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Jüdische Volksstimme · 1913-05-22 · Heft 21 (22.5.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 21 (22.5.1913)
Date
1913-05-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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*CßW •%יי'׳*יי'•? Nr. 21 ״Jüdische Bolksstimme." vette s. den. Das Resultat war, wie ja vorauszusehen gewesen ist, daß gewissenlose Hetzer einen Skandal in den Vordergrund schieben wollten, um dadurch ihre eigenen Schandtaten den Augen des Publikums zu entziehen und hinter die Kulissen zu schieben. Das ist aber diesmal gründlich misslungen. P. Hrachovsky, die Seele und der geistige Urheber des Ritualmordmärchens in der Kolincr Gegend ist entlarvt und, wenn^iicht alle Anzeichen trügen, wird er diesmal seinem Schicksal nicht entgegen. Am 11. d. fand, in Kolin eine Sitzung des Bezirksschulrates statt, in der fast ausschliesslich die Affäre des Katecheten Hrachovsky diskutiert wurde. Bor der Sitzung war eine umfassende Untersuchung des Falles durch die exekutiven Organe des Bezirksschulrates durchgeführf worden und aus Grund der Ergebnisse dieser Untersuchung wurde in der Sitzung eine Reihe von Fragen betreffend die Schuld deS Pater Hrachovsky zur Diskussion gestellt, und zwar ob dieser ein Liebesverhältnis mit der Lehrerin K. unterhalten, ob er die Pavlik zu sich geladen, ihr einen Drohbrief gesandt» ob er gegen die Juden und Protestanten gehetzt, ober er die Bevölkerung Kolins der Nnsittlichkeit beschuldigt, ob er das Ritualmordmärchen verbreitet und zu diesem Behuf eine vertrauliche Brrsammlnng ohne Legitimation einbrrufen hatte. Auch die Frage, ob Hrachovsky in der Schule zu der Tochter des Weisberger gesagt habe: ״Nun Bozena, habt ihr die Pavlik schon zu Würsten verarbeitet'?", wurde einstimmig besaht. Alle diese Fragen wurden mit allen Stimmen bejaht. Auch der Dechant Sixta beantwortete sie bejahend, wobei er hinzufiigte» Hrachovsky sei eine Schmach für die Geistlichkeit. Hierauf wurde über die Strafe entschieden. Es wurde beschlossen zu fordern, das Pater Hrachovsky entweder sogleich strafweise suspendiert oder vom Juli ab versetzt werde. Diese zwei Eventualitäten werden dem Landesschulrate zur Genehmigung vorgclegt werden. Die Lehrerin K. wird einen strengen Berweis erhalten und strafweise versetzt werden. Das letzte Wort hat nun die Vorgesetzte Behörde in Prag, das ist der Landesschulrat, zu sprechen. Wenn nun auch die Kcrikalen alle Hebel in Bcivegung setzen werden, um Hrachovsky aus der selbst gelegten Schlinge / zu befreien, so ist doch zu hoffen, dass der Landesschulrat diesmal angesichts des erdrückenden Bewcismaterials standhaft bleiben und eine Entscheidung füllen!vird, die der Anschauung der gesamten Oeffentlichkeit entspricht und den unbestreitbaren Tatsachen Rechnung trägt. Hrachovsky hat ausgespielt und tvcnn er eine angemessene Strafe erhält, wird sich wohl für lange Zeit kein Mensch finden, der die Ralle seines Nachfolgers übernehmen wollte. gar selbst gerne allerlei Hader und Streit an allen Orten, bei allen Gelegenheiten, kurz, das Allergenieinste ist seiner zarten Seele angenehm, bloß gegen Juden sind seine Nerven reizbar. All sein Witz, all sein Mut, all seine Einfälle, all seine Beredtsamkeit, all sein sanftseliges Lächeln dreht sich um die Juden, und wenn ihm einmal die Juden den verdammten Streich spielen wollten, ganz auszusterben, er wäre das geschlagenste, erbärmlichste, miserabelste Geschöpft aller fünf Weltteile, er hörte auf, etwas zu sein, er Ntüßte stunrm herumwandeln. Ist der gute Mann auf eineni Platze, wo keine Juden sind, so dreht er sich ringsherum und bemerkt: ״Es ist Gottlob kein Jnde dal" Tabei lächelt er selig, denn nun weiß er, was er sprechen soll: die Tamen, die so unglücklich sind, ihn anhören zu müssen, wissen nun, daß sein Mund von Juden überfließt. Ist er an einem Orte, wo Juden sind, o, da ist er erst recht glücklich! Nun kann er nämlich gleich zu sprechen anfangen, ohne erst Leibweh zu haben, denn in seiner endlosen Fadheit nicht einmal geschickt genug, vom Wetter oder von der Cholera zu sprechen, sind es nun die armen Juden, oder vielmehr die reichen Juden, die herhalten müssen. Er sagt erst: ״Ach. es wäre hier schön, wenn nur nicht so viele Inden da wären!" Nach dieser Geistesanstrengung ruht er auf seinen Rednerlorbeeren aus, dann wendet er sich in seiner überschwänglichen Liebenswürdigfeit zu einer anderen Dame und sendet ihr postfrei die Bemerkung zu: ״Ueberall sind Juden!" Hierauf knickt er, erschöpft van diesem Aufwand von Witz und positivem Wissen, wie ein Taschenmesser zusammen, erholt sich nach einigen Augenblicken und frankiert an eine dritte unglückliche Tame die Worte: ״Daß doch die Juden überall sind!" Nachdem er sich nun selbst über die Fülle seiner Genialität angestaunt, wendet er sich zu dem vierten bedauernswerten Gegenstände seiner interessanten Aufmerksamkeit mit dem brillanten Einfall: ״Müssen denn überall Juden sein?" Unser Judenfeind ist das drolligste und lächerlichste Eremplar dieser Rasse auf Erden und sollten wir im Verlaufe der Zeit entdecken, daß er sich in dieser Wissenschaft vervollkommne, so werden wir Buffons Naturgeschichte mit einer lithographierten Abbildung dieses Prachteremplares von Judenfeinde gelegentlich vermehren." Saphir und die Antisemiten. Saphir, der mit den scharfen Pfeilen seines Witzes und der ätzenden Lauge seiner Satyre den N'arrheiten, Verkehrtheiten und Vorurteilen seiner Zeit unheilbare Wunden schlug, und dem seine Gegner nicht anders beizukommen wußten, als daß sie ihn einen ״Juden" nannten — damit glaubten sie ihn genügend abgetan — hat folgendc ergötzliche Charakteristik eines Judenfeindes gegeben: ״Ter gütige Himmel hat jedem Geschöpfe seine Waffen, jedem Pflänzchen seine Eigenschaft und jedem Menschen seine eigentümliche Seite verliehen, von welcher er sich liebenswürdig und geltend machen kann, Non der Milbe bis zum Mammuth, von dem Usop, der an der Wand kriecht, bis zur herrlichen Ceder, von dem Kretin bis zum Sokrates ist kein Wesen auf der Stnsenleiter der Schöpfung ganz reizentblößt, ganz uninteressant, ganz nnbemerkenswert. Sehen wir z. B. jenen Herrn 3i. an, er ist fade, abgeschmackt, roh, hirnlos, langweilig, ignorant und arrogant. Er ist unbedeutend, daß der liebe Tod einstens große Mühe haben wird, ihn herauszufinden, und daß er bei der Wiederanserstehung gewiß liegen bleibt, ohne daß es die liebe Vorsehung bemerken wird. Allein auch diesem Menscheu, dieser personifizierten Null, hat die gütige Allbarmherzigkeit Gottes eine Seite gegeben, von welcher er sich barmherzig machen kann, er ist nämlich ein — Judenfeind. Auf wohlfeilere Weise kann ein charakierloser Mensch nicht zu einem Charakter kommen. Man fragt sich in Gesellschaft: Wer ist denn dies Schattenspiel von einem Menschen? Ist er ein Gelehrter? Nein! Ist er ein Dichter? Nein! Er ist ein 5tünstler? Nein! Ein Doktor? Nein! Ein Advokat? Nein! Ei, was. ist er denn? O, er ist ein Judenfeind! Da hat er plötzlich einen Charakter. Der gute Herr 3־. kann alles ertragen, bedeutende Grobheiten, zarte Händel, er sucht so- YERLOBUNQ5-RINQE BR/IUT5CHnUCK - - HOCHZEIT5QE5CHENKE EHE-RINQE * . in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. ,•׳ Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. Sprechlaaf. תשובה Auf die,שאלדHerrn Reiuus erlaube ich mir folgendes zu erlvidern: Trotz der massgebenden פשקי דללה gegen da- -ss"!e^Schnciden, verfährt inau in Galizien und überhaupt in Ortschaften, Ivo arme jüdische Fleischhauer in Betracht kommen, in der Praxis nach den Tezisorer»: ם. וביה p״C מא ,D ET: .בתשובה הולדות יצחק סי׳ ג׳ שכתב להקל בזה die das Auffuchen eine ק- מפולין; durch Anschneiden empfehlen, selbst wenn eine םי(״בא gegenüber der Nagelrichtung entstanden ist. Für die fachmännische Beurteilung eines נקב מפולש ist sogar das Anschneiden der inneren Seite zu empfehlen, da man von dort aus die Nagelrichtung שביל am besten verfolgen kann. Tic also so verfahren, sind sich dessen bewusst, dass sie אינם מאבדים ממונם של ישראל ויש להם ־על מי לסמוך ועין שרת ב״א אות ל נוב"* הירד סי׳ גזו׳ צ*צ סי׳ מגז. Achtungsvoll Rabinowitz. Aus der Agudas-Jisroel-Beweguug. Brüssel. Auch unsere Gemeinde hat nun ihre ״Agudas Jisroel"-Ortsgruppe. Am t. o. nahm Herr Rabbiner Bamberger Gelegenheit, vor den hiesigen Gesehestreuen die Ziele der großen Weltorganisation zu erklären. Seine Ausführungen weckten bei den Zuhörern das freudige Gefühl, daß wir in der ״Agudas Jisroel" ein deutliches Zeichen für die Neubelebung des alten Tborageistes in weiten ztreisen der Judenheit erblicken dürfen. Für die kleineren Gemeinden der in den westeuropäischen Großstädten lebenden יראים bedeutet die אנח־ת ישראל das einzig mögliche organisatorische Bindeglied mit der großen Gesamtheit der שלומי אמני ישראל Eine größere Anzahl von Mitglieden! meldete sich sofort. Zum .kassier der Ortsgruppe wurde Herr B. Wandel (Bd. d'Ander-!echt 11 - gewählt. Wiener Nachrichten Ter Judenpunkt. Dass sich auch in der Affäre des Offiziersduells FborowSky-Weiss ein Judenpunkt sinden liesse. wäre keinem vernünftigen Menschen, der seine fünf Sinne halbwegs beinand hat, wohl nur im entferntesten eingefallen. Antisemitische Skribifare haben ihn glücklich ausgevrütet. Sie haben nicht die Leiche Si Iberers geschont, haben schon bei der Ermordung SchtimeierS den Juden die Hauptschuld zugeschrieben und jetzt wagten sie beides: veflegelteu einen Toten und schoben die Schuld an dem honorigem Morde auf ..zwei jüdische Offiziere", von denen der eine, das Opfer des unglücklichen Tuells, Heinrich Weis; gctvesen sein soll. Tiefe beide» hätten sich zusammengetan, ui» gegen den Hauptmann FborotvSki aufzutreten und gegen ihn ihre :liänkc und Intrigen zu spinnen. Und nun stellt sich heraus, dass beide .,jüdische Offiziere" auf barer Erfindung beruhen, das hässliche Produkt antisemitischer Propaganda sind und missgün- Niger!liedaktiou-sphantasie entspringen. Sotvohl der Pater des Offiziers Heinrich Weiss, als auch dessen Mutter tvareu katholisch ttud auch Heinrich Weiss tvurde laut Feststellung seiner Schwester!Wiener Tagblalt vom in. d. M.j wenige Tage nach seiner Gebttrt getauit und genoss eine durchwegs streng katholische Erziehung. Man siebt: Lügen habe» kurze Beine. Es ist aber ein sehr trauriges Zeichen politischen Tiefstandes, kultnrellen Verfalles und grenzenloser, unberauitvortlicher Skrupellosigkeit, gegen Tote, also völlig Wehrlose zu kämpfen, ihre Ehre in de» .Not zu ziehen und dies alles, um das Feuer des Antisemitismus immer von neuem zu schüre». Es ist traurig und ein beschäinendes :'»ettgnis für die breite Oeffentlichkeit in Oe׳ sterreich, dass sie nicht ihren laute» Protest erhebt gegen die professionelle antisemitische Ehrabschneiderei der Ehriülichsozialen, denen jedes Mittel g>tt genug iit, wenn es nur ibre ehrgeizigen, parteipolitischen Ambitimten fördert, die selb» nicht davor zurückschreckten, die Ehre eines Toten zu beflecken, der um mimosen Hafter Ehrbegriffe iville» in den Tod gegangen ist. .nein Wort ist hart genug, um dieses Borgehen gebührend zu brandmarken, kein Ausdruck scharr genug, um die ganze brennende Verachtung, die flammende Entrüstung empörter Menschenwürde in die engen Grenzen eines Begriffes zu prägen. Immer und übceall suchen und finden die christlichen Feitungsmacher einen Juden- Punkt, an dem sie solange herumtüfteln, bis er iknen ein neues fiktives Verbrechen der Juden ergibt. Und das ivird dann in den antisemitischen Blättern ausgcschrottet und mit nicht misszuverstebenden und recht unzweideutigen Worten die Bestie im Leiermob geweckt itnd auf die Juden gehetzt. Und das nennt man in Oesterreich politischen Lampf. Pfui Teufel! Lüge ist Argument, wo Antisemitismus Trnmpf ist! Nun es sich herauSgestellt bat, dass Weiss erstens überhaupt nicht intriguieri hat und ziveitens, dass weder Weiss »oet, der andere Offizier Juden sind, werden die Blätter aulisemitischen Lalibers tvohl doch ..kuschen" müssen. Tenn einzugejtehcn. dass sie ihren Lesern das Blaue vom Himmel heruntergelogen habe», um sie in ihrem Antisemitismus zu bestärken, zu erklären, dass sie die Ehre eines Toten aus parteipolitischen Nützlichleits- Bcquemlichkeitsgründen, besudelt haben, dazu ist dieses revolverjourualiitische Schinierfinkentum doch zu feig. Wen fasst da vor dieser erbärmlichen Jämmerlichieit kein Ekel an? Und diese antisemitische Partei ist heute :liegierungSpartei in Oesterreich, diese Partei ist Hof- und bündnisfähig, diese Sippe beherrscht die öffentliche Meinung unseres Staates, vergiftet mit ihren Lügen und Einstellungen das öffentliche Leben ttnd korrumpiert und verseucht mit ihrem politischen Pesthauch, was in ihre Nähe kommt. Tiefe Partei ist das 7 r

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