Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1913)
- Date
- 1913-06-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 23 ״Jüdische Bolksstimme." Seite 5. überzeugte Juden vertreten werden. Die Juden in Mähren wurden aber durch die Wahlordnung zu politischer Ohnmacht verurteilt und sind wertcr ein Spielball der Parteien geblieben. Nur ein fester Zusammenschluß kann ihnen einen. Porteil bringen. Herr Redakteur Hickl verweist auf die Konfessionslosigkeit des jüdischen Kandidaten der Sozialdemokratie, der trotz seines Freisinnes und als Anwalt der Unterdrückten sein Heil in der Flucht aus dein Judentupie suchte. Ohne uns an die Sozialdemokratie anzubiedern, stellen wir diesmal im Interesse der wahrhaft fortschrittlichen Sache unsere jüdischen Interessen zurück und entscheiden uns für den Sozialdemokraten. Mit überwältigender Majorität wurde die folgende gefaulte Resolution von den bewußten Juden angenommen, wohingegen die Sozialdemokraten und ein deutschliberal-demokratischer Wähler nur für den Schlußpassus stimmten: ״Die am 3. Juni im großen Saale der Schwechater Bierhalle versammelten jüdischen Landtagswähler nehmen die erstatteten Referate zur befriedigenden Kenntnis, fordern sämtliche jüdischen Bürger Mährens auf, in die zu errichtende jüdische Gesamtorganisation einzutreten, da nur so dia.ideelen und wirtschaftlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung voll und ganz gewahrt werden können. Gleichzeitig gibt die Versammlung bewußt jüdischer Wähler ihrem Bedauern darüber Ausdruck, daß infolge des bestehenden Maugels einer Organisation der mährischen Juden es den Parteien verschiedener Richtung'möglich wurde, zu den bevorstehenden Landtags- Wahlen antisemitische oder gegenüber jüdischen Interessen indifferente Kandidaten aufzustellen und voit den Juden zu fordern, Wahl- und planlos diese ihnen aufgedrungenen Kandidaten zu wählen. Da es aber die momentanen Verhältnisse der jüdischen Wählerschaft nicht gestatten, einen eigenen jüdischen Kandidaten aufzustellen und da die deutschbürgerlichen Parteien, die Grundsätze des Freisinns vollständig im Stiche gelassen haben, beschließt die heutige Versammlung, die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten zu empfehlen." Ter Vorsitzende Hr. Dr. Sonnenfeld schließt hiemit die Versammlung, indem er den Anwesenden für ihr Erscheinen dankt und die bewußtjüdischen Wähler anffordert, in die zu schaffende Gesammtorganisation der mährischen Judenschüft einzutreten. Erklärung. Zu den Landtagswahlen in der allgcineineu .Kurie des Brunner Wahlbezirkes. Wir bringen hiemit den P. T. Wählern dieses Wahlbezirkes zur Kenntnis, daß Herr Red. Max Hickl von der beabsichtigten Ltandida- Eine Kundgebung des akademischen Senats. Wien, 3. Juni. Ter akademische Senat der Wiener Universität erließ eine Kundmachung an die Studenten, worin er zur Rückkehr und zur Ordnung auf akademischem Boden auffordert, damit Maßnahmen vermieden werden, die ihnen zu schwerem Nachteil gereichen würden. Ter Tenat verurteilt, gemäß seinem schon früher eingenommenen Standpunkt, die sogenannten Waid- Hofer Beschlüsse und betrachtet den Vorwurf der Ehrlosigkeit gegenüber den jüdischen Studenten als schwere Beleidigung. Er werde stets den Angriff von Studierenden auf ihre Kommilitonen anderer Nation oder Konfession mit empfindlichen Strafen belegen. Anderseits inüsse der Senat dabei beharren, daß die in Tätlichkeiten ansartende Selbsthilfe stets von ihm werde geahndet werden. Die Forderung der jüdischnationalen Studentenschaft, alle Verbindungen zu suspen- Vieren, die sich die Waidhofner Beschlüsse י> Richtschnur nehmen, falle nicht in die Kompetenz des Senates. Ter Senat mißbilligt alle in jüngster Zeit auf beiden Seiten vorgefallenen Provokationen und Ausschreitungen auf das schärfste. Die getroffenen Ausnahmsverfügungen werden aufgehoben werden, sobald die Studentenschaft für die dauernde Wahrung des akademischen Friedens ausreichende Gewähr bietet. Ter Senat verweist hierbei auf das bereits anderwärts erprobte Mittel, Streitigkeiten unter den Studeuten zu schlichten, nämlich ein akademisches Ehrengericht. Tie Verwirklichung einer derart!- gen Institution werde von den akademischen Be- Hörden eifrigst gefördert werden. Aorresponäenzen. Bisenz. Samstag, den 17. Mai feierte der jüngst in» Leben gerufene 'Aerein ״Humanitärer Geselligkeit»- Verein" sein Gründungsfest. Tcr deutsche Lundenburgcr Männergesang-Verein mar 20 Mann stark erschienen und wurde von drei Herren am Bahnhofe feierlichst bcgrüßt und im Triumpszuge ins Städtchen geleitet. Hb die Herren Arrangeure nicht eine arge Eiutäuschnng erlebten, daß statt der erwarteten Ariergestalten bloß gut gekannte liebe Glaubensgenossen erschienen. Tie Tamen Tauber, Tr. Klein, Tavid, Wachsmann, Milli Frankl und Hayek waren für da» leibliche Wohl der Sangesbrüder sehr bemüht. Außer unseren Glauben»- genossen halten sich die dcutschnationalen Lehrer der Umgebung eingefunden. Fürwahr ein buntes Bild! ״Stolz in der Brust".... sie konnten» mit ehrlichem Gemüt singen. — Ten Festprolog sprach Fr. Fda Fun mit innigem Gefühl einer teutschen Fungfrau. Au der Spitze dieses Vereine» steht der deutschnationale Herr Foscf Krämer, Oberlehrer an der jüdischen Volksschule in Bisenz. Es ist selbstverständlich, daß dieser Herr alles aufbieten ivird, um diesem Vereine ein echt deutsches Gepräge zu verleihen. Ta» kennen ivir selbstredend den Aichtjuden nicht verargen. Taß aber Anden sich dazu hergcbeu, um diesem, Herrn Staffage zu bilden, ist recht bedauerlich. Laut Mitteilung des artistischen Leiters hat es der Verein bereits so weit gebracht, daß Frau E. tur zurückgctrcten ist und verweisen auf die in der am 3. d. M .in der Schwechater Bierhalle stattgefundene» Wähler-Versammlung gefaßte Resolution. Der jüd. Wählerverein. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 40(J Millionen Reserven ciika 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 50111 jäarlich fallender garantierte Prämie, Qeneral-Agentur für Wien, 1., Aspernplatz 1, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion für Prag, Ferdinand?str. 20. neu, Leiter Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Löbl Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan RBssner, St Sebastians 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. D. ״Tie Wacht am :iihein zum Beste» gab. Bei einem großen Teil unserer Glaubeusgenosseu hat die vom Geselligkeitsvcreine eingeschlagene deutschnatichiale Betätigung einen berechtigten Univillcn hervorgerufen. Man bedenke in Bisenz, eine tschechische Stadt, geben sich Fuden dazu her. um sich deutschnational zu betätigen. Herrn Krämer ist eine Betätigung ja nicht schlver. Tieser Mann hat ja nichts zu verlieren. Bei den jüd. Kaufleuten steht aber ihre Existenz auf dem Spiele und aus diesem Grunde verdient diese lächerliche Spielerei die schärfste Verurteilung. Wie lange noch lvollen unsere Fuden eine derartige Politik betreiben. E» ist höchste Feit, daß endlich unserren Faden ein Lichtleiu aufgehe und ihnen zum Bewußtsein bringt, daß es eilt Verbrechen ist, auf diesem Wege fortzufahren. Für Charakteristik des Herrn Oberlehrer sei noch bemerkt, daß derselbe anläßlich einer Beschwerde jüdischer Frauen wegen Verlegung des Nachmittagunterrichtes erklärt baden soll, er tverdc dies einiger Fudenwciber tvegen nicht tun. Was haben auch jüdische Frauen zu sprechen, wenn es sich um ein hohes Ideal handelt. Gilt es doch, in den tschechischen Dörfern deutsche Kultur mit jüdischem Gelde zu verbreiten. Warum hat der Hbinann des deutscheu LrtsschulrateS hierzu nicht entsprechend Stellung genommen. Ter Bisenzer humanitäre ttzeselligkeitsverein wird aber weiter deutschnationale Politik betreiben. Heil! Krakau. Protestversammlung geizen die Vorgänge an der Wiener Universität. Mittwoch den 28. Mai fand im Saale ״Przedswit Haszachar" eine Protestversammlnng der jüdischen Hochfchüler der Krakauer Universität gegen die Vorfälle an der Wiener Universität statt. Ten Vorsitz führte Jurist Herr Schwär׳,hart. Das Referat über: ״Tie Lage der jüdischen Stnden ten an den europäischen Universitäten" hielt Rechtskandidat Samuel Lichtig. Er besprach in klarer und prägnanter Weise die ׳stistände an den Hochschulen in Halle, München. Leipzig, Berlin, Paris, Wien nsw. An allen diesen Uni versitäten wird von den arischen Hörern und den akademischen Behörden der antisemitische Ge,׳ gefördert. Es muß endlich dem drakonischen Per halten der akademischen Senate den jüdischen Studenten gegenüber ein Ende gemacht werden, sämtliche Studentenvereine, welche auf de»! Waidhofener Prinzip stehen, müssen durch die Universitätsbehörden aufgelöst, werden. Tie jüngsten Ereignisse auf akademischem Boden. Die die jüdischen Studenten jedem erniedrigenden Angriff preisgegeben, sind zugleich eine Perletznng gegen die gesamte jüdische Volksgenossen schuft. Tiefem Uebelstande abznhelfen wird mög lich sein durch Schaffung einer eigenen jüdischen Universitär. An seine Ausführungen knüpfte sich eine längere Debatte, an welcher die Herren: Schwarzbart, Haweluk, Ruthene, welcher im Na men der rnthenischen ״Hroniada" in Krakali die jüdischen Studenten zum Kampf für ihre Rechte aneiferte, Lifschütz, Bloch, Steigler, Tr. Hilfstein und Lichtig teilnahmen. Es wurden entsprechende Resolutionen angenommen. NagytapolcSanh. Ter ״liieret Bachurim" Verein wählte in der am 25>. Mai 1!»l:> unter dem Vorsitze ihres Präsidenten Herrn Nathan Grausz, abgehaltenen Sitzung den berühmten Talmndgelebrten und genialen Redner Herrn Josef Grünfeld aus Pozsoim 1,׳! seinem Rabbiner. Brüssel. Das Brüsseler Hilfskomitee beschloß, ein Meeting in Berlin zugunsten der durch den Balkankrieg Geschädigten ab׳,ul,alten. Delegierte des Konstantinopler, des Sofioter, Belgrader und vieler anderer Hilfskomitees, werden am Meeting teilnehmeu. Das Konstant! nopler Hilfkomitee wird durch den aschkenanschen Tberrabbiner Tr. Markus vertreten sein.! Kvnstantinvpel. Um eine belebte Straße;11 erweitern, beschloß der Stadtrat eine im Wege stehende Stznagoge zu demolieren. Ter Grand rabbi protestierte dagegen. Konstantiitvvcl. Ter Direktor der Kanzlei des Grandrabbi, Herr Jsak Schaku, fährt im Aufträge der türkischen Regierung nach Fern sal'em, um eine Liste von den Hörern der Je schiwos znsammenznstellen, welche ivegen ilirer rabbinischen Studien vom Militärdienst befrei! werden sollen. Alexandrien. Tie jüdische Gemeinde entzog ans Geldmangel der Allianzschule die bisuun ge währte Subvention. Tie Erifkenz der Schulen lind daher bedroht. Mehrere Lehrer sind bereits entlassen worden. Viele jüdische Eltern schicken ihre Kinder deshalb in die gut fundierten Mis sionsschulen. Diskonto-aesellschaft bei der Norddsterreichischen Bank fir Industrie, Haadal and Landwirtschaft, regiat* viert• Genossenschaft mit beschr&akter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. 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