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Jüdische Volksstimme · 1913-07-10 · Heft 28 (10.7.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 28 (10.7.1913)
Date
1913-07-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. jüdische VolkSstimme." Nr. 28. wußtseins an erster Stelle steht, ist da nicht eine Gemeinschaft notwendig, die das ach so leicht zu verlierende religiöse Selbstbewusstsein hochhält und fördert? Wenn wir schon im Goluth Vcrtiefung in die altjüdische Kultur als das einzige Mittel ansehcn, um eine bodenständige neue Kultur zu schassen, brauchen wir da nicht eine Organisation derjenigen, die diesen Wunsch teilen, damit sic auch für seine Durchführung mit der nötigen Kraft sorgen, damit sie neben den hebräischcn Sprach- und Gcschichtskursen für die Verbreitung von Tenach- und Gemorohkenntnisten für das Studium unserer großen Religionsphilosophcn, kurz für eine wirkliche Kenntnis altjüdischer Kultur sorgen? — Heißt das, Spaltungen in der Bewegung Hervorrufen, wenn all das gerade im und durch den Zionismus gepflegt werden soll? Aber das alles, so wichtig es ist, verschwinbet neben bedeutsameren Aufgaben. Die zionistische Organisation ist seit langem aus dem Stadium rein politischer Arbeit in das der praktischen Betätigung getreten. Landwirtschaftliche, gewerbliche, kulturelle Institutionen erstehen in Palästina durch die Initiative oder doch unter tätiger Mitwirkung der Organisation. Soweit es sich um rein wirtschaftliche Institute dabei handelt, gehen unsere Interessen vollkommen konform mit denen aller Zionisten. Anders sobald es sich um kulturelle Institutionen handelt. Bereits oben ist auseinandcrgesctzt, daß schon für die rein negative Tätigkeit der Verhinderung von Gesetzesübertretungen die Bildung einer eigenen Föderation notwendig wäre. Ganz zweifellos aber ist dies für die positiven kulturellen Arbeiten der Fall. Es ist nicht möglich, daß die ren verschiedener ist. Darum hat der Misrachi, Fahne des alten Judentums und der Thora wieseit seinem Bestehen den Standpunkt vertreten, > der zum Siege zu verhelfen im Lande unserer daß die zionistische Organisation selbst sich von!Väter. jeder Kulturarbeit fernhalten solle. Notwendige; Das sind — in kurzem — die Ziele des Ergänzung dieses Standpunktes war aber, daß,Misrachi. Innerhalb der gesamten zionistischen mit umso größerem Eifer man an die Bildung!Bewegung stehend, die uns die Heimstätte für einer Föderation der religiös Gleichgesinnten ן das jüdische Volk schaffen soll, hat er die Pflicht gehen mußte, die ihrerseits die Schaffung und dafür zu sorgen, daß diese Heimstätte nicht nur Leitung kultureller Institute zu übernehmen hatte. Der vorige Kongreß hat nun zwar diesen Standpunkt verworfen und sich für die Kulturarbeit der allgemeinen Organisation ausgesprochen. Aber gerade hier war es wieder der Misrachi, der zunächst die Bildung eines entsprcchend zusammengesetzten Ausschusses durchsetzte, der die Prüfung aller Kulturarbeitspläne vorzunehmen hat und ohne dessen Genehmigung keine Unterstützungen für kulturelle Zwecke gegeben werden dürfen. Auch abgesehen davon bleibt nach wie vor auch neben etwaiger Kulturarbeit der zionistischen Organisation noch reichlich Arbeit genug für kulturelle Betätigung des Misrachi. Das Schulwerk in Palästina wird noch aus lange Zeit hinaus weniger durch Neugründüngen als durch Umgestaltungen bereits bestehender Schulen zu beleben sein. Hier werden die Gründer der Schulen viel eher einer Föderation der Gcsetzestreuen als der allgemeinen zionistischen Organisation ihre Schulen anvertrauen. Für Rabbiner-, für Lehrerbildungsstätten, für den ganzen Komplex der rein religiösen Arbciten wird stets nur eine Organisation der Gesetzestreuen als zuständig angesehen werden können. Dies ist der eigentliche Kern, die Bedeutung des Misrachi. Aus diesen Erwägungen entstand die Ucbcrnahme der Tachkemonischule soeine Heimat der Judenheit, sondern auch eine Heimat des Judentums wird. Dann wird auch wieder wahr werden das Wort: Von Zion geht die Lehre aus und das Wort Gottes von Jeruscholaim. Initiative und die Leitung kultureller Institute wie die Schaffung des Fonds zur Gründung einer der allgemeinen Organisation überlassen wird. Wenn Anstalten zur Kindererziehung und Jugendbildung geschaffen werden, so muß dabei mit all dem Feuer für den religiösen Charakter der Anstalten gesorgt werden, den nur die eigene Ucberzeugung verleihen kann. Die Hinderung von Gesetzesübertretungen, wie sie z. B. bezüglich des Sabbaths, des Schmitthojahres und ähnl. auch bei rein wirtschaftlichen Betrieben nötig werden kann, kann auch ohne die eigene Ueberzeugung lediglich auf Grund der Kongreßbeschlüsse zuverlässig von Andersgesinnten vorgenommen werden. Für Kulturarbeit genügt dies Misrachimusterkolonie. Ihm wird die Aufgabe zufallen, bei dem kulturellen Aufbau der jüdischen Heimstätte die Führung zu übernehmen, Jugendbildungsstätten aller Art zu errichten und, ehe der religiöse Verfall in Palästina noch weiter umsichgreift, dafür zu sorgen, daß eine Stätte wahrhaft jüdischer Kultur geschaffen wird, ein Born, an dem auch das Goluth getränkt zu werden vermag. Freilich solange noch viele, selbst gesetzestrcue Zionisten beiseite stehen, und glauben, der Misrachi sei eine Gruppe kleinlicher Nörgler, die der Unterstützung nicht wert seien, solange wird er auch nicht imstande sein, Erfolge nicht. Die Sorge für die Erziehung unserer Kingroßzügiger Art zu erzielen. Wenn er aber alle der aber im Geiste des alten Judentums können! Gleichgesinnten hinter sich weiß, dann wird es wir nicht Männern überlassen, deren Standpunkt ihm bald gelingen, aufzubauen im alten jüdizu diesen Fragen ein grundsätzlich von dem unscschen Sinne, neue Anhänger zu scharen um die seite und ist schon im Begriffe, die Deckel der goldenen Uhr zu schließen, wird aber von einer unsichtbaren Hand davon zurückgehalten. Er schaut das Werk nochmals sinnend an und schreit plötzlich auf: ״Wahrhaftig, das ist keine jüdische Kchillah! Ist doch die Federkiste der Bewegungsapparat, die Triebkraft des ganzen Werkes; sic ist hier die Spenderin alles Lebens. Und dieses Rad gerade, welches die gespannte Feder in sich birgt, scheint gar stille zu stehen. Alle anderen Räder läßt es sich rascher bewegen als es selbst. Dem Zylinder, die Lupe und siehe — ein Härchen seines Schnurbeziehungsweise dem Anker gewährt es seine!hartes, welches sich zwischen das Getriebe eines Wichtigtuerci, so daß der Unkundige glauben Rades und seines Nachbars hincingepreßt, hat könnte, dieser sei der Lenker und Leiter, der die Uhr zum Stillstehen gebracht. Vorsteher und Kraftspcnder der ganzen Bewegung, während er in Wirklichkeit den raschen Fortschritt der Organisation nur hemmt. Unser ״Vorsteher", das Triebrad, wirkt nur im Stillen, bewegt sich ganz sanft und sachte, wirkt viel und hat nichts an die große Glocke zu hängen. Er ist tolerant, läßt die ״Marktschreier" Ehre und Ruhm ernten; sie glänzen, während er selbst sich ganz von der Oeffentlichkeit zurückzicht, sich vcrbirgt und so im Stillen ganz unsichtbar für das Wohl und Heil der Oeffentlichkeit, der Allgemcinhcit, wirkt. Soll nun dieser einen jüdischen Parnes darstellcn? Wo in aller Welt gibt es eine nach dem Musterbildc dieses Kunstwerkes organisicrte jüdische Kehilloh?" Aber das sollte noch nicht die letzte Meinung Sind die Juden eine kriegerische Raffe? In der ״Frankfurter Zeitung" spricht Karl Freiherr ü. Richthosen im Anschluß an eine Debatte in der russischen Neichsduma über, die Kriegstüchtigkcit der Jude». Für uns ist cs eine feststehende, durch Tatsachen erhärtete Wahrheit, daß die Juden, wo immer sic unter den Fahnen gerufen werden, ihren andersgläubigen Kameraden nie nachgestanden sind und daß sic sowohl im Glied wie auch in der Führung oft Wunder an Tapferkeit, Mut und Entschlossenheit dargctan haben. Immerhin aber ist cs intereffant, über dieses Thema, das jetzt sicherlich nicht inaktuell ist, die Ansichten eines früheren Offiziers und gcivicgten Diplomaten zu hören, weshalb wir den Artikel im folgenden wicdcrgcbcn. Die Redaktion. In der rugiichen Rcichsduma wurde vor einigen Jahren bei der Beratung des Rekrutenkontingcnts der Ausschluß der Juden von der Wehrpflicht durch die Abgeordnete» Sanihsslowsky und Krupcnski angeregt. Erstcrcr behauptete die Ilntauglichkeit der Juden zum Militärdienst im allgemeinen, Krupcnski brachte einen Antrag dahingehend, die Juden sowohl ihrer religiösen llcbcrzcugung als ihrer unkriegerischen Eigenscyasicn wegen von der Wehrpflicht zu befreien. Zum Ersatz für den Ausschluß von der Wehrpflicht sollten die Juden, mit je JO Rubel besteuert werden. Wenn 60.000 militärpflichtige Juden alljährlich derart besteuert werden, ergibt sich ein Ertrag von nur 600.000 Rubel jahrnch. Aus diesem Grund haben Mitglieder der Rechten zwei Zusätze beantragt. Das erste Amendement verlangt, daß alle von der Wehrpflicht Befreiten eine Wehrsteucr zahlen, aus der ein Kapital zur Unterstützung der Familicn von Soldaten, sowie ein Jnvalidenfonds zu bilden ist. Der zweite Zusatzantrag besagt: ״Die Duma ist der Ansicht, daß die jüdischen Soldaten in Friedenszeiten sich als eine die Armee zersetzendes Element und in Kricgszeiten als unzuvcrläffigcS und gefährliches Element erwiesen haben; daher wünscht sie, daß das Kriegsministcrium der Duma einen Gesetzentwurf vorlegt, der das Heer von diesem Uebel befreit." Diese Anträge sind sicherlich aus der Tatsache entstanden, daß die Hauptbeschäftigung der Juden überwiegend im Handel liegt, ein Umstand, der ihre andcren, nicht kaufmännischen Eigenschaften in einem we- Niger günstigen Lichte erscheinen läßt. In biblischen Zeiten beweisen die Urkunden, daß die Israeliten ebenso gut zu kämpfen als zu beten verstanden; wenn sie Niederlagen erlitten, war es meist am Sabbath, weil an diesem Tage des ״ewigen Bundeszcichcns" die Juden rasteten und keinen Widerstand leisteten. Unter dem jüdischen Helden Judas Makabäus, der gegen mehrere syrische Heere glücklich focht, sich Jerusalems bemächtigte und den Jehovakulius wieder herstcllte (166 bis 160 v. Ehr.), haben die Juden Wunder der Tapferkeit verrichtet. In ihren verheerenden Schwule möchte noch weiter sinnen, aber er und schrecklichen Kriegen mit den Römern ertrugen sie wird von feiner Chaje Beile aufgefordert, sich jede erdenkliche Marter und Qual der Belagerung, Hunzur Ruhe zu begeben. Der alte Meister steht auf gersnot und Anarchie. Auf das Aeußerste bedrängt, ver- und gestützt auf den Arm seiner Gattin schleicht weigerten sic dennoch die Aufforderung des römischen er in das Nebenzimmer, während er spricht: Generals Titus, Jerusalem zu übergeben, das erst nach ״Ja, Bettileben," so nennt unser ״Philosoph" langer heldenmütiger Verteidigung Schritt um Schritt seine Leebnsgefährtin bei ihrem Kosenamen, - erobert wurde. Partcikämpse im Innern, Hunger und ״ein Haar meines Schnurbartes hat mir sonnen- Pest, die Einäscherung des Tempels brachten den verunseres Philosophen sein, Rabbi Schwüle legt die Uhr beiseite und glaubt, sein Werk beendet zu haben. Plötzlich aber bemerkt er, daß sie — stille steht. ״Tot also, wiederum tot ist mein ״Nürnberger"l," ruft er entsetzt aus. ״Habe ich umsonst den ganzen Tag bis spät in die Nacht hinein im Schweiße meines Angesichtes mich gequält, um diese schöne Uhr der ״Auferstehung" teilhaftig werden zu lassen?" Rasch öffnet er das Werk, nimmt es unter ״Hum", lachte nun Rabbi Schwüle vor sich hin, ״das ist wahrhaftig eine typische, echt jüdische Kchilloh! Ein Haar, eine Kleinigkeit bewirkt, daß die ganze Bewegung ins Stocken gerät! klar gezeigt, daß das Werk einer Uhr das treue Abbild einer jüdischen Kchilloh ist-'" zweifelten Widerstand des Volkes, das nun (70 n. Ehr.) seine politische Selbständigkeit verlor und zu Hunderttausenden in die Sklaverei geführt wurde von dem groß- Böhmische Industrial-Bank-Filiale : Kassen und Bureaus: BRÜNN, Großer Platz Nr. 26. — —-- Sämtliche Bank', Börsen-, Devisen- und Valuten-Beschäfta. figpothekaritredite aus Industrie-Unternehmungen, Mechsel-tiskompte. Geldeinlagen gegen Sparb&cher und in laufender Rechnung zur günstigsten Verzinsung. Kastaa: Ttltphon Mr. 1241. Direktion: Telephon Nr. 10JT, emittiert auf Grund; sitzen über die Eigene 472% Bankschuldverschreibungen ldlage von hypothekarisch sichergestellten gesetzlichen Grund- Puplllaritlt gewährten Darlehen, verzinsen sich bei gegenwirtigem Kurse mit mehr als <'4%. Korrespondenz: Telaphon Nr. 13SS Demnächst erscheint: ״Hickls Jüdischer Bolkskalender"

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