichten der Bevölkerung z» verzeichnen, und der Zusammenhang zwischen dieser Tatfache und dem Knoblauchgenuß liegt um so näher, als der Knoblauch in allen Kreisen mit Vorliebe verivendet wird. Ter Knoblauch «Allium sativum) >var schon in uralter Zeit bekannt. Tie Israeliten aßen ihn in Aegqpten, und die Aeghpter betrachten ihn als Leckerbissen. Als Volksheilinittel wird er noch heute demjenigen gegeben, welcher von giftigen Schlangen gebissen wurde. Mit Honig zu einer Salbe vermengt, heil! er Blntnnterlaufungen, Husten, mit Weihrauch zerrieben, lindert er Zahnschmerzen usw. Celsus betrachtet den Knoblauch als'ein scharf wirkendes, Wärme erzeugendes und den 1 Stoffwechsel beförderndes Mittel. All dies deutet auf eine besondere Wirksamkeit des Knoblauchs hin, dessen chemische Zusammensetzung die günstige Meinung über dieses populäre Mittel nur bestätigt. Dr. Gudrun einpfhielt daher den Knoblanch als vorzügliches Genuß- und Lebensverlängeruiigsmittel. Hofrat Ztukart. Ter Kaiser hat dem Chef des SicherheitsbureanS « der Wiener Polizeidirektion Regierungsrat Moritz Stukart den Titel eines Hofrates verliehen. In der Wiener Gesellschafr lvird die Auszeichnung des hochverdienlen Mannes überaus sympathisch begrüßt. Eine Snnagoge aus dem Jahre 157». Wie mau aus Lemberg berichtet, hat die ״Gesellschaft polnischer Archäologen" den Beschluß gefaßt, unter Mitwirkung des ״Polnischen Architelteiivcreines"' eine stilgerechte Restaurierung der alten Synagoge in Przemysl durchführen zu lassen. Tie Przemysler 2»- nagoge flammt aus dem Jahre 1570 und ist eines der ältesten Baudenkmäler in Galizien. Es ist urklindlich nachgewiescn, dnß sie im Jahre 1570 von dem berühmten italienischen 'Architekten Bononius erbaut worden isl. Tie Przemysler Judengenieinde hat sich bereit erklärt, die Kosicn dieser Restaurierung, welche in bnzanti»,- schein Stile erfolgen ivird, aus ihren Geiiiejiidemilte!!! zu bestreiten. virkonto-äerelkokatt bei der Nardfcterreichischen Bank fir Industrie, Handel and Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit besphrkakter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschilgigen Baakgeschlfte. hauptsichHch aacb rar den ע Eskompt offener Buchforderangen unter den allergfinstigsten Bedingungen. Franz Delitzsch. Franz Delitzsch ist am Februar 181:! in Le!pzig geboren. Er stainmte nicht, wie vielfach als ein ״Märchen" erzählt ivird, von jüdischen Ellern ab. ave» Ivohl hatte er einen ״jüdische»" Paten, den Antiquar Hirsch, den er als Knabe Onkel nannte und noch als Greis als seinen Wohltäter bezeichnete. Da die Eltern in ärmlichen Verhältnissen lebten, lvürde es ohne die Ilnterstützuiig dieses Mannes dem jnngen Delipsch gar nicht »iöglich geioesen fein, die höheren Schulen zn besuchcli. Er glaubte später in der Judeiimission eine segensreiche Lebensaufgabe gefuiidei! zu habe» und!var ihr mit ehrlichem Eifer und Begeisterung ergeben. Sa lvar es auch nur eine Konsequenz seiner ״Liebe zu ״Israel", wenn er sich auch mit Wärme und Temperament für das Jiidentum einsetzte, lvo es angegriffen und verdächiigt wnrde. In Leipzig rief er daS alte Institutllm judaicliin wieder ins Leben, das nach seinem Tode mit feineii, Naiiien verbunden ist und »un Jusiitututti iudaieum Delihschianlim genannt ivird, und später das ״Seminar für Arbeiter unter Israel". Fer ner hal er in fast vierzigjähriger Arbeit eine hebräische ileberfetzuiig des neuen Testaments hergestellt, die noch heute von seiten der Mission verwandt Ivird. Auch der. welcher sein Wirken und das seiner 'Nachfolger für verderblich hält, lvird dem Gedächlnis dieses Mannes die Achtung nicht verwehren. Gin Denkmal für Baker Adam. Ein sonderbarer Schwärmer in Baltimore, namens John P. Bradv, hatte sich entschlossen, dein Urvater Adam, um eine van ihm schiner׳,- lich empfundene blicke auszusällen, ein Denkmal zn stiften, zn dem dann auch im Jahre l!»0!» der (Grundstein gelegt wurde. Ter ״Strand Magazine" verösfenrlicht seht eine eingehende Beschreibnng dieses in der Welt einzig dastehenden Monumentes. Danach stellt es einen aus zwei übereinander getürmten Würfeln bestehenden szelsblock dar, der etwa eineinhalb Meter in der Höhe misst. Wus dem (Kipfel dieses unbehauenen Blocks erhebt sich auf einem Zementsockest ein sphärisches Dreieck ans Bronze, dessen spitze nach Osten gerichtet ist. (Lin dem Denkmal eingesägtes Marmorschild trägt die Widmung: 311111״ Gedächtnis Adams, des ersten Menschen." Ter Dackel und das Bronzedreieck bilden eine regelrechte Donnennhr, die nach der geographischeu Ortslage 1'!'. :!!>20 ״' eingestellt ist. ^n der Mitte des Dackels ist nnter^dem Nissernblau das Molto eingemeisselt: ״Tic transit glor,a inunvi" nebst der Jahreszahl 1000. Das ab wnderliche Denkmal steht im Park von Hickorn Hause, in einem malerisch gelegenen Vorort Bal tiniores. wo der steinreiche Tonderling Brady

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