Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1913)
- Date
- 1913-07-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 28 ״Jüdische Bolksstimme." I Das Symbol des Magen-David. Von Tr. Felix K a n t e r, Zwittau. Tie zwei gleichseitigen, ineinander verschlungencn Dreiecke, welche als Ornament in unseren Gotteshäusern, auf ״Thoramäntelchen" und Vorhängen, wie aus allen heiligen Geräten prangt, wird bekanntlich ״Magen-David" geiiannt. Olewöhnlich wird angenommen, cs sei dieses die Abbildung ״ ׳des Schildes (Wappen), dessen sich der heldenmütige König David" bedient hätte. Tie wörtliche Uebersetzung spricht zwar für diese Annahme, denn Magen-David heißt wohl ״Schild Davids". Doch ist es ansfallend, daß von einem solchen Schilde weder in der heiligen Schrift, wo sonst von den meisten Waffengeräten berichtet wird, noch im späteren rabbinischen Schrifttum etwas erwähnt wird, was bei der Bedeutung, die dieser Abbildung beigelegt wird, sicherlich der Fall sein müßte. In den apokryphischen Schriften ist zwar von einem Siegelring die Rede, den der Erzengel Michael dem König Salomon, dem Sohne Davids, im Romen Gottes verliehen hat, mittels dessen er (Salomon) alle Geister und Gespenster der Erde, männlichen und weiblichen Geschlechtes" sich 1m־ verwerfen werde (von einem ähnlichen Ringe ist auch im Talmud die Rede, vergl. Gittin 68 nsf.) Dieser Ring hatte — nach Erzählung der Apokryphen die Form eines Pentalpha (Fünfeck», worüber ausführlicher in Löws Graphische Regnisiten, 1. Band, Kap. 8., Anmerkung 238 und ״der Bund Salomons" im Orient von Fürst, ä. Jahrgang, S. öllli ff. zu vergleichen ist. Aus dem Pentalpha. dem Fünfeck in Form eines Sternes, wurde im Laufe der Zeit ein Sechseck, ein Doppeltriangel (in Rußland sieht man noch heute anstatt eines einfachen Toppeltriangels zwei quer übereinanderliegende und miteinander verschlungene Dreiecke, wodurch ein Zwölfeck entsteht), entsprechend dem der germanischen Mhthologie entnommenen Drudenfuß, der dazu diente, die bösen Geister und Gespenster vom Hause zu verscheuchen, vergl. z. B. Faust, wo Mephisto sagt: ״Gesteh' ichs nur! daß ich hinausspaziere, verbietet mir ein kleines Hindernis, der Drudenfuß auf eurer schwelle". Manche haben es sogar versucht, die Spuren des Magen- David bis in die uralte ägyptische Mythologie zu verfolgen, wo ein derartiges Zeichen, Erenfuß, ebenfalls eine große Rolle gespielt haben sollte (vergl. darüber das Literaturblatt der in Amerika erscheinenden Zeitschrift ״Hadeborah", Jahrgang 1883, Rr. 33 und -lO>. Es ist aber sehr schwer anzuuehmcn, daß die Juden ini Mittelalter bei ihrer Erklusivität gegen alles Nichtjüdische als Ornament gerade für ihr Heiligstes und Kostbarstes, für ihre Gotteshäuser und die Thorarolle, Abbilder und Symbole gebraucht hätten, die dem Wesen und Geiste des Indentums vollständig fremd sind, zumal diese Abbildüngen selbst bei den nichtjüdischcn Völkern zu abergläubischen Zwecken gedient haben. Abgesehen von dem Verbote des ״Chnkas hagoj'", das bekanntlich im Mittelalter besonders streng gehandhabt wurde. Allerdings muß ich gleich bemerken, daß, wie Herr Dr. A. Berliner mir vor einigen Jahren aus brieflichem Wege mitzuteilen so liebenswürdig war, der Magen-David als Ornament in Gotteshäusern usw. im Mittelalter vollständig fremd war. Immerhin ist es jedoch auffallend, wie eine derartige unjüdische, nur dem Aberglauben dienende Abbildung sich im Indentume Eingang verschaffen konnte, zumal dieses Ornament keineswegs erneuerten Tatums ist. So prangt z. B. in der Alt-Neusynagoge in Prag (angeblich die älteste Synagoge der Prager Iudengemeinde) eine Fahne, die ein österreichischer Potentat der jüdischen Fleischerznnft gespendet hatte, wo ebenfalls ein Magen- David angebracht ist. Tie Fahne dürfte aber trohdem einige Jahrhunderte alt sein, ebenso wird man gewiß auf sehr alten Synagogal-Reqnisiten noch diese Abbildung finden. Abgesehen davon ist auch die Bezeichnung dieses Toppeltriangels mit Magen-Tavid auffallend, denn Magen- David heißt ja Davidschild׳, wie kommt der Trndensuß zum Tavidschild? Aus den hier angcführten Gründen scheint die Erklärung, welche!111 ״Haassif", Iahrg. 1883, enthalten ist, sehr viel für sich zu haben. Bekanntlich — so wird dort ausgeführt — bestanden schon in der alte־ sten Zeit im Judentum gewisse symbolische Handlungen, die auf das Dasein Gottes hinweije» sollten. So wurden gewisse Opferteile nach sechs Richtungen geschwungen (Tenufob», ebenso verfuhr man mit den Leviten bei ihrer Amtseinsetzung und ebenso werden mit'dem Lulab am Sukkosfeste sechs Schwingungen geniacht. und zwar vier nach allen vier Himmelsrichtungen und je eine nach oben und unten. Im Talniud wird erzählt: Rabbi Iochanan sagt, diese sechs Schwingungen deuten auf den Schöpfer des Weltalls hin, der da geschaffen hat die vier Enden der Welt, den Himmel und die Erde. Im Midrasch (Nut rab.) wird auch gefragt, warum Boas der Rut (der Stammhalterin des Hauses David) sechs (Maß) Gerste gab, worauf erwidert wird, Boas wollte ihr andeuten, daß sie (Rut> einen Nachkonunen haben wird, der mit sechs glänzenden Eigenschaften und Tugenden geschmückt sein wird. Diese sechs Tugenden des zukünftigen Erlösers aus dem Hause Davids sind in Jesaja, Kap. 11 v. 2, enthalten. Als die Opfer anfhörten, blieben die Symbole der Tenufa im Volke noch bestehen, sie lebten weiter fort, wie heute die Schwingungen des Lulabs sich noch erhalten haben. Run verfiel man auf die Idee dieses Symbol auch zu verkürzen״ man niachte zwei Triangel, die man übereinander legte, daraus entstanden t Ecken, je 2 nach jeder Richtung, und ferner eine nach oben und unten. Dieses sollte bloß auf das Dasein Gottes hindeuten, doch in der großen Sehnsucht nach dem Erlöser aus dem Hause Davids wurde auch im Munde des Volkes diese Abbildung Schild Davids genannt, der ebenfalls mit sechs Eigenschaften ausgezeichnet sein wird. Daher der Raine Magen-David. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. iin eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven cirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 50/0 jährlich fallender garantierte Piümie, General-Agentur für Wien, I-, Aspernplatz I, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion für Prag, Ferdinandsstr. 20. neu, Leiter Roheit Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Löbl Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan Rössner, SL Sebastians 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitling. Hauptagentur fllr Brünn, Wawrastrasss 10. Letter: Samuel Reiniger. Hundfdiau. Ein Vortragsabend bei den ״Sabbathfreunden". Ter Verein ״Sabbathfreund" veranstaltete vorige Woche im Ease Dreadnought, Wien, 3., seinen ersten Wandervortragsabend. Die Vorträge dieses Vereines erfreuen sich seit Jahren eines starken Zuspruches und es muß als ein ganz besonderes Merkmal verzeichnet sein, daß trotz des S o 111111 e r s der Vortrags s a a l dicht gefüllt war. Es waren erschienen die Vorstände des Vereines, Obmann Felsenburg, Wolf Pappenheim, Rathan Pollak, I. Rasch. In Vertretung des Vorstandes des Bethausvereines Landstraße, Vorstandsmitglied Popper und Springer, in Vertretung des Bethauses ״Talmud-Thora", 2״ die Herren Fischer und Löwy, in Vertretung des' Schönlaternbethausvereines Vorstandsmitglied Porges, sowie vom Vereine ״Einheit" Vorstandsmitglied Hofbaner. Als Vortragender fungierte Rabbiner Hermann Schenk. In seinem Vortrage ״über den Sabbath" sprach er zu den erschienenen Frauen und Männern, daß das Alte stets über seine Brauchbarfeit geprüft, während das 'Reue, wie es auch sei, jubelnd begrüßt und leicht aufgenommen wird. Die Lehre des Sabbaths ist für die Juden nichts Veraltetes, sondern der neuen Zeit vollkommen Entsprechendes, da sich ja doch der Lauf der Welt nach der Lehre, nicht aber die Lehre nach dem Laufe der Welt richtet. Hierauf brachte der Vortragende eine .')leihe altbiblischer Beispiele und schärfte den jüdischen Müttern ein, bei der Erziehung der Kinder sowohl auf die wissenschastliche als aber auch auf die religiöse Erziehung in erster Reihe zu achten. Wenn jemand behauptet, er könne aus materiellen Rücksichten den Sabbath nicht halten, so ist diese Behauptung damit tviderlegt, daß der Verein der ״Sabbathfreunde" in Wien allein viele Hunderte Anbänger.zu seinen Mitgliedern zählt und daß der Sabbath seit Jahrtausenden gehalten wird. Obmann Felseubnrg dankte dem Vortragenden für seine herrlichen Ausführungen und bemerkte, daß es ein Wagnis gewesen war, mitten im ^oinmer einen Vortrag zu veranstalten. Rachdem dieser aber so glänzend besucht war, so wird ®eitr 5 der Verein im Herbste seine Wandervorträge sortsetzen. lrinc Palästina-ÄolvnisationS-Ltiftnng. :׳ins?i1u-1:s1t1it(1 der ״:’lUiicmeineii jüdischen Molouise>1io»S-T rganisatwii" in Berlin und in ׳Angliederung an dieselbe pat ein hochherziger Philantrop, Herr Mar- Ins PrzedborSki aus LemMa in :liussisch-Pole» sich entschloisen, eine Palä>iina-.>loloniiat,ons-^u!tung in der /.ei,e rou 80.000 Icanlen!:;0.000 Olubeli zu errichten. In den, an den Chrenpräsldenteu oer :1. I. K. C., Hr». Tr. Isidor rÄinSberg gerichtete» Briese schreibt der Lüfter: In Anbetraa)! der unsagbar traurigen!.׳erhältr; 1 j‘. toller denen innen,׳ üilauoensgenossen in ineinein Heiinatlanüe zu leiden baben. glaube ich meiner Ltifn.ug feine bessere Beoimntung verleilien zu tonnen. a!׳> die Förderung der Palästina-Kolonisation dnrcti ra.'wnell erteilten Kredit und durch Borbereitung jünge:er Auswanderer zur Ausübung des landivirtschastliibcn oder geiverblicheu Berufes in Palästina." ״Möge 11 .in ׳"eispiel die Wirkung baben, das; in jeder (Oe- » einde inebrere äbnlich deutende Männer sich finden, die einen Teil ihres Bermögens der dauernden Bersirgung ihrer nnglnrNichen üUanbensgenojsen ividnien. b'mifltaiiiciiiiiiionu־ der Israel. Allianz zu Wie». Während des Monates Juni 1!1U! wurden oon der Ientrale der I,׳raei. ׳Allianz in Wien iiisgesanii Bin Emigranten, davon 201 russische und ä!> ruiuänische weiterbesördert. u. ziv. Ulli nach den Bereinigten Llaaten, »יי nach ׳Argentinien, :!!> nach Kanada, Ni ״ach I-ranl reich und > i nach üiigland. In die Heimat znrürkbefördert ivurden .'!5 :Uiirfivaudeier. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monaie Juni siir 22 Personen zusammen 71 Tage Logis und volle Berpslcgung bezahlt und an OS Personen zu summen 2.1-1 Lgetseinarken für die Israel. Bolksknche auSgeaeben. Im ersien Haibsahre 101:5 wurden im ganzen iveiierbesördert litt iömigranten )gegen ."> 1 ■”! nn gleichen Zeiträume des Jahres 1012׳. ivovon 700 1 151> russische und l 12 itil i rninänische. Während des ׳Aufenthaltes in Wien ivurden vom I. Jauner bis t. Juli 101:5 für 120 Personen zusammen öO:i Tage Logis und volle Berpslegung und an 00:5 Personen znsainmen 2:51 t speisemarke» ausgegeben. 1 ..׳>r ivenn jeder von uns dieser Pflicht nachfonimi, kann da, namenlose jüdische Elend beseitigt werden." Tie A. I. U. C., der Herr Przedborski die Berw-.-ttung!einer Stiftung anvertrant, hat bereits einen Plan ansgearbeitet, auf Grittzd dessen das stiflungskupiia. unter Hinzuschlag der Husen in srm. .ocingendrr Weise zur Br.wendnng gelange» ivird. Jüdische ztürschnernrlieitcr in Paris. Tie Leitung ״Ter Kürschner", internationales Ci־-׳ gan der /lürsehuer, Inrichler und Mügenmacher, bringt in Ar. I vom 1:5. Jänner 101:! einen interessanten Aussao: ״Jur Orientierung der jiidüchen Hilfsarbeiter in Paris", dem wir folgendes entnehmen: lrs arbeiten gegenwärtig in Paris .70» non jüdische Arbener in der Pelzbranche, die wohl zu 'סי Prozent die .Kürschnerei nicht erlernt haben. Ter gröhie Teil davon stammt aus .iingland, der übrige Teil iit von!'»alizien und bester. reich-IIngarn gekommen. To wie Taufende dieser jüd.- russischen Arbeiter »ach den verschiedenen Ländern vertrieben wurden und sich in den meisien ,Hillen eine neue christenz suchen mnsgen, um das nackte Leben zu retten, so sind auch diese jüdischen Arbeiter in die Pariser Kürschnerei geraten und habe» lniiiplsächliüi bei den Maniinernicijiern eine ..lrrisicn.z" gefunden. Es ist nun klar, das; diese Leute, die von der Oncichnerei nichts veriiande» und nur als Hilfsarbeiter ,;um Lchnei den aus billige Artiiel und :!iveiken angelernt wurden, wenig verdienen tonnten, aber ebenso klar und ver iiändlich ist, dal; dieie 'angelernte 'Arbeitskraft durch die Aotlage narb allen :!!egel» der Miuiit ansgennpt wurde we»ngleich ein gros;er Teil bei indischen Mnm niermeisiern beschäitigt wurde. Am l.~>. '.isovenivec 10117 wurde eine jüdische Muischnerarbeitersetlion gegründel, die i 111 Jahre 100ר ans ui. 100 Mitglieder nieg, 11m 1000 wieder ans 10 Mitglieder zu fallen. Tie Bezielntnge» der jüdische» Lektion zuin ״löhambre Lündirale" sind ans einer :!leibe von )׳',runden sehr gespannt. Krankkeilen cker Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg in Dr. Rutbans Sanatorium in T1SCHN0W1TZ kuriert — Prospekte.