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Jüdische Volksstimme · 1913-05-08 · Heft 19 (8.5.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 19 (8.5.1913)
Date
1913-05-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. ״Jüdische Volksstimme." Nr. 19. י Das jüdische ,.Svüj k svemu“ und wir. Der politische Kampf, der sich in den letzten Jahren bei uns in Böhmen abgespielt hat und bei dem die Juden in Böhmen insbesondere sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden, da sie in politischer Hinsicht nicht einig waren und bis heute nicht einig sind und nur als Mittel zur Erlangung des Zweckes sehr oft mißbraucht werden, dieser politische Kampf hat sich aufs Wirtschaftliche Gebiet übcrwälzt. Das Schlagwort ״Svuj k svemu" hat so inanche schwere Wunden den Juden in ihrem wirtschaftlichen Kampfe beigebracht. Insbesondere der Jude am Lande leidct heute noch und kämpft bitter um sein Dasein. So mancher ehrliche Handelsmann mußte sein Unternehmen auflösen und in andere Städte mit den Seinen ziehen wo er sich mühsam sein Dasein erkämpft. Insbesondere sehen wir seit den letzten Jahren so viele auswärtige Juden, die nach Prag und den Vororten gezogen sind, die erhofften, hier sich zu ernähren. Prag aber, bot ihnen so manche bittere Enttäuschung. Nicht nur daß die wirtschaftlichen Verhältnisse sich hier seit den letzten Jahren arg verschlechtert haben, die Teuerung in allem ein ehrliches Auskommen absolut unmöglich macht, stehen dem Juden noch Hindernisse in allen politischen Lagen so sehr im Wege, daß so mancher sich in seiner Hoffnung hier sehr enttäuscht fühlt. Das ״Svuj k svemu" wird zwar nicht öffentlich propagiert, jedoch aber stets als Handhabe gegen die Juden gebraucht. Nun, und wie verhält sich denn der Jude gegen seinen Glaubcnsgenosien? Nimmt auch er als Gegenwehr das Losungswort ״Svuj k svemu" auf? Es ist eigentümlich und auch so oft leider bewiesen, daß gerade der Jude als Konsument seinen Genossen, der sich als Geschäftsmann hier niederlicß und ehrlich sich fortbringen will, überall meidet. Die Klagen der Geschäftsleute über den schlechten Geschäftsgang sind heute allgemein, jedoch müßte so' nmncher Geschäftsmann, fände er Unterstützung bei seincn Glaubensgenossen, sich durchschlagen, denn wenn das Losungswort ״Svuj k svemu" bei uns sich nur halbwegs bewähren sollte, so viele jüdische Existenzen wären hier gesichert. Der ärmerc Jude kauft eher bei den Juden als der Mittelstand und der reiche Jude und gerade diese Leute bekräftigen dadurch den Haß. der gegen die Juden in allem ihrem Stande sich zeigt. Wir könnten viele, viele Beispiele anwenden und die Klage unserer Geschäftsleute über die jüdischen Konsumenten ist eine vollberechtigte. Kürzlich als wir vor einem jüdischen Hotel vorübergingen, sahen wir dort Kohle abladen von einer christlichen tschcchischnationalen Firma, wie wenn es in Prag keine jüdischen Kohlenhändler gäbe. Ja, so manches ',jüdische Institut bezieht seine Waren von tschcchischnationalcn Firmen, wie wenn es in Prag keine jüdischen Handwerker, jüdischen Geschäftsleute gäbe. Wir könnten viele, viele angebcn, die geradc jene unterstützen, die alles andere eher sind, als Freunde der Juden und wahrlich sich nicht scheuen, wenn sich die Gelegenheit darbietet, auch ihr Mütchen an den Juden zu kühlen. Es ist höchst beschämend für uns Juden, daß wir so handeln und wahrlich, wenn wir denen Steine auflesen und von uns Juden mit allen Mitteln geholfen wird, warum sollten sie diese nicht dazu gebrauchen, um dem Juden seine Fenster ein zuschlagen. Es liegt uns ferne, vielleicht für die jüdischen Handwerker und Geschäftsleute zu propagicrcn, ein jeder von uns sollte cs sich doch zur Pflicht machen, den Seinen zu unterstützen, wir verlangen keine Rachmunis, aber Rücksicht auf die Glaubensgenossen, die bei der heutigen elenden Zeit einen verzweifelten Kampf ums Dasein führen. Wenn die Juden auch ihr ״Svuj k svemu in vieler Hinsicht üben werden, dann würde so manche Sorge dem jüdischen Geschäftsmann abgenommen werden. Wie beschämend ist es, hören zu müssen: Gott soll mich hüten, von Juden leben zu müssen. Wir erachten es als unsere Pflicht, in der jetzigen elenden Zeit auf diese Uebclstände aufmerksam zu machen und hoffen, daß diejenigen, die heute ihren Bedarf dort decken, daß sic als Juden behandlet werden, das Losungswort gebrauchen werden: Svuj k svemu. Prag, 5. Mai 1913. Hundfcfiau. Hetze gegen einen Spender. Für den Bau eines hebräischen Gymnasiums in Jerusalem spendete angeblich der Rabbiner aus Lisiec, Galizien, eine Krone, die dann im Lemberger Tagblatt mit anderen Spenden ausgewicsen wurde. Diese Tatsache gab zu einer orthodoxen Zeitungspolemik in Galizien Anlaß und der Rabbiner wurde aufgefordert, sich Lffentlich zu rechtfertigen. Die Folgen dieser Spende sind noch nicht abzusehen. Nationalisierung des Kapitals in Rußland. Kaminetz. Der Finanzminister erteilte der hiesigen Neichsbankfiliale den Auftrag, Anleihen an kleine Banken in den Dörfern zu gewähren und motivierte diese Verordnung damit, daß in den städtischen Bankhäusern zumeist Juden bcteiligt sind. Schächtverbot in Schottland. In Schottland herrscht jetzt eine furchtbare Agitation gegen das Schächten seitens des Tierschutzvereines. Jeder Schächter wird bei Gericht wegen Tierquälerei cinacklagt. Die jüdischen Gemcinden beschlossen, alle Mittel und Wege zu unternehmen, um dieser antijüdischcn Hetze entgegenzntreten. Internationaler historischer Kongreß. London. Vor zwei Wochen wurde hier der internationale historische Kongreß eröffnet. An diesem beteiligten sich auch mehrere jüdische Persönlichkeiten, darunter Professor Golanz, London, Sir Sidnei Lee und Sch. Waldstein, gewejener Minister Oskar Strauß, Amerika, Prof. Libermann, Ofenheim, Noscnberg, Gaster, Frl. Henriette Herz, Rom, Robert Mond u. v. a. Ebenso entsandten jüdische historische Vereine ihre Vertreter. Zum Generalsekretär des Äongrcsses ist Prof. Israel Golanz, der Delegierte der ,Kritischen wissenschaftlichen Akademie ernannt worden. Einige Referenten werden offiziell über jüdische Historie referieren. Zum Bcilisprozcß. Berlin. Es erschien hier ein Sammelbuch über den Bcilisprozcß, in welchem alle Ansichten der größten Autoritäten aus England, Deutschland und Frankreich über das Protokoll der Obduktion der Leiche Justtschinskis enthält. Die Ansicht des Kiewcr Professors Sikorski, der auf Grund dieses Protokolls einen Ritualmord feststcllen will, wird einhellig widerlegt und als unwissenschaftlich bezeichnet. Militärpflicht nach dem Tode. Pokrowsk bei Jekaterinoslaw, Rußland. Eine arme Witwe namens Sara Jsrez lebt hier in großem Elend. Dazu kam noch das Unglück, daß ihr einziger Sohn starb. Die unglückliche Mutter erhielt jetzt die Auffoderung, ihren Sohn zur Assentierung zu schicken. Ta aber die Frau keinen Totenschein von ihrem Sohne vorweisen konnte, weil in dem Dorfe keine jüdische Matrikenführung besteht oder wegen Vernachlässigung der betreffenden Behörde, so wurde sic zu 800 Rubel Strafe verurteilt. Aber auch die Judenfeinde werden Stoff haben, um zu beweisen, daß die Juden sich der Militärpflicht entziehen. Jüdische Emigration nach Amerika. In den letzten 12 Jahren wandertcn 1,180.000 russischer Juden aus. Im Vorjahre allein cmigricrten 66.000 Juden aus Rußland nach Amerika. Russische Ritualmordgespenster. Ist auch das ganze Jahr hindurch die Ritualmord- Hetze in Rußland auf der Tagesordnung, so verdichtet sich doch die Atmosphäre, sobald die Osterzeit herannaht. Jetzt, unmittelbar vor dem jüdischen Osterfest, taucht das Ritualdmordmärchcn in den verschiedensten Punkten des Reiches auf. So cntseffcln augenblicklich in Schitomir die Pogromistcn eine starke Ritualmordhetzc, weil dort seit einigen Tagen ein neunjähriges Mädchen vermißt wird. Auch in einem Orte in Ruflisch-Polcn rief das Verschwinden eines Knaben einige Unruhe hervor, und schon war eine Zeugin zur Hand, die irgcnd etwas gesehen haben wollte, schon war ein Jude da, der angebliche Riiualmorder, bei dem die Polizei schnurstraks eine Hausdurchsuchung vornahm, die natür-!ich nichts ergab. Bald ward auch der Gesuchte lebendig wieder da. Die Sache hatte nunmehr ein komisches Finale, cs stellte sich heraus, daß der Vermißte ein jüdischer, elternloser Knabe war. Nicht überall aber haben die Ritualmordmärchen ein komisches Finale. 10.000 Franken für Jemenitenhäufer. Her Chaim K a h a n, aus Warschau, der kürzlich mit seiner Frau Gemahlin das Hauptbureau in Köln besuchte, spendete den Betrag von 10.000 Franken für 10 Jemenitenhäuser und 1000 Franken als Beitrag zum Erwerb von Boden in der Uingebung einer historischen Stätte in Palästina. Herr Äahan ließ außerdem seine Gemahlin in das Goldene Buch des Nationalfonds eintragen. Rechte für ausländische Juden. Russische Zeitungen berichten, daß das russische Ministerium des Innern beabsichtigt, binnen kurzem die Paßfrage für ausländische Juden im Sinne Amerikas zu lösen. Rußland hat für ernste energische Forderungen mächtiger Staaten keine tauben Ohren. Rabbiner-Zeitung. Krakau. Ab Monat' Jjar erscheint hier eine hebräische Halbmonatschrift für Rabbiner alten Stils unter Redaktion des Herrn M. Nock. Jüdischer Patriotismus. Kischiniew. Vor einigen Tagen weilte hier eine Frau aus Bulgarien, namens Frau Dr. Schischmanowa, die den Zeitungsherausgebern anläßlich eines Jnterwiews folgendes erklärte: Die jüdischen Soldaten zeichneten sich durch wahrhaften Patriotismus und Heldenmut im Kriege aus. Jüdische Mädchen nahmen freiwillig einen lebhaften Anteil im Dienste des' Noten Kreuzes. Die jüdisch-medizinische Abteilung erhielt eine Anerkennung von Königin Lconora für ihre großen Leistungen. Aktion zugunsten spanischer Jude». Madrid. Senator Maestro stellte sich an die Spitze eines Komitees, das sich mit dem Schicksal der Juden am Balkan, welche spanischer Herkunft sind, befaßt. Das Komitee will die Rück-' kehr dieser Juden in das Heimatland bewirken. Angeblich sind bisher 80.000 Gesuche eingelausen. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ I. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven cirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 50/0 j&nrlich fallender garantierte P.ämie, General-Agentur für Wien, 1., Aspernplatz 1, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion lür Prag, Ferdinandsstr. 20. neu, Leiter Roheit Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Lbbl Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan Rössner, St. Sebastlana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. Tod zweier jüdischer Aviatiker. Abrahmowicz und Donez sind in einem Tage umgekommen. Beide waren Juden. Abrahniowicz war der Enkel des bekannten hebräischen Schriftstellers Mendcle Mocher Sesorim und Donez, richtig Salomo Lurje, war aus Slanim in Rußland. Erneuerung des Handcsvcrtrages zwischen Rußland und Amerika. Die ״Ruska Molwa" weiß aus sicherer Quelle zu berichten, daß Rußland schließlich manche Erleichterung für. amerikanische Juden zugcstehen wird, um mit Amerika einen neuen Handelsvertrag abschließen zu können, aber immerhin keine Gleichberechtigung wie für amerikanische Christen zugeben wird. Berschmähung jüdischer Hilfe. Kaminetz, 'Rußland.' Seit längerer Zeit herrscht hier eine stark verbreitete Typhusepi-- dcmie, die schon zahlreiche Menschenopfer verschlang. Nun weigern sich bereits die christlichen Aerzte, die Krankenhäuser zu besuchen. Der Gouverneur will cs aber trotzdem nicht zugeben, daß jüdisä-e Aerzte zugelassen werdest, um ihre Hilfe den lebensgefährlich Erkrankten angcdeihen zu lassen. Russischer Mut. Bcrdiczew, Rußland. Auf offener Straße spazierten zwei jüdische Jünglinge, die zufällig im Norübergehen au einen vorbeicilenden Offizier anstießen. Der Offizier erwiderte auf das ״Pardon!" mit Ohrfeigen, worauf einer der Jünglinge ihm erbitterte Worte entgegenete. Jemand beschimpfte den Offizier und er stach

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