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Jüdische Volksstimme · 1913-07-31 · Heft 31 (31.7.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 31 (31.7.1913)
Date
1913-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 81. ,Lüdlsche »oIMfHmme״ «eve 9. Josef Hanus, Brünn Rudolfsgasse Nr. 25. Sämtliche Damen-Mod״ waren, Bänder, Spitzen, Seidenstoife, Fosamenterie, und Zugehör für Damenschneider und Schneiderinnen. tci immer angehüren, müssen in den Rus einstimmen: Secher Zadik liwrocho! Ter Rabbiner sprach hieraus den Kubisch de Rabouon und die ergreifenden Klänge de» ״Tchilvissi" beschlossen das feierliche, vom ersten Kantor Mathas loürdevoll durchgeführte Requiem, dein n. a. vom Vorstände nur der allezeit getreue Tr. Markus Spitzer und der bekannte Freund Herzls, Reverend Hechler, Pfarrer der anglikanischen Botschast, beiwohnten. A. L. vzRLomms-Rimz BR/KIT5CHnUCK - - HOCHZEIT 5QE3CHENKE EHE'RINQE. In hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen•, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. d- Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. ״Die Misrachi." einerseits und der zionistischen Taktik anderseits maß- , jMipnhnt ftavjf! dessen LebenSgang» Charakter und Begabung trefflich und richtunggebend seien. Außerdem hat die Unkenntnis . schildernd, begeisterte und begeisternde Worte, die auf der zu verhandelnden Gegenstände in den breiteren > ״Theodor Herzl." Welche Fülle von Vorstellungen die große Trauervcrsammlmng erhebenden Eindruck Kreisen des jüdischen Volkes bereits einen gewissen rufen doch diese zwei Wörtlein bei jedem denkenden übten. Ter geistliche Redner pries Herzl nicht nur als Grad von Indifferenz und Gleichgültigkeit gegenüber Juden hervor. Welche Welt von Gedanken wird doch prädestinierten Führer, sondern als den großen ,.«eher den in Betracht kommenden prägen gezeitigt, die mehr ( von diesen drei Silben wachgerufen. Welch gewaltiger seines Volkes, dessen Schicksal zu verbessern, Hst und als selbst der heftigste Kampf geeignet sind, die Bcwe '*״*׳-׳־'־־׳ ׳* •י ------ -י־׳--‘ ■י— - - ... gung ernstlich zu schädigen, denn cs die leidenschaftlichsten und erregtesten wie reinigende Gewitter wirken und das Interesse für jüdische Fragen steigern können, während Laxheit und Interesselosigkeit selbst die stärksten Bewegungen einznschläfcrn und langsam abzutöten imstande sind. Wohl dürfte noch im Laufe der nächsten Tage die Tagesordnung endlich bekanntgegeben werden, jedoch wird dies nichts mehr an dem Faktum ändern, daß die Leitung durch die Verzögerung in der Veröffentlichung der Tagesordnung einen bedauerlichen und nur schwer gutzumachenden Fehler begangen hat. Nachstehend wollen wir versuchen, in kurzen Strichen jene Fragen zu skizzieren, die voraussichtlich das Um und Auf des diesjährigen Kongresses bilden dnrftcn. Denn darüber wollen auch wir uns nicht täuschen, daß selbst die schönste Tagesordnung nur die Reihenfolge der Verhandlungen regeln oder bestenfalls deren!!lahmen bilden kann. An dem Beispiel der früheren Kongresse konnte man cs deutlich sehen, daß auch die fest umrissene Bezeichnung eines Verhandlungsgegenstandes cs nicht verhindern konnte, daß die Debatten sich oft in ganz anderen Bahnen bewegten und sich nicht im geringsten an die ausgestellten Schablonen hielten. Und Las ist gut so. Die Kongresse sind schon längst nicht mehr bloße Deinonstratioiicn, sondern ernste, beratende Tagungen. — — — —■ Die wichtigste Frage, weil eine der grundlegenden des Zionismus, ist die Frage des ferneren Ver- Haltens, der zionistischen Organisation angesichts der Umwälzungen in der Türkei. Schon vor einigen Iahreu, als die Jungtürken nach einem gelungenen Staatsstreich das Regime an sich rissen, mußte zugleich auch die damalige Taktik eine nicht unbedeutende Acnderung erfahren. Und diesmal sind die Umwälzungen im Staatsleben der Türkei viel umfassender, einschneidender und folgenschwerer, als daß sie nicht auch einen ihrem Ausmaße entsprechenden Richtungswechscl innerhalb des Zionismus hcrbeiführen sollten. Eine zweite Frage, die wohl noch zu heftigen Gegensätzen auf dem Kongresse führen dürfte, ist der Wunsch der Leitung, die Majorität in den einzelnen zionistischen Finanzinstitutcn zu erlange», eine Forderung, die die Leitung schon seit Monaten propagiert und für die sie lebhaft Stimmung macht, sehr zum Acrger der englischen, französischen und amerikanischen Zionisten, welche sich heftig gegen jede größere Einfluß- »ahme der Leitung auf die Bank sträuben. Auch eine prinzipielle Opposition wird cs diesmal geben. Die ״Politischen" gegen die ״Praktischen". Erstcre, deren Standpunkt Jean Fischer (Antwerpen), David Wolfsohn, Marmorck, Cowen und wohl auch Max Nordau vertreten, sehen in der Arbeit der jetzigen Leitung ein Abgchcn vom Hcrzlschcn Zionismus, lvogcgcn sic .selbst ״die integrale Verwirklichung des Baseler Programms" anjtrcbcn. Bedauerlich ist nur, daß diese prinzipiellen Konflikte auch erbitterte persönliche Gegnerschaften unter den Mitgliedern des A.-C. gezeitigt hat, die gewiß die traurigste Erscheinung bilden. Neben der ״Kulturfragc", die diesmal wegen der Frage einer hebräischen Universität in Palästina, und wegen der immer stärker werdenden ״alljüdischen Richtung", die allmählich auch unter den Zionisten an Boden gewinnt, aktuelles Interesse hat. um so mehr als Ussischkin Referent ist, dürfte auch die Frage des weitercn Verhältnisses zwischen Religion und Zionismus zur Sprache kommen. Letzteres schon deshalb, weil cs diesbezüglich immer öfterer zu Mcinungsverschicden heitcn kommt, die hüben und drüben Unwillen und Verbitterung Hervorrufen. Tas in kurzen Zügen der Fragenkomplex, der seine Erledigung und Lösung auf dem bevorstehenden Kongrcß finden soll. Tie bezcichnetcn Probleme sind zum Teil heikel und schwerwiegend. Manch hartes Wort wird während der Tagungen fallen, schließlich dürften aber, tvie im iner, so auch diesmal die Gegensätze wenn nicht ganz aus der Welt geschafft, so doch zumindest gemildert und eine versöhnlichere Stimmung erzeugt werden. — Einzelne der oben erwähnten Fragen erschöpfen der zu behandeln, behalten wir uns vor. in allen Jahrhunderten große, für die historischen Er-; Alle Volksgenossen des Erdballs, mögen sie welcher Parcignissc des Judentums epochemachende Männer hervor gebracht. Gar oft glänzte über dem Horizont der jüdi scheu Geschichte ein helleuchtender Stern, der zugleich ein Zeiger auf dem Zifferblatte der Weltgeschichte gemorden ist. Theodor Herzl nimmt unter diesen die hervorragendste Stelle ein. Er ist sicherlich die größte Persönlichkcir. die das Judentum hervorgebracht hat. Mag man über einen zukünftigen Judenstaat in Palästina skeptisch das Haupt schütteln. Mag man die 10.000 Ackerbauer auf den jüdischen Kolonien, die Hunderte Arbeiter in den Bczalelhäusern, das blumengeschmückte Tel- Awiw nicht sehen wollen, die wiederbelebte hebräische Sprache, die Muttersprache einer neuen Generation nicht hören wollen: jeder muß sehen, daß Theodor Herzl Hundcrttauseudc jüdische Jünglinge unserem Volke erhalten hat, daß er Tausende unseres Volkes, die bereits an der Schwelle des Judentums standen, zurückgebracht und ihnen neue Hoffnung und Liebe zum eigenen Volke geschenkt hat. Dieses genügt vollkommen, um seinen Namen mit goldenen Lettern an die Spitze unserer Geschichte zu schreiben. Was die menschliche Phantasie nie zu träumen gewagt hätte, hat er so glänzend realisiert. Er hat über die ungeheuersten Klüfte des menschlichen, Geistes im Nu eine Brücke geschlagen und die weltverschiedensien Richtungen aus einer gemeinsamen Plattform vereinigt. Erzkonservative des Ostens und Hochmoderne des Westens reichen sich die Hände zur gemcinsamcn Beratung der Judenfrage. Kaftan- und Paijcsjuden Galiziens und akademische Lehrer Deutschlands kommen zum größten jüdischen Feste, zum Zionistenkongresse zusammen. Alle Gegensätze sind geschwunden. ״Ein Judenvolk und ein Zion", lautet die Parole. In diesem Bilde offenbart sich die fast fabelhafte Größe Theodor Herzls. In Ungarn tobt der Kampf zwischen Ncologen und Orthodoxen, in Deutschländ zwischen Liberalen und Konservativen. Immer schärfer werden die Waffen geschmiedet, immer enger die Grenzen gezogen. Der Geist Theodor Herzls führt zum Zionistenkongreffe Rabbiner, Häupter Millionen konservativer Juden von der einen Seite, und Vertreter der Kunst und Wissenschaft, häufig alles zerstörende Zweifler von der anderen Seite herbei. Theodor Herzl hat aus uns aufrechte, stolze, selbstbewußte Männer gemacht. ״Zum Henker ging das Kriechen und Bücken." ״Tie Zeit der Schande war vorbei." Häufig haben Juden bei gekrönten Häuptern vorgesprochen. Ta weinten sie und flehten und baten um ..gnädigen Schutz" für die unglücklichen Juden. Theodor Herzl ging zu denen, die auf der Menschheit Höhen ihren Thron aufgcschlagcn. Er kam hin und Forderte as Land ohne Volk dem Volke ohne Land." Er hat den gekrümmten jüdischen Rücken wieder grad gerichtet, dem jüdischen Studenten den Degen fürs Judentum in die Hand gedrückt, seinem Volke Mut, Zuversicht und Vertrauen zu sich selbst geschenkt. Trum ist sein Name mit dem ehernen Stifte aus die Tafel des jüdischen Herzens geschrieben, darum ist der Schmerz des Indcntums so ungeheuer, daß es diesen Mann so früh verlieren mußte. Wir Juden haben bei Katastrophen unseres Volkes Trauer- und Fasttage eingesetzt. Wolltcn wir dieses für Herzl tun, so würden die Tage im Jahre zu wenig sei». Der Verlust ist viel zu groß, als daß das Fasten und Weinen genügen sollte. Nein! Nicht fasten und nicht meinen wollen wir. Arbeiten! Arbeiten, um das zu realisieren, was er begonnen hat.... Aron Schwertfinger. Gedenkfeier für Theodor Herzl s. A. in Wien. Als Vorläufer des ernjiftimmende» Monats Ab lündigt sich der 20 Tamus an, der Todestag unseres teuer», verklärten Meisters Theodor Herzl, Heuer zum neunten Male, um diesem Jahrestag ihren pie tätvollen Tribut zu zollen, erachtet die Parteileitung als eine selbstverständliche Pflicht. So fand denn am Donnerstag den 24. Juli, halb 8 Uhr abend, in der schwarz dekorierten und hell beleuchteten Shnagogc der Seitenjtcttengasse eine überaus stark besuchte Trauer gcdenkfeier statt. Vor der Bundeslade flammte, schwarz umhüllt, ein bläulich schimmerndes Scelenlicht, dem Andenken Theodor Herzls geweiht. Nach der Exekutierung des großen Sulzerscheu TraucrpsalmcS durch den Chor, bestieg Rabbiner Dr. Bach die Kanzel und widmete dem Gedenken Herzls, In dem sehr guc gehaltenen Artikel ״Ter Misrachi" in Ihrer Nr. 28 wird dessen negative Mission der Verhütung von Uebertreluugeu der Religiousgesetze im zionistischen Leben und durch zionistische Korporatioiien und Führer, seiner positiven Mission, der reli. giösen Ausgestaltung der kulturellen Schöpfungen des Zionismus, hintangesiellt. Mit vollem :!!echte insoferue. als der Misrachi sich gewiß nicht in seiner Tätigkeit als ״Maschgiach der Ziou-Orgauisation" erschöpfen und darüber seiner eigentlichen schaffenden Ziele vergessen darf. Um diese durchzusetzen und schon zufolge seiner darauf abzielenden shstematischeu Tätigkeit dem Zionismus die große Menge der thoratreuen Judenheit zuführen zu können, ist es aber notig, daß der Misrachi seine allererste Aufgabe keine» Augenblick aus dem Auge lassen darf, die darin besieht, erzieherisch und leitend und sührend in religiös-ethischer Beziehung im Zionismus, aus den Zionismus selbst zu wirken. Ta muß er sich als ״Maschgiach der zionistischen Organisation" fühlen, seinen Stolz in der Betätigung als solcher setze», ohne Nilcksicht darauf, etwa dieserhalb als ״ewiger Krakehler" bezeichnet zu werde». Seine stete Aufmerksamkeit ui dieser Beziehung, die unerschrockene, aber sachliche Kri til in jedem einzelnen Falle ist die Voraussetzung für seine ihm obliegende schöpferische Tätigkeit und erit seine damit zu erzielenden Erfolge werden eine Basis schassen, auf der der glite Wille der zionistischen Lei tliiig betreffs Turchsetzung der wiederholten .Kongreß beschlüsse, ״daß im Zionismus nichts geschehen darf, lvas dem Religionsgesetze zuwiderläuft", sich auch praktisch betätigen kann. Gegen diesen Fundamentalbeschlttß auch des zehntcn Kongresses wird tagtäglich von Führern und ״Fährcrchcn" des Zionismus Sturm gelaufen in osfiziüien und offiziellen Verlautvarungen gesündigt! Ist es nicht mehr als beschämend, wenn die ״Welt" eineVerlaulbarung veröffentlicht, in welcher sie die an und für sich schöne Idee propagiert, im Anschlüsse an den elften Kongreß eine Paläjtinareise zu veranstalten, gleichzeitig aber darauf aufmerksam macht, daß Teilnehmer, die auf Koscherkost reflektiere», sich rechtzeitig melden müssen. Das heißt mit mehr als dürren Worten gesagt, daß die Verpflegung auf dieser zionistischen Fahrt keine rituelle sein wird! Tas ist bei einer zionistischen Palästinasahrt, bei einer Fahrt im Anschlüsse an den Kongreß ein Schlag ins Gesicht aller noch religiös fühlenden Zionisten, es ist eine Vernachlässigung der der obersien Leitung zujtebenden Pflicht, alles zu vermeiden, was den Anschluß der »och außerhalb der Organisation stehenden Juden erschweren kann, ja, es ist auch ein Verstoß gegen guten Geschmack und gute jüdische Sitte! ES ist für den Tenkenden ein Beweis dafür, daß der dem Religiösen abgekehrte Nationalismus bei konsequcnter Fortentwicklung in letzter Linie wieder zur Assimilation führen muß. Selbst nur als Jmponderabile genommen, sind derlei Tinge schädlich der wirklich jüdischen Forlent Wicklung, schädlich aber auch dem Zionismus, der seine letzten Ziele nur erreichen kann, wenn ihm die große jüdische Menge der Gesetzestreuen angehören wird.

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