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Jüdische Volksstimme · 1913-06-26 · Heft 26 (26.6.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 26 (26.6.1913)
Date
1913-06-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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F ’ Nr. 26. ,jüdische Bolksstimme." «Sette 3. Die Geschichte unseres Volkes kennt so manchen Schmerzenzug. Wir Juden wissen von so manchem Leide ein Liedchen zu singen und der zukünftige Geschichtsleser dürste sich vielleicht über den Trauertag des 19. Juni wundern. Was bedeuten 22 Märtyrer gegen die Opfer aus dem Zeitalter der Kreuzzüge, des schwarzen Todes der spanischen Inquisition usw. usw.? Ja, was bedeuten die Opfer von Drohobycz gegen die Märtyrer von Homel und Kischinicw? To hart und grausam das Schicksal unseres Volkes im Mittelalter war, so unermeßlich das Leid, das über die Söhne Israels gehäuft wurde, so zahlreich auch das Blut in Homel, in Kischiniew geflossen war: ein süßer Trost ist uns geblieben. Der Pöbel vom Haß gegen uns bis zum Wahnsinn aufgestachelt, hat über die Juden ein Blutbad gebracht. Die Juden unterliegen gemeinsam dem fremden Mörder. Gemeinsam sinken sie unter den Schivcrtern der Kreuzfahrer hin und zusammen besteigen sic den Scheiterhaufen der spanischen Inquisition. Am 19. Juni haben Juden ihre Brüder auf die Schlachtbank geführt. Löwcnstcin, der Sohn eines Rabbiners, und Feuerstein, der Präsident der Kultusgeiiieiudc, haben auf ihre Schwestern und Brüder schießen lassen. Ja, Juden waren es, die so ungeheuerlich gehandelt hatten. Ja, leider waren cs Söhne unseres eigenen Volkes, die einen 22fachcn Brudermord begangen hatten. Und wenn sich der Gcschichtslchrer der Zutunst fragen sollte: ..Wie ist es möglich?" ״Wie können Juden ihre Brüder ermorden?" ״Wie kann ein Rabbinerssohn und ein Kultuspräsidcnt, die doch die moralischen Führer unseres Volkes sein sollen, einen so abscheulichen Verrat am eigenen Volke begehen?" Darauf gibt cs nur eine Antwort: ״Sic sind Assimilantcu." Leute, die um persönlicher Vorteile loillen tlnd dem lächelnden Blick eines Goj ihr Volk verlassen, Leute, die im Momente, da ihre Brüder im Osten untcr der Furcht vor Pogromen zur Welt kamen und deren Brüder im Westen täglich in der schrecklichsten Art verfolgt werden, ihrem Volke den Rücken kehren und als feige Kletten fremden Fahnen nachlaufen, den Erzfeinden ihres Volkes Henkerdienstc leisten, sind zu allem, auch zum Brudermorde fähig. Darum sei der 19. Juni ewig gefeiert. Den Toten zum ehrenden Angedenken, den Lebenden zur dringcndcn Warnung.... In Drohobycz ist Mcnschenblut geflossen. In der Dunkelhcit der Nacht wurden die Märtyrer unseres Volkes begraben. Die Dunkelheit jedoch schwindet. Der Nebel der Finsternis zerreißt. Hoch im Osten in ihrem majesiaiilchcn Glanze erscheint die Sonne der Freiheit, die neues Leben und neue Hoffnung dem Judentume vcrkündet. Dem blutgedüngten Boden etitsprießcn Herrlichc Blumen den zukünftigen Generationen unseres Volkes. Der Tag tvird kommen, da vom Berge Zion die blau-tvcißc Fahne Judas flattern tvird. Ahron Schtvertfinger. Der Tätigkeitsbericht des Esra In Befolgung der Devise der Väter: ״Sprich wenig und tue viel", tritt der ״Esra", Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Inden in Palästina und Syrien, nur selten in die Oeffcntlichkeit. Auch seine Berichte tverden nur alle drei Jahre veröffentlicht. Mit desto größerem Interesse dürste das jüdische Pubtikum den eben erschicncncn Bericht des ״Esra" pro 1910 bis 1912 lesen. Derselbe umfaßt 56 Seiten und enthält außer Bericht und Mitgliederliste eine Serie interessanter und reich illustrierter Aufsätze über Palästina und dessen jüdische Kolonien. Tie Einnahmen des ״Esra" beliefen sich in der dreijährigen Periode auf 95,590 Mark. Die Ausgabei» umsaffen: 1. diverse Subventionen an in Not geratene Kolonisten im Betrage von 5210 Mark. 2. Für die Kolonie Bnc-Jehuda 2571 Mark. 9. 19,000 FraiiLs für Ein- Wanderung von 1500 Juden aus dem Jemen. Diese» Subventionen im Gesamtbeträge von 18,100 Mark fügen sich weitere Ausgaben im Gesamtbeträge von 82,50(^ Mark an, die in Form von durch Bürgschaft sichergestellten Darlehen gemacht wurden. Den größten Teil dieser Ausgaben hat der ״Esra" für Ansiedelung von jüd. Landarbeitern in den bereits bestehenden jüdischen Kolonien Palästinas gemacht. Tie Kolonisten verfügen nämlich über weit mehr Land, als sie selbst bearbeiten könnten. Daher werden in den Kolonien jahraus jahrein mehr als 300 Araber dauernd beschäftigt. Ter ״Esra" ist nun bemüh», die jüdischen Kolonisten mit jüdischen Landarbeitern zu versehen. Auf diesem Wege könnten nicht bloS viele Tausende brot- und arbeitslose Glaubensgenossen aus Rußland und Rumänien in Palästina eine dauernde und wohlgesicherte Eristenz als Landarbeiter finden, die jüdische Bevölkerting in den Kolonien würde dadurch verstärkt und gegen das eindringende Arabertnm Widerstandsfähiger werden. Bereits im Jahre 191 l hat der ״Esra" in Kufr- Saba 12 und in der Kolonie Ehedera 25 jüdische Arbeiter anzusicdcln beschlossen. Jeder von ihnen erhält ein Haus nebst 10 Morgen Land, die auf Kosten des Vereines beflanzt werden sollen. Die Kosten einer Installation von 35 Familien werden sich auf etiva 50,000 Mark belaufen, wobei das Land im Umfange von etiva 925 Tunam letwa 90 Hektar Landl von den .Kolonisten hergegcben wird. Letztere übernehmen gleichzeitig die Verpflichtung, die bei ihnen angesiedelten jüdischen Arbeiter zu auskömmlichen Löhnen dauernd zu beschäftigen. Andererseits verpflichten sich die Arbeiter, die ihnen gewährten Darlehen für Haus, Land und Anpflanzungcn in 25 Jahresraten zurückzuzahlen. Die Garantie für diese Rückzahlungen hat die A. P. E. in Jaffa übernommen, wofür sie von den angesiedelten Arbeitern alljährlich 2 Perzent des für dieselben verwendeten Kapitals erhält. Durch die Ansicdlung von 12 Arbeitern hat Kufr- Saba, das bisher nur ein von Arabern bearbeitetes jüdisches Besitztum war, zum crstenmale eine jüdische Bevölkerung erhalten: es ist so erst zu einer jüdische» Kolonie gemacht worden. Tie Kolonie Ehedera wies zlvar früher schon eine jüdische Bevölkerung von 39 Familien letwa 210 Seelenl auf. Eine solche Bevölkerung genügte jedoch bei dem enormen Umfang der Kolonie lEhedera umfaßt etwa 1500 Hektar) bei tveitem nicht, das jüdische Besitztum vor Diebstählen und Plünderung zu schützen. Auch vermochten die 39 Familien nicht, die große» Gemcindekosten, ivic sie die Verteidigung eines so große» Komplexes erfordert, zu tragen. Durch die Ansiedelung von 25 Arbeitern erhält Ehedera einen namhaften und sehr loünfchenslverteu jüdischen Zuwachs. Leider befindet sich in Ehedera noch eine Anzahl fieberschwangerer Sümpfe, und der Verein ״Esra" sah sich genötigt, eine namhafte Summe zur Sanierung der Kolonie zu beloilligen. To wurde in erster Reihe mit einem Kostenaufwand von 13,000 Franks eine .׳tranken Nation eingerichtet, in der namentlich alleinstehende jüdische Arbeiter die erforderliche ärztliche Behandlung und sachgemäße Verpflegung erhalten sollen. Des iernercn wurden 25.000 Francs für eine Wasserleitung bewilligt, wobei die Kolonisten ihrerseits mir 5000 Franes beteiligt sind. So hat der Verein ״Esra" in ivenigeu Jabren ine jüdische Kolonisalioiiszwecke nicht iveniger als los.nno Mark 1133,000 Franes! bewilligt, von denen 00,000 bereitegezahlt, der :'lest aber im Jahre 191s zur ׳Aus- Zahlung gelangen muß. Der Verein hat damit den Weg gezeigt, wie in Palästina mit möglichst geringe»! .׳traftausivand die möglichst größte Wirkung erzielt werden könnte. Indem der Bericht diese Taiiachen besonders betont, erinnert er gleichzeitig daran, daß die Mittel des Vereines einstweilen noch sebr gering sind. So Inu der Verein allein im Jahre 1912 00,3-17 Marl ausgegeben und dabei gegen 3t!,000 Mark aus seinen Beständen zugesetzt. Jin Jabre 191:: dürste das Defizit 30,000 Mart betragen, und es dürfte sieb ans diese Weise das Vermögen des Vereines sehr bald völlig erschöpfen. Daher richtet der Verein an alle Freunde der .׳tolonisatio» Palästinas die Bille, ihn bei seiner ״״.istke!! zu unterstützen. Namentlich iverden diejenigen Miiglieder des Vereines, die bisher geringe Beiträge zahlten, gebeten, ihre Leiiiunge» siir den ״Esra" zu erhoben lind so ihm zu ermöglichen, seine bisherige segensreiche Tätigkeik fortführen zu können. YERLOBUNQ5-RINQE BRdu־r5a1nucrc - - HOCHZE1T5QE5CHENKE EHE-RINQE. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. BerttlOld Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. «T Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. - Ein verhängnisvoller Irrtum. Die Gegner des Jndentiiiiis haben zu allen Ze! ten zur Begründung ihres griminigen Judenhasses daraus hingewiesen, dag nicht nur int jüdischen Schriftturnt, sondern auch in der jüdischen Litburgie die Ehrisleii, Minini, von den Juden beschimpft ltiid benviinschl tverden. Das Tranriae bei der Sache nun׳, dar, die Ehrijten in diesem ihrem Wabne selbn von de» neueren jüdischen Hisiorikern, die in io leichtfertiger Weise be haupteren, unier ..Minim" seien Jndenchrisien gemeiiit, besiärlt wurden,!vas aber grundfalcy ist. Ter ersie, der au׳ dieien verhängnisvollen Irrtum aufnierksain ge m, cht hat, ivar der bekannte verdieniibolle Gelehrte Dr. Br. Friedländer. Er Hai in seinen seit vierzig Jab reu erschienenen. zumeiN der Gestbichle der Enlnelinng de-.׳ Ehriiieutums ans dem Judenlume geibidmeten Schriften baartlein nachgeiviesen, das: unter ״M'iinmim" nicht Juden,hriiien, sondern einzig und allein Inden, die die?Hora und ihre go!tii,l>e Jnivirauoii leugnen, zu ver,׳eben seien. Niclusden,׳iveniger t>at in Einst fuhr Frau Eitel mit Alp »ach dem Städtchen, um abends znrückzukehren. Sarp fühlte sich elend; sie batte sicher tagsher zu lauste stebadet — sie war verschlafen, batte Schwindel. Im Hofkämmerchen, wo Sarp last, war die Tür offen. Für Küche batte sie nicht zu forsten. Im Häsen war Ziegenmilch, ihr Brot lag nur angebissen — und ׳gelbe Pflaumen.... Ach, wenn ihr nur gut wäre: Tie Leute waren im Feld. Im Geschäft ward's erst ain Abend rege. Im allgemeinen kam das Arbeitervolk um vier Uhr morgens um Palinka und Zaleky und Brot, welches i.0׳P- Eitel oder ihrem Alp besorgt ward. Wie sie jaf׳ traurig und einsam dalag, hörte sie plötzlic ihre Lisl. und schon stand sie beim Bett und legte die Vorderbeine aufs Bett — leckte ihrer kleinen Freundin Hand und (Besicht. Sarp streichelte sie und gab ihr vom Tisch ein Stück Brot. Auch die weiße Ente wackelte und quatschte, da sie nichts gefrühstückt, was sie gewohnt war. Tann kam der gute Haushahn, der stand gereckt und keck, wie ein Husar und krähte so zürnend, weil seine Frau Henne und Küchlein nichts bekamen. Tie Küchlein flogen taulich au׳ den Tisch und pickten, was sie konnten. Tie al e Frau Heime war noch ruhig. Sarp teilte alles, nur die Milch ließ sie für sich. Tann gingen die lieben Gäste gackernd, meckernd, piepsend und quatschend ihren Dank sagend, in den Hof. — Sarp vergaß an ihr Leiden, sie unterhielt יו• köstlich! Um die Mittagszeit stand sie auf und machte alles gut, waS sie versäuint hatte. Später ging sie mit Lisl auf den Weideplatz. Aufs Klettern verstanden sich beide. Tenn man mußte über den holperigen Weg zum Berg hinauf und über ein Brückchen zur Weide hinabgehen. Unten beim Bacherl tauchten die Gänse und Enten des Törfchens ihre bezeichneten Köpfe hinein, es war so lustig. —- Tie Borübergehenden rasteten auch dort. Die Torf- und Zigeunerkinder, auch große Bursche, Wanderer. Sie alle, ob mit oder ohne Erlaubnis der Bauern, trugen Obst, denn es war ein gesegneter Sommer. * An jedem Freitag Nachmittag sah man beim Torfteich die duftige Gemeinde der Torsschönen — Klein und Groß - ohne Genierer -- die Küchenmöbel, Holzgeschirre oder Metallsachen scheuern und putzen. Alles wetteiferte an Weschicklichkeit, an Reinlichkeit und Flinkheit. Sarp und Minna hatten ihren Ritter, den Rübezahl. Alp — der alle Geräte rasch zu und von der Stelle brachte — er überhörte leicht die Spottreden und lachte mit. (Schluß folgt.,! neuerer;',cu Pros. De. Hnrnnk in feiner Scbrin ״Indentiiin 11 nb Jndenchrinenlnin" in Jnnins D!,1le»z uni Frnbv". nie >1lle ialsüie Behanviniist, dnß nnier M,>!i>n Inden,lieiiten qeineint!eien, stellen tnsien. Jn׳e>l׳ze dessen sah sich Hr. Fr. veranlaßt in einem in Nr. 23 der , AUqenieilien Z,eitn»n des Jndenin»!-.-" von 1H»1 eriüne nenen Artilel. der vvn den jüdiietien Blauer» zur Eine des Jndeiünnis bcfvnders beaclue! zn iverden verdient, Herrn tzrvs. Harnal eines Be siete» zn belehren. Hier »löge bivß jener Paisn-,-, der an,' .Miiiiin" Bezust hat. reprednzierr ivcrdeni ״Aber die Inden haben in ihren Synastbsten die Ehrislen verflncln, nnd dies, schon in einer ::eil, die in das erste Jnhrbnnderl znrnckreicht. Da Yärren nnr nun an den Punll ,zeriihri, von ivelebein ans aller jiid. Ehcistenqaß nnd alle ״jüdische Ehrinenveriolstnn״" ,,ui stebant n»d znin Ddstwa konurnier: ivnrde: nnnde no,i> dann hinariieh 1en. daß die Inden nlion un Ans,,,!»,, des ersten Jahrlmilderrs, uw das Einniien!»»! nvch rein jüdisch u»u. dieses in den Snnaqv>1en verifuchl haben. Tenn in dein Birtath haniinini des Scheinone-Eizre GB'eies iverden sie V.inun verivnnscbt, nnd die Min״!! feien Jndenchrijlen! Wäre dies nun q e 1',!>! ch 1!! ,h verbürstie Tatsache, hätte diese V'erivünschnnstSfornv.l stesten die Mini»! tatsächlich den Judenckiriiten ste,wl!e1!: dann könnte ina» allerdinsts von eine״! steicknckuli>be!> Beweis, aber auch dann mir von e 1!1 e in e i n; i q e n Beweis stroßec Erbillerniist sprechen, die ini jernsalemischen Judeutnin stegen die nazaräische Gemeinde

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