Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1913)
- Date
- 1913-04-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2621806-2621846-2621862--2117-2623194- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4. ״Jüdische LolkSstimme". Nr. 16. unsere Rechte für Freiheit, Wahrheit und Gercchtigkeit. Mit unseren unverminderten Tugenden und den Supplementen der anderen Nationcn ist es uns nur möglich, treue Bürger im wahrsten Sinne des Wortes zu sein. Dies ist die Lehre des neunzehnten Jahr- Hunderts. YERLOBUHQ5-RINQE BRÄUTSCftnUCK - * HOCHZE1T5QE5CHENKE EHE-RINQE •••**•••• in bervorragander Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen־, Uhren-, Goldu. Silber wärenhandlucg Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. Ungarischer Brief. Von Dr. Kl. E i s e n st a d t. Die Leitung der Neologie ist ungemein rührig. Erst vor ganz kurzer Zeit kamen die Distriksprüsidcnlen, die wohl Präsidenten sind, aber keine Distrikte haben, zusammen und nun hatte die Landeshauptstadt wieder das Glück, sic in ihren Mauern zu beherbergen. Es galt, der Orthodoxie zuvorzukommcn und beim neuen Minister vor ihr Aufwartung zu machen. Der Sprecher der Deputation war der neologe Kauzlcipräscs Moriz Mczci, der gegen seine sonstige Gepflogenheit sehr zahm war und die Orthodoxie gar nicht angriff. Er klagte nur im allgemeinen über die Bcnachtciligung der israelitischen Konfessionen, die, wie er meinte, nur auf dem Papier rezipiert sei, aber keine wirkliche Autonomie habe und hinter allen anderen Konfessionen stehe. Er vergaß aber, dem Minister zu sagen, daß an diesem Zustande die Neologie die Hauptschuld trage, da sic ja keine Autonomie haben wolle. Vielleicht holt es Herr Mczci noch nach, da er ja dem Minister Deteils versprach, die sich für die Ocffcntlichkcit nicht cigncn. Dort wird auch die Orthodoxie ihren Teil bekammen. Wir können warten. Der Minister empfing die Deputation sehr freundlich, versprach, die Fragen zu studicren, die Uebel zu sanieren, da er ein aufrichtiger Anhänger der Gleichheit aller Konfessionen und Bekcnntnisse sei. Weniger konnte er wirklich nicht versprechen. Auch die Zentralkommisiion der Orthodoxie hielt unter dem Vorsitze Adolf Frankls in Budapest eine Sitzung ab. Sie behandelte vorwiegend interne Angclcgenhciten der Orthodoxie. Den Mißftänden bei Rabbinerwahlcn, die nachgerade zu einer Landesplage gcworden sind, soll energisch cntgegcngctrctcn werden. Die Renitenz eines Kandidaten gegen die Leitung der Orthodoxic soll mit Disqualifikation des Betreffenden bcstraft werden. In der Hatarahfrage wurde beschlossen, der Landcsrepräscntanz geeignete Vorschläge zu unterbreiten. Wir glauben, daß' die nach Peßach zusammentretendc Landcsrcpräscntanz auch die Frage der Gründung des Rabbinerpcnsionsvercincs beschäftigen dürfte. Die Vorarbeiten sind gemacht. Der Rabbiner aus Äagymihaly versendet diese Woche einen Aufruf zum Beitritt und den vom Schreiber dieser Zeilen verfertigten Statutentcnwurf an alle orthodoxen Rabbiner des Landes. Möge die Arbeit dieser Männer von Erfolg gekrönt sein, da dieser Verein ein Lücke auszufüllcn berufen ist, die täglich schmerzlicher empfunden wird. Auch die Regelung der Rechtsverhältnisse der anderen Gcmeindcangestellten tvärc dringendes Bedürfnis, doch wird in diescr Frage kaum eine Einigung aller beteiligten Kreise erzielt werden können. Und doch muß etwas geschehen. Die leitenden Kreise sollten die Frage lösen, bevor man ihnen von anderer Seite zuvorkoimnt. — Vidcant conentcs! Generalversammlung des Vereines ״Machsike hadas" in Brünn. Sonntag den 13. d. fand die diesjährige General- Versammlung statt. Herr Halpern cröffnctc und konstatierte die Beschlußfähigkeit der Versammlung. Der Geschäftslcitcr des Vereines erstattete einen ausführlichen Rechenschaftsbericht, dem folgendes zu cntnchmen ist. Der Verein erhält eine fünfklaffigc unentgcltlichc Knaben- und Mädchcnbibelschulc, die von zirka 11V Kindern frequentiert wird. Die Erfolge sind als äußerst befriedigend zu bezeichnen. Den Lehrkräfte», den Herren Fricdmann, Gollcrstcpper, Mcisel und Frl. Steif, wurde unter lebhaftem Beifalle der Dank und' die Anerkennung für die uneigennützige selbstlose Erteilung des Unterrichtes ausgesprochen. Gebet- und Lehrbücher erhielten die Schüler vom Vereine. Der Verein erhält ferner ein eigenes Bethaus, in dem der Gottesdienst täglich in alttraditioncller Weise abgchaltcn wird. Montag und Donnerstag werden Talmud- Vorträge, Samstag nachmittag Schiur-Vortrag abgehalten. Anläßlich des Chanukafestcs wurden 45 Knabcn und Mädchen mit Kleidungsstücken beschenkt. Durch die vom Verein begründete Pco-Brockcnsammlung war cs der Vcreinsleitung möglich, einer größeren Anzahl armer Glaubcnsgcnoffcn Kleider, Wäsche und Hüte zukommen zu lassen. In Angelegenheit des ״Waschens der Toten" wurde im Einvernehmen mit der Kultusgemcinde die Vereinbarung getroffen, daß diese Zcrcmonien von nun ab unter Aufsicht des Moreh Zedek des Vereines vorgenommen werden. Durchreisende arme Glaubensgenossen wurden unterstützt. Um Glaubensgenassen die Möglichkeit zu geben, streng koscheres Fleisch zu erhalten, wurde mit einem Fleischhauer eine Vereinbarung getroffen. Das Amt des Schachet und Maschgiachs versieht der Vereinsfunktionär. Die Vcreinslcitung hat auch im verflossenen Jahre ausländischen Juden in mehreren Fällen Rechtsschutz zuteil werden lagen. Unter anderem wurde ein russisches Mädchen zu acht Wochen Arrest wegen Vagaboudage. und angeblichen Diebstahls verurteilt. Ucber Veranlassung des Vercinsvorstandcs hat der hiesige Advokat Herr Dr. Artur Fcldmann gegen dieses Urteil Einspruch crhobcn und wurde das Mädchen freigcsprochcn. Vier arme Barmizwahknabcn erhielten Unterricht sowie Tallcth, Tcfillim und Gebetbücher. Der Verein bat ferner auf allen jüdisch-religiösen und philantropischcn Gebieten sich betätigt und ist cs zu hoffen, daß die jüdische Bevölkerung diesem eminent Ivichtigcn Vereine die gebührende moralische und materielle Unterstützung zuteil werden lagen wird. Es wurde hierauf der Kaffa- und Rcvisionsbcricht erstattet. Der Verein hatte im verflogenen Jahre zirka 5000 K Ein- und Ausgaben. Ucber Antrag des Nevisors wurde dem Vcrcinslcitcr und Kafficr das Absolutorium erteilt. Die vorgenommcncn Wahlen ergaben folgendes Resultat: Herren Hermann Halpern, Rudolf Mcisl, Joachim Mukden, M. Breda, M. Hickl, I. Lax, S. März, M. Ticho. Revisoren die Herren: S. Rcininger, E. Glaser, B. Piowaty. DieLandtagswahlresorm in Galizien und die Juden. Die Wahlrcform zum Landtag hat die jüdische Bevölkerung Galiziens mächtig aufgcschüttelt. In allen größeren Städten von Krakau bis Taruopol sind die jüdischen Gemüter lebhaft erregt. In den so sehr untcrdrückten, verachteten jüdischen Massen, die einen großen Kampf, ums Dasein führen, herrscht jetzt ei» Drang nach Aufklärung der politischen Situation im Lande, ein brennender Durst nach dem freien, gesprochenem Worte. Tic galizischcn Juden sind sich dessen bewußt, das; sic bei der jetzigen Landtagswahlrcsorm in ihren berechtigten Ansprüchen auf Sicherung einer bestimmte» Vertretung gekürzt wurden. Dazu haben hauptsächlich der Verrat der assimilatorischen Abgeordneten des Landtagcs, insbesondere die. Bemühungen des Volkvcrführcrs Locwcnstcin, bcigetragcn. Angesichts dieses kritischen Momentes hat sowohl die Organisation der Poalc-Zionisten, als auch das Zentralkomitee der galizischcn Aionisten eine ungeheure, rege Aktion cntsaltet. Zahlreiche Versammlungen werden angcordnct, in tvelchcn der Standpunkt der Juden zur Wahlrcform des Landtages präzisiert und die Entrüstung dem ehrlosen, judcnfeindlichen Moschko Locwcnstcin ausgesprochen wird. In Lemberg, Stanislan, Nzcszotv, Taruoiv, Brody, Tarnopol, Zloczow haben bereits solche Massenvcrsammlungcn mit ernstem Verlaus stattgefundcn. Die bei diescn Versammlungen angenommenen Resolutionen wurden dem Statthalter, dem Wahlrcformausschuffc und den assimilatorischen Abgeordneten übermittelt. Nachstehend übergebe ich den Verlauf solcher Meetings in Krakau: Samstag den 5. April fand in Krakau eine vom zionistischen Lokalkomitce einbcrufenc, imposante Volks- Versammlung mit dem Thema: ״Die Juden und die Wahlreform zum Landtag" statt. Nach einer kurzen Ei«- lcitung des Vorsitzenden Dr. Zimmcrmann, schilderte Dr. Feldblum in seinen von eminentem Ncdnertalcntc und tiefer Sachlichkeit zeugenden Ausführungen, den Standpunkt der Jude» zur Landtagswahlresorm, und brandmarkte hieraus auf die schärfste Weise das Vorgehen LocwenstcinS. Als zlvciter Referent nahm das Wort Dr. Bullva, welcher an die kritische Lage der galizischen Juden anknüpfcnd, die Wichtigkeit einer entsprechenden jüdischen :licpräscntanz im Landtage nachwies. Beide Redner ernteten stürmischen Beifall. In der Diskussion ergriff das Wort Herr Birnhak, welcher im poale-zionistischen Sinne diese Frage beleuchtete. Nach einsttmmiger Annahme der entsprechenden Beschlüffe schloß" der Vorsitzende die Versammlung. Montag den 12. April würde vom poale-zionistischeu Lokalkomitce mit derselben Tagesordnung eine überaus stark besuchte Volksversammlung abgehaltcn. Das Referat hielt daselbst.Dr. Sokal aus Lemberg. In einem prachtvollen, gelungenen Jüdisch wiederlegte er die Beziehungen der polnischen und ruthenischen Parteien zu den Juden, verwies sodann auf den blindwütenden Judenhaß der polnischen Schlachzizcn und auf die Stellung der jüdischen Massen zur projektierten Wahlrcform. Er drückte seine Empörung aus über die Entrechtung des jüdischen Volkes und verdammte den assimilatorische» Abenteurer Locwenstein. Donnernder Applaus folgte seinen Ausführungen. In der Debatte sprach Herr Dembitzer im Namen des Vereines: ״Jüdische Kultur" und Dr. Feldblum, welcher die Poalc- Zionisten zur gemeinsamen Arbeit mit den Zionisten in dieser Frage zurief. Israel H a tu m c r. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNOS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I.. ASPERNPLATZ I. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven ciika 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden Überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 5afo jährlich fallender garantierte p Linie, General-Agentur kür Wien, I., Aspernplatz I, Leiter David Nebenzabl, Sub.Direktion für Prag, Ferdinand-str. 20. neu, Letter Robe.t Gerstel Sub. Direktion kür Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Löbl Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan RSssner, St. Sebastiana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgiaben S, Leiter Adolf Heitling. Hauptagentur fllr Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. Schauturnen. Am 20. April tritt zum erstenmal der Brunner Jüdische Turnverein mit einem Schauturnen vor die Oefsentlichkeit. Wir halten diese Veranstaltung für viel zu wichtig, als daß wir dieser Ankündigung nicht durch ein Paar erklärende Worte nicht jenen Aachdruck geben sollten, die sie mit Rücksicht auf die Bedeutung . für das jüdische Leben dieser Stadt verdient. Es dürfte noch vielen unserer jüdisch-nationafe11 Freunde bekannt sein, welch schwaches Pflänzchen dieser Turnverein war, als vor fünf Jahren ein paar beherzte junge Leute entflammt durch die zwingende Kraft der Idee einer jüdischeu Turnerschaft denselben ins Leben riefen und allen wird es ja wohl im Gedächtnis geblieden sein, wieviel Anstrengung es bedurfte, dieses zarte Pflänzchen zu erhalten und fortzuentwickeln. Matim war der Verein da, hatte er nicht nur gegen äußere nichtjndische Kreise anzukämpfcn, sondern auch die Gegnerschaft im jüdischen Lager niederzuringen und sicherlich wären unsere Vorkämpfer in diesen schweren Kämpfen nach außen und innen unterlegen, wenn ihnen nicht ein.Ideal vorgeschwebt hätte, so hoch und hehe. daß der Schmutz des täglichen Kampfes nicht bis zu seiner Pforte dringen konnte. Dieses Ideal, es war die Idee von der nationalen Wiedergeburt unseres Volkes. Dieser Idee, dieser nationalen Wiedergeburt, war all die Arbeit unserer Gründer gewidmet, und als die Frage erörtert wurde, ob zur nationalen Wiedergeburt auch die Auferstehung eines Muskeljudentums nötig und nützlich sei, da war auch schon die Antwort gegeben, eben in der Gründung unseres Vereines. Wir alle wissen ja, was gerade die Turnbewegung für Bedeutung für die nationale Ent- Wicklung einzelner Völker hatte und sollten nicht annehmen, daß auch bei uns die. nationale Kraft durch Organisation in Turn- und Sportvereinen gestählt und gehoben werden könnte. Ja, die Organisation in solchen Vereinen, sie scheint uns die Zukunftsorganisation aller nationalen Inden zu sein und deshalb müssen wir uns freuen, wenn unsere Turnerschaft an Zahl und Kraft fortschreitend gewinnt, wenn wir hören, daß nach kurzeni Bestände unseres Vereines derselbe an aktiven Mitgliedern und Zöglingen rund 15,0 Mann zählt, daß er schließ-!ich sogar in der Lage ist, ein Schauturnen selbständig zu - bestreiten. Ja. wir freuen uns unseres Turnvereines und wünschen ihin zu seinem Ehrentage, es möge seine Hoffnung und sein Wunsch, die gesamte