Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1913)
- Date
- 1913-07-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29. Seite 10. ״Jüdische Volksstimme." reit"■ 10.10 durch Spnodalbeschluß aufgehoben. Tie Ehescheidung darf ohne Bewilligung der Landesregierung nicht vorgenominen werden, die Mischehe ist weder vom biblischen noch vom talmudischen Standpunkt aus untersagt ('{), da die europäischen Polter nicht als Götzendiener betrachtet werden dürfen, würde aber, wenn man sie jetzt gestatten möchte, ans Schwierigkeiten flohen, da die bei einer solcher Eheschließung erforderlichen Zeremonien kaum angewendet werden tönnlen. Tie französischen Juden betrachten ihre Mitbürger in Frankreich als ihre Brüder. ^7chon Moies babe Wohlwollen gegen fremde zum Gesep gemacht: um wieviel mehr müssen die Juden diejenigen als Brüder betrachten, mit denen sie in einem Lande leben, ja durch deren Menschlichkeit sie nun des bürgerlichen Jnstandes!ich erfreuen. In Betreff der Erfüllung der Mciischcnpflichtcu teniien die Juden keinen konfeisionellen Unterschied. Frankreich erkennen die Juden unter allen Umständen als ihr Paterland. dessen .veil und ovlil zu fördern sie sich gesetzlich wie moralisch verpflichtet fühlen. Tie Rnvtzinen lverden gewählt, sie haben keinerlei Gerichtsbarkeit, das Gesetz kann ihre Stellung regeln. .״kein bürgerliches Gewerbe ist den Inden verboten. Ter Talmud stellt sogar das Erlernen einesHandwerkes unter die Bürgerpflichten. de l’l 11־ Wucher ist nach der Lehre des Judentnins verboten. Tiese Antworten haben den Kaiser in solch bol,ein Mähe befriedigt, das; er, um den von der Notabel;!versa1nmlung gesahten Beschlüssen Rechiskrail verleihen zu können, ein Spnhedrion, das ans 7? Mitgliedern, teils Rabbiner, teils Laien bestand, einsetzte. Tasselbe wurde, um ihm das Gepräge der Ehrwürdigkeit aufzudrücken, nach dem Porbilde des alten, einst in Jerusalem bestandenen Spilhedrion gebildet, tli. Tav. Sinzbeim wurde zum lR'asi» Porsitzenden, LIbrabain de Eologne zum Beisitzer lAb-bet-Tin1 und Abrabam Segere zum zweiten Beisitzer <Ehachani j ernannt. (Fortsetzung folgt.» Die Königin Luise und die Juden. '71111 10. Juli werden es 10:i Jahre, seitdem die edle Königin Luise zur letzten Ruhe einging. Einige Episoden ans dem Leben der hochselige» Fürstin bekunden, wie die edle Prcnhenkönigin über die Tuben dachte und urteilte. Im Buche der ״Preuhischen Fürsren und ibre Trauen", Band 2, Seite!:!!», Perfasser Eonrad Rahm, wird solgende Aenßerung der königlichen Braut milgeteilt: 1. ״Tes Königs Minister sind hart, sobald es sich um die Tnden handelt. Mein Gott, nichts als Witzeleien'. O, es ist unnötig, die armen Leute noch Weiler zu kränken. Es liegt sebr, sehr viel Temüligendes für den menschlichen Stolz in dem Leven eines Tuben. Es schneibet ins Herz, wenn man an ven Ton benkt, den sich Chrislen oslinals gegen Tnden erlauben. Wir sehen in den Tnden auch die Menschheit in ihren! 1111־ geschminkten;',nsianbe. Sie sind eben ihren Pölferlitten treu geblieben und es ist ein trauriger Gedanke um das Bewuhtjein, das; wir Ebrislen diesen Zustand verachten und sie zu uns hinüberziehen wolle». Bon der grauen Morgendämmernng des Mittelalters bis jetzt war das Tudenleben eine ״leite mit Gesetzen nmsäumt. Tie ganze heitere Welt, worin wir uns bewegen und vergnügen, machen wir für ihu zu einem Trie voller ,Fallstricke und Gesahren. ״Herr Minisler ,verhärten Sie das Herz meines künftigen Gemahls nicht!" usw. — 2. Tie .״königin war im Jahre 1807, einmal in der Porskadi Berlins am Sabbat spazieren gegangen. Ihre Begleiterin, eine Hofdame, machte sie plötzlich auf eine schöne Baumgruppe aufmerksam. Eben wollten die hohen Damen weilergeben, da gewahrte die Königin einen ärmlich gekleideten Knaben, der einen mit Brillauten reich besetzten Ohrring in der Hand hielt und unter einer höflichen Verbeugung fragte, ob nicht eine der Damen diesen Ohrring, den er vor ungefähr einer Stunde gefunden, verloren habe. Tie hochedle Königin erkannte den vorgezeigten Fund als ihr Eigentum, welches ihr durch die von der etwas stark wehenden Morgenluft verurjachten Bewegungen des Sommerhutes vom Ohre abgelöst worden war. Tie nahm den Ohrring zu sich und lief; den kleinen Finder desselben, dessen Redlichkeit man allgemein bewunderte, in ihre unmittelbarc Nähe fommcii. Hier erfuhr sie nun aus dem Munde des Knaben, das; sein Pater ein Jude und Handelsmann sei, schon zwanzig Jahre in Berlin lebte, feine Mutter aber erst vor drei Monaten gestorben fei. ״Guter, armer Judenknabe! sag mir, wozu hast du Lust, oder was willst du werden?" sprach liebreich und sanft die erhabene Königin. ״Ich will nichts anderes werden, als was mein Pater ist, ein Handelsinann: der bin ich auch eigentlich schon mit Leib und Seele, denn ich kenne die Waren von Grund aus und möchte gern jetzt schon meinen guten alten Vater unterstützen." Solches sprach der hübsche, redliche Judenknabe mit einer Innigkeit und Begeisterung, die der guten .Königin und ihrer .״kammerdanie die Tränen der herzlichsten Rührung ins Rüge lockte. Friedrich Wilhelms königliche Ölemahlin merkte sich die Wohnung des Knaben, der später in ein groszes Handlungshans kam. Tie .״königin lies; ihn kleiden und beschenkte des -Knaben Vater reichlich. Als der 5knabe zum Jüngling herangewachsen, als er Mann und Vater wurde, da dachte er noch an die edle Wohltäterin mit 1111־ auslöschlicher Ehr!urcht. '.!!och in ihren spätesten Jahren, so erzählen preußische Historiker — habe die ,״königin Luise mit vielem Wohlwollen an den reich gewordeneu Israeliten gedacht. Tie 1810 erschienene Ehronik der .״königin Luise erzählt auch dieses Geschichtcheu. Tie .״königin war einst im Herbst des Jahres 1!00י in Berlin spazieren gegangen, und;.nuu 111 Gemeinschaft mit einer sehr stolzen Hofdame, deren Nachkommen heute noch ebenso stolz in Preußen sich breit machen. Es war kurz vor den jüdischen Laubhütkenfefttagen. Tie .״königin wollte sich mit Absicht ins Judenviertel begeben. Ein solches gab es dazumal gewissermaßen in Berlin noch. Mit Abneigung folgte ihr die Hofdame dahin. Als nun die hochedle.״königin mitten i»1 Geräusche des Judenviertels war, da lachte sie herzlich über das Treiben! Plötzlich gewahrte sie eine bejahrte Judenfrau, der es sauer wurde, den schwer bepackten .״korb aufznnehmen. Ta sprang die edle .״königin herbei und half ihr den .״korb aufhcben. ״Majestät! Pfui! Um Gottcswillcn! .״königm!" rief die Hofdame, ״wie mögen Sie sich mit dem alten Judenweibe so gemein machen!" die edcldcnkcnde .״königin blickte die eitle Hofdame mit zürnenden Angen an: ״Schweigen Sie! Menschenliebe, die ein jeder üben soll, kann nie ins Gcineinc hinabsinkcn. In dieses schmutzige Revier verliert sich nur der eingebildete Stolz einer - Hofdame!" Tas war eine Antwort, mein freundlicher Leser. Tie schon erwähnte 1810 erschienene Ehronik beschließt diese Episode mit dem trcsflichen Berschen:;')11 ihr drang jeder .״klage leiser Hauch, Sie fühlte jeden Schmerz, Selbst 1i>r ein Jndenwcib empfand sie auch! O, welch töniglich Herz! — Krankheiten der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg in Dr. Kutbans Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert — Prospekte Literatur. Judah, K. Gerhard. Verlag Otto Hillmann, Leipzig. (Lieg, brosch. 3 Mark, vornehm geb. 4 Mark. Viele gute Schauspieler haben aus historischen Romanen Veranlassung und Stoss geschöpft; so auch das vorliegende, das im Watlaccschcn ״Ben Hur" eine ergiebige Quelle für packende und malerische Szenen und dramatische Gestalten findet. Die von der Geschichte verherrlichten Ereignisse der schtvcren Kämpfe der Römer bei der Unterjochung Asiens, die Poesie der damaligen Lebcnsiocise bilden eine würdige Umgebung, aus der die Heldengestalt Judahs emporragt. Dieser vertritt zwar den ganzen Typus der jungen, selbstbe- Ivusztcn Juden, die die Ungunst ihres Schicksals nicht zu brechen sondern nur zu stählen vermag, aber der Dichter verstand cs, durch die Verknüpfung der Ereignissc und die dichterische Ausarbeitung des Eharaktcrs Judahs Gestalt zu einer ivahrhaft dramatischen herauszu schälen. So ermöglicht nns dieses Werk nicht bloß einen ticscn Einblick in die Verhältnisse in Rom und den östlichcn Provinzen, sondern es bildet auch, was die Ausarbcitung und Vertiefung anbelangt, ein ganz hervorragendes Kunsiwcrt. D e s y. Tic Schüler von Polnjewo, Karl Buffe. Verlag I. G. Eollasche Buchhandlung Nach!. Es gibt vielleicht kein trauteres Milieu für eine kleine Geschichte, als eine Kleinstadt und hier wiederum ist cs das Schullcben, das einen gefühlvollen Autor zu einer Schilderung verlockt. Zwölf kurze Skizzen, eine einfacher als die andere, lverden uns vorgefiihrt und der Verfasser lehrt uns verschiedene Schülertypen aus ihrer geistigen Beschaffenheit und Umgebung und nicht nach ihren Erfolgen allein beurlcilcn; Typen, die, ivic er selbst in einer der Nobellen sagt, in immer ucner Verkleidung ihren Weg durch Schule und Welt machen. Dabei schwingt in der Sprache ein wehmutsvoller Ton der Erinnerung mit, den die häufigen, beinahe lyrischen Stellen noch erhöhen. Doch dringt immer wieder der Frohsinn der Mittelschüler durch und nur in der ersten Novelle ״Der Dieb", sindcn wir einen tragischen Ausgang. Nicht bloß die Schüler, sondern auch die Professoren werden trefsend geschildert. Ihre Schwächen und ihre Kurzsichtigkcit werden durch ein gefühlvolles Herz, das sich oft unter einer harten Schale verbirgt, wieder wcttgemacht. Ein Buch, das eine angenchmc und interessante Lektüre für jedermann bildet. D e s y. Dorothea Abdul Gawad-Schuinacher: Eine türkischc Ehe in bliesen. Tripolis 11*11—12. A. Juncker Verlag, Bcrlin-Ch., 2 Mk. 50 Pf. Tics ist ein ergreifendes Buch. Es ist die tragische Ehcgcschichtc eines jungen türkischen Offiziers, Armin Bcy» der seine Frau Güldana kaum kennen lernte, als der Krieg ihn schon von ihr trennte. Den Hintergrund bildet das Leben im Lager; da ist ein fanatischer Scheich, der den Krcuzzug gegen Europa predigt. Beduinenfraucn sicht man ihre Männer ins tiefste Schlachtgeivühl begleiten, dann iviedcr ist man im Quartier der Offiziere, die mit Gästen von der Feindcsseitc die türkische Kultur gegen die europäische ausspielen — und Enver Bcy fehlt auch hier nicht: Amin Bey steht ihm nahe und berichtet viele inlcrcssantc. charakteristische Züge dieses auch heute wieder populärsten Mannes unter den Jungtürkcn-— Auf dieser Folie nun erhebt sich die Geschichte von Amin und Güldana, die sich kaum kannten und doch so sehr, daß ihnen das Leben nichts!»ehr bedeutete, als die Sehnsucht und die Liebe und ihrer Liebe Pfand: das Kind, das noch nicht geboren war. In diese Briese strömt ihr ganzes Dasein, ihre Vergangenheit und die Zukunft mit all ihren Hoffnnngcn. — Amin Ben stürzt sich mit wilder Wut ins Gewühl, um sich zu betäuben, seine militärische Leistung wird anerkannt, die höchsten Ehren sind ihm gewiß — der Friede naht, und die junge Frau geht der Entbindung entgegen — da ko mint der Tod ins Lager, fast zugleich mit der Anzeige einer glücklichen Niederkunft. Tod und Leben geben sich die Hand. Man muß an Gcycrstams «Buch vom Brüderchen" erinnern, wenn man die ergreifende Schönheit dieser Mährische Agrar- und Industrie-Bank in Brünn Filialen: Prag, Kremsier, Mährisch Ostrau, Troppau, Trebitsch, Deutsch-Brod, Chrudim, Holleschau Aktienkapital K 12,000.000 Einlagen über K 25,000.000 Verzinst die Einlagsbüchel mit 4s/4— 570 auf Laufende u. Einlagerechnung Waren-Abteilung Realitätenabteilung