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Jüdische Volksstimme · 1913-07-03 · Heft 27 (3.7.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 27 (3.7.1913)
Date
1913-07-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 27 ״Jüdische BolkSstimmr." * \ Gelte 5. malerischen Juden die Augen zu öffnen und ihnen zu zeigen, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat. Tie Teutschen, welche insgesamt unter der Herrschaft der Teutschradikalen stellen, beweisen es nicht nur durch die Tat, sondern sie sagen es auch so laut und deutlich, dag es selbst der schwerhörigste nicht überhören kann, das; ne die Juden bekämpfen und verachten. Mann es da ausbleiben, dag die Juden schließlich Vernunft annehmen und aus der Schlachtlinie der Teutschen austreten; kann es jemanden wnndernehmen, dag sie der ewigen Veschimpfnngen und Fußtritte satt werden und den Kampf für das Teutschtum endgültig aufgeben? Tie Antisemiten in Wien haben durch den offenen Mampf gegen die Juden ihren Aufstieg vollbracht, sie haben Macht und Einflug, einträgliche Stellen in großer Zahl und viele Millionen Vermögen ergattert. Seit Jahrzehnten schwelgen sie im skrupellosen Genüsse der Alleinherrschaft. Wer weis; wie lange noch sie an den Brüsken des Volksvermögens saugen werden! Tie Herrschenden in Wien haben einstweilen die Juden weder als Gegner zu fürchten noch brauchen sie sie als Mitkämpfer gegen eine andere Partei, wenngleich die Juden ungefähr den zehnten Teil der gesamten Bevölkerung ausmachen. Aber die Verhälssnisse in Mähren, speziell in Brünn sind anders geartet. Vor den Toren des Rathauses wartet die slawische Minderheit oder Mehrheit und der offene Sieg über die Inden, den die Teutschradikalen mit so viel marktschreierischer Reklame ansireben, besiegelt den nahen Untergang der Teutfchenherrschaft in Brünn. vibkontL ^SLSÜLLkaft bei der Nerdösterreichischen Bank <־ für Industrie, Handel and Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt tich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den -> Eskcmpt offener Buchforderungen j unter den sHer<ünstigslen Bedingungen. ilunclfcfmu. Indischer Kongreß in Rom. Rom. Ter ״Bund jüdischer Gemeinden in Italien" beruft demnächst einen allgemeinen öffentlichen .Kongreß, der sich mir der Organi- Ultimi der inländischen jüdischen Gemeinden befassen wird. Auch die Frage der Juden Abessiiliens, ״Falaschen" genannt, wird nicht uuberührt bleiben. Tie italienischen Juden planen einen Unterstützungsfonds für sie zu schaffen. Tie griechische Negierung für die Juden. Saloniki. Ter bekannte jüdische Bankier Modiano von hier wurde vom griechischen Miniüerpräfidenken Venizelos empfangen und führte eine längere Unterredung über die ökonomische Zuknnst Salonikis. Tiefe wichtige Frage wurde zugleich auch von dem mazedonischen Finanzdirektor und finanzier Lazare beleuchtet. Modiano erklärte, das; die Zukunft Salonikis von den;liechten der Juden abhängig ist. Tie Ministerpräsident erklärte, daß.die griechische Regieruug nicht daran denke, die Rechte der Inden Salonikis zu schmälern und zu beschränken. Anti-Antisemitismus. Rcwyork. Ter Gouverneur von Staat Newpork, Snlzer, bestimmte für den 1!». Juni ein öffentliches Verhör in derklageangelegenheit des jüdischen Offiziers Samuel Litmann aus Brokiyn, welche er gegen den .Kommandanten hi. Barthon eingebracht hat. Ter Kommandant wird beschuldigt, den jüdischen Offizier zum Leutnant in ungerechter Weise nicht befördern zu wollen und zwar nur deshalb, weil dieser Jude nt. Ter Gouverneur äußerte sich wie folgt: Ich habe auf eine passende Gelegenheit gewartet, um meiner Meinung über solche Fälle Ausdruck zu derleihen. Ich ordne daher eine öffentliche Verhandinng an, zu der jedermann Zuiritt haben wird und die Verteidigung beider Parteien mitanhören wird können. Auf zur Notwehr! Zotkiew. In einem naheliegenden Torfe ist wieder ein Raubüberfall auf eine jüdische Familie vorgekommen. Es wird daher allen jüdischen Torfbewohner nachdrücklichst empfohlen, sich Bewilligungen für Waffen zu verschaffen, um im Notfälle sich wehren zu können. Es sollen in großen Orten für diese Torfjuden Schießkurse errichtet werden. Wenn die Räuber erfahren werden, daß die Juden bewaffnet sind, werden sie das lieberfallen lassen. Oskar Straus beim König von Italien. Rom. Porige Woche empfing König Viktor Einanuel von Italien den bekannten amerikanischeu Staatsmann nnd gew. Botschafter in konstantinopel in einer längeren Audienz. Ter könig interessierte sich für die Lage der Juden in Rußland und in Palästina. Er erbat sich auch authentische Informationen über die Fortschritte der zionistischen Bewegung in verschiedenen Ländern, besonders in Amerika. Ter König billigte das Vorgehen der amerikanischen Bürger in der russisch-amerikanischen Paßfrage und bekundete warmes Interesse für die jüdische kolonisationstätigkeit in Palästina nnd für die bedrückte Lage der Inden inRnßland'. Jüdische Emigrativusstatistik. Rcwyork. Ter größte jüdische Auswandererström ergoß sich im Jahre UAL nach Argentinien. Es sind nämlich lü.llt» jüdische Emigranten in Argentinien eingewandert. Tiefe Woche schifften nch hier der größte jüdische Einwande rnngszug — seit sechs Jahren — aus. Es kamen hier Schiffe mit Ult.OOl> Einwanderern an. Tas Ritualmordmärche» in einer Universität. Großmardeili. Eine verblüffende Nachricht kounnt ans der ungarischen Stadt. Ter Antisemitisnius hat bereits Oie ungarische Luft derartig verpestet, daß auch Männer der Wissenschaft berauscht wurden und im Taumel dieses Rausches tich zu abergläubigen Tingen Hinreißen ließen, die sonst nur von der ungebildetsten Volksmasse geglaubt werden. Ter Universitätsprofessor Stephan Wersar ans Grvßwardein erklärte seinen Hörern anläßlich seiner Vorlesung über gerichtliche Medizin, daß Inden christliche Kinder zu religiösen Zwecken ertränken, wie z. B. im Tisa- Esler Fall das Mädchen Salimoschi. Ein jüdischer Hörer fragte den Professor, ob er wirklich an das, was er soeben gesagt, glaubt? Ter Professor gab keine Antwort. Tie Presse bemächtigte sich dieses Falles nnd man interpellierte den Professor offiziell. Tiefer erklärte, daran zu glauben. Folgen des Boykotts. Petersburg. Tie ״Rejtsch" meldet, daß der Minister des Innern einen statistische» Ausweis erhielt, in welchem die Folgen des Boykotts in Russisch-Polen, zifsermäßig zusammengefaßt, iviedergegeben find. Ter Boykott soll auf die ökonomische nnd wirtschaftliche Lage des Lau des sehr nachteilig gewirkt haben, so das; anzunehmen ist, daß der Boykott!licht mehr lange anbalten wird. Ter Kampf um koscheres Fleisch. Warschau. Tie hiesigen Ehassidim tvandten sich an das:liabbinat mit einer Eingabe, in welcher sie die Verbesserung der Fleischaufsicht forderten. Tas Rabbinat erklärte jedoch, daß die Aufsicht allen Anforderungen entspricht und daß Neueinrichtungen unnötig sind. Tie Ostroivzer Ehassidim beschlossen daraufhin, durch eigene Schächter schlachten und beaufsichtigen >u lassen. Nun dürfte ein brennender Kampf zwischen den Parteien ausbrechen, dessen Folgen nicht abzusehen sind, weil es ein Machlokes leschem Schoinajim ist. Testament eines russischen Offiziers. Rcwyork. Tas Gericht hat das Testament des Majors Iwan Tales bestätigt. Bekanntlich ftammt dieser Offizier aus Rußland. Aus Riga kam er vor 1* Jahren nach Amerika. Er trat in den Tienst der amerikanischen Armee, welcher er bis zum Lebensende angehörte. Er hinterließ .'>0.000 Tollar zu Wohltätigkeitszwecken ohne Unterschied der Konfession und widmete größere Beträge speziellen jüdischen Wohltätigkeitsvereinen. Zwei jüdische Nniversitätsprofessorc. London. Ter Seilat der hiesigen Universitat Hai zwei jüdische Gelehrte zu Universitätsprofessoren ernannt, und zwar Tr. Sir Sidnili, der bekannte Shakespeare-Forscher für englische Sprache und Literatur, und Tr. Charles Gabriel Seligmann für Medizin und Etnologie. Adolf Stand beim gal. Statthalter. Lemberg. Ter Führer der Zionisten in Galizien, Herr Adolf Stand, wurde vom neuen Statthalter Tr. korytowSky in Audienz empfangen. Ter Statthalter erklärte, daß er dent Zionismus sympathisch gegenüberstehe und das; er alle Hindernisse, Oie ihm von Lokalbehörden unter dem Regime seines Vorgängers aus welchem Grunde immer zugefügt wurden, beseitigen wird. Jüdischer Häuserkanf. Warschau. Im heurigen Jahre haben Juden Häuser im Betrage von 1 ,:17S.S1H) Rubel von Christen gekauft. Tie Boykottagitatoren sind des halb sehr erbittert. _ Folgen der Uneinigkeit. Jerusalem. Trotz der positiven jüdischen Majorität, Hierselbst zwei Trittel der Einwohnerzahl, sind infolge der hier herrschenden Uneinigkeil zwischen den jüdischen Parteien kein einziger jüdischer Landtagskandidat gewählt. Herrn Entelm fehlte bloß eine Stimme, mn gewählt zu werden. Ein Verein christlicher Freunde des Zionismus. Tiefer Tage gründete sich in Berlin ein Per ein mit Namen: ״Christliche Freunde des Zionismus" mit Abteilungen i!t Londan und Haag. Ter Verein stellt sich zur Aufgabe, die Idee des Zionismus und seine Bestrebungen zu unter stützen, dieRegierungen zu veranlasse», den Zio- »ismns zu fördern, nnd die zionistische Idee in der christlichen Welt zu verbreiten. An der Spitze des Vereines stehen angesehene Persönlichkeiten und wahrscheinlich wird der Verein unter dem Schutze der holländischen Königin stehen. Feldrabbiner Prof. Tr. .Kisch - Ritter des Franz Josefs-Ordens. Ter Kaiser hat dem ׳ Landwehr Rabbiner i. d.;H., Prof. Tr. Alerander k i s ch. das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens verliehe». Nach den ersten Wehrvarschriften der allgemeinen Pflicht von lMiO, die auch den jüdischen Theologen einen Play im k. u. k. Heere einräumken. wurde Kisch, der damals das jüd.-theol. Seminar in Breslau besuchte, als Erster assentiert und nach seiner Wahl zum Rabbiner in Brür 1 s71 den Bestimmungen gemäß zum Feldrabbiner!. d. R. der Landwehr ernannt. Er übte freiwillig auch die aktive Seelsorge aus. Nach seiner Wahl zum Rabbiner in Prag ISS.־» wurde ihm die Sub'idiarseelsorge übertragen, der er sich in wiederholt belobter Weise mit Eiter nnd Selbftolsigkeit widmete. Allmonatlich findet seit her in der Meiselmnagoge ein isr. Feldgoikes dienst statt, zu dem die Mannschaften von einem Offizier geführt werden. Ten Gottesdienst, zu denen bei feierlichen (Gelegenheiten auch sehr ott Militärmniik ausrückt, wohnten auch ich 1־ oft Staarbsoffiziere bei. Kisch besitzt seit!>!>!> auch das (Goldene Verdienstkrenz mit der Krone. Ter Orient. lluta־ diesem Titel veranstal tot die ״Allgemeine indische Kolonisationsorgaiation" 1A. I. k. O.l in Berlin die Herausgabe eines eigenen Publikationsorgans. Tie Zeitschritt null dazu beitragen, darzntnn. was der Trient für die Inden und was die Juden für den Trient werden können. Tie vorliegende Nummer für den Monat Juni enthält unter den Rubriken ״Tie jüdische koldiiisation". ״Tie Inden nnd die Orientkolonisation". ״Wirtschaft liche Erschließung des Orients" und ״kommer zieller Levanteführer" - verschiedene Aufsätze, die eilt interessantes imb wissenswertes Tat sachenmaterial über die wirtschaftliche und sozial politische Entwicklung des Orients bringen. Be sondere Berücksichtigung findet in diesen Berich ten, der Aufgabe Oer A. I. k. O. entsprechend, das jüdische Kolonisationswerk; das Blatt ist denn auch in erster Linie für die Mitglieder der A. I. k. O. befkimmt, denen es unentgeltlich zu gestellt wird. Außerdem soll ״Ter Trient" an allen bedeutenden Plätzen der Levante, vorneln» lich in den jüdischen Kolonien Palästinas Ver breitung finden. Baron Edmund Rothschild und der Tircktor der Jüdischen.Kolonialbank. Paris. Ter Tirektor der jüdische» Bank in Konstantinopel Tr. Jakobsohn wurde dieser Tage von Baron Edmund Rothschild empfangen. Ter Baron legte ein großes Interesse an den Tag für den gegenwärtigen Stand der zio-

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