Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1913-06-10 · Heft 24 (10.6.1913) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 24 (10.6.1913)
Date
1913-06-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2621806-2621846-2621870--2217-2623302
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

f. ׳An>2£•־ .'?,־*■; ■at 'i\?,V־ •.:«»iüOÄ-s’S-.g: Seite 4. ״Jüdische BolkSstimme." Nr. 24. Amt; in einem Weltkurorte um so mehr, wenn die Gemeinde sich erst in Entwicklung befindet, weil hier auf viele Umstände Rücksicht zu nehmen!st, welche das Interesse des jüdischen Kurpublikums, das ja den verschiedensten Staaten und Richtungen angehört, mit sich bringt, und weil die Mitglieder der .ztultusgemeindc selbst den verschiedensten Richtungen angchörten. Solchen Äusrcgungcn fühlte sich David Löwcnthal, welcher iinmer etwas kränklich war, aus die Dauer nicht gewachsen. Er resignierte also auf das Amt; sein Nachfolger wurde sein Freund und Gesinnungsgenosse, der Arzt und Menschenfreund M. U. Tr. Moritz Lang sei. Angedenkens. Seit dem Jahre 1893 war David Löwenthal Mitglied des Israel. Humanitätsvereines Bnai Brith in Pilsen; er war es nicht nur dem Namen nach. Er war in Wort und Tat ein Bnai Brith. Das; David Löwenthal auch im .sircife der christlichen Bevölkerung Maricnbads sehr angesehen und beliebt war, will ich hier besonders hervorhebcn. ES zeigt dies, das; man bei Wahrung seines religiösen Standpunktes sich trotzdem der Zuncignng Andersgläubiger erfreuen kann. Mit Stolz können wir auf ihn Hinweisen und kann die Marienbader isracl. Kultusgcmcindc sagen: ״Er war einer unserer Besten." Mit Trauer im Herzen: ״Trotz seines hohen Altcrs ist er zu bald von uns geschieden." Am 5. Juni 1913 wurde er unter zahlreicher Teilnahme von Kurgästen der christlichen und jüdischen Bevölkerung aus dem Marienbader israel. Friedhöfe zur ewigen Ruhe bestattet. Mir aber, eiuciu seiner späteren Amtsnachfolgcr, war es eine Herzenspflicht, des Tahingeschiedenen zu gedenken. War er mir ja stets ein warmer Freund, der mich, den Jüngeren fördcrte, und als ich sein Amtsnachfolger wurde, mit Freude dies begrüßte. Ja, er war mir noch mehr. Er war mir wie ein älterer Bruder. Marienbad, im Juli 1913. I. 11. Tr. Joses Steine r. Ueber die Forschritte der Pro Falascha-Bewegung erhalten wir die folgende wichtige Mitteilung. Wie bekannt und seinerzeit von uns veröffcntlicht wurde hat das Pro Falascha-.üomitcc im vergangenen Sommer beschlossen, Herrn Doktor Faitlovich zum drittenmalc nach Abessinien zu senden. Dort sollte er zunächst unter den dortigen Glaubensgenossen eine von ihm in amharischer Sprache verfaßte Schrift verbreiten, die dazu geeignet ist, die Falaschas im Glauben zu stärken und in dem ihnen von der christlichen Mission aiisgezwungenen Kampfe zu ermutigen. In der Schrift ist ferner die Ankündigung enthalten, daß demnächst eine Schule in Ertztrea eröffnet werden soll, in der jüdische Falaschas in der jüdischeu Religion und in der von ihnen so sehr gewünschten hebräischen Sprache Unterricht crhalten werden. Es soll ferner die Aufgabe des Hrn. Dr. Faitlovich sein, unter den Falaschas eine Anzahl begabter junger Leute auszuwähleu, die gewillt wären, sich zu Lehrern ihrer Glaubensgenossen auszubilden. Mitte Dezember konnte Dr. Faitlovich Enropa verlassen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Alerandrien, wo er ebenfalls propagandistisch mit Erfolg tätig war, begab er sich nach Jerusalem, wo in der Schule des Hilfsvereines der deutscheu Juden der junge Falaschc I. Getie ausgebildet wurde und Holle diesen ab, damit er ihn aus seiner Reise begleite. Die ital. Negierung zeigte auch diesesmal das größte Entgegenkommen und mittete Dr. Faitlovich mit ausgezeichneten Einpsehlungen an die Behörde der Mol 011 ie aus. Der Gouverneur von Ertztrea erklärte sich auch bereit, den Grund und Boden für die zugnnstcn der Falaschas zu errichtende Schule unentgeltlich zu gewähren, lieber den Sri. nn dem die Schule errichtet werden soll, konnte zunächst noch keine Einigung erzielt werden, da Dr. Faitlovich genöiigt war, nach dem Innern von Abessinien zu geben, ebe dort die Regenzeit einbrach und ibm das Reisen unmöglich machte. Bei seiner Ankunst in Asmara fand Dr. Faitlovich ein Schreiben der Falaschas vor, in dem sie seine lange Abwesenheit aufs tiefste beklage» und ibn beschwören, so rasch wie möglich wieder in ihren Gemeinden zu erscheinen, sie arlfzu richten und nicht länger zu dulden, daß sie zum Spielball der christlichen Missionäre werden. Der neue Hilferuf machte auf ihn, ganz besonders aber auf seinen Begleiter Getie, einen tiefen Eindruck. In einem rührenden Schreiben in hebräischer Sprache fleht der junge Abessinier den Präsidenten des Pro-Falaschas-Komitce, Tr. Margulics, Florenz, seinen früheren Lehrer, an. ihn und seine Landsleute nicht zu verlassen, Mitleid mit ihnen zu haben, damit sie sich nicht verlieren vom lleberrest des jüdischen Volkes und nicht zu verlassen brauchen die Thora, welcher sie seit Jahrhunderten auch unter schweren Leiden treu anhängen. Wir haben jetzt vernommen, daß unsere Feinde, das sind die Missionäre und Verführer, in größerer Zahl darauf aus sind, uns zum Glaubenswechsel zu bewegen. Die Missiou hat jetzt eine neue Station in Gondar errichtet. ,Wir hoffen auf die Hilfe und das Mitleid unserer Glaubensgenossen, damit wir gcrettct werden können vor den Feinden unserer Nation." Tie beiden Vertreter des Pro-Falaschas- Komitees begaben sich unter dem Eindruck dieser Schreckensnachricht sofort aus die Reise und beschleunigten sie so sehr, wie das in jenen unwcg-;amen Gegenden möglich ist. Am 27. März erhielt Tr. Margulics aus Dobarek ein Schreiben von Dr. Faitlovich, das wie folgt lautet: ״Ich benütze die Anwesenheit eines Kuriers nach Adua, um Ihnen initzutcilen, daß ich bereits vor zwei Wochen Adua verlassen habe lind auf dem Wege nach Amhara bin. Auf der Reise habe ich einige Falaschas-Gcmeinden in der Provinz Tigre besucht. Ich kann Ihnen die Freude, welche jene unglücklichen Glaubensgenossen über meinen Besuch empfanden jetzt nicht schildern, da der Kurier die größte Eile hat. Letzten Sonntag vcrließen wir Tigre. Um hierher zu gelangen, hatten wir drei Tagcsrciscn durch die Wüste zu marschieren, wobei wir schrecklich viel gelitten haben. Gott sei Dank aber haben wir nun den Marsch gut überstandcn. Morgen bin ich wiederum unter den Falaschas in der Gemeinde Masquclicho, wo ich den Sabbath verleben werde. Von dort aus werde ich eine Falaschas-Gemeinde nach der andern besuchen, bis ich schließlich nach Gondar komme. Non Gondar folgt ein ausführlicher Bericht." Hoffen wir, daß dem mutigen Missionär, den unsere besten Wünsche begleiten, das Werk an den Falaschas recht gut gelingt. Das Wochenfest. ״Du sollst dem Ewigen, deinem Gotte zu Ehren, das Wochensest feiern!" (5. B. M. 10. 10.) ״Sch'wuos kommt, wo alles blühet," Rust die Mutter, ״eilt hinaus! Preis dem, der sich fromm bemühet Und viel Blume» bringt nach Haus!" Und die guten Kinder eilen Auf die Wiese, in den Wald, Bei den Blumen gern sie weilen. Heut' doch kommen heim sie bald. Bringen grünes Laub und Kräuter, Blumen, Blüten, bunt und frisch — Festtagsstiininung macht sie heiter — Schmücken Wände, Tür und Tisch. Aber auch den Tempel zieren Sie mit duftig-frischem Grün, Heil'ge Lade, Säulen, Türen Sind voll Blumen, die jetzt blüh'». Thtzinian und Kalmus streuen Ueberall sie reichlich aus Und vom Herzen recht sich freuen. Daß voll Pracht das Gotteshaus. Denn dein Garten Eden gleichen Soll der gottgeweibtc Ort, Wo den durch die Thora Reichen Heut' ertönt das Sinaiwort. — Einst der Fluren Erstlingsgaben Bracht' in Zion Gott man dar Und die Früchte, die uns laben. Trugen fromm wir zum Altar. Heut' sind unsre Opfer Blüten, Die zur Zierde sind dem Fest, Dies der Dank, den wir entbieten Gott, der nie sein Volk verläßt. O, daß lang bei uns cs bliebe. Dieses Fest der Blütenzeit! Neu erweckt es Glaubensliebe, Ringsum herrscht Glückseligkeit. Drum, Schewuos, sei willkommen, ״Matan-Thora" zieh' nun ein! Heil und Wonne allen Frommen Wird durch dich bcschieden sein. Wien. Moritz A n t s ch e r l. .,Misrachi", ״Misrachi", Büchsensammlungen für Gartenbaukolonie: Fleischmann D. H. K 1.99, Lazar Mar —.12, Austerlitz August —.31, Edelstein Hersch —.40, Neurat Emil 2.38, Schmidl Adolf 2.—, Seid M. —.38, Wilder Restaur. —.10, Taglicht Solomon —.70, Weldler Hermann —.57, Sternseld Michael 2.22, Spiegel Markus 1.02, Schwertfinger Aron 1.50, Austerlitz Gustav 2.—, Morgenstern Wilhelm —.08, Sonnenschein —.08, Weiß Cafe —.98, Fleischmann Filipp —.13. Warkantz Moriz 1.52, Leitner Julius 5.—, Robb. Kramer Moritz 1.47, Jugendbund Misrachi 1.04, Gutwirth M. I. 3.20, Holpern Jakob —.50, Austerlitz Isidor 8.—, Herda» Heleiw —.41, Wasservogel Fritz —.71, Dr. Freudcr Koloinan 1.50, Steinhof Jakob 4.82, Ullmann Leopold 1.30, Dr. Rosenfeld M. —.10, Nagel Restaurateur 1.—; ferner Spenden für Gartenbaukolonic: Fischer Gyula, ■ Papa K 9.00, Tr. Hoffner Sandor Papa 2.25, Adele Gutwirth, Wien 2.—, Moses Wahl, Stanislau 5.—; für Tachkemonischule: Moses Wahl, Stanislau 5.—; ferner Josias Goldschmid, für Nationalfond 3.—, für Zentralfond 2 K. ״Die jüdische Welt." (Eine jiddische Monatsschrift.) Wir haben bereits kurz darauf hingewiesen, daß im Verlage B. A. K l e z k i n in Wilna eine neue, vornehm ausgestattcte Monatsschrift in jüdischer Sprache zu erscheinen begonnen hat. ״Die jüdische Welt" nennt sie sich. (Jährlich fünf Rubel.) Wir wollen heute unsere Leser, so gut es auf knappem Raume geht, über den Inhalt der ersten drei Hefte informieren. Wie schon erwähnt, leitet I. L. P e r e z das erste Heft mit einer sehr innig geschriebenen, volkstümlichen Geschichte ״Der Din thora mit dem Wind" ein. Die Erzählung spielt zur Zeit König Salomos und illustriert bas gerechte Walten der Vorsehung in rührender Weise. Schalom A s ch hat ein großes Poem ״Die Zerstörung Jerusalems" geschrieben, in dessen Mittelpunkt Jeremia steht. Eh. D. N o in b e r g ist mit einem Dreiakter ״Tie Familie" vertreten. Das Stück spielt in der Zeit nach dem Zusammenbruch der revolutionäreu Bewegung von 1905 und ist in eine entsprechend düstere Stimmung getaucht. Eigentlich dramatische Konflikte fehlen, und die etwa in den — übrigens gut geschilderten — Charaktercn doch angelegten, werden nicht zur Lösung gebracht. Ueberaus schön und wahrhaft herzerquiekend ist eine kleine Skizze 11 n 0 i cf) i s ״Unser Land", die das Leben in einer palästinenfischen Kolonie schildert. Unoichi erzählt, ohne Pathos und Schönfärberei vom Alltag des jüdischcn Bauern, von seinen Sorgen und Hoffiiungen, Siegen und Niederlagen, von Liebe und Licbcsleid — und all das Erzählte wird in seiner Schlichtheit zum Sinnbild eines großen Lebens. M. I. B e r d i c z c s k i hat eine humoriftische Satire beigesteuert: ״Messias' Zeiten". In vier Tonarten wird erzählt, wie viererlei Inden für Hoffnungen an das Kommen des Messias knüpfen. Köstlich ist der ״Nnssach Aschcnaz", das messianische Ideal ungefähr des Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.... Unter den Gedichten der drei -fSeftc — glücklicherweife und in angenclmiem Gegensatz zu den hebräischen Zeitschriften sind ihrer nicht viele — heben wir besonders das von S. S ch n e o r hervor: ״Habe Feinde!" Es spricht aus ihm der starke Klang wirklichen Lebens, das den Kampf liebt und nicht faulen Frieden. Unter den Enatzs sei besonders das von S. Niger über David Einhorn hervorgehoben. Dieser Dichter ist bei uns noch wenig bekannt. Es liegt auf seinen Gedichten die Atmosphäre von Bialiks ״An der Schwelle des Bcth hamidrasch". Eine Sehnsucht nach den Werten der zugrund gehenden alten jüdischcn Kultur. Das dritte Heft enthält aus Ein- Horns Feder selbst poetische ״Träume eines Wan-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.