Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1913)
- Date
- 1913-06-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 34 zählt 1600 Mitglieder mit 54.060 Rubel jährlicher Einnahme. Die Ausgaben beliefen sich im Vorjahre auf 58.000 Rubel. Petersburg. Der Justizminister Szeglowitow beschloß, keinen Juden zur Advokatur zuzulassen. Diejenigen Hilssadvokatcn, die schon über fünf Jahre in dieser Eigenschaft tätig sind, könneu noch die Advokatur erlangen. London. Herr Elkau Adler erzählte hier in einer Versammlung, daß König Ferdinand von Bulgarien einst eine kleine Thora mit einer silbernen Jad von den bulgarischen Juden erhalten hat. Er machte sich aus der Jad einen Federstiel, mit dem er den Vertrag des Balkanbnndcs unterschrieben hat. Der König, glaubte deshalb siegreich zu sein, und dies gelang ihm auch. London. Die Jüd. Korrespondenz Rabinowitz, Boskowitz, meldet: Der bulgarische Bevoll-!nächtigte Dr. Danjcw mit dem Gesandten staktetcn der Familie Franklin vorigen Sonntag abend einen Besuch ab, welchein auch Oberrabbiner Tr. Ehrenpreis aus Sophia nebst den angesehensten Führern Londons anwohnten. Diese Annäherung ist für die Juden Bulgariens von großer Bedeutung. Ncwyork. Hier hat sich ein Verein ״Choivewe Ercz Jisrocl" gegründet, der den Zweck hat, historisch-jüdische Gebiete in Palästina anzukaufen. Äonstantinopcl. Behufs Einführung von Reformen in Armenien hat die türkische Regierung dorthin hohe Beamte mit weitgehenden Vollmachten entsendet, darunter auch drei Juden. Schwuos-Betrachtungen. Von Rabbiner Bcrisch Winter, Wien. Das Schewuossest wird allgemein auf die wunderbare göttliche Offenbarung am Berg Si nai zurückgeführt, wo היטי״ת sich uns offenbarte und uns seine heilige Lehre gegeben hat, wie auch dieses in dem Gebote als solches , זמן מתן תוררדנו als Tag der Gesetzgebung bezeichnet wird. Merkwürdigerweise findet sich dieser Ramc für das Schewuosfcst in der Thora nicht vor, dort ist nur die Rede von -,2 — חג ד,קצי. B. M., 2:5, 16 — Erntefest, vom חג הימבועות Wochenfest, mit Rücksicht der vom zweiten Omertage zu zählcuden Ticbenwochen; von ״י יו ב הבבורים CA. B. M. 28, 26) Fest der Erstliiigsfrüchte. Diese Tatsache dürste dem denkenden Leser auch eigentümlich berühren, denn während bei allen anderen Festtagen, deren historische Veranlassung sestgehalten wird, und die Thora dieses mit Nachdruck hervorhebt, daß es als Denkmal des großen Ereignisses eingesetzt wurde, wie z. B- Pcßach, wird als Denkmal des großen Ereignisscs des Auszuges aus Aegypten besonders eingeschärft, so auch beim Laubhüttcusesl usw. wird gerade am Schewuossest, dieses hochwichtige, das ganze jüdische Leben betreffende Ereignis der Gesetzgebung mit Stillschweigen übergangen. Wenn aber die heilige Thora dieses hochwichtige, das ganze jüdische Leben durchgreifende Ereignis, nicht durch Angabe des Datums hervorliebt. wenn uns die Thora das Schewuossest nicht besonders als Tag der Gesetzgebung hinstellt, daun muß der Grund tiefer liegen, in all diesen Sonderbarkeiten dürste gerade die hohe Bedeuri.ug dieses Festes liegen. Hier genügt es nicht, mit einem bloßen, jährlich einmaligen Gedenke» des großen Tages, au welchen: ה*ט*״ת seine Lebre uns gegeben bat, es genügt, daß man sein Judentum daraus beschränkt an gewählten Tagen oder Festtagen die Synagoge besucht, dies gebt nicht an. es lehrt uns die Pflicht kennen, daß wir jeden Tag als einen Tag der Gesetzgebung zu begreifen haben. Ja! Dieses bat, wie unsere Weisen im Midrasch erklären, schon זזש״ת בבבוד־ו ובעצמו als Devise des zu erwartenden großen Ereig- »isses vorausgcschickt. Es beißt in der Thora בהורים היטלייט* לצאת בג י־טראל מארין מצחיב ביום חזה באו מדבר סיני Im dritten Monat nach dem Auszüge (2. B. M., 1!>, 1) der Söhne Israels aus Mizrajim, an diesem Tage kamen sie an die Wüste Sinai. Mit Recht fragt nun der Midrasch: t E , tO ^t>1. I ■** _ Die Thora, so lehrt der Midrasch, hat mit Absicht gebraucht bei der Erzählung des Sinai- Ereignisses das Wort ,ביום ח,זח an diesem Tage und nicht ביום חחוא auf einen sernliegenden Tag hinlveiscnd, um dadurch die Lehre zu geben, daß die Thora uns erscheinen soll als sei sie heute ביום הזח gegeben, als habe sich das Sinai- Ereignis heute zugetragcn, die Thoraworte müsscn dir erscheinen, als seien sie heute gegeben, ändern sich auch Zeiten und mit ihnen Gepslogcnheitcn, Sitten und Ansichten, an der ändert sich nichts; die Thora altert nie, überlebt sich nie, bleibt immer neu. Diese zu beherzigende und betätigende Lehre gibt uns die Thora, in dein Wörtchen ביום הזח nicht ביום חחוא an diesem Tage, in dem wir sondern ביום חחוא an jenem sernliegenden Tage, eben leben ist die Thora gegeben, der wahre Jude feiert an jedem Tage den מתן תורה . Tag und die konnte dies nicht besser andcuten, als dadurch, daß sic uns den eigentlichen מתן תורה Tag verschweigt. Ja. בבל יום יחיו חריטים Wie häufig hört man heutzutage leider sagen, daß unsere Thora sei nicht mehr zeitgemäß, man könne sich nicht mehr nach den veralteten Satzungen richten, die für frühere Zeiten und Verhältnisse gut gewesen sein mögen, denen aber nimmermehr prakrischer Wert beigemessen werden könne, darum ruft uns die Thora 511 בבל יום יחיו בעיגין- בחדשים sie müssen dir jeden Tag als neu erscheinen, die Bestimmungen der Thora müssen unabhängig von den jeweiligen Verhältnissen und Zcitumständen bleiben. Wir verkennen nicht die Schwierigkcitcn und Hindernisse, die sich heutzutage dem Gcsetzestreueu, besonders in der Großstadt, im Wege stellen, aber eben dieses harrt unserer und bei einigem guten Willen läßt sich dieses auch überwinden, wie es unsere Weisen im Midrasch lehren הקובע עתים לתורה -המקום בעזרו gemeiniglich wird dieser Ausspruch so ausgclegt: Wer sich zeden Tag einen שיעור eingerichtet usw. wenn aber unsere Weisen ז״ל darunter ausschließlich dies verstanden hätten, müßte es schon der Einfachheit halber heißen: הלומד שועור בבל יום es liegt daher die Annahme nahe, daß unsere Weisen damit gleichzeitig die Andeutung geben, daß man die verschiedenen Zeiten der Thora anpassen muß, daß die Zeit von der Thora abhängig ist, die Zeit unter dem Diktat der Thora steht und nicht umgekehrt, wer also bestrebt ist, die verschiedenen Zeiten dein Diktate der Thora zu stellen, sie danach einzurichten, dem hilft der AUgegenwärtige in seinem Streben. Glaubt nicht, baß die neue Zeit und der alte Glaube können nicht nebeneinander bestehen, nicht beide zugleich unsere Zeit ersüllcu. O! Wollet sic nur aneinander fügen und der Allgegenwärtige wird mit euch sein. Ist ja doch der Gesetzegeber zugleich der Schöpfer der Welt und er weiß es, daß keine Perhältnisse eintretcn können, die uns die Erfüllung seiner Gebote unmöglich machen, wie es auch im Midrasch heißt הקב״ה היו מביט בתו-ח -וברא את העולם Gott hat gleichsam in die Thora geblickt, bevor er die Welt erschaffen hat, das lehrt uns, daß היטי״ת die Welt für die Thora erschaffen und nicht umgekehrt, daß nicht die Zeit die Eieletze, sondern die Gesetze die Zeit beeinflussen, daß nicht die Thora den Bedürfnissen und Ansprächen der Zeit gemäß umgeändert oder wie die Geistreichen so gern sagen, reformiert werden darf. In dieser Beziehung wollen wir nur noch aus den רמבם im 05 מורה גבוכים. B. M. 26) Hinweisen, der richtig bemerkt: To wenig man von der Schönheit, die Gott ins Dasein gerufen aussagen könnte, daß sie planlos, zwecklos ge schassen sei, cs ebensowenig denkbar sei, daß in dem Gotrcsbuch ein Gesetz vorhanden wäre, das nicht seinen Zweck in sich trage. Adamante notare! ״Reb Abbe" zur Vorlesung brachte. Onoichi schildert in diesem Werke das alte fromme Judentum der Kleinstadt mit allen ihren Sitten. Reb Abbe, ein alter frommer Jude, erzählt wie es früher war, als der Jude mit seinem ganzen Geiste und Wesen der Religion ergeben war. Tie Thora -und der Rabbi waren für den frü- Heren alten Juden das ganze Hab und Gut. In seiner religiösen Extase vergaß er oft sogar an seine Frau und Kinder. Wie wundervoll und künstlerisch schildert er, als einmal Reb Mothc, eines der Typen dieses Werkes nach einem Jahr sorglosen Fernbleiben von Frau und Kinder nach Hause zurückkehrte und mit Jubel erzählte, daß. er vom Rabbi einen neuen Niegen (Melodie) gebracht habe. Aber solche Juden, beklagt sich Reb Abbe in seinem ganzen Werke, konnten nur vor Jahren sein, jetzt gibt es derartige Menschen nicht mehr. Sticht mehr, das gewesene Judentum chrie Reb Abbe im Beth-Hamidrasch verzweifungsvoll aus, das Herz klemmt, denn es nennt alles, es ist eine ״Sreife", es brennen die Beth-Hamidraschim, es brennt das Judentum, es brennt der Glaube, alles brennt." Die Bedeutung der Erzählungen des Schriftstellers sind vom jüdischen und künstlerischen Standpunkte nicht hoch genug einzuschätzen. Es sind die Ar- ..׳eiten Onoichis jedem Juden, der jüdisch fühlt, wärmstens zu empfehlen. Die meisterhaft zum Vortrage gebrachten Erzählungen, übten auf die Anwesenden einen gewaltigen Eindruck. Das Auditorium lohnte den Meister mit stürmischem Beifall. . Nach der Rezitation fand ein gemütlicher Abend statt. Bei demselben wurde von allen Redncrn auf die nationale Bedeutung solcher Abende hingcwiesen. Hervorzuheben seien die Ausführungen der Herren Dr. Eckstein und Redakteur Hickl — Die Verdienste der Vereinigung der östl. Hochchüler einen rein jüdischen Abend veranstaltet zu haben wurden von den Rednern besonders gewürdigt. Der Verlaus des sehr gemütlichen Abendes, welcher mit sich einige jüdische Volksjeder zun: Ausdruck brachte, war ein festlicher. Großen Beifall erntete Herr Sirota für zum Vortrage gebrachte jüd. Solo- und Chorlieder. — je Veranstalter können mit dem Erfolge des Abendes vollauf zufrieden sein. An die Landlagswähler! der allgemeinen Kurie des Städtewahlbezirkes Brünn. Im Sinne der in der großen Wählerversammlung gefaßte» Resolution werden die jüd. Wähler aufgefordcrt, bei der am Sonntag den 111. d. stattfindendcn Stichwahl, ihre Stintmen ans Herrn Dr. Ludwig E ze ch, Stadtrat in Brünn, zu vereinigen. Der jüdische Wählerverein. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven cirka 116 Miliionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit So/0 jäorlich fallender garantierte P, Linie, General-Agentur für Wien, I., Aspernplatz 1, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion für Prag, Ferdinandsstr. 20. neu, Leiter Roheit Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter LObl Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan Rössner, St. Sebastians 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. ÜJrünnct Hacfiricfitm Tie Bereinigung der östl.-jüdischcn Hochschülcr in Brünn veranstaltete am Mittwoch, den 4. Juni im Saale des Künstlerhauses einen ..... .... .u.---- Nezitatiousabend des berühmten jüdischen ן ׳ .א.ו ־,.ס » w 1 ת.״ ..!w - 1 ״'׳ Schriftstellers S. Onoichi, der seine Novellen Diskonto-uesellschaft bei der Norddsterreichischen Lenk für Indnstrie, Handel and Landwirtschaft, registgierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschUgigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch rar den ע Eskompt offener Buchforderangen unter den allergünstigsten Bedingungen. '4