Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1913)
- Date
- 1913-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 31 Attische »ottsstimm'e/ Seite 5 Hungers sterbe." Mit Recht fragt ein anderes Krakauer Blatt, wo denn jetzt diejenigen sind, die das unerfahrene Mädchen zur Taufe überredet haben, und wo denn ihre sicherlich hochgestellten Taufpaten weilen. Diese hatten nur ein Interesse, eine Seele für die Kirche zu retten, aber nicht für den Körper dieser Seele soviel zu opfern, daß es nicht Hungers sterbe oder etwa von der Straße lebe. Jüdischer Frauenschutz in England. Der jüdische Frauen- und Mädchenschutzverein von England veröffentlicht soeben seinen Jahresbericht. Diesem 167 Seiten starken Buche entnehmen wir intereffante Daten über den Umfang der Aktionen, welche dieser segensreich wirkende Verein zugunsten jüdischer Mädchen und Frauen im Jahre 1912 unternommen hat. Es sei hier bloß auf die allerwichtigsten Daten hingewiesen. So erfahren wir, daß die Vertreter dieser Vereinigung in! Berichtsjahre 661 einlaufende Schiffe aufgesucht haben, auf welchen sie 5117 allcinreisende jüdische Mädchen antrafen. In London allein hat das Bureau der Vereinigung in dem genannten Jahre in 1021 Fällen interveniert, wobei es ihr gelang, eine große Anzahl jüdischer Mädchen noch rechtzeitig aus den Klauen herzloser Mädchenhändler zu retten, andere wieder aus einer verderblichen Umgebung herauszureißen. Ebenso wurden viele in Not geratene Frauen und Mätzchen mit Rat und Geld unterstützt. Zu den wichtigsten Agenden des Vereines gehört die Ausbildung jüdischer Mädchen und alleinstehender Frauen in irgendeinem Gewerbe, das ihnen eine' anständige Existenz ermöglicht. Die Vereinigung steht auch in reger Verbindung mit ähnlichen Korporationen des Auslandes. Präsidentin dieses angesehenen Vereines ist Lady v. Rothschild, während Präsident des Herrenkomitees der bekannte Philantrop Elaude Montefiore ist. der dieser Organisation viel Zeit und Mühe widmet. Judenexzesse in Pussisch-Polen. Im Flecken Parczewo, Gouvernement Siedlec, war eine Christin zum jüdischen Feldscher gegangen, um ihre beiden Kinder impfen zu lassen. Unterwegs kam ihr eins der Kinder ab- Händen. Sofort'verbreitete sich das Gerücht, die Inden hätten einen Ritualmord begangen. Das Haus des Feldschers wurde hierauf von einer erregten Menschenmenge gestürmt und demoliert, zahlreiche jüdische Läden wurden geplündert, fünf Juden verwundet. Abends fand man das verlorene Kind, welches sich verirrt hatte. Eine Untersuchung wurde eingelcitet. Bezalel-Ausstellungen in Galizien. Ende Juni wurde im Magistratsgebäude zu Gorlice (Galizien), einem Städtchen mit zirka -1900 jüdischen Einwohnern, von Herrn Bernstein, Leiter der Vertriebsgcsellschaft ״Bezalel" in Krakau, eine Ausstellung der Erzeugnisse der Kunstgcwerbeschule ״Bezalel" in Jerusalem veranstaltet. Die Ausstellung wurde auch von Christcn zahlreich besucht und die ausgestellten Gegenstände fanden, wie aus den ansehnlichen Bestcllungen hervorgeht, allgemein großen An- (*in zionistischer Kulturfonds. Nach dem Muster des Jüdischen Nationalfonds, der bekanntlich von der zionistischen Organisation zur Förderung des jüdischen Kolonisationswerkcs in Palüslina geschossen wurde und bereits die Höhe von etwa 4 Millionen Mark erreicht hat, ist vor kurzem ein jüdischer Kulturfonds ins Leben gerufen worden, der sich die großzügige Förderung hebräischer Schulanstalten und Kulturinsiitute in Palästina zur Ausgabe macht. Den Grundstock des neuen Kultursonds bildet eine Stistung des Warschauer Bankiers M. Feldstein im Betrage von 40.000 Mark. Ter Fonds, der den hebräischen Ramen ״Kcdcm"!'..Morgenland") erhalten hat, ist dieser Tage in das Londoner Gesellschastsregister eingetragen worden. Dem Tirckiorium gehören u. a. die Herren M. Feldstein-Warschau, Rechtsanwalt Dr. Artur Hantle- Berlin, Schriftsteller N. Sokolow-Berlin und Universitätsprosessor A. Weizmann-Manchester an. Die erste Generalversammlung der Gesellschaft wird Anfang September d. I. im Anschluß an den elften Zionistenkongreß in Wien siattsinden. Judcnftindlichc Boykotthetze in Galizien. Die Antisemiten in Galizien setzen alle Hebel in Bclvegung, um in diesem österreichischen Kronlande einen allgemeinen wirtschaftlichen Boykott gegen die jüdische Bevölkerung nach ruffisch-polnischem Muster zu organisieren. Ein Teil deS niederen katholischen Klerus unterstützt die galizischen Judenfeinde in diesen edlen Bemühungen und hetzt die Landbevölkerung andauernd gegen die Juden auf. Dieser Tage erschien eine polnische Broschüre, in der die Bohkottpropaganda unverhüllt betrieben wird. Es wird darin 11. a. ausgcführt, die Teilung Polens sei von vier Mächten vollzogen worden: von Rußland, Preußen, Oesterreich und — dem Judentum. Die Juden werden als die historischen Erbfeinde des polnischen Volkstums bezeichnet, und das polnische Volk wird aufgefordert, sich dieser inneren Feinde in der Weise zu entledigen, daß es alle geschäftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den Juden abbricht und diese dadurch zur Maffenauswanderung zwingt. Dieses ,.Schutzmittel" sei durchaus gerechtfertigt und legal. — Die Broschüre wurde in einer Massenauflage hcrgestellt und durch antisemitische Agitatoren im ganzen Lande verbreitet. - Ein Krawall in Rrchoboth. Jaffa. Freitag den 25. d. kam es gelegentlich eines EinbruchSvcrsuches einiger Beduinen in die jüdische Kolonic Rcchoboth zu einem Krawall. Bei der Verfolgung der Beduinen wurden ein Jude und ein Araber gelötet und mehrere Leute verwundet. Die Behörden von Rain- Ich und der Kaimakam von Jaffa griffen ei», und die Ruhe wurde alsbald wieder hergestellt. Eine größere Bedeutung ijl dem Vorfall nicht beizumessen. Es Handelt sich um eines jener Intermezzi, die nun einmal leider bei der Kolonisationsarbeit unvcrmeidlick sind. Te»l Juden das Baden verboten. Ein Fall, der an russische und rumänische Zustände erinnert wird einem ungarischen Tagblatte aus Bankfnred gemeldet. In diesem Badeort, der unter der Verwaltung des Ackerbau- Ministeriums steht, hat der Badeinspektor Graf Paul Haller den strengsten Befehl erteilt, fei־ nein Juden ein Zimmer zu vermieten. Der Graf stützt sich auf einen Vertrag, den er dem einzigen dortigen Gastwirten, einem Nichtjuden gegeben: daß, wer nicht bei diesem Restaurateur speist, dem ist der Aufenthalt in dem Badeorte ver- Rabbinerwahlen. In Gava (Kom. Szabolcs) wurde Rabbinatskandidat Jsak Tiegermann, gew. Hörer der Pozsonyer Jeschiwa, zum Rabbiner gewählt. — In Nyirböteny wurde Inda Friedländer, Rabbinerstellvertreter in Olaszliszka. einstimmig zum Rabbiner gewählt. — Die Religionsgemeinde in Kecskemet wählte dieser Tage den Hörer des Budapester Rabbinerseminars Dr. Ignaz Kraus zum .Hilfsrabbiner. Eine Millionenstistung für die Araber israel. Gemeinde. ״Az Eft" meldet von gestern, daß die schwerkrank darniederliegende Frau Elise Fischer dem Reichstagsabgeordneten Sigmund v. Nemes, Präsidenten der israel. Gemeinde, ihr Testament übergab, worin sie die Gemeinde zur Universalecbin ihres zwölf Millionen betragenden Vermögens macht. Frau Fischer selbst lebt sehr bescheiden. Die Auftösung des Rabbinersemiuars in Konstantinopel ist infolge Mangels an Mitteln, wie es scheint, nur noch eine Frage von Tagen. 22 Jahre besteht es. hauptsächlich von den Unterstützungen der Alliance lebend. Schüler hat es wenig anzuziehen vermocht, ein einziger Rabbiner ist aus ihm seit seiner Gründung hervorgegangen. Jetzt hat, wie es scheint, auch die Alliance dem Rabbincrseininar ihre Unterstützung entzogen und so wird diese Anstalt bald den Weg des Sterblichen gehen. Das saghafte Dementi, das der Granv Rabbi der Türkei gegen die Nachricht der Auflösung des Seminars in die Presse geleitet hat. ist eher dazu angetan, das Gerücht zu bestätigen als zu entkräften. Tie Kraft des Judentums Der auch in Europa bekannte amerikanische Gelehrte und gewesene Präsident der Harvard- Universität in Boston, Prof. Charles Elliot. hielt dieser Tage eine interessante Vorlesung über ״Tie Kraft des Judentums". Laut der Allsich des Professor Elliot sei das Judentum deshalb zivilisatorisch so erfolgreich gewesen, weil cs seine alten Ideale festgehalten habe. Diese Ideale sind: Ter Glaube an die Einheit Gottes, für welche die Inden so viele Märtyrerqnalen er-; litten, zweitens die Reinheit des Familienlebens, chie einen Teil der Religion bilde, und drittens die Ethik der Bibel, lvelche die Juden der Welt geschenkt haben. Ter, Gelehrte schloß seine Vorlesung mit der Bemerkung, daß die Juden, welche erfreulicherweise sich der amerikanischen Freiheit bedienen, jetzt ihrem alten Namen schuldig sind, daß die Juden nicht nur von Freiheit träumen, von Freiheit singen und für die Freiheit sterben, sondern auch in Freiheit als Juden leben und wirken können. Die Vorlesung hat in der gesamten amerikanischen Presse sympakischen Widerhall gefunden. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUN QS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ I. im eigenen Palais. - Versicheites Kapital cirka 400 Millionen Reserven ciika 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 50/0 jährlich fallender garantierte P'ämie, Qeneral-Agentur für Wien, I., Aspernplatz 1, Leiter David Nebenzabl, Sub.Direktion für Prag, Ferdinand s». 20. neu, Leiter Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Löbi Taubes. General-Agentur für Kra1.au Nathan Rössner, St. Sebastlana 10, Generalagentur für Bieiitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. Rorretpottäenzen. Austerlitz. Am 22. Juli d. I. wurde Herr jur. cand. Rudolf Strach. Sohn des Herrn Joses Strach, Vorstehers der israel. Kultusgemeinde, nachdem er die Prüfungen mit Auszeichnung bestanden hat, an der Wiener Universität ׳,um Doktor der Rechte promoviert. Bisenz. Duß der mitionale Gedanke auch in den Kreisen unserer Gemeinde feste» Fuß gefaßt hat, dafür brachten die lebten Tape einen schönen Beweis. Der Kultusvorsiand nahm eine Anregung der zionistischen Akademiker freundlich ans, anläßlich des wiederkeyrenden Todestages Tr. Theodor Herzls. einen Trauergotlesdiens! zu vcraiiflalien »ud widmete allen Vorkehrungeii das Veste und eiilgegenkommeiidiie Wohlwollen. Tie Feier, die einen ungemein starken Besuch answieS, es waren auch Volksgenossen aus allen amliegenden Gemeinden anwesend, nahm entsprechend den Erwartungen einen würdigen Verlaus. Herr Oberkanlor Lewitin brachte mit dem Ebore, der sein Bestes ge-!eiltet hatte, stimmungsvolle Gesänge z»»> Vortrage. Die Festrede hielt in Vertretung des OrtsrabbinerS Se. EH1W. Herr Pros. Dr. Julius :>ieach ans Ga>,a. In zündenden Worten ivürdigte der Redner die Bedentung der lichtuinslosseneii Gestalt Herzls, betonte, daß nur ein Dichter die Große der Jndennot halte ersajjen können und daß nur die Tiefe seiner Empfindung die rastlose Tätigkeit unseres verewigten Fübrers versiändlieht macht. Mit dem Absingen der ״Halikwak" lchloß die eindrucksvolle Feier, die lange in dem Gedächtnisse der Anwesende» nachwirkcn wird. Mähr.-Weißkirchen. Tie Ehargemvahlen ergaben folgendes Resultat: cand. »1ed. Emil Bachrach. Präses׳, cand jur. Stephan Tändeler. Vi׳,e- Präses׳, cand jur. Fritz.Hein, <-chris1sührer. Neutilschciu. Am 2«>. Tamns fand im hiesigen Tempel eine Herzl-Gedächtnisfeier statt, yn der die hier weilenden big., die gesamte;io nistijche Jugend sowie ein großer Teil der Bür gerschaft teilnahm. .Herrn Rabbiner Tr. S- Mandl gebührt für seine glänzende Gedenkrede, Herrn Sberkanwr «'׳;roß für den Vortrag der üblichen Gesänge unser aller Dank. Prvßnitz. Tie am 20. Juli stattgesiindene» Ehargemvahlen des Ferialvereines jüdischer Hochschüler ״Giskalah", ergaben folgendes Resnltat: cand, ing. Erich Altar. Präses׳, sind. chem. Eornel Grnnwaio, Vizepräses׳, srud. ing. Robert Löw. Schriftführer. Meran. Das (Genesungsheim des Vereines ״Astzl für mittellose kranke Israeliten. Meran" wird mit l. Oktober l!>t:'. für die Herbilsaison wieder eröffnet. M i t t e l I o s e israel itiiche Be- Werber wollen sich brieflich wegeil der ausführ lichen Anfnahmsbedingnngen an die .Kanzlei des Vereines wenden unter der Adresse: ״Ami snr mitlellose kranke Israeliten. Meran. Tirol" und ihre Gesuche nm Anfnainne möglich bis Ende August einreichen. Temcsvar. S. I. Reich. ein Mann von hervorragendcn Eharaktereigenschafien, dem es ein Herzensbedürfnis war, Gutes ׳,n üben und Zedokoh zu geben, ist im Aller von «> l Jahren verschieden. Er war ein N'etfe des verewigten Laudespräsidenlen Reb Jzchok Reich. Bei seinem Be gräbnisse schilderte Oberrabbiner Beruh. Schuck die Tugenden dieies wahrhaftigen Biederman nes in einer glanzenden Rede. Ehre seinem Andenken.