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Jüdische Volksstimme · 1913-07-17 · Heft 29 (17.7.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 29 (17.7.1913)
Date
1913-07-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. crschöpflicher Menschenliebe, die im Erbarmen keine Grenze kannte. Seine Opfersreudigkeit fürs Judentum überstieg weit die engen Rahmen der Wohltätigkeit, seine Wohltätigkeit war eine Kulturwohltätigkeit im weitesten Sinne. Er hatte für alle jüdischen Strömungen das größte Interesse und bekundete besonders regen Sinn für die literarischen und künstlerischen Bewegungen im ungarischen Judentume, für die er die größten materiellen Opfer brachte. Er stand an der Spitze aller größeren jüdischen Vereine in Ungarn, in denen er sich in hervorragender Weise beteiligte. Er war einer der Mitbegründer und Päsident des israelitischen Landeskultusvereincs, welcher Verein vornehmlich dem edlen Verschiedenen seinen großen Aufschwung zu verdanken hat, Präsidcnt der ungarischen Gruppe der ״Alliance israelite universelle" — und verkehrte er seinerzeit viel mit Baron Moritz Hirsch. Er war feruer Präsident des israelitischen ״Literarischen Vereines", des israelitischen ״Patronagenvcreines", des ״Rabbincrscminars", des israelitischen ״Lchrcr-Ausbilüuugsinstitutes" usw. und nahm auch an der Leitung der Budapester Kultusgemcinde lebhaften Anteil. Die Droschkenkutscher von Jerusalem. Man schreibt der Fft. Ztg. aus Jerusalem: Am erste» Sonntag und Montag dieses Monats streikten die hiesigen Droschkenkutscher. Was das sür Jerusalem bcdeutet, kann nur der ganz verstehen, der die hiesigen Verhältnisse etwas näher kennt. Da cs hier weder Elekirische noch Dampfbahn, noch sonst irgendwelche andcrcn modernen Verkehrsmittel gibt, so ist die Droschke das einzige Gefährt, dessen inan sich bedienen kann, lind größere Strecken zu gehen, ist hier, bei dem oricntalischeu Klima, das verweichlicht und erschlafft, fast eine Unmöglichkeit. Selbst in einem Sommer wie dem diesjährigen, der im Vcrgleickt mit sonstigen Jahrgängen vis jetzt angenehm und kühl zu nennen ist, brennt die Sonne doch um die Mittagszeit so versengend, daß jeder, auch der fast Unbemittelte, sich eines Wagens bedienen mutz. Die Droschke ersetzt hier nämlich im wahrsten Sinne des Wortes Omnibus und Trambahn. Tic ärmere Bevölkerung kann cs sich natürlich nicht leisten, jedesmal einen Wage» zu nehmen, daher fahren dann so und sovicle, die gerade nach derselben Richtung wollen, in einem Gefährt, manchmal bis zu acht Personen zusammcngcpfropst; für diese Fahrt zahlen sie dann jeder zwei metalic «ist gleich 10 Pfennigs, also ebensoviel lvic wir in unseren Trambahnen. Diese Sitte hat sich so eingebürgert, das; die verschiedenen Kutscher schon immer eine bestimmte Richtung hin und zurück einschlagen und auch die verschiedenen Stadtteile auSruscn. Wenn Droschken sehr gesucht sind, d. i. meist zur Touristcnzcit, wo viele einen Wagen allein und häufig sür den ganzen Tag nehmen, dann geht der Preis auch sür solche, die nur einen Platz mit anderen zusammen erballen, biswcilcii aus vier bis fünf mctalie in die Höhe. An schlechten Tagen aber, das hcitzt, an angenehm kühlen, die das Gehen erlauben, kommt cs oft genug vor, das; die Kutscher sich von ihre lustigen Höhe auf die Strotze hcrabbcgcbcn, die Vorübergehenden am Rockärmel packen und ihnen ins Gesicht schreien: ״Mcacholim!" ,.Machnc Jchnda!", ״Balm!", ״Wollen Sic ein- ,'leigen? Ich fahre gleich ab!" Die Namen sind die Bc- Nennungen verschiedener Stadtviertel iwie bekannt, gibt echier keine Straßennamen). So kann cs Vorkommen, das; an manchen Tagen die Leute sich um die Sitze in den Droschken slreitcn, ivährcnd an andere» Tagen jemand eine Äiertclsinndc m seiner Wagencckc sitzen und lvartcn mutz, bis sich die übrigen Plätze gefüllt haben. — Nun wollte die Regierung die Taxe für die Wagensiändc erhöhen, sowie das schon alte, aber nie befolgte Gesetz, datz des Nachts nicht ohne brennende Laterne gefahren werden darf, energisch durchführen. Hauptsächlich aber wollte sie dem Unfug steuern, datz die Menschen auf der Stratzc angepackt oder angerufen und zum Mitfahrcn ansgcsordert werden. Für diesen Fall sollten die Kutscher eine nicht unbedeutende Strafe zahlen. Jedoch die Droschlcnbcsitzcr wie die Kutscher behaupteten, die erhöhten Abgaben nicht leisten zu könneu. und fühlten sich autzerdcm in ihrem alten Rechte gekränkt, die Leute nicht mehr zum Entsteigen aussorder» zu dürfen. Lieber wollten sic gar nicht sahrcn. So kam cs, das; die Jerusalemer Bevölkerung sich zwei Tage lang nur per pcdcS vom Platze bewegen konnte. Am Abend des zweite» Tages jedoch endete die droschkcnlose, die schreckliche Feit. Die edlen Rosselenkcr hatten einen vollen Sieg errungen. Nach wie vor wird also dem Jerusalemer Passanten am Jatsator, dem HauptrusstcllungSplatz der Droschke», der Ruf in die Ohren gellen: ״Gefällig? — Noch Platz im Wagen...!" ״Jüdische VoHSstimme." Perlen aus dem Talmud. Der Genosse der Lüge. Als die Lüge das Hcrannahcn der Sündflut und des Weltunterganges sah, bat sie Noah um Aufnahme in die Arche. ״Nur Paare werden in die Arche ausgenommen," antwortete Noah der Lüge. ״Gehe und suche dir einen Genossen, der sich mit dir paart." Tie Lüge ging nun auf die Suche nach ihrcSgieichen und begegnete dem Verbrechen. ״Was wünscht du," frug das Verbrechen die Lüge. Diesmal mutzte die Lüge wohl oder übel mit der Wahrheit heraus, obgleich ihr das Herz dabei brach, und so bat sic das Verbrechen, sich mit ihr zu paaren. ״Was wirst du mir dafür geben," frug das Vcrbrechen. ״Ich werde dir alles geben, lvas ich verdiene," antwartete die Lüge. Das Verbrechen willigte ein, und so gingen beide zu Noah und Noah nahm sic in die Arche auf. Die Lüge ging sofort an die Arbeit, machte in der Arche ihre unehrlichen Geschäfte und erwarb sich ein großes Vermögen von den Bewohnern der Arche. Das Verbrechen nahm das von der Lüge erworbene Vermögen an sich und behielt cs. Als die Lüge ihr Vermögen zurückvcrlangtc, lehnte das Verbrechen dies Ansinnen ab. ״Mit welchem Rechte willst du alles für Dich," frug die Lüge. ״So haben lvir cs ja abgemacht. Du hast dich verpflichtet, mir alles zu geben, was du verdienst," antwartete das Verbrechen. Da mußte die Lüge schtveigcu, wußte sic doch, daß von der Falschheit nichts Gutes kommt. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven ciika 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden tiberall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 50/0 jährlich fallender garantierte Piämie, General-Agentur für Wien, I-, Aspernplatz I, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion für Prag, Ferdinandsstr. 20. neu, Leiter Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Löbi Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan Rössner, St. Sebastlana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Reitling. Hauptagentur für BrOnn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. Ein neues jüdisches Stadtviertel in Jaffa. Dieser Tage fand auf dem Terrain der ״Chewra Ehadaschah"!..Neuen Gesellschaft"), das an Tcl-Awiw grenzt, die Grundsteinlegung eines neuen Stadtviertels statt, Brkantlich sind es erst vier Jahre her, daß das moderne jüdische Villenviertel Tel-Awiw gegründet wurde. Seit dieser Zeit ist die Bautätigkeit der jüdischen Bevölkerung Jaffas immer reger geworden. Es entstand das neue Viertel ״Nachlath Benjamin", dessen Gründer noch, tute die ersten Ansiedler in Tel-Awiw, Baukrcdite vom Jüdischen Naiionalfonds erhielten. Aber auch innerhalb Tel-Awilvs sowie auf dem freien Gelande an der Westseite desselben wurde recht eifrig gebaut, leider auch sehr überstürzt und planlos. Tie Hausbesitzer dieses Viertels, das jetzt wegen seiner Lage zwischen Tcl-Awiw und Ncwch-Zcdck den Namen ״Schaarajim" (״Zwei Pforten") erhalten hat, haben sich in letzter Zeit zusammcngcschlosscn, um nach Möglichkeit den Forderungen der neuzeitlichen Hvgienc zu genügen. lind nun legte man den Grundstein zu ״Chewrah Chadaschah", das aller Wahrscheinlichkeit nach Tel-Awitv in vielen Beziehungen noch übcrtrcfscn ivird. Tie schöncn, zuni Teil recht mcrlivürdigcn Bäume, die sich auf dem Gelände befinden, bleiben öffentliches Eigentum. Es tvird auch nicht mehr blind darauf los nivelliert und planiert werden, sondern mau ivird dem Charaktcr des Geländes Rechnung tragen. Für die Kleinen wird cs besondere Spielplätze geben, die für Wagen und Reit- oder Lasttiere gesperrt sein werden. Die Hauptstraße, die voraussichtlich bis an den Meeresstrand führen wird, erhält eine Breite von 18 Metern und Ivird somit die breiteste Straße Jaffas sein. Alle diese Anregungen sind Herrn Ing. I. Löwy zu verdat!- kcn, der seit einigen Monaten im Lande ist. Das von ihm geschaffene technische Bureau, das dem Palästinaamte angegliedcrt ist, hat auch-die Oberaufsicht über den Bau der neuen Häuser in ״Ehelvra Ehadaschah". Diese werden ohne Inanspruchnahme eines öffentlichen Krcditcs gebaut. Es ist wobl auch dem technischen Bureau zuzuschrcibcn, daß bei diesen Bauten jüdische Maurer und sonstige jüdische Handtvcrker ausgiebig beschäftigt werden. Erfreulich ist cs, daß auch Araber sich in Bausra¬ Nr. 29. gen an das technische Bureau wenden. Hingegen ist cs sehr zu bedauern, daß wir jetzt am Eingänge von Tel- Awiw die erste Mietskaserne in Gestalt eines drcistöckigen Neubaues erhalten haben. Hier in Palästina, wo Licht und Lust mehr als irgendwo eine Lcbcnsnotwcndigkeit sind, mutz das Mictskasernenunwescn als doppclt schädlich empfunden werden. Es täte wahrscheinlich not, das; man auch hier den gesunden Ideen der Bodenreformcr Aufmerksamkeit schenkte und nicht wieder in die Erbfehler des alten Bausystems verfiele. Runll^au. Stiffniig des Wiener KolonisafionsvereinrS. Tcr Jüdische Kolvnisationsvcrein in Wien hat vor wenigen Tagen dem Hauptburcau des Jüdischen Nationalsondcs die Summe von 10.000 Franken überwiesen mit der Maßgabe, sür diesen Betrag 10 Jemeniten- Häuser in einer der palästinensischen Kolonien erbauen zu lassen und diese Gruppe von Häusern nach Herrn Baurat Wilhelm S t i a ß u y s. A. zu benennen. In dieser Zuwendung darf nicht nur ein Zeichen der Smpathie mit der Hilfsaktion des N. F. sür die in Palästina cintvandcrndcn Jemeniten, sondern auch eine Anerkennung der Tätigkeit des N. F. überhaupt und ein Zeichen des Vertrauens zu der Vertvaltung dieses Fonds erblickt werden. Wenn man beobachtet, das; in letzter Zeit verschiedene größere Stiftungen den Zwecken des N. F. von Nichtzionistcn zugcwcndct!vorden sind, so ist Wohl die Hoffnung berechtigt, daß in absehbarer Zeit alle diejenigen, denen die soziale und wirtschaftliche Stärkung des jüdischen Volkselemcnts in Palästina am Herzen liegt, den N. F. ans das tatkräftigste fördern ivcrden. Einnahmri! des Jüd. Nationalfondes. Die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds tvührcnd des ersten Halbjahres 1018 betrugen Mk. 844.217.1s!gegenüber Mt. 241.045.20 im ersten Halbjahr 1012t. Hiervon entfielen auf Rußland: Mk. 112.408.52!im Vorjahre Mk. 50.700.70-, Nordamerika: Mk. 00.845.41!im Vorjahre Mk. 37.204.18), Oesterreich: Mk. 00.241.00 tim Vorjahre Mk. 50.701.50-, Deutschland: Mk. 48.272.18 (im Vorjahre Mk. 25.705.09); der Rest verteilt sich ans Südafrika, Kanada, England, Rumänien, Ungarn, Holland, Türkei, Belgien, die südslavischeu Lander, Argentinien, Ostasicn, Griechenland, Frankreich, Australien, Schiveiz, Bulgarien, Italien, Brasilien, Aegypten, Schweden, Dänemark, Serbien und Portugal, wobei die Länder nach der Höhe ihrer Abgaben an den N. F. geordnet sind. Tie letzte Wochencinnahmc des?'f. F. betrug Mk. 27.032.27. Hauptburcau des Jüdischen NationalfondS Köln, Rcumarkt 38. Jüdisches Leben in Griechenland. Tic zionistische Bewegung vreitct sich unter der jüdischen Bevölkerung Griechenlands immer mehr ans. In sämtlichen Gemeinden bestehen zionistische Vereine, die eine eifrige Tätigkeit entfalten. Seit Anfang dieses Jahres sind über 500 Franken für verschiedene ziontstischc Zwecke in Griechenland aufgebracht worden, und man hofft, daß sich dieser Betrag vis zum bevorstehenden Wiener Zionisienkongrch verdoppeln ivird. Wenn man bedenkt, datz die Zahl der Juden tu Griechenland nur 5000 beträgt und daß die allgemeine Finanzlage infolge' des Kriegszustandes sehr ungünstig ist, so mutz man dieses Ergebnis als sehr befriedigend bezeichnen, lim die Kenntnis Palästinas unter den Juden des Laudes zu fördern, planen die griechischen Zionisten die Veranstaltung einer Lotterie, deren Gewinne in Reise- Prämien zum Besuche des Heiligen Landes bestehen sollen. Tie innige Liebe zum Lande der Väter hindert die griechischen Inden natürlich nicht, treue und hingebungsvollc griechische Staatsbürger zu sein. Tie jüdischc Gemeinde in Volo z. B. hat ihren Mitgliedern eine Steuer zugunsten der int Felde stehenden gricchischeu Soldaten und ihrer Familien auscrlcgt und liefert sür diesen Zweck allmonatlich 1500 Franken ab. Diese Gcmcittde besteht aus annähernd 120 Familien, die sür Gemeinde- und KultuSzweckc bereits erheblich belastet sind. Tie jüdischen Gemeinden in Athen, Korfu und Volo tragen sich mit dem Gedanken, jüdische Schulen zu gründen, tu denn das Hebräische als lebende Sprache nnterrichtet weiden soll. Eine jüdische LchramtSkandidatin aus Larissa wurde nach Saloniki und Jaffa entsandt, um sich zur Lehrerin des Hebräischen auszubilden und späterhin eine Voltsschule mit hebräischer llntcrrichtssprachc in Larissa zu eröffnen. Neue Jctttrnitcttsicdluttgett in Palästina. Vor kurzem fand in Jaffa eine Beratung bezüglich der Anlage neuer Jemcnitensicdlungen statt, an der Vertreter des Palästinaamtcs und der verschiedenen jü-

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