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Jüdische Volksstimme · 1913-08-07 · Heft 32 (7.8.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 32 (7.8.1913)
Date
1913-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32. ״Jüdische v,1r,fti»»e.« Veve & Judentums, hat er mit seinem taktvollen, konzilianten Benehmen vielfach zu zerstreuen verstanden, so daß er schon vor 4V Jahren Bürger der Landeshauptstadt Salzbürg, Ehrenmitglied einer großen Anzahl von Vereinen und Körperschaften werden konnte und — als Hofantiquar Sr. Majestät, unseres Kaisers und anderer Souvcräne — die Anerkennung und Auszeichnung hoher und höchster Kreise erreichte. Seine kais. Hoheit Erz- Herzog Thronfolger Franz Ferdinand, gehört auch zu seinen höchsten Kunden. Welcher Wertschätzung er sich erfreut, haben die seltenen Gratulationen bewiesen, die ihm zu dem in Rede stehenden Anlaß zugekommen sind, so ein überaus warmes Telegramm von Sr. kais. Hoheit Erzherzog Ludwig Viktor in Kleßheim, dem Bürgermeister und der Stadtgemeindevorstehung Salzbürg u. a. in. Die Tagespresse hat gleichfalls den würdigen Achtziger nach Gebühr gefeiert. Wahrlich ein Kiddusch Haschcm um so mehr, als Herr Hofantiquar Pollak nicht nur der erste Jude, sondern auch der erste Gründer einer jüdischen Gemeinschaft in Salzburg ist und das Wohl und Wehe unserer heiligen Emunah stets als seine innigste Herzenssache betrachtet hat. Nicht unverdient hat Sr. Ehrw., unser Rabbiner Herr Dr. Altmann, in seinem jüngsthin erschienen Werk: .,Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg" den Namen des Gefeierten als den einer wirklichen historischen Persönlichkeit, in sinniger Weise verewigt und ihm, wie wir hören, außerdem noch im zweiten Bande seines Buches die gebührende geschichtliche Würdigung Vorbehalten. Möge Gott, der Allmächtige, seinen Lebensabend segnen. Leider ist auch von einem traurigen Ereignis zu berichten: Wie den Lesern dieser Zeitung gewiß schon aus den Tagesblättern bekannt sein wird, ist am I. August d. I. der Landcspräsident von Salzburg, Graf Lewin Schafsgotsch plötzlich verschieden. Der Tod dieses hochverdienten, ungemein beliebten hohen Würdenträgers, der bei der gesamten interkonfessionellen Bevölkerung von Stadt und Land große und aufrichtige Bestürzung hervorgcrufcn, bedeutet insbesondere auch für unsere Gemeinde, ja für die Gesamtheit des Judentums einen schweren Schlag. Sein Wohlwollen für unsere Gemeinde und sein Interesse für das althergebrachte Judentum war geradezu einzigartig. Insbesondere genoß unser Herr Rabbiner Dr. Altmann die hohe Auszeichnung seiner warmen Sympathie. Mehr als einmal nahm der hohe Herr Gelegenheit, sich mit dem Herrn Rabbiner über Fragen wissenschaftlicher, ganz besonders aber religiöser Natur zu unterhalten. Selbst sehr fromm, bckannte er sich mit Entschiedenheit als Freund des streng konservativen Standpunktes im Judentum, eben desselben, den Herr Rabbiner Dr. Altmann sich zur Lebensaufgabc gestellt. Zu wiederholten Malen — gewiß eilte Seltenheit — nahm er Anlaß, u. zw. zumeist unangekündigt, unsere Synagoge zu besuchen. Das letztemal geschah dies am 7. Adar, zur Moses-Feier. Tie bei diesem Anlasse gehaltene Predigt unseres Herrn Rabbiners, machte auf sein mystisch frommes Gemüt einen gar mächtigen Eindruck. ״Das waren io schöne, tief ergreifende Worte," äußerte er wörtlich nach dem Gottesdienste zum Rabbiner, ״so ewig wahr in ihrem religiösen Gehalte, daß sie jeder gute Christ bestätigen kann." Er war wahrhaftig einer jener ״Eyasside umaus haaulom", von denen unser Talmud spricht, daß sie des ewigen Lebens teilhaftig werden. Möge ihm dort drüben, in den Gefilden der Wahrheit, an die er mit felsenfester Ilcberzeugung glaubte, sein Anteil in Gott beschieden fern! In Abtragung der großen Dankesschuld an ihn — denn unter seinem Regime und infolge seiner rastlosen Förderung besitzt heute unsere Gemeinde ihre Selbständigkeit — hat der Kultusvorstand und das Rah binat die tiefe Trauer der Gemeinde geziemend zum Ausdruck gebracht, u. a. durch Abhaltung einer Festtrauersitzung mit Hinzuziehung des Rabbiners und in tvürdiger Weise kondoliert. Außerdem hat sich Herr Rabbincr auf den auflicgendcn Honorationen-Bogcn unter fertigt und am Leichenbegängnisse hat der Vorstand und der Rabbiner teilgenommen. Die Eidesformel, welche die be* .Leibes und Blutes unseres Herrn Jesu .. t**• ׳ (iCfirifti (cZaa\a unk «— »»ff,««• Tauflmge vor dem Geistlichen zu leisten haben. YERLOBUNQ5-RINQE BR/lUT5CHrHICK - - HOCHZEIT 5QE5CHENKE EHE-RINQE in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen•, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. d- Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. Aus P. Ignaz Schuchs (Capitular des Benediktinerstiftes Kremsmünster, bischöflicher Rat usw.) Handbuch der Pastoral-Theologie. (7. Aufl. Mit oberhirtlicher Genehmigung. Innsbruck 1885.) Tort heißt es Seite 909: ״Meldet sich ein Israelit zur Aufnahme in die Kirche, so ist, was Prüfung, Unterricht und Vorbereitung betrifft, das Allgemeine zu beobachten. Nur ist bei solchen Proselyten (das heißt jüdischen zum Unterfchied von andern) doppelte Vorsicht notwendig und ihnen namentlich an das Herz zu legen, daß sie ein ordentliches Gewerbe, eine arbeitssame Lebensart ergreifen." Ueber die hier erwähnte Prüfung usw. heißt es auf Seite 903: ״Zuerst muß eine genaue Prüfung der Subjette vorgenommen werden, und zwar in betreff 1) ihrer Absichten und Beweggründe zur Kon- Version.... Wenn unlautere Absichten und Beweggründe zugrunde liegen, so sind diese zu entfernen und der einzige gute Beweggrund, die Liebe zur Wahrheit und zum ewigen Heil zu wecken und zu befestigen." S. 905: ״Sind diese (i. e. die Beweggründe) nicht lauter, so sage er (der Geistliche) ihm offen, daß er vor allem um seines Seelenheiles willen den wahren Glauben begehren müsse und daß jene Gründe (zum Beispiel Hoffnung auf Almosen, auf gute Zeugnisse und weitere Unterstützungen, eheliche Verbindungen, Erbschaften u. dgl.) verwerflich seien. Sind die Absichten des Konvertiten lauter, dann erteile der Seelsorger ihm den nötigen Unterricht." Bei demselben ״ist die ganze christliche Glaubens- und Sittenlehre ausführlich, gründlich und praktisch vorzutragen. Ist der Unterricht vollendet, so wird über den Entschluß, die Beweg gründe und das Versprechen des Katechumen, als wahrer Ehrist zu leben und zu sterben, ein Protokoll abgefaßt, mit Bericht an das bischöf liche Ordinariat gesandt und zugleich die Bitte um die Vollmacht gestellt, den Betreffenden durch die Taufe in die Kirche aufzunehmen." (S. 909.) ״Die Aufnahme soll so stattfinden, daß der Auf zunehmende in der Kirche in Gegenwart von zwei selbstgewählten Zeugen vor versammelter Gemeinde Vas Glaubensbekenntnis laut ablegt, worauf ihm nach der Kommunion des Priesters auch das allerheiligste Sakrament gereicht wird." Von dem komplizierten Taufakt selbst sei nur erwähnt ein dreimaliger Exorzismus, das heißt dreimaliges Austreiben des Teufels, als von welchem besessen jeder Ungetaufte gilt; zum chlusse desselben ״muß der Täufling selbst feierlich absagen diesem Reiche (i. e. des Teusels), seinem Fürsten und seinen Werken und muß. lebenslänglich einen Kampf dagegen geloben." (S. 031.) Tas wichtigste Moment des Taufaktes ist das laute Sprechen des oben erwähnten Glaubensbekenntnisses, welches am 20. Juli 185!» von der S. Congr. f. Off. approbiert worden ist. Darüber heißt es a. a. O. Seite 907: ״Ter Priester, angetan mit Chorrock und violetter Stola, sitzt und vor ihm kniet der Konvertit, der, mit der Rechten das Buch des Evangetiums berührend, folgendes Glaubensbekenntnis spr.icht: ״Angesichts der heiligen Evangelien, die ich mit meiner Hand berühren werde und in der Ueberzeugung. daß niemand ohne den Glauben selig werden kann, welchen die heilige, katholische, apostolische, römische Kirche bewahrt, glaubt und ehrt, und gegen welchen ich — was ich jetzt bereue — sehr gefehlt habe.... bekenne ich N. N. jetzt mit Schmerz und Reue über meine früheren Jrrtümer, daß ich glaube, die heilige, katholische, apostolische, römische Kirche sei die einzige und wahre Kirche, die Christus auf Erden gestiftet hat; und ihr unterwerfe ich mich mit ganzem Herzen. Ich glaube alle Artikel, welche sie zu glauben vorstellt, und verwerfe und verdamme alles das, was sie verwirft und verdammt, und ich bin bereit, alles zu halten, was sie mir befiehlt. Ich glaube an einen einzigen Gott in drei göttlichen Personen, die voneinander unterschieden und doch eines Wesens sind, nämlich: an «den Vater, den Sohn und den heiligen Geist.!Ferner glaube ich die katholische Lehre von der;Menschwerdung, den Leiden, Sterben und der Auferstehung unseres Herrn Jesu Christi....; die göttliche Mutterschaft der heiligen Jungfrau Maria sowie ihre makellose Jungfräulichkeit. Die wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart Christi samt seiner Seele und Gottheit im allerheiligsten Sakramente des Altars... Ich glaube an das Fegefeuer.... an den Primat (Vorrang) des römischen Papstes.... endlich glaube ich alles, was durch die heiligen Canones, durch die allgemeinen Kirchenversammlungen. namentlich über den Primat und das unfehlbare Lehramt des römischen Papstes gelehrt, entschieden und erklärt worden ist. Mit aufrichtigen! Herzen und ungeheucheltem Glauben verabscheue ich daher und schwöre ab jeglichem Irrtum, jeglicher Ketzerei und Sekte, welche der besagten, heiligen, katholischen und apostolisch-römischen Kirche entgegen sind. Das verspreche, gelobe und schwöre ich N. N. So wahr mir Gott helfe und dieses heilige Evangelium Gottes." Nach diesem Bekenntnisse empfängt der Bekehrte die Absolution. Aus der Jaffaer jüdischen Gemeinde. Dieser Tage fand hier in einem Saale des Hebräischeu GymnanumS die Generalversammlung des Vereines für Waisenpslege statt. Frau Dr. Jonas-Guttmann trat dafür ein, daß der Verein auch ein Säuglingsheim für jemenitische Kinder cinrichten solle, deren Mütter aus Arbeit gehen. Der Vorschlag wurde angenommen. Der Verein zählt hier 160 Mitglieder, die zirka 1360 Franken an Mitgliedsbeiträgen entrichten, er nimmt auch einmalige Spenden entgegen. Wenn dieser Verein auch in Europa die nötige Symptahie und Förderung fände, so könnte die Waisenfürsorge in vernünftiger Weise geregelt werden, da hier die redliche und selbstlose Verwaltung außer Frage steht. In der palästinensischen Presse wird in letzter Zeit die auch hier immer mehr überhandnehmende Teuerung der Lebensmittel besprochen und es werden Mittel und Wege gesucht, dieser Teuerung entgegenzuwirken. So äußert sich in dem Wochenblatt ״Hapoel Hazair" ein Bäcker über das Steigen der Brotpreise. Nach seiner Ansicht sind cs zwei Umstände, die diese Erscheinung herbeisühren. Erstens ist das im Lande erzeugte Mehl, welches doch den größten Teil des Bedarfes decken sollte, viel teurer als das ausländische. Bei den billigen Qualitäten z. B. stellt sich der Preis hier doppelt so hoch wie in Rußland. Hinzu kommt noch, daß das Holz, das in Palästina als Brettnmaterial verwendet wird, hier doppelt so viel kostet als in manchen europäischen Länder». Zur Milchteuerung, die besonders von den palästinensischen Stadtbewohnern hart empfunden wird, schreibt ein Milchhändler: Neben den verschiedenen Ausgaben, die die Milch verteuern, ist noch folgendes zu bedenken: Die Jaffaer Milchhändler haben einen Vertrag mit der deutschen Kolonie Sarona abgeschlossen, demzufolge sie das gesamte Quantum Milch, das ihnen geboten wird, kaufen müssen. Hingegen ist der Konsument an keinen Vertrag gebunden und kann nach seinem Belieben einmal ein großes Quantum beziehen, ein anderes Mal wieder gar nichts kaufen. Zur Winterszeit, wo es viel Milch gibt, haben die Hotels, die gerade damals wenig Gäste haben, keinen großen Bedarf. Hingegen steigt der Bedarf im Sommer, wo die Milch knapp ist. Alle diese Umstände tragen zur Milchteuerung bei. Es ist jedoch anzunehmen, daß mit der Zunahme der Molkereien im Lande die Preise für dieses hier so wichtige Nahrungsmittel doch heruntergehen werden. Auch die Anlage von Eukalyptuswäldern, die in den letzten Jahren andauernd fortschreitet, wird mit der Zeit das Brennmaterial und infolgedessen auch das Brot verbilligen. Das hiesige jüdische Krankenhaus, das aus Mangel an Betriebsmitteln drei Monate lang geschlossen bleiben mußte, ist wieder eröffnet worden. Im Hause des Chachambaschi Usiel fand dieser Tage eine Versammlung zwecks Organisierung der hiesigen sephardischen Gemeinde statt. Es wurde ein Komitee von sieben Mitgliedern eingesetzt, daS sich mit dieser Angelegenheit befassen soll. Gleichzeitig wurden 1200 Franken gesammelt, um den Bau der hiesigen sephardischen 2 almud-Thora-Schule zu vollenden. In letzter Zeit wurden die Ergänzungswahlen zum Schiedsgericht vorgenommen. Auf besonderes Verlangen der Arbeiterschaft wurden diesmal auch Vertreter aus den jüdischen Kolonien gewählt. Der Waad Hair (Gemeindevorftand) hat beschlos. sen, eine statistisch genaue Zählung der jüdischen Einwohner von Jaffa zu veranstalten. Josef Hanu§, Brünn Rudolfsgasse Nr. 25. Sämtliche Damen-Mod waren, Länder, Spitzen, Seidenstoife, Posamenterie, und Zugel:ör kür Damenschneider und Schneiderinnen.

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