Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1913)
- Date
- 1913-06-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24. ,^Jüdische Bolksstimme." Seite S. derers". Von den übrigen Essays sei hervorgehoben: eine Uebersetzung der zweiten von B ub e r s ״Drei Reden", von Baal Machaschawoth Betrachtungen über das jüdische Theater, zwei Artikel über die Chederfrage, ein für die Politik der Zionisten ׳ recht wichtiger Aufsatz Dr. A. G u r l a n d s über den Balkankrieg׳, ferner ein Aufsatz von M. Zinnberg über die alte Zeitschrift ״Kol mewasser". Zu den geluilgensten gehören die Reflexionen von ״A. Wilnaer" in der Rubrik ״Licht und Schatten". Was da über die internen Sprachenfragen des Jüdischen, über den 100. Todestag des Rabbi von Sadi, über Bialik gesagt wird, sind sehr beherzigenswerte Worte. Es ist ein Türmer, der, da von hoher Warte aus das jüdische Leben beobachtet. Tie Zeitschrift u allen Freunden des Jüdischen bestens empfohlen. h. b. itiiiulMiaii. Zn den bevorstehenden Kultuswahlen in Leinberg. Lemberg. Die Partei des Lemberger Kultusvorstandes hat mit den Zionisten ein Abkommen betreffs der bevorstehenden Äultuswahlen getroffen. Die Verhandlungen führten von zionistischer Seite Adolf Stand und Tr. Ringel, von der Kultuspartei Samuel v. Horowitz und Kultusvorsteher Schaf. Den Zionisten wurden zwei Mandate im Lemberger Kultusrat zugesichert. Das Zionistische Zentralkomitee nomiinerte hierfür Dr. Alexander Hausmann und Direktor Simon Ornasch. Eine jüdische Universität. Der zionistische Verein der russischen Studenten in Deutschland erlies; einen Aufruf, in welchem die Errichtung einer jüdischen Universität in Palästina für die bedrängte jüdische Jugend nachdrücklichst gefordert wird. Streik in einer Talmud Thora. Philadelphia. Zwischen den Lehrern der allgemeinen hebräischen Schule und dem Vorstände kam es unerwartet zu einem Hader, worauf die Lehrer der Anstalt mit dem Streik antworteten, der zehn Tage dauerte. Die 700 Schüler der Anstalt genossen keinen Unterricht. Der Vorstand mußte den Forderungen der Lehrer uachkoinmen. Aktion der Rabbiner. Warschau. Es verlautet hier ein Gerücht, datz einige Wunderrabbis, die im Volke großen Anhang besitzen, eine Beratung zugunsten der durch den polnischen Boykott betroffenen Juden abgehalten. Sie beschlossen, Juden in Palästina oder in Kanada unter ihrer Obhut anzusiedeln. Kolonie südafrikanischer Zionisten. Die südafrikanische zionistische Vereinigung hat einen Fond von -1500 Pfund Sterling aufgebracht, für den sie Besitzungen in Palästina ankaufen will. Baron Rothschild und die Jca. Konstantinopel. Wie es verlautet, hat Baron Edmund Rothschild und die Jca beschlossen, große Gebiete in Palästina anzukaufen. Frankreich und das hebräische Gymnasium. / Jaffa. Der französische Gesandte überreichte der türkischen Regierung die Wünsche Frankreichs wegen Erlangung von Konzessionen in Syrien. Unter den Forderungen heißt es auch, daß die französische Regierung wünscht, das hebräische Gymnasium unter ihren Schlitz zu stellen, was auch die türkische Negierung gewillt ist, zuzugeben. Beschränkung der Einwanderung. Washington. Ter Senator hat ein Gesetz- Projekt behufs Beschränkung der Einwanderung von den verschiedenen Ländern ansgearbeitet, demzufolge nur 10 Prozent von jeder in Amerika angesiedelten Nation hineingelassen werden wird. Jüdische Arbeiterdemoustration. ׳Newyork. Am ersten Mai veranstalteten 50.000 jüdische Arbeiter eine Demonstration, die wegen ihrer Ruhe und Ordnung großes Aufsehen erregte. Jto-Rat. London. Im Bureau der Brüder Leopold Rothschild fand anc 30. Mai unter Vorsitz Zang- Wils eine wichtige Beratung statt. Auch der Philantrop Jakob Schiff aus Newyork beteiligte sich an derselben. Es wurde beschlossen, die Galweston-Emigration in der Hand der Jto zu belassen und nicht der Jca zu übertragen. Karaitisches Drama. Peodosier. Ter Ehacham der hiesigen karaitischen Gemeinde schrieb ein Drama über das Leben der Karäer mit dem Titel ״Wer ist im Rechte". Ties das erste Drama eines Karaiten. Ter Beizer Wunderrabbi beim Statthalter. Lemberg. Ter neue Statthalter Dr. v. Koritovsky empfing den Wunderrabbi aus Belz in Audienz. Der Statthalter versprach den Wünscheu der jüdisch-orthodoxen Majorität in Galizien stets Rechnung zu tragen. Der Empfang des Vorstandes der Lemberger Kultusgemeinde fand am 20. Mai statt. Folgen des Boykotts. Pontuew bei Welun (Rnss.-Polen.) Vorige Woche haben hiesige Bauern das Haus der einzigen hier wohnenden jüdischen Familie in Brand gesteckt, nachdem vorher Tür und Fensrer vernagelt worden waren. Acht Personen sind dadurch ums Leben gekommen, nur ein kleines Kind, welches die Mutter durch das Fenstergirter hinausschleuderte, entkam dem Flammentode. Kein einziger der Dorfbauern kam den Perzweiselten zu Hilfe. Drei Bauern sind ans Grund von Zeugenaussagen als Brandstifter verhaftet worden. Judenpogrom in Galizien. Burstyn. Anläßlich eines Wortwechsels zwischeu einem Inden und einem Bauer überfielen mehrere Bauern die Inden, die sich am Markte befanden und plünderten ihre Geschäfte. Die Inden leisteten heldenmütigen Widerstand, sie vermochten jedoch nichts gegen die bäuerliche liebermacht. Die Gendarmerie machte erst dem wüsten Treiben ein Ende. Ein Wunder. Tschadirlungi, Bessarabien. Tie hiesige jüdische Gemeinde hat ein neues Sefer Thora eiligeweiht. Die Hnlligans versprachen, nur dann das Fest nicht zu stören, wenn die Juden im Teinpel für Regen beten werden. Ties wurde ihnen zugesagt. Als es bald nach dem Gebete tatsächlich ^u regnen begann, bedankten sich die Hulligans beim Rabbiner und sagten: Weil die Inden solid lebeu erhört Gott immer ihre Gebete. Der englische Nationalrat für Jude». London. Der englische Nationalrat des Weltfriedens überreichte dem Minister des Aeußern eine Bittschrift, in welcher ersucht wird, aus Rumänien einzuwirken, den Juden der neu zu okkupierenden Oiebiete alle bisherigen Rechte auch fernerhin zu sichern. Tödlicher Unfall eines Rabbiners. Ter Rabbiner der polnischen Gemeinde in Paris B. Z e 1 t l i n, der in London znm Besuche seines Sohnes weilte, stürzte so unglücklich von einem Straßenbahnwagen, daß er bald darauf verschied. Zeitlin war feiner umfassenden talmudischen Gelehrsamkeit halber sehr geschätzt und hat auch mehrere Werke verfaßt. Ein Erlaß des Militärkommandanten in Wilna. Der Kommandierende des Wilnaer Miiitärbezirkes General v. Reniienkampf, erließ einen Befehl, wonach den Offizieren strenge verboten wird, sich öffentlich in Gesellschaft von jüdischen Bekannten zu zeigen. Ter Erlaß riet unter den Offizieren selbst Oie größte Empörung hervor. E'migranten-Fürsorge der israel. Allianz zu Wien. Während des Monates Mai 1013 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 175 Emigranten, davon 153 russische und 22 rumänische weiterbefördert, und zwar 05 nach den Vereinigten Staaten, 32 nach Argentinien, 22 nach Canada, 21 nach Frankreich und 2 nach anderen Ländern. In die Heimat zuriickbesördert wurden 20 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Mai für 31 Personen zusammen 100 Tage Logis und volle Verpflegung gezahlt und an!>3 Emigranten insgesamt 270 Speisemarken für die Israelitische Volsküche ausgegeben. — Tie Zahl der unterstützungsbedürftigen jüdischen Emigranten besonders aus Rußland weist leider infolge der schweren Bedrückungen, denen unsere Glaubensgenossen im russischen Reiche ausgesetzt sind. Das Bureau der Israelitischen Allianz ist namentlich an den speziell für die Emigranten- Abfertigung bestimmten Tagen (Montag, Miltwoch und Freitag» von unglücklichen Familien überfüllt, die teils mit Empfehlung der russischen Komitees nach Wien gekommen sind und nach bestintmten überseeischen Zielen reisen teils noch ohne Plan mir ganz unzulänglichen Mitteln in fernen Ländern eine Existenz suchen wollen. Bei der großen Anzahl der Hilfesuchenden und den sehr beschränkten Mitteln des Vereines tbesonde re Spenden zu Gunsten der verfolgten russischeu Juden gehen leider der Allianz seit mehreren Jahren nicht mehr zu. seitdem au Stelle der bliitigen Pogrome Oer stille Vernichtungskanipf gegen die Inden in Rußland getreten, von welchem die Oeffentlichteit wenig erfährt» können Beiträge nur in besonderen Fällen und bis zu einer gewissen Höhe bewilligt werden. Um in größerem Umfange das Elend lindern zu können, müßte in iveiteren Kreisen unserer besser situier ten Glaubensgenossen die Hilfsbereitschaft für unsere verfolgten Brüder wieder erwachen »md durch Znsührting hochherziger Spenden an di׳. Israelitische Allianz «Wien, 2, Untere Tonal,- straße 33, Scheckkonto Nr. 3!52» ihre Aenßeruiig finden. Aorrelponäenzen. Wscti». Am l. Juni wurde Herr Julius Klein, Direktor der A.-G. Möbelfabrik Jakob und Josef Kohn in Wsetin zu Grabe getragen. Von der 'Achtung und Wertschätziliig, deren sich der Verblichene im Leben erfreute, zeugte das imposante Leichenbegängnis. Fast die ganze Bevölkernng Wselins, an deren Spitze der Herr Be zirkshanpimann, die Gemeindevertretling, die Feuerwehr und Veteranenverein. war ainvesend. Die Trauerrede hielt Herr Prot. Tr. I. Rabbinovicz ans M.-Weißkirchen in deutscher lind tschechischer Sprache luid waren die Anwesenden, iilsbesondere die Arbeiterschaft durch die vom Herzen kommenden Worte desselben sichtlich gerührt. Die kantoralen Funktionen versahen die Kailtoren Herr Leop. Blau ans Wsetin und Herr P. Kabatschnik mit dem vorzüglichen Eliore ans Wall.-Meseritsch. Mit den rührenden Worten der Anerkennnng von Seiten des Präsidenten der A.-G. Herrn Julius Kohn, an seinen Jugendgenossen, dessen Schilderung vom rastlosen tatenreichen Lebenslauf seines treuen Mitarbeiters, den Zllhöreril manche Träne entlockte und den Abschiedsworten eines Beamten und eines Ar beiters. schloß die so seltene Trauerkundgebuilg. Möge die edle Gattin und ihre Kinder den so schweren Schlag in Ergebung tragen und in der allgeineinen Anteilnahme in der so schweren Abschiedsstunde einen kleinen Trost finden. Preßburg. Das Komitee der ״Agudas Jisroel"-Organisation in Frankfurt a. M. hat heute Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Schreiberr seine Teilnahme an dem furchtbaren Unglück, das die gesamte Jndenheit durch die Einäsche rung der hiesigen Judenstadt getroffen, in war Uten Worten telegraphisch zum Ausdruck ge bracht nnd gleichzeitig zur Wiederaufrichtung der hiesigen Jejchilval, und zur Unterstützung der notleidenden Bachurim 10.000 K zur Verfügung gestellt. Frankfurt a. M. Unter starker Beteiligung und großer Begeisterung wurdeir am 21. v. M. die Lokalitäten der Jiigeiidgruppe der Agndas Jisroel, die!,ochst komfortabel und nach allen Oiesetzen der Zweckmäßigkeit eingerichtet sind, er öffnet. Es hielten Ansprachen: Herr Herinann Frankenthal als Vorsitzender der Jugeudgruppe, Herr Martin Feist für das Jugendkomitee. Herr Direktor Dr. Lange überbrachte als Vorsitzender der Ortsgruppe die Grüße der Letzteren und er läutete in wirrungsvoller Rede das Programm der Jugeudgruppe. Im Namen des Provisor!- scheu Komitees sprach Herr Jakob Roienbeim. für die auswärtigen Jugendgruppen Herr Leop. Perlmutter. Es fand dann eine Besichtigung der Räume statt und das Einlernen durch gleichzei tige Erösfunilg der drei Oienwrüh-Schilirim. woraus Erfrischungen herumgereicht wurden. Es sprachen noch zum Schlüsse die Herre'ii Gustav Kaufmann, Albert Meier, der ein Telegramm des Herrn Eduard Feist vorlas nnd des Herrn Kommerzienrat Louis Feist s. A. gedachte, und zuletzt nochmals Herr Martin Fein, der den Delegierten und Teiluehlnern dankte. Es herrschte echte Festesstiliimung und eine ganze :!leihe neuer Mitglieder traten an diesem Abend der Jugendgruppe bei. Dieselbe zählt bereits 000 Mitglieder. Petersburg. Vorigen Samstag sand hier die allgemeine Versammlung der Oieiellsckiasr zur Förderung Oer Erdarbeit und des Oand Werks unter den Juden statt. Die Geiellickia!,