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Jüdische Volksstimme · 1913-04-21 · Heft 17 (21.4.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 17 (21.4.1913)
Date
1913-04-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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״Jüdische Volksstimme." Nr. 17. Seite 4. Amalel getan auf dem Wege, als ihr aus Aegypten zöget, >vic er dich plötzlich überfiel und hinter dir her die Schwachen nicdermctzclte usw. Wenn dir nun der Einige, dein Galt, i» dem Lande, das er dir zum Besitze ei »geben lvird, von allen deinen Feinden umher Bube verschafft haben wird. 77N271 sollst du das Anti'iilni Amalels austilgen unter dem Himmel: Vergif: es nicht." >5. M. 2ä. 17.) War ettva Ainalck ein giösteeer Feind Israels als der grausame Tyrann Pbarao't Abgesehen dar 1, erscheint ja dieses Gebot timchc umso rälselbaster, s doch Moses, nachdem Amalei in. Nefidim vollsländsi ׳esiegt ivurdc, den göttlichen Auftrag erhielt: ״schreit dieses zum Gedächtnis in das Buch und schärfe es 7 .11 Iosna ein, das; sch stets das Andenken Ämalets unter dem Himmel vertilgen >״׳-׳de ״ב־ מהד, אמר־זדד. Tie Antwort aus diese Frage ist nicht schwer zu finden. Israel wurde durch lvundcrbarc Begebenheiten aus der .Knechtschaft Aegyptens befreit. Durch die Wunder, die in Mizrajim und am :!loten Meere geschahen, ivnrden die Völker des Morgenlandes cingeschüchtcrt. ,.Völler hörten es, und bebten, ein Zittern ergriff die Bewohner Pewschetb. Da erschraken die Fürsten von Edoui, die mächtigen Moabs ergreifet ein Beben, es zag.en alle Bctvohner Kanaans." Fa selbst jene Gestböpsc. die sonst beim Anblicke eines Israeliten sich :׳.i.kr enthalten tönncu, ihre Wut durch sonderbare 7one zilin Ausdrucke zu bringen, verhielten sich in jener ewig dentwürdigcn flacht, da die Israeliten Mizrajim verließen, ganz ruhig, ohne ihre Zunge zu regen; nur Aiuale! tvagtc es, als die Israeliten nach :ücsidim katuen, sie plötzlich, meuchlings zu überfallen. Was machte 111::, Iiierzn Aulas; gegeben haben? War cs Eroberungssucht? Niehls von alledem! Die freigetvordencn Jsrac-!neu waren aus dem ״Wege" — daher nicht im Besitze non Grund und Boden — ivobnten in einfachen zerlegbaren Hütten und nährten sich vom Manna, ivahrlich!einbeneidenswerte Situation! Waruiu also werden sie dennoch von Amalel plötzlich angegriffen? Ainalck ii! der ewige Feind der Freiheit, weil ein srciheitsliebcndes Kulturvolk sich nicht bedrücken und knechten lasst, ilitd da er geivustt, dast von Mizrajim der Weg zum Sinai führte, tvo den Israeliten die Thora veriiri.in werden sollte, die jede Knechtschaft und Bedrückung streng verbieten und nur Freiheit, Menschenliebe, Menschenfreundlichkeit lehrt und predigt, so glaubte er, und tiicht mit Unrecht, der Befürchtung :!lau»! geben zu müssen, das; diese herrlichen, bcjrcienden Lehren in der Welt verbreitet und von den Völkern der Erde mit wahrer Begeisterung beherzigt und beachte! lvcrdcil tönntcii, daher entschloß er sich rasch, .Israel in :!iesidim zu übcrsallcn und — lvie esspäter atich sein Sprosse tun tvollle — an einem Tage Jung und Ali, Binder und Frauen schonungslos niederzumetzeln, damit dieses Volk überhaupt nicht zum Sinai tomnic. Allein Ämalck hatte sich getäuscht und überbaupt vergesse», dah Israel einen mächtigen Beschützer bat, der ihm seilten ctvigen Beistand verheizen hatte. Ilnd so gelang es auch tatsächlich Israel in Nesidim Amalck vollständig zu bcsigen. Tann erging das güitlickte Wort an Moses: ״Schreibe dieses zum Gedächtnis in das Buch, das; ich de» Amalel — diesen ewigen Feind Israels — so oft er, wie in :!lesidim Ankas; sinden lvird, Israel nieuchlings zu überfallen, bekämpsen!“EN מהה und schonungslos niedcrschntettcrn lverde." ״Moses baute einen Altar und nannte ihn. ״Ter Ewige ist incin Panier!" Und sprach: Die Hand liegt ans dem Throne des Ewigen zum Schivur, das; 'der Ewige von (Geschlecht zu Geschlecht »-- --x ivider Ainnlek Urieg führen lvird." Iti seinen letzten :Ileden ries daher Moses dein Volte Israel zu: ״Gedenle, was dir Amalel getan aus dem Wege, da ihr aus Aegypten gezogen seid. Tii lveiltest damals in Restdim, warst iin Innern zertlüstoi, wolltest leine Autorität anerkennen, lvagtcjl sogar das Tasein Gottes zu bezweifeln: Hajcsch Adonai velirbenu im ojini? ״Ist 'Adonai unter uns oder nicht?" plan dachte Ainalek: Ein Volk, das in seine»! Innern zersabre» nnd zertlüsrei ist, ist macht- und Ivehrlos, und er übersiel dich meuchlings, um dich vollständig zu vernichten. Wenn nun dir der Ewige, dein Gott, von allen deinen Feinden lvird lliuhc verschafft haben, so das; du nun endlich in den Besitz der vollstäiidigsten Freiheit gelangt sein wirst, dann sei erst recht aus der Hui, denn du lvirsl von Ainalek auf Schritt und Tritt mit Argusaugcn bewacht, limche, es ist daher n» dir, ihn zu belämpsen und zwar dadurch, das; du sorgfältig alles vermeidest ,lvas geeignet lväre, ihm Anlas; zu geben, dich anzngreisen; lverde nicht in der Freiheit stolz, sondern bleibe >!1it alle» Fasern deine-:- Lebens treu dem Glauben der Väter, halte hoch die Tbora. Dann lvirsl du in den Besitz geistiger Wasscn gelangen, um selben Ainalek belämpsen zu können. Vergiß es nicht!" Minder gefährlich Ivar der pharoanische Hebräer- Hatz. Pharao war unstreitig ein grausamer Despot, der die cingcwandcrtcn Israeliten geistig zu ruinieren beabsichtigte, um ihre Kräfte zu Staatszwcckcn, zu Feftungsbautcit usw. ausnützcn zu können. Sein Grundsatz lautete: Tichbad hoabandu al hoanoschim. Die Arbeit must den Leuten schwer gemacht lverdcn, damit sie vollans beschäftigt seien und nicht Zeit und Mutze gclvinneu, sich mit Frcihcilsgedankcn, überhaupt mit höheren Idealen befassen zu können. Physisch, materiell jedoch lvollte er sic nicht — wie es etwa Amalck beabsichtigte — zugrunde riche». Die materielle Lage unserer Ahnen >11 Aegypten war keinesfalls eine solch traurige, wie mau gcwöhiiiich annchinen zu müssen glaubt. Wohl wurden sic dort sklavisch behandelt, aber wirlschastlich zugrunde richten lvollte man sie nicht; es wurden dort auch keine Gesetze erlassen, die dahin zielten, ihnen den Bissen Brot vom Munde ivcgzureistcn. Dort gab cs auch kein Parlament, in welchem der Eine ausgerufen: Man soll die Israeliten vernichten, der Andere, man soll sic köpfen, der Tritte, man soll sie auswciscn, der Vierte, man soll Schustgeld auf sie aussctzcn, der Fünfte, man soll ihre Güter kousiszicren. Ter Umstand, das; die aus Aegypten befreiten Israeliten so oft nach Mizrajim gravitierten und nach den ägyptischeu Fleischtöpfen sich sehnten, beweist zur Genüge, das; ihre materielle Lage keine ungünstige war, dast sie von drückenden Nahrungssorgeu weniger behelligt wurden, als jetzt ihre Nachkommen in der modernen, weit fortgeschritteneren, tultursrcundlichen, lichtvollen Zeit. Und das war ihr Glück. Man zwang sic wohl zur Arbeit, zur Sklavenarbeit, aber man liest sic ״leben"*), daher sic ausharrcn konnten, bis die göttliche Hilfe kam. Darum lvird den Israeliten in der heil. Schrift zu wiederholten Malen cingeschärst: ״Bedenke, dah du ein Ttlave in Aegypten ivarst, ein Leibeigener, über dessen Leben und Tod sein ״Herr" nach Belieben versügen kann und du demnach aus lvunderbarc Weise von der Leibeigenschaft befreit lvurdcst." Dem ,?Aegypten" aber — d. h. einem Mitglicde des ägyptischen Volkes — darfst du deshalb doch nicht grollen ti gcr hojiso bcarzo, denn dieser Hai dich nicht als Leibeigener, sondern als gewöhnlichen ״fremden" Menschen behandelt und in seinem Lande geduldet," und bei deincin Auszüge aus Mizrajim dich mit Reichtümern versehen. Zur Erinnerung an dieses- Wunder rvurdc das Pessachfesr für ewige Zeiten eingesetzt. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven cirka 110 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit - > jäurlich fallender garantierte Prämie, General-Agentur für Wien, 1., Aspernplatz 1, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktron für Prag, Ferdinand.-str. 20. neu, Leiter Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Lobt Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan Rüssner, St. Sebastiana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Bertling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. Die Moria. Von Dr. jur. Karl E o h n, Altona. Es gibt Menschen, die in all ihrem Tun und Schaffen vom Glück begünstigt lverdcn, die fast mühelos zu :!stihtii, Ehre, Reichtum gelangen. Andere dagegen t'titssen hart tämpsen und mühsam gelingt es ihnen, Scktritt sür Schritt an Boden zu gewinnen, bis sic endlich unter allseiliger Anerkennung das Ziel ihres Lebens erreicht haben. Ilnd dennoch sind die zuletzt Ge- ,;tüchneten die glücklicheren. Ein Baum, der in einem ■w0»11raT emporschiestl, lvird vom ersten Sturm geknickt .verden. Die Eiche, die Jahrhunderte bis zu ihrer vollen :Heise gebraucht, überdauert die Stürme der Iahrhunderte. Wirtliche Stärke, tvahre Kraft und Gröste wird nur bei dem gcstinden, der in schivcrer Arbeit und Ausdauer siech allmählich duiechgesetzt hat. Was sür den einzelnen Menschen gilt, hat auch Geltung für Organisationen. Nicht die Organisationen lind die alles überdauertiden Bausteine der Zuiunsi, d!e toie hellenechtende Momeien alles blenden und übertttahlen zt!!vollen seheinen, die aber bald iviedcr im Tuntel verschwinde», sondern' die Lrganisatioiicu sind es, die trotz aller Verkennung, trotz aller Auseiiidungen sich immer iveiier ausbreilen, immer mehr Fust fassen, bis attech der letzte ihre Notwendigkeit und ihre Bedentung anertcnttcn inus;. Ein solch secheinbarcs Stiefkind unter den Orga- *) Besonders das ägyptische Volk behandelte das Hebräervolk liberaler als die :!iegierung. Tie Worte: ״Tie sollen fordern, jeder Mann von seinem Freunde und jede Frau von ihrer Freundin silberne und goldene Geräte", beweisen zur Genüge, dast die Acgypter mit den Israeliten aus sehr srcundschafilichem Fustc lebten. tttsationen ist auch die Moria gewesen. Ueberall zuerst verkannt, oft auch angefeindet, ist ihre Idee nur ganz allmählich in immer weitere Kreise gedrungen. Ohne viel Aufhebens von sich zu machen, ohne grohe Propagauda zu treiben, ist die Moria nach und nach zu einem Machtfaktor innerhalb der gesetzcstreuen Judenheit geworden. Weite Kreise der gesetzcstreuen Judenheit haben sich ihr mit Begeisterung angcschlossen. Es gilt jetzt diese Begeisterung auch in die Kreise, die der Moria bisher noch fern gestanden haben, zu tragen, zum Heile der gesetzcstreuen Sache, der wir alle dienen wollen. Was will die Moria? § 1 ihres Programmcs gibt die Antwort: ״Zweck der Moria-Organisation ist die Förderung der Kolonisation Palästinas auf religiösgesetzlicher Grundlage. Diese Aufgabe soll der Jugend ein Ideal geben, das in ihr religiöse Treue zu befestigen geeignet ist, und zugleich die Basis zum Zusammenschiltst der religiös gesinnten jüdischen Kreise aller Länder bilden." Ganz abgesehen von der großen Bedcutung der מצות ישוב אר*ן •שראל des Gebotes der Kolonisationstätigkcit in Palästina an sich, das, nach einem Ausspruch, allen anderen Geboten der Thora zusammengcnomincn, gleichwertig ist, ergibt sich für die Gejetzestrcucn die unbedingte Notwendigkeit, die Paläsiinaarbcit energisch in die Hand zu nehmen, schoil e-us rein tatsächlichen Gründen. Es besteht die Gefahr, dast sie gegenüber den Nicht-Gcsctzestrcuen infolge ihrer Ilntäiiglcit ins Hintertreffen geraten in einem Lande, in dem sich ohne Zweifel ein groher Teil der jüdischen Geschichte in den kommenden Jahrzehnten abspiclen lvird. Die Orthodoxie muß daher durch tatkräftige Kolonisationstätigkcit in Palästina die Oberhand zu gewinnen, um die jüdische Geschichte auch zu einer wahr- Haft jüdischen, zu einer jüdischen im geschestrcucn Sinne zu gestalten. ES mutz auch endlich einmal die Hilflosigkeit und Ilntütigleit der Gesctzcstrcucn in der Hilssarbeit für unsere unterdrückten Brüder im Osten aushören. Ist es nicht eine Schmach, daß eine Reihe von jüdischen Organisationcn, die nicht auf gesctzcstreucm Boden stehen. Großes für unsere leidenden Brüder geleistet haben, dast aber wir Orthodoxen, die Vertreter des wahren einzigcn Judentums, als solche bisher nichts getan haben und, falls wir etwas tun wollten, gezwungen waren, 111-5.׳ an der Hilssarbeit der nichtgcsctzestreucn Organisationcn zu beteiligen? Die Moria macht dieser Schmach ein Ende. Durch sic werden!vir Gesetzcstreuen in den Stand gesetzt, in großzügiger Weise für unsere verfolgten Brüder cinzutrctcii, sic in gesicherten Wirtschaftliehen Verhältnissen in Palästiita anzusiedeln. Die Moria hat daher auch eine eigene, von allen anderen jüdisehen Organisationen unabhängige Hilfsaktion sür die jcuicnitischcn Inden in die Wege gclcikct und erwartet von dem Eifer und der Opferwilligkcit aller gesctzcstreuen Kreise, daß es ihr ermöglicht wird, hierin dem von übrigen jüdischen Organisationen Gcschaffcncti Gleichwertiges an die Seite zu stellen. Tie Idee des Moria-Programmes ist aber noch viel tiefer, als es auf den ersten Blick und auch nach den eben aufgczcigtcn Gesichtspunkten den Anschein hat. Die Moria hat sich gefragt: Welche Probleme stellt die Gegenwart an die gesetzcstrcue Judenheit und wie können sic gelöst werden? Das Problem, das im Laufe des 19. Jahrhunderts der gewöhnlichen Zeitrechnung gelöst werden mutzte und auch tatsächlich gelöst wurde, war das Verhältnis von Judentum und Kultur. Die Lösung brachte uns der graste Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch s. A. Dasjenige Problem, das heute drängend der Lösung harrt und von dessen Lösung die Zukunft des Judentums abhängt, ist die Frage nach dem Verhältnis von Judentum und Wirtschaftsleben. Der Abfall von׳ Judentum wird in der Gegenwart nicht so sehr bewirlt durch den vermeintlichen Widerstreit zwischen Judentum und Kultur als durch den Zwang Wirtschaft-!!.her Verhältnisse. Dieser Abfall wird aber wachsen, je mehr auch die Länder des Ostens, Ungarn, Galizien ׳.litt insbesondere Rußland, sich wirtschaftlich zu entwickeln und damit allmählich aufhören, gesetzcstrcue Zentren zu sein. Tenn ein gesctzestreucs Zentrum kann nur dort existieren, wo die Wirtschaft jüdisch ist, und eine jüdische Wirtschaft in wirtschaftlich entwickelten Ländern nur dort, wo die Juden die Majorität der Bevölkerltiig bilden. Das jüdische Witrschaftsproblem ist also die brenncndste Frage der jüdischen Gegenwart. Zwei Möglichleiten der Lösung gibt es: Einmal dadurch, daß eine große gesetzcstrcue Organisation versucht, überall jüdischc Großbetriebe zu schassen und in ihnen allmählich der gesamten Judenheit Beschäftigung zu geben, ihr so die Erfüllung des jüdischen Gesetzes, insbesondere die Sabbathheiligung ermöglichend. Die zweite Möglichleit wäre die Schaffung eines gcsctzestreuen Wirtschaft?- lebenS und eines gcsctzestreuen Zentrums in einem

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