Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1913)
- Date
- 1913-08-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 ״Jüdische BolkSstinnne". Nr. 32 s<׳U Jahren wohnt. Auf die Frage, wie ihm ei-! citlich der Gedanke gekommen, Vater Adam ein 7>.akmal zu setzen, gibt Mr. Brady stets die jwteotype Antwort, daß, wenn so viele Menschen von fragwürdiger Bedeutung eines Denkmals v.!rdig befunde nwürden, es nur eine Fordenutg der einfachen Gerechtigkeit ist, etwas für guten Stam.nvater Adam zu tun, der i>,.1ießlich ja doch der einzige Mensch gewesen ist, ->ifen Erdcnwaüen auf das Schicksal der gesam- >.i. Menschheit entscheidenden Einfluß ausge- ׳!öl hat." Emigrantenfürsorge der Israel. Allianz, Wien. Während des Aufenthaltes iu Wien wurden von der Zentrale der Israel. Allianz in Wien insgesamt 228 Emigranten, davon 215 russische und 13 rumänische, weiterbcfördert, u. zw. 153 nach den Vereinigten tSaaten, 20 nach Argentiuien, 23 nach Kanada, 3 nach England, 12 nach Frankreich und 4 nach anderen Ländern. In ihre Heimat zurückbefördert wurden 19 Rückwanderer. Wähenr des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Juli für 39 Personen zusammen 124 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 110 Personen zusammen 455 Speisemarken für die Israel. Volksküche ausgegebcu. Dr. Rudolf Molicky ge«. Letter der I.edlr-.Adteliaag der tudeskraautaaestalt wobat: Ccke?erdfnand$ga$$e und Zsbsnnergsrre <.,»,» or«a»m ttgiicb ooa r dl» 4 Ubr nachm. Ferarprecder ör 803. Kongreßwahlen. Die Kreisleitung Brünn hat die Wahl des Brunner Delegierten für Mittwoch den 13. d. ausgeschrieben. Die Wahl findet um 8 Uhr abds. in Donaths Restaurant, Ferdinandsgasfe, statt. Ilm das Mandat bewirbt sich der Obmann des Bürgervcrcines Gg. Dr. Albert Schönhos, als Ersatzdelcgiertcr wird Gg. Dr. Karl Sonnenseid kandidiert. Mit der Versendung der Wahllegitiniationen wurde bereits begonnen. Idylle aus einer mährischen Kleinstadt.!Etwas verspätet.) 1. Der verstorbene Doktor war vor ein paar Jahren .itultusvorsteher. Die Musikanten schreilen vor, die getauften Söhne hinter dem mit Kränzen beladenen Leichenwagen, auf welchem ein prächtiger Metallsarg ruht. 2. Ter alte Vater, der seinen getauften Sohn besuchen kommt, wird krailk u!׳.d stirbt. Spät abends läßt der Sohn den verstorbenen Vater auf den Friedhof schaffen; draußen erst können nie rituellen Waschungen vorgenonliuen werden. Rach zwei Tagen wird der Vater in aller Stille .?rdigt. Eine Todesanzeige wird nicht heraus- geben, da doch niemand erfahren darf, daß . r Herr Direktor jüdischer Abstammung ist. Was mag der fromme Greis, zu dessen ankeulager kein Glaubensgenosse gerufen urde, in seinen letzten Stunden empfunden den? Qu. Krankkellen der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg in Dr. Ruldanr Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert — Prospekte Q um mistrümpfe für Krampfaderfüße in allen Qualitäten und zu konkurrenzlosen Preisen nur im GUMMIGESCHÄFT JOS. FIALA sen., Brlinn, KrSna 3—S. — MaBkarten postwendend Klagelied. O weint um sie, die einst an Babels Stand Geweint, — ihr Tempel wüst, ein Traum ihr Land! Weint um die Harfe Judas, die zerbrach, Klagt! wo ihr Gott gewohnt hat, wohnt die Schmach. Wo badet Israel den Wunden Fuß? Wann hallt von Zion süßer Licdergruß? Wann wieder wird von Judas Sang berauscht Das Herz, das sonst dem Himmelssohn gelauscht? Du Stamm mit irrem Fuß und müder Brust, Wann wirst du eingehn in der Ruhe Lust? Die Taube hat ihr Nest, der Fuchs die Kluft, Der Mensch die Heimat — Juda nur die Gruft! Lord Byron.*) Korresponäenzen. Boskowitz. Dienstag nachmittags den 29. Juli verschied nach langem, schweren Leiden die durch ihre Wohltätigkeit stadtbekannte Frau des Altbürgermeisters Moritz Saxl, Frau Rest Saxl. Die Popularität dieser wahrhaft gottesfüchtigen Frau dokumentierte sich in der ungewöhnlich großen Beteiligung am Begräbnisse. Der Schwiegersohn des Verstorbenen Herr Religionslehrer Leopold Blau in Wsetin entrollte der zahlreichen Zuhörerschaft in ebenso formvollendeter, als inhaltsreicher Trauerrede ein Charakterbild der Verstorbenen, welches nachhaltigen Eindruck auf die Anwesenden ausübte und fast kein Auge tränenleer ließ. Es ist ein jeder vom frisch aufgeschütteten Grabhügel mit der Empfindung im Herzen geschieden, daß hier ein Stück nimmer wieder zu ersetzendes Alt-Boskowitz bestattet wurde. Das Andenken der Gottesfürchtigen sei gesegnet! ,ת נ צב ד Ol,nütz. Der Bürgerverein ״Zion" veraustaltete am 23. Juli im Nheingoldsaale des Grand Cafes eine Herzl-Gcdeukfeier, bei der die Olmützcr Jiouistcnschaft ihrer Anhänglichkeit an die Idee des verewigten Führers begeisterten Ausdruck gab. Herr Dr. Heinrich Mandl aus Prerau schilderte in ciudruckvoller 9tcbc Herzls Bedeutung für Judentum und Menschheit; anschließend brachte Herr Benno Fleischer, Olmütz, Herzls ״Mansche!" zu gediegenem Vortrage. Die Anwesenden spendeten sechs Oelbäume für den Herzlwald. Olmütz. Die Chargenwahlen ergaben folgeudcs Resultat: cand ing. Alfred Spitzer, Präses; I. U. C. Oskar Ziffer, Vizepräses, caud. ing. Egon Rappaport, Schriftführer. Maricnbad. Eine recht intime Hcrzlfeicr wurde uns Kurgästen am letzten Sonnabend geboten. Anknüpscnd an das Wort der Sidrah: ״Eure Brüder sollen in den Kamps ziehen, und Ihr wollet hier zurückbleiden" sprach Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. Diamant i» überaus fesselnder Weise über die jüdische Solidarität. Und als am Schluffe seiner ergreifenden Rede der illustrc Redner unseres unvergeßlichen Theodor Herzl, dcffen Jahrzcitfcicr gestern gefeiert wurde, Erwähnung tat, erhoben sich weit über 1000 Personen, die der Predigt andächtig lauschten, und hörten die Schildcrung ״dieser größte» und bedeutendsten Persönlichfeit, die die moderne Judcnhcit hcrvorgebracht Hai", stehend und mächtig ergriffe» an. Mit einem herzlichen Jcjaschcr Kauch wurde die Glanzleistung des Herrn Dr. Diamant quittiert. E. K. Eingehen öet. A u t w o r t. Auf die Frage des Hrn. I. E. in Nr. 3: ist zu erwidern, daß eine Funktion des Rabbis ncrs bei Leichcnbcgängissen im Tallis religious gesetzlich verboten ist. Es ist nicht wegen des Schmuckes, da der Tallis auch ohne Moro und einfach aus Wolle verfertigt sein kann. Aber Vas Nähertreten an eine Leiche mit offenen Zizith ist משום לועג לרעו in jedem Falle strenge untersagt. Siehe Jore dca, Abschnitt 367. 8 4 und ש׳ך dazu. Es wäre sonderbar, wenn in Böhmen wirkich manche Rabbiner bei Leichenbegängnissen im Tallis erscheinen sollten. Dann aber übertreten diese aus nicht näher zu bezeichnenden Gründen offenbar ein religiöses Verbot. Gewitsch. Rabbiner Dr. Keßler. Sieg der oppositionellen Kandibaten bei den Kultusgemeinde- Wahlen in Znaim. Sonntag den 3. A u g u st d. I. and die Wahl des zweiten Wahlkörpers der hieigen Kultusgemeinde unter einer bis jetzt unerreicht regen Beteiligung der ganzen Wählerchaft statt. War es doch zum erstenmal, daß — ein geeintes oppositionell — jüdischnationales Komitee den offiziellen Kandidaten eine eigene Kandidatenliste entgegenstellte. Dank der überaus eifrigen Agitation der jüdischnationalen Studenten wurden sämtliche Kandidaten der Op- Position mit überwältigender Majorität gewählt, Und zwar vereinigten sie 77 Prozent aller abgegebenen Stimmen auf sich. Gewählt wurden in den Äultusausschuß: Heinrich Läufer, Philipp Much, Josef Tandler, Samuel Scheuer, Karl M i n k u s. — Als Ersatzmänner Arnold Z w e i g e n t h a l, Josef N o s e n f e l d. — In den verstärkten Ausschuß: Aron Scheuer, Ignaz W a l l i s ch. Jakob Schön, Johann We r t h e i m e r, Friedrich Haas. Durch diesen Erfolg hoffen wir der. jüdischnationalen Bewegung, besonders in unserer Stadt: vorzügliche Dienste geleistet zu haben. Notiz. Zirkus Henry. Wie unsere Leser aus der großzügigen Reklame des Zirkus Henry in Brünn bereits ersehen haben werden, eröffnete der Zirkus Henry am Samstag den 2. August auf dem ehemaligen Pferdemarkt in der Llinützergaffe sein kurzes Gastspiel. Bekenntlich stehen zirka 100 Pferde, Kamele, Rehe, Hirsche, Mauliiere, Zebras, Elefanten, Löwen usw. in den Stallungen des Zirkus Henri). Die Ausstattung in den Vorstellungen wird eine prunkvolle genannt. Der Zirkusbau ist technisch vollkommen eingerichtet. Bon allen Sitzen der amphietheatralisch errichteten Sitzbank-Einrichtung ist die Uebcrsicht auf die Ereigniffe der Manege eine bequeme. Zirkus Henry, der in diesem Winter wieder in Wien gastieren wird, arrangierte bei seinem letztcn Wiener Gastspiel ein Zirkusfcst für die Mitglieder der Wiener Bühncngenoffcnschaft und die Schriftsteller- Vereinigung ״Concordia". Die Sterne der Wiener Bühneu tvirkten in der Manege mit. Allerhöchste Herrschaftcn gehörten zu den Besuchern. Der künstlerische Erfolg hielt mit dem finanziellen Ergebnis gleichen Schritt. Der Kartcnabschluß läßt sich annähernd schätzen, wenn man weiß, daß eine Loge 500 K kostete. Hier in Brünn bleibt der Zirkus Henry nur kurze Zeit. Nach den übereinstimmcnd günstigen Urteilen der Presse empfehlen wir den Besuch. 1913 Wochenkalender 5678. אב Aux. Festtage הפטרה M 3 6 D ד 7 F ה 8 פ־ק שלישי■ שבת חזון, דברים S ו 9 חזון ישעיהו S ז 10 M ח 11 ערב תשעה באב D ט 12 Fasttag — תשעה באב M י 13 D יא 14 F יב 15 für die Küche und Wirtschaft wird für alleinstehende ältere Dame in Brünn gesucht. Anträge unter ״R. R. Brünn" an die Adm. deS Blattes. Jüdisches Mädchen GeschäMbenmhme Ich mache einem geehrten P. T. Publikum die hösl. Müteilung, daß ich das Kürschner-, Hut- und Kappengeschäft nach dem Herrn Franz 2äk übernommen habe und bestrebt bin, meine geschStzren Kunden als erprobter Fachmann streng solidest, mit mäßigsten Preisen zn bedienen. Großes Lager moderner H rrenhütc. Reparaturen und Umarbeitungen werden aus das sauberste und billigst ausgeführt. Hochachtungsvoll Brünn, Krapfengasse 6. AkaNZ Ptttvlouschk! IMt. *) Georg Nocl Gordon Byron, Lord, der größte englische Dichter der Neuzeit, geb. 22. Jänner 1788 zu London; gcst. 10. April 1824 in Missolunghi.