Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1913)
- Date
- 1913-07-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ״Jüdische Bolksstiurme." Nr. 28. Jüdische Berlagsgesellschaft. In Angelegenheit der Jüdischen Verlagsgcscllschaft haben unter anderem folgende Herrcn ihre Bereitwilligkeit, diese hochwichtige Sache zu fördern, eventuell dem vorbereitenden Komitcc bcizutrctcn, zu gesagt. Wir behalten uns vor, einzelne Zuschriften und Zustimmungskundgebnngen zu veröffentlichen. Tr. S. Altmann, Salzburg. Prof. Antschcrl, Wien. Tr. S. Arje, Smichow. Tr. Bancth, Gablonz. Dr. Tiamand, Maricnbad. Tr I. Eisenbcrg. Dobrzisch. Tr. S. Frankfurter, Lobositz. Tr. I. Fcuchtwang, Wien. Dr. Richard Feder. Laun. Tr. H. Flefch, Kanitz. Tr. H. Folkmann, Hennannmestec. Tr. Sal. Funk, Boskowitz. Tr. M. Goldschmidt, Proßnitz. Tr. I. Guggcnhcimcr, Kolin. Tr. M. Grünwald. Wien. Dr. I. Günzig. Lofchitz. L. Grünhut, Wien. Dr. Feiwcl Hillcl, Leipnik. Prof. Tr. Hirsch, K rum au. Dr. I. Hirsch. Karolinenthal. Dr. M. Hoch, Jungbunzlau . Prof. Dr. Hofmann, Neichenberg. Prof. Dr. Kahan, Znaim. Dr. A. Kaminka. Wien. Dr. Felix Kanter, Zwittau. Prof. Dr. Alex Kisch, Prag. Prof. Dr. Kurrein, Teplitz. Prof. Dr. Sam. Kraus, Wien. Dr. L. Lazarus, Göding. Dr. Ludwig Lewy, Brünn. ' Prof. Dr. S. H. Lieben, Prag. Dr. S. Mandl, Neutitschein. Dr. Wolf Mifchcl, Kimpolung. Schriftsteller Fr. Porges, Wien. Prof. Dr. D. Rabinowics, M.-Weißkirchen. Prof. Dr. Ncach, Gaya. ßiabbiner 3ieich, Baden. Oberrabbincr Tr. Nosenfeld. Czcrnowitz. Tr. D. Nothblum, Wien. Tr. G. Rosenmann, M.-Schönberg. Tr. Nosenzwcig, Aussig. Dr. Spitzer, Franzcnsbad. Dr. M. Spitzer, Wien. Dr. Marek Schcrlag, Wien. Tr. Max Steif, Neu-Naußnitz. Prof. Dr. Stern, Saaz. Tr. B. Wachstcin, Wien. Tr. M. Wohl, Tachau. Pros. Tr. Ziegler. Karlsbad. B c i t r i t t s a n m c l d u n g e n, V o rs ch l ä g e, A n r e g u n g c n sind an Herrn Max H i ck l, Redakteur, Brünn, zu richten. » Löbl. Redaktion! Ich erstatte mir, Sic zu ersuchen, folgende -lnrcgung in der nächsten Nummer Ihres gcsch. Blattes zu vcrössentlichcn: ES wäre der zuliinstigcn Leitung zu empfehlen, mit solgciidcu ErsUingsarbcitcn an die jüdische Ocffcntlicltkeit beranzutrcten: 1. Tie Traktate Baba Mczia, Baba Kama und Bat׳a Batbra desbabplonischen Talmuds, mit deutscher llebersetzung mit besonderer Eignung für den Selbstunterricht- Tic genannten drei Traktate sollen in Licscrungcn von je einem Abschnitt (Pcrck) zum Preise von einer Krone erscheinen. 2. Ein Sclbstunicrrichtslvrrk zur Einführung in den badl,Ionischen Talmud, enthaltend zirka fünfzig!chwicrigerc Bruchstücke mit punktiertem Text, logisckwr, den Gcdankengang getreulich —Ividcrgcbcndcr lieberschling und Anmerkungen, die ein vollständiges Erlassen des Themas ermöglichen. 3. Ein Sclbstunterrichtswerk zum Erlerne« der hebräischen Sprache und gleichzeitigen Einführung in die hebräische und füdischc Literatur. Die Herausgabe der UnterrichlSbriejc tvürdc sukzessive erfolgen. -I. Vorträge und Predigten leine Nummer 20 h). Jene -Herren Rabvincr, welche sich an der einen oder andere» dieser Arbeite» beteiligen wollen, sowie Subskribenten werden dringendst um umgehende (selbstredend unverbindliche) Einsendung von näheren Angaben ersucht. Gleichzeitig trete ich der Verlagsgesellschaft bei und empfehle jeden! Juden, dem das geistige und sittliehe Wohl feines Volkes am Herzen liegt, auf, dieses hohe Werk durch Zeichnung von Anteilscheinen (zu 40 K) zu fördern. L. Grünhut. Zur Würdigung derPro Falascha- Bewegung. Tie Mitteilung über die Fortschritte der Pro F a l a s ch a-B e w c g u n g, der wir jüngst in unserem Blatte Raum gegeben haben, erhält eine eigenartige Ergänzung und Beleuchtung. Aus Veröffentlichungen in Mißionsblättcrn wird die dringendste Notwendigkeit rascher Hilfe ersichtlich. Vor uns liegt .,Der Freund Israels", das Organ des Baseler Missionsvercincs. Sein Januarheft enthält einen ״Bericht einer Mißionsreise nach der Provinz Bclcsa durch die Brüder Debtcra-Dcsta und Dcbtcra-Asrcffa. Tie beiden von Flad getauften Falaschas erzählen ihre Erlebnisse während einer längeren Mißionsrcisc, berichten von Erfolgen und Enttäuschungen. Die Methoden der Missionäre sind dieselben, die wir von ihren Kollegen in Europa her sattsam kennen. Es wird mit denselben Schriftbcwcisen aus der Bibel und den Paulinischcn Briefen vorgcgangen. Die ganze Art der Annäherung an die Opfer ihres Bekchrungscifcrs ist die gleiche, die natmentlich den osteuropäischen Glaubcngenoßcn gegenüber fast täglich geübt wird. Es ist aber sehr intercffant und' erfreulich zu erfahren, wie wenig sich die Falaschas geneigt zeigen, den Lockungen der Missionäre Folge zu leisten. Wiederholt heißt cs in dem Bericht, daß die Falaschas den Missionären eine freundliche Aufnahme gewährten, daß sic willig zuhörtcn und sich den ganzen Tag über die Bibel auslcgen ließen, aber einer wirklichen Belehrung in jüngster Zeit vorgckommcncr Taufen wagen sie sich nicht zu rühmen. Hingegen wird häufig genug der starke Widerstand zugestandcn, den die Männer auf ihrer Reise gefunden haben. Besonders die Frauen erwiesen sich als glaubensstark und unerschütterlich. Sie begegnen den Missionären sehr unfreundlich, laßen cs sogar an Beschimpfungen nicht fehlen, sic sind scharf und haßerfüllt gegen diejenigen, die den Glauben vcrlcugncn, ermahnen ihre Männer, den Gesprächen der Misiionärc nicht so lange zuzuhörcn. Die Männer wiederum verstecken sich bisweilen, um dem Bckchrungscifcr zu entgehen und verlassen ihre Schlupfwinkel erst, wenn die Verkünder des neuen Glaubens ihrem Dorfe den Rücken gekehrt haben. Wo sic sich zur Aussprache einfinden, zeigen sic sich sehr belesen in der Bibel; sie vcrlangen Schriftbcwcisc, und lvcnn sic gegen die Redegcwandtheit, die ihnen Psalmen und Propheten vcrkehrt auslcgi, sich nicht mehr zu wehren wißen, dann wünschen sic Belege aus dem Pentateuch für die Richtigkcit des christlichen Glaubens. Wo sic aber dem Worte der Missionäre gar nichts mehr entgegen zu halten wissen, ergeben sie sich noch immer nicht. Ihre letzte Zuflucht lautet: ״Wenn der Jakob Foitlovitsch wiederkommt, dann könnt Ihr mit ihm disputieren, er wird Euch überwinden, dann wird cs sich entscheiden, auf welcher Seite die Wahrhci! liegt, dann werden auch alle getauften Falaschas zu ihrem alten Glauben zurückkehren." Es ist das beste Zeugnis für die bisherigen Leistungen dieses mutigen jüdischen Missionärs, daß die Falaschas in dieser Weise sein Andenken bewahren und so fest'darauf bauen, daß er zu ihnen zurückkchrt, und sic aus ihren Glaubcnsnötcn erretten wird! Ter Bericht enthält auch Hinweise darauf, mit welch unsäglichen Schwierigkeiten eine sochc Reise vcrknüpft ist. ,Oft kamen wir an fast undurchdringliches Dickicht und Gestrüpp. Wir blieben an den Torncn und Stacheln inimcr wieder hängen, so daß unsere Kleider manchen Riß bekamen und unsere nackten Füße übel mitgenommen wurden." ״In einer schrecklichen Berg- Wildnis standen wir auf einmal vor einem mit einer Flinte bewaffneten Mann. Es war ein :liäuber. Er hielt uns an, srug uns, was wir tun, und lvo wir hingingen." — Am folgenden Tage litten wir bei unserem Wcitcrmarsch sehr unter heftigem Regen, aber erfuhren auch freundliche Ausnahme bei einem alten Manne." ES kann gar nicht genug anerkannt werden, daß Dr. Fcitlovitsch, obwohl er alle diese Leiden und Gefahren bereits mehrmals kennen gelernt hat, sich wiederum den Schwierigkeiten der Reise unterworfen hat und nicht eher rasten und ruhen will, bis er sein Ziel erreicht und den Falaschas den Trost des Glaubens gebracht hat. Tie christliche Mißion ist mit großem Eifer an der Arbeit. Der ״Freund Israels" spricht sogar die Hoffnung aus, daß cs dem Pro Falajchakomitcc n i ch t gelingen wird, ״die christgläubig gewordenen Falaschas vom Glauben abwendig zu machen, daß sic wieder ins Judentum zurückfallcn und Jcsum Christum vcrleugncn." Es ist Ehrenpflicht der Judcnhcit, den Falaschas die Stärkung und Belehrung im Glauben, nach der sie so sehnsüchtig verlangen, zu gewähren und alles aufzubieten, uni diejenigen, die dem Glauben der Väter treu geblieben sind, darin zu stärken, denjenigen aber, die den Verlockungen der Missionäre anhcimgefall'en sind, den Weg zur Rückkehr zur angestammten Religion zu bahnen. Die Mittel, mit denn das zu erreichen ist, zeigt uns das Missionsblatt sehr deutlich. ״Auf jeder der Stationen, so heißt cs dort, besteht eine Schule, die fast ausschließlich von Kindern der Bekehrten besucht wird. An Samstagen besuchen sie oft die Falaschas in den umliegenden Ortschaften. An den Sonntagen werden Gottesdienste gehalten, die gut und regelmäßig von den Bekehrten besucht werden." ״Vom Feinde wollen wir lernen, nach des Lichters Wort, was loir sollen." Auch wir müssen derartige Stakionen gründen, Schule» errichten, die als Mittelpunkt in diesem Glaubcnskampfc dienen können. Dazu freilich sind weit größere Mittel nötig, als dem Pro Falaschakomitce bisher zur Verfügung stehen. Jeder Glaubensgcnossc, dem die gute Sache am Herzen liegt und der bereit ist, für die Erhaltung des glaubenstreucn Stammes beim Judentum mitcinzutrctcn, muß cs als Ehrenpflicht betrachten, für diese Bewegung sein Schärflein bcizutragen.*) YERLOBUNQ5-RINQE BR/KITSCHnUCK - - HOCHZEIT 5QE5CHENKE EHE-RINNE. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen•, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. י■" Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. Aus der Agudas Jisroel- Bewegung. Eine bedeutsame Kundgebung aus Rußland. Frankfurt a. M., 29. Juni. Am Montag und Dienstag voriger Woche fand in dem Kurort Gorbatka (Gouvernement Radom) eine seit langem vorbereitete Versammlung der führenden chassidischcn Kreise Polens statt, an der die bekanntesten Chassidimrcbbes, insbesondere diejenigen aus Gor, Radsin, Pilitza, Grodisk, Ostrowictz, Sokolow, Lublin, Iwangorod, Kölbel, Koscnice, Bialobzeg, Osrow, Navom u. a., sowie hervorragende Persönlichkeiten aus Warschau und Lodz teilnahmen. Gegenstand der Beratung war — neben dem durch den Bohkott hervorgerufenen Wirtschaftlichcn Notstand in Polen — die gemeinsame Stellungnahme zur ״Agudas Jisroel". Nach gründlicher Aussprache wurde, wie das Sekretariat der Versammlung dem Bureau der Agudas Jisroel mitteilt, einstimmig folgende Resolution beschlossen: ״Der Grundgedanke der ״Adudas Jisroel" entspricht unseren Wünschen und Bedürfnissen, und seine Verwirklichung ist von zwingender Notwendigkeit für die Gesamtheit in allen Ländcrn der Zerstreuung. Es ist Pflicht, an dieser Vereinigung aller יראים zu Ehren des einzigen Gottes mitzuwirken, und die Vcrsammelten erklären sich bereit, ihre Anhänger dahin zu beeinflussen, das; sie sich mit aller Kraft an der Arbeit der Aguda beteiligen. Voraussetzung ist hierbei die regierungsseitige Legalisation, sowie die statutarische Gewährleistung unter sclbständigcr Führung aller inneren Landesangclegenhciten der Aguda in Polen durch die einhcimischeu rabbinischen und weltlichen Führer." Mit der Ausführung der Resolution wurde ein Ausschuß betraut. Damit hat die bedeutsame Versammlung, die auch eine Reihe bemerkenswerter Beschlüsse auf ökonomischem Gebiete faßte, die Verwirklichung des Agudas Jisroel- Gedankens im Osten ein gutes Stück weitergefördert. Ist ja die von der Versammlung gewünschte Autonomie der Landcsorganisationen in allen inneren Angelegenheiten von vornherein als Grundgesetz der Agudas Jisroel betont und auch in dem jetzt vorbereiteten Satzungsentwurf zu präzisem organisatorischen Ausdruck gebracht worden. *) Beil rüge nimmt dev Schatzmeister des Pro Falaschakomitccs in Berlin. Herr Bankier Bruno G alew Ski i. Fa. Gcbr. Oppler, Burgstraße 28. Postcheckkonto Berlin 11.038, entgegen.