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Jüdische Volksstimme · 1913-06-19 · Heft 25 (19.6.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 25 (19.6.1913)
Date
1913-06-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 25* Konstituierung werden gewiß berufenere Männer! א;עי חיל ירא* אלקים an der Spitze der Agudas Jtsroelgruppe stehen, die mir Einsicht und Weisheit das gute Werk leiten und fördern werden. Ich aber werde dann gern als gemeiner Soldat in die Reihen derMitkämpfenden zurücktrctcn und mich im Bewußtsein des £•ך«י למצוד. belohnt finden. ודדד?ד ׳ממחי Hochachtungsvoll Leopold Blau, Rcligionslchrcr. Wsetin ,Mähren>, am 16. Juni 1913. Prager Brief. ,Ein moderner Bileam. — Ein edler katholischer Geistlicher. — Jahresversammlung der Prager israelitischen Brrrdigungsliriiderschaft.) Die Dummen werden nicht alle; aber das Geschäft der Radaiiantisemiten gedeiht denn doch nicht mehr so wie i» früheren Zeiten, Ivo die Masse kritiklos hinnahm, was ihr geboten wurde. Heute grübeln z. B. Gymnasiasten in Bcneschau nach, welcher Zusammenbang zwischen Religionsunterricht und dem Verräter Redl begehen soll; es wäre denn die moralische Seite der nichtswürdigen Tat des Spions. Aber in ihre jungen Köpfe ivill es nicht recht hinein, warum ihr Katechet Prof. Dr. Thcot. Joses Kolarz bei Besprechung des Falles :licdl in unwahrer Weise dessen — jüdische Abkunsi hervorhebt, trotzdem seine gutkatholische Abstammung erwiese» ist. Aber den Juden muß immer etwas am Zeug geflickt werden. Natürlich ist den klerikalen Hetzern alles — perjudet. Aber der Prager 2״». Vck", dessen Erscheinen und Format zu dem Leser- und Taschcnschwund in proportionalcm Verhältnis sieht, ividerfährt in der Hitze des Gefechtes manch ein Wort, das sic nicht gesprochen habe» möchten. Wie Bileam auszog, um Israel zu fluchen, es aber segnen mußte, so auch der 20״. Vck". Diesmal haben cs ihm die Frauenrechtlerinnen angctan, die nichts anderes sind als die Hexen des Mittelalters, die nie Gutes gebracht haben und in früheren Zeiten einfach auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. So wie aber die Juden ihren Einflns, auf die Menschheit geltend machte», da entstand die sogenannte Humanität und der gesunde Sinn, der Sclbstivchr gegen schädliche Elemente ivurde durch Pseudo-Menschlichkeit verdrängt; Scheiterhaufen und andere gerechte Strafen lvurdcn beseitigt — zur größten Not der Menschheit, die jetzt den Verbrechern in — Fraucnröcken ausgclicscrt ist." Ganz recht, lieber, bedauernswerter 20״. Vck": Der jüdischen Moral entsprang die Menschlichkeit, die deincsgleichc» dasblutige Handwerk gelegt hat. Das Rad der Geschichte läßi sich nicht aushalten, geschweige denn zurückdrehen. Tempi passati! Wie vornehm ivohltuend hebt sich von den Reden solcher gehässiger Judenfeinde im Ehorrock der wahre Priester der Nächstenliebe ab. Am letzten Freitag Nachinittag sollte von der Leichenhalle de» israelitischen Friedhofes in Prag-Straschnitz der in der Landcsirrcnanslalt in Prag verstorbene 67 Jahre alte Salomon Hartman» zur letzten Ruhe bestattet werden. Da er völlig inittelloS lvar und keine Angehörigen hatte, nahm sich unsere Prager, stets bewährte Bccrdigungsbrüdcrschaii der Leiche an und stattete das Leichenbegängnis aus. Zu diesem erschien das amtierende Vorstandsmitglicd Herr Heinrich F r c u n d mit den Funktionären der Ehewra Kadischa. Als sic die Halle betraten, bot sich ihnen ein ungewohntes Bild dar; an der Bahre stand ein — Int hol! scher Priester, ein ehrwürdiger, grciscr Herr, dem die Tränen über die Wangen rollten... Das Rätsel war bald gelöst. ״Der Verstorbene," so erzählte er den lvenigen Anwesenden, ״war mein Freund von früher Jugend an. In Neuhaus absolvierten wir das Gymnasium und gingen dann an die Universität in Prag. Ich bezog die theologische Fakultät, Hartmann die medizinische. Er halte mit materiellen Tchwierigkeiten zu kämpfen, schlug sich als Hauslehrer zwei Jahre durch und verfiel plötzlich in geistige Umnachtung. Fünfundvierzig Jahre war er in der Prager Irrenanstalt interniert. Dank seinen Fähigkeiten konnte er in der Küche beim Aussolgen der Materialien verwendet werden. Ich besuchte ihn ivöchenllich, tröstete ihn über sein Schicksal, ja täuschte ihn darüber, so daß er, gleich mir, dort angeslelll zu sein glaubte. Nun ist er von feinen Leiden erlöst und ich ivill meinem armen Jugendfreunde das letzte Geleite geben." Sprach's und der Funktionär der Ebetvra Kadischa rezitierte die Grabgebcic, denen der Geistliche liesgerübrt und andächtig lauschte. Und als die ersten Schollen auf den Sarg seines Freundes rollten, da ries er ihm unter Tränen ein tiefgefühltes inniges ״Requiesea! in paee" »Ruhe in Frieden!'! nach, tvarf drei Schaufeln Erde ins Grab und entfernte sich in Begleitung des genannten Vorstandsmitgliedes, dem gegenüber er in Worten, die vom Herzen kamen, die hunianitäreu Zivcckc der israelitischen Bcerdigungsbrügcrschaft rühmend hervorhob. Er notierte sich die Nummer Institutionen des Bundes der Deutschen in Böhdes Grabes und versprach, seiner nicht zu vergessen. Wer mcn und des Volksrates den Schulverein zuwar der edle, katholische Mann, der einzige Trauergast gefeilt und für jene, deren Gewissen der Versteckte beim Begräbnis eines armen, unglücklichen Juden? Antisemitismus des Schulvereines unbequem ist. Es war der durch sein menschenfreundliches Wirken in auch die Landeskommission für Äinderschutz mit- Prag und Neuhaus gut bekannte Pater Do la k, der genommen. Das erste Damenkomitee war raffendurch fast ein halbes Jahrhundert die Seelsorge im -rein, arisch. Dann hat man noch einige Parade- Allgemeinen .Krankenhausbesorgt und seine Mittel in^südinnen mitgenommen, die sich am Sonntag den Dienst des Wohltuns stellt. Lob und Ehre gebührt redlich bemüht haben, den blauweißen Schund diesem in des Wortes wahrster Bedeutung wahren Priej״ bares Geld umzusetzen. Nur am Schipkapatz stcr der Nächstenliebe! Nicht geringere Anerkennung verdient auch die Prager Chewra Kadischa gcmilus chaffodim, die am letzten Sonntag ihre Vollversammlung abgchalten und den Jahresbericht vorgelcgt hat. Ter Verein zählt dermale» an zweitausend Mitglieder; im Jahre 1912 wurden bei ihm 408 Todesfälle gemeldet, 49 Beerdigungen waren unentgeltlich. Nach dem Kaflaausweis, der, wie die anderen Berichte genehmigt tvurde, wurden an Spenden und Gnadengabcn im abgclaufcncn Jahre über 9000 K ausgegcben. Der Bericht gibt auch der Sorge um die Erhaltung des alten Ghcttosricdhofcs Ausdruck, dessen Umfriedung durch die nichtgenchmigte Baulinic seitens des Landesausschusscs nicht geregelt werden kann. Es ist zu hoffen, daß cs den gemeinsamen Anstrengungen der Stadt Prag und mehrerer katholischer wie jüdischer Körperschaften sowie der Presse gelingen wird, den Friedhof ungeschmälert zu erhalten, dessen Beschneidüng ein kultureller Skandal wäre. Die Versammlung votierte dem abtrctcnden Ausschüße Dank und Vcrtrauen und gestaltete sich zu einer ehrenden Kundgebung für den Oman» David S. Lieben, zu deffcn 70 Geburtstag die Mitgliedschaft aus dem Erträgnis einer Sammlung eine׳ David S. Licben-Stiftung zur Ausstattung jüdischer Bräute ins Leben gerufen hat. Die ausschcidcndcn Ausschußmitglicdcr wurden einmütig wicdcrgewählt. Der Ausschuß konstiiuicrtc sich dann wie folgt: Obmann David S. Lieben, Obmannstellvertrctcr Joses Strauß, Friedhofinspektor Anton Brandcis, Kassicr Eduard Lasch, Ordner und Frtcdhopitspektorstellvertrcter Heinrich Freund, Kontrollor Moritz Weltsch, Stistungsinspektor Ad. Skall, Rcchnungsrcvidcnt Simon Hahn, Obmann des Vorstandes des Frauenveecincs Adolf Schiffcrcs, Administrator des alten Friedhofes Leopold Lcbcnbart, Ersatzmann M. Bodcnheimcr. Zu Revisoren wurden gewählt: Ein. Urbach, Direktor Werthcimcr und Moritz Dnb. Möge das neue Bercinsjahr sich den vorangehende» ivürdig anrcihcn! Die Wahl des Vorstandes ist die beste Gewähr hierfür. W. K. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, 1., ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven ci,ka 11G Millionen Kronen. — Billigste Tante, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarii mit 50/0 ji״rl1ch lallender gaiantierte P.Sune, Ucncra.-Agentur für Wien, 1., Asp.rnplatz 1, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion iür Prag, Feioinand.-sir. 20. neu, Lener Roucil Gcrsiel bub. Diickuuu für Lemberg, Szajouuha 3. Leiter LÖbi Taubes. General-Agentur für Krar.au Natnan Rössner, St. Sebastlana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlussgtaben 9, Leiter Adolf Neuling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. blieb man hübsch unter sich. Dort wurde rein antisemitisch gesammelt, dort verzichtete man auf die Mithilfe der Juden. Zur Ehre der Prager Judenschaft muß festgestellt werden, daß sich diesnial in Prag eine starke Opposition gegen diese Veranstaltung unter vielen noch gut deutschgesinntcn Juden geltend gemacht hat und daß die antisemitischen Herren Veranstalter von manchem Vater, dessen Tochter in letzter Stunde zuin Verkauf aufgefordert wurde, eine unzweideutige Antwort erhalten haben. Aber Mansch! ist eben noch nicht ganz ausgestorben und rs ist noch eine erklecklichc Anzahl von Deutschen mosaischer .Äonsession, die es sich zur hohen Ehre anrechnete, dem nngekrönten König von Böhmen in Trebnitz, dem alten Teutonen und Nadauantisemiten Titta jüdisches Geld zu antisemitischer Propaganda zur Verfügung zu stellen. Die-Dummen werden eben nicht alle amd der Kampf gegen diese Sorte von Menschen ist ein Kampf mit Windmühlen. Wir wollen uns aber vorläufig damit begnügen, feststellen zu können, daß ein Großteil der Prager Inden bereits zur Einsicht gekommen ist und sich weigert, für antisemitische Zwecke Geld herzügelten? JUimdlcR Blumentage. Der Unfug ist eigentlich neuesten Datums, hat sich aber sehr rasch in allen Städten eingebürgert. Der Blumenverkauf blüht, nur hat man sich entschlossen, statt der Blumen unförmige Leinwandfctzen zum Verkauf anzubieten. Für alle möglichen Zwecke wird verkauft. In Prag jagt ein Blumentag den andern. Tschechisch׳.!ationale, klerikale und schließlich auch deutschnationalc Blumen werden dem harmlosen Straßen- Pilger angeboten. Anfangs Juni war in Prag klerikaler Blumcnkag. Wem begegnete man am häufigsten mit den gelben Blumen im Xlnopsloch? Die Juden. Die meisten hatten keine Ahmutg, für welche Zwecke sie bcigcsteuert haben, aber man ist eben zu vornehin, um einer Dame, die einen auf der Straße überfällt, einen Korb zu geben. Sonntag war deutscher Blumentag. der tonnte naturgemäß in Prag nicht aus der j Straße abgehalten werden, sondern spielte sich j in den wenigen deutschen Lokalen ab. Das Ergebnis wird in gleichen Teilen dem Schulverein? men und in gefälliger parlamentarischer Form dem rein antisemitischen Bund der Deutschen in ihre Forderungen durchbesprochen und dadurch Böhmen und der Landcskommission für Kinder-'die sensationslüsternen Geschöpfe, die schon von schütz und dem Voltsrat zugewendet. Die Zneiner Invasion von Suffragetten sprachen. au. Das Waidhofener Programm an sich und vor Gericht. Das Programm und die Betonung desselben durch Studenten und Alte Herren ist nicht so tragisch zu nehmen. Ein paar dumme Jungen, über denen der Geist des Bieres schwebte, haben beschlossen, daß einige Millionen Menschen ״der Ehre bar" sind, lind was die Burschen in ihrem Dusel verabredet haben, das glauben sie aus salschverstandencm Ehrgefühl — in vielen Fällen allerdings auch aus Feigheit — aufrechthalten zu müssen. Es gibt freilich auch ausgereifte Schurken, welche sich das Waidhofener Programm auf ihre schmutzige Fahne schreiben, um das und jenes zu erlangen. Im Gerichtssaal, anläßlich' der .Klage des Herrn v. Hossmannsthal haben die Bekenner des Waidhofener Standpunktes ihre ganze Erbärmlichkeii ad oculos demonstriert. Ter ohne Zweifel waschecht rassenantisemitische Verteidiger gab die Erklärung ab. daß der radikalvölkische Angeklagte Jurist keine persönliche Beleidigung beabsichtigt habe, als er dem Kläger angeborene Ehrlosigkeit öffentlich vorwarf. Es wäre intercssant, zu erfahren, was sich diese ehrenvollen Herren unter Ehre und Ehrlosigkeit vorstellen. Dann bestritt die arisch rassenreine antisemitische Prozeßpartei dem Kläger die.Klagelegitimation, weil sic glaubte, daß derselbe ein getaufter Jude wäre. Also für diese strammdentschen Rassenpolitiker hört der Jude auf, wenn er sich taufen lässt. Es geht nichts über Prinzipientreue. Ter Antisemitismus, ob deutschradikal oder christlichsozial, ob verschämt oder unverschämt, spielt im Gcrichtssaal immer eine klägliche Nolle. Tic Fraiicnbcwcgung und die Klerikalen. In Prag haben sich in der vorigen Woche eine größere Anzahl von Frauenrechtlerinnen versammelt, um über die Frauenfrage bei den Minoritätsvölkern zu debattieren. Die erste weibliche österreichische Abgeordnetenfran Vikuneticka hat ein Referat erstattet, nach ihr sprachen dann die sremden Gäste, die aus aller Herreu Länder hier zusammengeströmt waren. Die amen haben sich durchaus einwandfrei benomsammenstellung ist nicht gerade geschmackvoll, aber jedenfalls sehr praktisch. Tie Herren Vergründlich enttäuscht. Natürlich wurde auch die Tagung von allen freiheitlich Gesinnten sympaanstaltcr wussten ganz gut, daß ein nennenswerthisch ausgenommen und willkommen geheißen ter Erfolg nur möglich sei, wenn die Juden mit-' Daß die Klerikalen anderer Meinung sind, ist tun. Und da haben sie den rein antisemitischen eigentlich nur selbstverständlich. Die moderne

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