Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1913-06-19 · Heft 25 (19.6.1913) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 25 (19.6.1913)
Date
1913-06-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2621806-2621846-2621871--2228-2623314
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 ״Jüdische Volksstimme". Nr. 25 ausgeschlossen ist, daß wirklich durch Vcrfolgungen zur Auswanderung gezwungene russische Juden von Ort zu Ort wandern nmssen, um nach Wien zu gelangen. Es ist dafür gesorgt, das; die wirklich Verfolgten, und der Hilfe Bedürftigen schon durch die in Rußland selbst eingesetzten Komitees die nötige Unterstützung finden, an der österr. Grenze von den Vertretungen der Allianz übernommen und mit der Bahn direkt an ihr Ziel geschickt werden. Speziell in Kiew. wo eine der reichsten und wohltätigsten jüd. Gemeinden Rußlands nnd außerdem ein mit der Allianz in Wien korrespondierendes, leistungsfähiges Hilfskoniitec für Auswanderer besteht, ist es noch niemals vorgckommen, daß jüdische Emigranten gezwungen worden wären, die Stadt wie bettelnde Zigeuner zu verlassen. Tie Karawanen bestehen nach den bereits sehr oft gemachten genauen Feststelluugen aus Wandertzcttlern, welche in Sadagora und verschiedenen galizischen Orten Wagen nnd Pferde mieten oder kaufen, um mit ihren Jyamilieii regelrechte Schnorr-Rcisen zu unternelnnen. Tas Bureau der Israel. Allianz (Wien, 2, Untere Tonanstraße :1:1) ist bereit, jedesinal gegen Mitteilung der Personalien und Angaben der Wanderer Auskunft über die Richtigkeit derselben zu erteilen. L. B. W. Auszeichnung eines jüdische» UnivcrsitätS- Professors i» Lissabon. Ser außerordentliche Professor für Baltetiologie an der medizinischen Fakultät in Lissabon Tr. Emilio Enrico Franco wurde über Vorschlag des italienischen Botschafters in Lissabon vom völlig von Italien zum Kavalier des italienischen Kronenordens ernannt. Professor Franco entstainint einer uralten venetianischen jüdischen Familie, ist heute erst :50 Jahre alt nnd hat sich als Bakteriologe einen so großen R'us erworben, daß die Lissaboner Universität ilm für den freigewordenen Lehrstiihl für Bakteriologie unico loco kandidierte nnd schließlick auch wählte. Ein Zug von 50.000 Arbeitern. Aus Rewnork wird berichtet: Selbst derjenige, der politisch der Sozialdemokratie fernsieht, mußte am 1. Mai innerlich gerührt sein, als er durch die Straßen des Rewhorker Oslends reu geschlossenen Zug von 50.000 jüdischen Ar bcitcrn mit ihren Gewerkschaften marschieren sab und Freiheitslieder singen hörte. Es waren dies fast ausschließlich eingewanderte Juden, die in Rußland und Rumänien sicherlich es sich nickß träumen ließen, daß es ihnen noch möglich sein iverde, ihrer freigewählten Arbeit nachzugchen und ihre politische Ucberzeugung offen zu be kennen. Nahezu sämtliche Rewporker Blätter iveisen darauf hin, daß diese 50.000 Paar ״Hände", die Rußland und Rumäitien znrückivics, heute ein festes und sicheres Rationnlvermögen Amerikas Hilden. Plövliüicr Todesfall dco 81jiil>rigr» Wunderrabbis vsoirf Aro». '.1Ins Toroboi wird berichtet: Am <>. d. VO weilte Wiind^rabbi Joses Aro» in Ezernotvi». Wäbuiib inner :'iiidreifc über Bordnjeiii »ach Torohoi, wurde der Genannte oo» eine!» Univoblsci» befalle» u»d verschied in weniacn Äugenbtide». Tie Nachricht bom viuscheide» dieser- Wunderrabbi, balle überall lief erschüllerl. Tie Leiche lvurde »ach Buzen »berfubri. VI11 ״ alle» viicncubc» balle» sich viele Meuschcn zum Begrabnisse eingeiuiide». Ai» offene» Grabe hatte Tberrabbi- »er tkn. Lscharr aus Bukarest dem Verblichene» eine» liefeinpfundencn Nachruf geballe». Als Nachfolger des Vernorbeue» ül fei» Lob», Großrabbiner Ebaim Aro» , ein Lchwicirervatcr des befibekaunlen jüdische» SchriftnellerS, oiabbinatskandidat 5- B. Tbuiniin, ans Zales zszyki anserfehe». Protest gegen Rumänien. Philadelphia. Tic liier angcsiedclkeii rnmänisckicn Inden veranstalteten ein Protestmeeting gegen die ungesetzliche Beziehung der rnmänisitzen Regierung zu den Inden Rumäniens. Über 0100 Personen nahmen daran teil und iaßleu eine einstimmig angenommen Resolution in diesein Sinne, worin noch aus Artikel l-l des Per-!iner Vertrages verwiesen wurde, tont welchem die rumänische Regierung sich verpflichtet l,at, den Inden Gleichberechtigung zu verleihen. Tiefe Resolution wird dem amerikanischen Präsidenten. dem Kongreß, dem Senat und der gesamten amerikanischen Presse zugeseudel werden. Erste biblische Oper. Paris. Eine neue Oper ״Tavid" vom Kompouislen Tielrich ist liier ansgeführt worden, die wegen ihres biblischen Inhaltes großen Beifallfand. Ter Autor gab den biblischen Tert der ״Könige" unverändert wieder. Jüdischer Blnmcntag. Krakau. Vorigen Sonntag wurde hier ein jüdischer Blumentag zugunsteu des ״Unterstüpungsvercines für jüdische Studenten" nnd der ״Ferienkolonie für arme jüdische Schulkin-j. der" abgehalten. Tie jüdische Gesellschaft nahm an demselben regen Anteil. Rcklamcvcrbot. Petersburg. Ter Teputierte Purifchkolvicz wurde von den ״echten Russen" ausgefordert, bei! der Zentralregierung dahin zu wirken, daß den Juden Rußlands das Reklamemachen für ihre Waren sowie das Aussiellen von Waren in den Auslagen oder Schaufenstern strengstens perboten werde, damit sie für die ״russischen" K-ms leiste unschädlich werden. Eine Bewegung unter den Karaiten. Tie Karaiten von Rußland machen jetzt eine ganz merkwürdige Mriefe durch. Tie Wohl eines Chachams über sämtlicheKaräer von Ruß-!and hat diese kleine, aus dem Judentmn hervorgegangene Sekte in zwei Lager gespalten. Eilt Teil steht noch innncr in der Gefolgschaft des bct'aiinten Abenteurers Schabsal, der, wie bekauul, -lange Zeit der einflußreichste Ratgeber am persischen Hofe war, und dann von dort verjagt, in leiste russische Heimat zurückkehrte, wo er infolge seiner alten Beziehungen von rilssischen Regierungstreife» befördert wird. Aber gerade deshalb tvird seine Kandidatur zunt Chachuin Baschi von den anständigeren Elementen unter den Karäern aufs heftigste beklagt. Tie Schloterigteit, diesem einflußreichen Menschen einen angesehenen nnd den Anforderungen entspreche!l den Gegenkandidaten gegenüberzustellen, bestand bisher hauptsächlich darin, daß die Stelle des karaitischen Ehacham, wie überhaupt die gesamte geistige Leitung der Sekte bisher finanziell nicht fundiert war. Rnn hat das zur Leitung der Ehachamwahl berufene Momitcc den Beschlus; gefaßt, zu diesem Zwecke-einen sogenannten :'!ationalfond von -00.000 Rubel zu gründen. Tiesei Beschluß hat bei den in Betracht kommenden Gemeinden lebhaften Anklang gefunden. Eingelaufenc Spenden für die bei der Preßburger Brandkatastrophc betroffenen Glaubensgenossen: Familie Frischer und Fr. Fanny Huppert Raschkowitz 2<5 Jv. Korrespondenzen. Zwirtan. Samstag den 21. d. begeht Se. El>rw. Herr Tr. H. Kanter die Barmizwahfeier seines Sohnes Gerhard. — Unsere besten Glückwünsche. Tie Red. Kattenberg. Rabbiner Gabriel Gottlieb (aus Groß-Meseritschwurde vom k. k. Ministerium! iür -stullus und Unterricht als Religionslehrcr - für die tschechischen Mittelschulen in stuttenberg bestätigt.! Kiew. Ter Bildungsverein Mefize Haska-! lah erhob eine Anklage an den Senat gegen den l Generalgouverneur Trepow, weil dieser jüdi- - scheu Lehrer», die anßertzaltz st iews wohnen, nicht gestalten. will, die von dem genannten Verein :errichteten pädagogischen sturse zu besuche». Ter! (Gouverneur ist der Ansicht, daß solche sturse für jüdische Lehrer nicht erwünscht sind. Rinn. Eine jüdische Frau wollte der russischeu Gesandtschaft einen geeigneten Platz zur Erbauung einer stirche für Prawoslawen überlassen. Sie wandte sich an die stominune mit der Bitte, entgegen der bestehenden Bestimmungen, diesen st auf anznerkennen. Außerdem spendete sie noch 7000 Lire zum stirchenban. Nur Bürgermeisicr -Ratban sprach sich für die Zulassung dieses staufes aus. Beide Förderer der russischen stirche dürfen Rußland nicht betreten, weil sie Juden und. London. Ter Lbcrrabbiner von Bulgarien Sr. Ehrenpreis hält sich gegenwärtig hier auf und regt die Gründung eines Hilfsfondes für bulgarische- Waiseukiuder an. Mau hofft, daß die Wattin des Postminislers Samjucl, sich an die Spitze dieser Hilfsaktion stellen wird. Jerusalem. Tas hebräische Tagblatt ״Haar", dessen .Redakteur der bekannte Philologe Ben Jebuda ist. hat sein Erscheinen eingestellt. 'Runmehr eristierk hier ein hebräisches Tagblatt ״Hacherul", das jetzt noch vergrößert werden wird. 1913 Wocherrkalender 5673. Juni Festtage הפטרה M יג 18 D יד 19 טוק־ל ff טו 20 פרק שני׳ שלח לך S טז 21 וישלח S M יז יח 22 23 יום הארוך — Lex. d. Sommer יהושע D יט 24 M כ 25 D כא 26 F בב 27 Röntgen Institut Durchleuchtungen der Brust und Baucheingeweide. Photographien bei Unfall- Verletzungen, Gelenks- und Knochenkrankheiten, Heilbehandlung bei verschiedenen chronischen Krankheiten. Spezialarzl Ar. Kugen Kodon Brünn, Großer Platz 12 (Gerstbauersches Stiftungshaus). — Telephon 1444 (interurban). Theater und Jtunft. Brunner Stadttheater. ״Die Jüdin von Tol c d »"-Darbietung des ״Deutschen Volksthcaters" gestattete sich, da an eine Enscmblcwirkung und Wirkung der Juszcne unter der Regie des —nach einer Meldung — Herrn Kutscher« oder —nach einer anderen — des Herrn Oberrcgisscurs Kramer (übrigens beide dazu Wohl gleich unbcsähigt) mit den unmöglichen Figuren des Herrn Hölter und des in solchen (klastischen) Rollen regelmäßig versagenden Herrn Schreiber nicht zu denken war, zu einem von den Damen Ullcrich und Wagner mit weniger, den Herren Weiß und Böhm — erstcrer besonderen Lobes wert — mit mehr Geschick folierten ״Enscmble"-Gaftspicl Lore v. Busch und Ferdinand Onno. Was Ferdinand Onno zum König Alfons fehlt, ist, selbstverständlich, nicht das Prinzliche, noch das Adelige, wohl aber der König und — die Reife. Onno vermag noch nicht aufzubaue», dispositiv und bewußt aus einen Höhepunkt, eine gewollte Entscheidung hinzuwirkcn; er bleibt zu sehr im Banne der momentanen schauspiclerischen Inspiration, dem Augenblick und seiner künstlcrischen Forderung (beim Schauspieler ein Fehler) hingegeben, als daß eine sehr selbstbewußte, in höherem Sin» ״wirksame", weil endgültige Leistung entstünde. Es muß ein reifer Mann, ein Mann und König, der seinem Berus lange schon, seiner Berufung, die ihm für anderes keinen Blick ließ, länger noch treu und untcrtan war, sein, in besten wohlgeordnete Welt die Gestatt der Jüdin mit dem Fug des Naturwcsens — und ohne daß wir ihn lächerlich, seine Leiden, seine Tragödie und deren Wirkung auf seine Umgebung mcdiocre sinden — cinbricht; bei Onno ist cs ein junger Prinz, der an ihr überhaupt erst sehend wird!und vorher ein blindes Kind war), besten Härte, Objektivität, Gerechtigkeit: Wille nickt Erfahrung, W u n s ch ohne Erkenntnis ist; ein Jüngling tvird, und nicht ei» König, durch sic reif und — vernichtet. (Nur ein Mann vermöchte dies Leid gckrästigt zu übcrstchcn. Das reife, tiefe Lächeln, das Kainzens Alfons — noch im Bilde — an der Leiche der Jüdin verrät, dieser letzte menschliche, rätselhafte Reiz im Staunen bleibt Onno — noch — versagt. Aber jenseits dieser Einschränkung bleibt Onnos Darstellung eine der bewundernswertesten, die cs aus der deutschen Bühne der Gegenwart gibt. In höherem Maße als Kayßler, der auch — und hauptsächlich — andere Werte Kibt, ist Ferdinand Onno der Schauspicler der Scham, der Keuschheit, der unmittelbare» und unbezlvinglichsten Scelenhastigkeit (nur Sauer ist ihm hier vielleicht vergleichbar: tatsächlich muß — wie sein Dr. Rank wundervoll ist — sein Gregers Werk eines der unvergleichlichsten Erlcbnistc der deutschen Bühne sein.) Linno hat (im erste» Akt) ein Lachen der Scham, der Güte und reiner Torcnhaftigkcit, ein trockenes deschämtcs Räuspern erkorener Bescheidung, das jim vierten Akt! nur noch vom Wntschrci der gepeinigten Ehrsucht übertrosscn, vom Ausdruck des Ekels über verlorene und entstellte Schönheit lim fünften Akt) kaum mehr erreicht werden konnte: da war Erlebnis i» der Darstellung, Wahrheit in kreißendem Schmerze. Weniger originell vielleicht und weniger intcrcstant, dafür umso vollkommener in instinktiver Erfassung und schlechthin unübertrefflich ist die Rahe! des Frl. v. Busch. So und nicht anders muß — soll alle Wirkung und alle Aussage von ihr den König und den Dichter rechtfertigen — Rahe! aussehc» und sich betragen. Da ist Leichtigkeit, spielerische Heiterkeit, Sinnlichfeit, jene gefährliche Kindlichkeit; da ist buhlerischer Glanz. Stolz, Wesenlosigkeit in jenem irrationcllen Lichte un-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.