Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1913)
- Date
- 1913-06-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2621806-2621846-2621871--2227-2623313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
WWWWGWWWMM WW Nr. 2b. ״Jüdische BolkSstimme." Seite 5. Frauenbewegung wendet sich vor allem gegen jedweden Klerikalismus verabscheut den Antisemitismus und will die Frauen auf einer breiten, freiheitlichen Grundlage organisieren. Vor allem soll in die Reihen der Frauen am Lande Aufklärung und Verständnis für alle Tagesfragen getragen werden. Das paßt natürlich den Schwarzen nicht. Denn ihre treuesten Trabanten, ihre tüchtigsten Mitkämpfer sind die Frauen, fo? lange sie unwissend, abergläubisch und Pfaffenuntertan sind. Mit diesen Elementen haben die Schwarzen die größten Erfolge erzielt und sich eine Garde geschaffen, die sie mit dem eigenen Leib schützt, wenn Vernunft und Aufklärung gegen das morsche Gebäude anrücken. Was Wunder, wenn das antisemitische Schmutzblatt 20״. Vek" gegen diese Tagung losfährt und die Frauen insgesamt Hexen nennt. Das Blatt geht aber noch weiter. Diese Kultnrerrungenschaft des zwanzigsten Jahrhunderts bedauert allen Ernstes, daß die mittelalterlichen Herengerichte abgeschafft wurden und daß man heute durch die Gesetze daran gehindert wird, derartige Frauen öffentlich auf den Scheiterhaufen zu legen. Durch eine falsche Humanität, die natürlich von den Juden stammt, ist. es zur Abschaffung dieses Gesetzes gekommen und darüber weint das Blatt blutige Tränen. Difficile satiram non scribcre.... üOjähriges Jubiläum der Gleichberechtigung. Die Juden der Schweiz feiern im August d. I. das Jubiläum des!">0. Jahres seit ihnen die Gleichberechtigung gesetzlich zuerkannt wurde. Vorbereitungen sind bereits getroffen worden. Anerkennung jüdischer Feiertage an der Universität. Ezernowitz. Eine Deputation jüdischer Studentenvcrbindungen erschien beim Rektor der hiesigen Universität und unterbreitete die Wünsche der jüdischen Studentenschaft bezüglich der Sistierung von Vorlesungen an jüdischen Feiertagen. Der Rektor erklärte jedoch den bestehenden Gesetzen gemäß, die Wünsche von -10 Prozent der Hörerschaft derzeit nicht durchführen zu können. Diskonto-uesellschaft bei der o NordOsterreichischen Bank ׳ Är Industrie, Handel and Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den ע Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Wer für den andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Tarnopol. In dem nahegelegeneu Dorfe Kupczinze ereignete sich folgender Fall. Der Schenker Hirsch Kraus weigerte sich, um 10 Uhr nachts einigen Bauern, die bereits ״überfüllt" waren,'noch einzuschenken und befahl ihnen, nach Hause zu gehen. Ob diesen guten Rates waren die Trinker sehr erbittert. Einer der Bauern beschloß, dafür Rache zu nehmen und wollte die Familie in der Nacht überfallen. Er wollte sich durch eine Oeffnung in den Keller hinunterlassen und gelangte in eine Klemme, ans der er weder vornoch rückwärts konnte, so daß er um Hilfe rufen mußte. Tie Dorfleute eilten herbei und auch der bedrohte Hausherr kam ihm zu Hilfe. Der ungeschickte Einbrecher wurde der Gendarmerie übergeben. Verurteilung eines judenfcindlichen Journalisten in England. Ter Herausgeber der Zeitschriften ״Ehe Witneß" und ״New Witneß", Cecil Chesterton, der bemüht ist, den kontinentalen Antisemitismus nach England zu verpflanzen und u. a. eine heftige Kampagne gegen die beiden jüdischen Mitglieder des englischen Kabinetts eröffnet hat. ist von Godfrey Jsaacs, dem Bruder des Justiz- Ministers und Direktor der Marconi-Gesellschaft, wegen Verleumdung verklagt worden. Tie Klage gelangte am 7. Juni zur Verhandlung. Chesterton hatte zahlreiche Artikel über den Kontrakt geschrieben, den der Generalpostmeiftcr, Herbert Samuel, bekanntlich ein Jude, mit der Marcoiti- Gesellschaft abgeschlosien hatte, und in allen diesen Artikeln war Godfreh Jsaacs durch den Schmutz' geschleift und der Abschluß des Kontrakts als Korruptionsskandal schlimmster Art hingesiellt worden, als ob der Generalpostmeister und andere Minister zusammen mit den! Tirektor der Marconi-Gesellschaft bei dieser Gelegenheit unerlaubte Privatspekulationen gemacht hätten. Chesterton wurde wegen Verleumdüng unter dem allerschärfsten Tadel des Richters zu 100 Pfund Geldstrafe und Tragung der sehr hohen Gerichtskosten verurteilt. ״Jüdische Anmaßung". Unter dieser Ueberschrift beschäftigt sich der antisemitische Teutschnationale Handlungsgehilfenverband mit dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens, der allen jüd. Arbcitgebern empfiehlt, Mitglieder des D. H. V. nicht aiizustellen. Ter genannte Handlnngsge- Hilfenverband bemerkt bei dieser Gelegenheit: ״Wir werden in Zukunft jede Firma, die Mitglieder des D. H. V. grundsätzlich entläßt oder nicht anstellt, regelmäßig öffentlich bekanntgeben und sowohl unsere gesamten Mitglieder zu ihrem Boykott auffordern als aud) sie zu veranlassen wissen in Bekanntenkreisen für einen weitgehenden Boykott zu wirken. Vielleicht werden sich dann die betroffenen Firmelt beim Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glanbens dafür bedanken, daß er in eine Gegnerschaft zu 1:15.000 im Handel zum reil an hervoragender Stelle tätigen Personen gebracht hat." Ter Teutschnationale Handlungsgehilfenverband überschätzt wieder einmal, wenn er ernstlich annimmt, diese Kanonade könne irgend jeniand einschüchtern. Auch sein Notruf an ״diesen und jenen", der ״dreinschlagen" soll, ändert nichts daran. Um den Teufel mit Erfolg 11,י zitie- 1011־, bedarf es noch anderer Künste. Von einer jüdischen Berliner Hofsäugerin ans dem 17. Jahrhundert erzählt folgender Brief- Wechsel, der im ״Berliner Börsen-Conrier" mitgeteilt wird: Ter Kurfürst Friedrich der Tritte schrieb am 10. Juli 1000 aus Wesel an den Fürsten von Anhalt und die Geheimen Räte in Berlin: ״Marcus Jsaac Inden sambt meiner bey sich habenden Tochter Brentgen Marcus von hier nach Berlin gehen zu lassen, damit gedachte Brentgen bey Unserer hogeliebten Gemahlin mit singen aufwarten und nach derselben gutfinden sich weiter in Oer Mnsic üben und perfectionieren,' auch Ihre habende ungemeine stimme nach der Kunst und Methode einrichten und employreu lerne." Tie Antwort des Fürsten von Anhalt lautet wörtlich: ״Ter Jud ist angekommen, weil aber C. h. 0. Gemahlin sich anitzo nicht hier, sondern zu Hannover befindet, so werde deroselben Ich von dieses Juden Tochter Brentgen Marcus und ihrer ungemeinen Stimmen, die Ich selbsten gehöret und admiriret habe, alsoforth Nachricht geben und dero gnädigsten Befehl erivarten, ob diese Jüdin dorthin begeben oder bis zu dero Gott gebe: glücklicher Znrückkunffr sich allhier aushalten soll..." Von den weiteren Schicksalen der jüdischen Hofsängerin Brentgen Marcus ist nichts bekannt. Deutscher Judcntag in Hamburg. In einer kürzlich statkgefiiiiöenen Sitzung des Ausschusses des Verbandes der Tentschen Inden wurde beschlossen, den bisherigen Verbandstag am 0. November in Hamburg abzuhalten. Tie Tagesordnung dieser Verwaltung, zu der eine große Anzahl von auswärtigen Telegierten und Ehrengästen erwartet werden, ist eine sehr reichhaltige. Rabbiner Tck. Goldschmidt, Königs- Hütte, wird über ״Tie soziale Fürsorge in der jüdischen Religion" sprechen. 'Außer weiteren Verhandlungsgegenständen ist auch ein Vortrag nationalökonomischer 'Natur vorgesehen. Zur Hauptversammlung soll als Festgabe des Vorbandcs eine Broschüre unter dem Titel ״Soziale Ethik des Judentums" erscheinen, die eine Reihe von Beiträgen aus der Feder von Prof. Herrn. Cohen, Tr. Bernfeld. Rabbiner Tr. Bäck, Berliu, Professor Bloch, Posen, halten wird. In Hamburg hat sich bereits unter Mitwirkung des Gemeindevorstandes ein Lokalkomitee gebildet. In den Gemeindesynagogen sowie in! Israelit! scheu Tempel werden am Sonnabend vor der Tagung Festgottesdienste srattfinden. Bezalel-Ausstellung iu Zürich. Eine unserer bekanntesten Züricher Kunstfirmen, die Kunst und Spiegel A.-G., hat es in anerkennenswerter Weise übernommen, eine Bezalel-Ausstellung zu arrangieren. Die erste Sendüng ist bereits aus Jerusalem eingetroffen. Cs sind den verschiedenen Ateliers entnommen worden: Silber-Filigrangegenskände. Treibarbeit in Silber, Treibarbeit in Messing und Zupfer, getriebene Metall- und Holzgegenskäiide. Arbeiten ans Olivenholz, Metallgegenstände nach Damaszener Art und handgeknüpste wollene und baumwollene Teppiche. Es sind dies Gegenstände für Kultzwecke, für den täglichen Gebrauch und Zierstücke. Tie Ausstellung wird nächste Woche eröffnet werden. Es steht zu hoffen, daß es dem ״Bezalel" gelingt, auch in der Schweiz eine dauernde Niederlassung zu finden. Verbund hebräischer Kalligraphen. Jerusalem. Tie hiesigen hebräischen Kalligraphen, Sofrim genannt, vereinigten sich und begründeten einen Verein. Sesardim. Aschkenaiim und Jemeniten werden sich nunmehr keine Konkurrenz machen. Warnung. Kopenhagen. Tie ״Vereinigung der Inden Kopenhagens" erläßt an russische Emigranten eine Warnung, nicht hinznwandern, weil viele jüdische Arbeiter derzeit dort arbeitslos sind. Zur russischen Paßsrage. London. Tie jüdischen Führer Londons hielten mit schiff aus Netvyork eine Beratung wegen der russischen Paßfrage ab. an der der Chiefrabbi Tr. Herz, Baron Leopold Rothsichld, Herr T. L. Aleksandrow, Herr Hermann Laudau, Lucien Wolf und Elkan Adler teilnahmen. Er nmrde beschlossen, daß die jüdischen Wähler, nach dem Muster der amerikanischen Inden, sich bestreben sollen, die Paßfrage durch ihre Abge ordneten im Parlament hervorzuheben. Der Ehiefrabbi und der Seminardirektvr. London. Anläßlich der Jahresversammliing des jüdischen Rabbiue.rseminars erhob Direktor Tr. Büchler eine Anklage gegen das Belh-Tin. Ter Ehieirabbi sprach zwar Tr. Büchler das Recht nicht ab, protestierte jedoch entschieden da gegen, solche Fragen zum Gegenstand der Sei fentlichkeit zu machen. Dr. Rudolf Katbolicky gew. Letter d«r l.cbirfl. Jihtellitag der Candnäranlunanstslt wohnt: Ecke Terdinand$g4$$e und Jobaonergarre <-«»« ordlnfwt täglich von r dl» 4 Uhr nachm. Fernsprecher Nr 803. Gegen Verunglimpfung von Juden ans der Bühne. Tie amerikanischen Juden haben dieier Tage eine Aktion initiert, welche auch iu Enro pa nachgeahmk werden sollte. Es ist das die euer gische und tatkräftige StelliingnahiM gegen den in Amerika iiberhaiidiietunenden Unfug, unter dem Vorwände, jüdische Ebaraktenre darznstellen, die Inden auf der Bühne zu verunglimpfen. Diese Aktion hat in Chicago bereits feste For men angenommen, indem sich dort eine Liga der jüdischen Theaterbesucher gebildet hat, mit dem Zwecke, jene Theater und Varietes, ans deren Bühnen jüdische Charaktere in tendenziös ent!teiltev nnb verhöhnender Weise dargestellt werden, zu boykottieren. Tie Liga bat zu diesem Zwecke einen UeberwachungSdienst eingesetzt, der ausgezeichnet funktioniert. Ta auch in Amerika die Inden zu den fleißigsten Theaterbesuchern zählen, wird diele energische Abwehr sicherlich ihre» Zweck nicht verfehlen. Warnung vor den ״Karawanen" zigeunernder. angeblich russischer Juden. Ans Notizen jüd. Wochenblätter ist zu ersehen, daß schon wiedei wie!'eit Jahren in jeden! Frühjahr in der Buko ivina Karawanen bettelnder Inden stch ans den Weg gemacht haben, die mit Frauen und Kindern nach Zigennerart in Wagen besonders durch die kleineren Städte Oesterreichs und Ungarns rei sen und sich als russische Emigranten namentlich ans Kiew ansgeben. Tie jüdischen Gemeinden und Vereine werden vor diesem Unfug und Schwindel gewarnt, und es wird ein für allemal bekannt gegeben, daß bei der bestehenden Hilf-:׳ organisation der Israelitischen Allianz mit ihren Filialen und Schntzkomites in Ezernowitz, Brody Krakau und anderen Grenzorten es vollkommen