Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1913)
- Date
- 1913-08-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. ^Jüdische LolkSsti««e." Nr. 32. des 9. Ab. dieser größte und historische Tag un- NrMeiNe deS seres Volkes, sei auch der Tag unserer größten -PtVvrrmc vcv ^)WMSMUS. Arbeit um das zerstörte Zion wieder aufzubauen (Zum elften Zionistenkongretz.) und die zerstreuten Reste Judas zu sammeln. An , @Wdj von vornherein: Sowohl der nachstehende, diesem Tage muß jeder denkende Jude für das aIg aud& bie in bcn nächsten Nummern unter diesem heilige zionistische Werk Bausteine zusammen- ,Titel erscheinenden Artikel werden nicht von irgendeinem tenden-Kreisen der türkischen Regierung und den steten Wechsel der letzteren, welche das Land aus einer unheilvollen Krise in die andere stürzen, in Betracht» so ist eine solche Aussicht ausgeschloffen. Unter solchen Auspizien wird die Türkei, nach dem endgültigen Friedensschlüsse an die Neuordnung ihrer tragen und so an der Wiederbelebung und Be- ״Standpunkt" aus geschrieben sein, sondern sollen unter zerrütteten Verhältniffe schreiten müssen, sreiung unseres Volkes Mitarbeiten. Mehr als Vermeidung jeglicher Einseitigkeit eine Reihe von der-1 lieber diese Sachlage sind sich so ziemlich alle Zio- 16 Jahrhunderte haben wir für Zion geweint 2<üt aktuellen Fragen und Problemen des Zionismus nisten einig. Nur in den Folgerungen gehen die einzel- und gefastet, aber leider nichts getan. Ja, wir j 0^jcltiö behandeln und von verschiedenen Seiten bes nen zionistischen und nichtzionistischen Publizisten stark haben sogar gefastet und uns nichts dabei ge- ' " dacht. ״Zion" sprachen wir mit den Lippen, aber es war nicht in unserem Herzen. Ja, horribile dictu! jüdische Theologen erklären, daß die Rückkehr nach Zion nur ein Symbol sei. Man möchte es fast eine Komödie nennen, wenn es nicht eine so bittere traurige Wahrheit wäre. Juden in angesehener Stellung benützen ihre Macht, um das leuchten. Sic sollen nichr informativ sein und den! Lesern der ״Volksstimme" ein möglichst genaues und übersichtliches Bild über die Verhandlungsgegenstände | des elften ZioniftenkongreffeS geben. I. auseinander. Und mit ihnen, soweit sie sich darüber klar geworden Ist, auch die jüdische Oefsentlichkeit. Ich will der Kürze halber die eine Richtung als die pessimistische, die andere als die optimistische bezeichnen. Die ״Optimisten" bauen ihre Anschauung auf folgenden Gcdankengang aus: Die Türkei sei geschwächt. Ergo werde sie jetzt Geld brauchen. Und Menschen! Besonders: treue Untertanen als Gegengewicht gegen die Die Umwälzungen in der Türkei und der Zionismus. Der Balkankrieg ist zu Ende. Die kleinen Geplän- Judentum zu verleugnen. Jüdische Gelehrte be- י sind^süid" nn^db-2’° ן״ - -״*־*—..1״׳״״#״^ * V-U-» weisen, daß das Judenvolk schon längst ausge- ®cg erbitterten Nordens Tste alimmenden ■r iüiclcn u״ruI)i0 und unzufriedenen asiatischen und afristorben sei. Jüdische Theologen behaupten, daß fcn ÖbürBftcJ׳t f*wc*L einem neuen vernichtenden fanifäen Stämme. Ein solches Element wären die jüdi- Palästina für uns nur eine historische Bedeuj gj b aUTlobcm SW finb hie ®״rhenf.mörfL hn* ׳"£(1>ו smmstischen Kolonisten. Und das Geld müsste tung habe. Ja, es ist wirklich eine Tragikomödie. I .-_b_ aclcbwäckit Die o«ke ist iekt bie ebenfalls von jüdischen Kapitalisten zur Verfügung ge. Die Religion des jüdischen Volkes hat für den?eiluna der Beul^ unter ben^eUnebinern^bes b -sstellt werden. Dagegen sollten die bisherigen Beschrän- Verlust des jüdischen Staates drei Fasttage und «י-»?״״״!Inh s:״r״ ... v X v * ,0T kungen, die die. türkische Regierung speziell gegen die 20 Trauertage eingesttzt. Unzäbl^emale wird Sic Türkei ist bereits aus dem ©pfckünb dieMglich- Einwanderung "luss-n hat aufgehoben und ׳n hon tllabetan her ->״r umstrittene Adrianopel v'elle'cht d ch ^cn Kolonisten mehr Rechte als bis nun zucrkannt noch zu behalten, wird an den jetzigen Macht- — oder wenn man will Ohnmachtsverhältnissen der Türkei nur wenig oder gar nichts ändern. Tatsache ist, dass die hohe Pforte ihren gesamten europäischen Besitz bis auf Konstantinopel und Umgebung an die modernen Balkanden Kolonisten mehr Rechte werden. Die ״Pessimisten" denken komplizierter. Widerlegen vor allem die Jasager und Hoffnungsvollen. So glatt würden die Dinge nicht gehen. Die Türkei sei mitztrauisch. Und habe Grund genug dazu. Denn die Schläge hat sie von denen erhalten, die alle einst nichtmohammedanische türkische Untertanen waren. Bon Griechen, Bulgaren, Serben und Montenegrinern, d. h. von ..Ungläubigen". Daher tvürde sich die Türkei nicht so leicht bewegen lassen, gerade die Juden, die doch auch nichtmohammcdanischcs Volk sind, zu ihrem Schuh zu in den Gebeten der Wunsch zur Rückkehr nach Zion ausgesprochen. Alle religiösen Handlungen sind eng mit dem Zionsgedanken verknüpft. Aus dieser Religion wird nun ״bewiesen", daß die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästina, dem Geiste unserer Religion zuwiderlause. Feuer und Schwefel werden herbeirneU״e3rsT״U •״ getragen, um den Zionismus, der das Fortleben t des Judenvolkes in Palästina verlangt zu Verj . Klt b׳eser veränderten Lage muh auch der Ziobrennen. | mSmuS׳!"weit er palästinensisch ist, rechnen. Man be- _ ,, ,, , ™ ״ ״.״ ״״ - denke: Im europäischen Teile der Türkei lag auch ihre Wofür das Heldenblut Makkabls geflossen. Stärke. Hier konzentrierte sie ihre Gewalt, von hier aus d-?R°L"r°n« « sÄK', r" 9"1^ “ 6itI>»״״• »uch »« d-m «d- Staat °i- Ü-° Irj“־ Negierung verstand es auch, wenigstens te,lwe״e d,e I dic Türkei, mit derart verfahrenen Verhältnissen brauche zu einer Sanierung viel. Sehr viel. Nicht Millionen, sondern Milliarden. Und auch deren recht viele. Das sei aber aus zionistischen Kreisen gar nicht, aus der übrigen jüdischen Finanzwelt, I c a eingerechnet, nur sehr schwer einzubringen. Aber gerade auf letztere sei kein Verlass! Und dann, argumentieren unsere Pessimisten weiter, sei zu befürchten, dass gerade jetzt sehr viele europäische Mohammedaner sich nach den noch übriggebliebenen, asiatischen und afrikanischen Resten der Türkei zurückziehen und dabei besonders fruchtbare und einer.dauernden Niederlassung günstigen Gegenden das Sehnen und Hoffen unseres Volkes ist, wird Separierungs- und Selbständigkcitsbestrcbungen einzelfür das dem Goi glerchsern gerne hergegeben... ‘ ncr ungebärdiger Stämme, die meist von den Franzo- Drum möge heute an diesem so bedeutungssen, Engländern und Russen inspiriert, unterstützt und vollen Tage jeder, den! jüdische Ehre etwas gilt, genährt wurden, niederzuhalten oder wo cs anging, bluunser Heiliges unterstützen. Heute am 9. Ab tig zu unterdrücken. wollen wir in trüber Stimmung an den großen Heute aber ist die europäische Türkei, der ehema- Verlust unserer nationalen Selbständigkeit denligc Schwerpunkt der türkischen Macht, fast zur Gänze ken, aber er soll uns auch zur Arbeit anspornen,' an die ״christlichen" Balkanmächte übergegangen, und für das große Zionswerk, für Palästina und es erscheint daher ziemlich problematisch, ob die türkische Israel. Aron Schwertfinger. »MM Uordruckerel Plissieranstalt FANTA, Po$tga$$t 2. Negierung sich aus dem Kriege noch so viel Ansehen, Autorität und Macht herausgerettet hat, um auf die Dauer erneuten Selbständigkeitsbestrebungen der Ar-1 bevorzugen werden. Dadurch werde eine etwaige jüdische mcnier, Griechen, Kurden, Syrier und Araber mit Er- Kolonisation beeinträchtigt, zumindest eingeschränkt und brennen, kein Kuchen wollte mehr geraten, er sah nicht inehr darauf, ob ein Napf mit Zettel versehen war. So wurden die Kuchen vertauscht und Berl siel immer mehr in Ungunst. An einem folg hintanzuhaltcn und sowohl den Ansprüchen Nutzj lands als auch den Einflüssen Englands und Frankrcichs energischen und erfolgreichen Widerstand ent-1 gcgenzusetzen. Zieht man die Zerfahrenheit in den leigen. ״Mutter," rief er der Krankenfrau entgegen, ״nicht wahr, morgen will ich mit Channe Chassene (Hochzeit) machen?" Berl hatte den Verstand verloren. Man gab ihn ins Versor- Freitag war es — es war gerade Rosch-Chau-! gungshaus. Sein Schicksal trug er mit ruhiger desch (Monatsseier) — da fanden die wenigen, Berl noch treugebliebenen Kunden den Backofen kalk» kein dürres Reisig lag umher, die Grube, in der Berl stets gesessen, war leer. Die Mädchen blickten einander verwundert an, was denn mit Berl auf einmal geschehen sei. Stumm gingen sie und kopfschüttelnd nach Hause. «Wo ist Berl geblieben?" fragten sie sich. — Draußen am ״guten Ort" (Friedhof) saß Berl an einem frisch aufgeworfenen Hügel, mit einem großen, vergilbten Gebetbuch in der Hand, und sang eine rhythmenlose Melodie; dann fing er zu weinen an, daß sich die Tränen über seine Wangen ergossen. Er sprang auf, vergrub seine Hände in dem Hügel, als ob er ihn aufscharren wollte. Da kamen die Leute herbei, die Berl suchten. ״Berl, was machst du, heute ist ja Freitag?" Als er der Leute ansichtig wurde, erbäte er am ganzen Körper und wie leblos fiel er zur Erde. Man trug ihn von der Stelle. Und als er anderen Morgens im Spital, wohin man ihn gebracht, erwachte, lag ein mildes Lächeln auf seinen Züverzögert. Es sei deshalb notwendig, sich schon jetzt intcnsiver mit der sogenannten ״Golutharbeit" zu befassen und anderseits auch an eine Revision des zionistischen Programms zu schreiten und dieses den geänderten Verhältnissen anzupassen. Wie dem auch sei: die oben besprochene Frage des Verhältnisses zwischen Türkei und Zionismus ist eine grundlegende, vielleicht, wenn man die oben besprochenen Folgerungen in Betracht zieht, die grundlegende Frage des Zionismus. Sie wird auf dem nächsten Kongress ihre Antwort unbedingt finden müssen. In welchem Sinne? Das zu sagen, wurde den Ergebung. Sein Backofen, der keiner Reparatur mehr _ iDert war, war zerfallen, das kleine Häuschen I Rahmen den wir uns gestellt haben, überschreiten, wurde abgetragen, um einem Neubau Platz zu machen. Berl aber saß stumm am Gitterfenster seines neuen Heims und starrte hinaus ins Leere, als ob er auf jemand wartete. War aber eine Hochzeit in der Gemeinde, so war Berl der erste vor der Schul, um eine Chuppestange (Trauhimmelstange) zu halten. Wenn dann unter den Klängen der länd lichen Musik die Braut unter die Chuppe geführt wurde, lächelte Berl vergnügt und im Geiste sah er sich an der Seite Channes. War die Trauzeremonie zu Ende, so ging er zu den umstehen Salzburger Brief. Herr k. u. k. Hofantiquar Albert Pollak, der Nestor unserer Kultusgemeinde, der erste Glaubensgenosse der Neuansicdlung der Juden in Salzburg, hat dieser Tage in seltener geistiger und körperlicher Frische sein 80. Wiegenfest gefeiert. Aus bescheidenen Anfängen hat cs der hochverehrte Jubilar im Laufe der Jahre nicht nur zu Wohlstand und Ansehen als Kaufmann gebracht, sondern sich auch den Hochzeitsgästen und lüd sie zu einer' Hoch-1 als edler Mensch und guter, treuer Jehudi, die Hochzeit ein, die ״morgen" stattfinden solle. So achtung und Liebe der nächsten und weitesten Kreise wartete Berl noch viele Jahre auf das ״morgen", errungen. Unter den denkbarst schwierigsten Verhält- bis ein milder Richter seinem gebrochenen Her- Nissen schlug er vor zirka so Jahren sein Domizil in zen und seinem getrübten Geist die ewige Ruhe I dem bis dahin den Juden gänzlich verschlossenen salzgaJ). I burgischen Gebiete auf. Die gewaltigen, damals hier herrschenden uralten Vorurteile gegen die Bekenner des kokmi8cke Industrial-Bank-Filiale Kassen und Bureaus: BRÜNN, Großer Platz Nr. 26. Eigene 472% Bankschuldverschreibungen Sämtlich» Bank-, BBraan-, Voriran- und Valuten-BesehSfte. II fiupDthefcarfcredlte »ns Industrie-Unternehmungen, fflechsel-Esknmpte. . . , .. .... _.M fl-1V _____ II emittiert auf Ornndlage von hypothekarisch sichergestellten gesetzlichen Orand- , “ inlagen gegen Sparbücher II Ezen über die Pupillaritlt gewlhrten Darlehen, verzinsen sich bei gegen- und in laufender Rechnung zur günstigsten Verzinsung. || wirtigem Kurse mit mehr als 4v*>/0. Katatn: Talapho» Ur. UM. DlrakU•■: Talaphon Hr. 10JT. Korraspotidaaz: Talaphon Hr. 1381 Tretet der Jüdischen Verlagsgesellschast bei.