Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1913)
- Date
- 1913-04-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2621806-2621846-2621862--2116-2623193- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Nr. 16 ״Attische 0>(Tl|hme• Seite S. Kriegsininister aus der Not noch eine Tugend und betont, wenn die Offiziere trotz der von den obersten Stellen geäußerten Wünsche keine Juden wählen, zeige das, daß von einem Kadavergehorfam beim deutschen Heere nicht die Rede sein könne. Die Rede war klär und bündig und beweist, welcher Geist an den maßgebenden Stellen der deutschen Heeresverwaltung gepflegt und gezüchtet wirdässungsmäßig . nicht verzichten. zustehende Gleichberechtigung Sie ist ein freies Bekenntnis der Ohnmacht aller Stellen gegenüber dem Moloch Militarismus und kontrastiert bedenklich mit den im Vorfahre im deutschen Reichstage abgegebenen Regierungserklärungen, daß es im deutschen Heere keinen Antisemitismus gebe und daß die Verwaltung die Ernennung der Reserveoffiziere durch das Offizierskorps streng kontrolliere. Nun wissen auch die ״jüdischen Staatsbürger deutscher Station", woran sie sind und ihre Jercmiaden und Klagen in den Blättern, in denen sie immer wieder auf die Verdienste der Juden im Heere, ihre Tapferkeit auf den Schlachtfeldern des Vaterlandes und das viele geflossene jüdische Blut Hinweisen, wirken um so lächerlicher. Es geht jenseits der schwarz-gelben Grenzpfähle genan so zu, wie bei uns. Die einmalige bedeutende Heeresabgabe wird von der Heeresverwal tung allen Satatsbürgern vorgeschrieben, sic alle werden auf die immense Wichtigkeit aufmerksam gemacht.' welche das Heer für das Reich habe. Tie jüdischen Großkausleute und Industriellen werden nach allen Regeln der Kunst geschröpft gleichzeitig wird ihnen aber bedeutet, daß für ihre Sehne in den Reihen der Offiziere kein Platz ist. Die Sache wird für uns umso interessanter dadurch, da ja durch die im vorigen Jahre erflossene Zirkularverordnung des Kriegs- Ministerium auch in unserem Heere der Gebrauch eingeführt yoorden ist. die Befähigung zum Reserveoffizier nicht von dem Prüfungsergebnis wie bisher, sondern von dem Scherbengewicht des Offizierskorps abhängig zu machen. Wir'haben bereits im Oktober an der Hand der Ausmusierungsresultate des letzten Jahres den Beweis erbracht, daß diese Verordnung rein antisemitischen Charakter trägt und dargelegt, daß im letzten Jahre ein bedeutend geringerer Prozentsatz jüdischer Aspiranten für das Neserveoffizierskorps herausgekommen ist, als in den früheren Jahren und damals schon haben wir Zweifel geltend gemacht, daß sich die -Oualifi kation der Juden zürn Militärdienste in einem Jahr so bedeutend verschlechtert haben konnte. Am reichsdeutschen Heere sieht man nun genau, wohin dieser Erlaß auch bei uns führen imu Ter Kriegsminister muß zugestehen, daß es vielleicht noch etwa zwei jüdische Reserveoffiziere im weiten Deutschen Reiche gebe, die Zeit scheint nicht fern zu sein, wo ähnliche Feststellung^ auch bei uns werden gemacht werden können. Jetzt ist es an der Zeit vorzusorgen und den zu ständigen Stellen klar zu machen, daß die Inden auch i!n Militärdienste auf die ihnen verwas sagen! Wir feiern mit dem Osterfest die Erlösung der Menschheit, wir küssen einander auf der Gasse und jubeln uns zu: ״Ehristos woskrcs! Aber was ist das für eine Erlösung, wenn einer den andern ansraubt und totschlägt? Es ist wahr, auch uns geht es schlecht! Aber die Regierung könnte uns helfen, wenn sie nur wollte. Sie soll die Industrie unterstützeir und fördern, zweckmäßige Verkehrsmittel schaffen und für Aufklärung sorgen, eine richtige Konstitu tion, wie sie alle anderen Reiche bereits besitzen uns geben mrd das heilige Rußland könnte zu einent blühenden Paradiese werden! Solange aber wir geknechtet sind, sollen wir vereint mit den Juden ״Konstitutia!" brüllen, daß den Mach tigen im Reiche angst und bange wird!" Feodor: ״Was nützt uns das Konstitutia blöcken? Die Bevölkerung ist ja noch zu dumm um die Bedeutung des Wortes .Konstitutia verstehen! In Odessa z. B., da fand sich ein Spa!; vogel, welcher den Leuten einredete, das Wort Konstitutia sei falsch angebracht, es soll Pcoi tutia geschrieen werden, also hat alles gebrüllt ״Prostitutia!" Aber das taugt für die Hölle' Wir sind für den Pogrom!" Alle: ״Natürlich! Wir alle sind für den Po grom!" Der Partieführer ruft: ״Landsleute, zur Arbeit!...." Die Lehre des 19. Jahrhunderts. Vertrag, gehalten von Dr. M. Gaster in der Jewish Literarv Society of Edinburgh. Übersetzt von Lolla Jung, London. (Schluß.) ' Hunderte blickten aus ihr großes Erbteil herab, sie vergaßen ihre alte Sprache, kehrten ihren Idealen und ihrer alten Literatur den Rücken und wendeten sich falschen Idealen und anderen Literaturen und anderen Sprachen zu und ein ganz neues Leben begann. Und was tat die Außenwelt? Die Juden hatten viele Opfer gebracht. Was waren die Resultate? ״Oh, da steckt der Raub!" Lasset das Volk nicht in der irren Einbildung leben, daß die Emanzi pation am Papiere etwas anderes war als die Huldigung, welche die Nationen den abstrakten Prinzipien der Rechtschaffenheit und Gerechtigkeit widerstrebend gezahlt haben. Denn was sahen die Juden? Tie Heilige Alliance errichtete das Ghetto. Und was geschah seit damals an andern Orten? Als das gesetzliche Ghetto nicht länger konnte gehalten werden, entstand das soziale und geiliigc Ghetto, von der Heiligen 1<י ITii-mn» f>!*i iifli'n 'NitHmn'n einaefübrt. einem Rettungshafen zuführen wird. Was ist die Lehre, die ihr euch, wie ich wünsche, zu Herzen nehmen sollt? Die erste Lehre ist, daß die Juden ihr Gleichgewicht verloren haben. Sie sind weder innerhalb noch außerhalb des Ghettos. Sie sind auf der Mauer. Das ist eine sehr unbequeme Stellung. Sie vergrößert das Ver trauen nicht, gibt dem Herzen keinen Mut. bringt, dem Charakter keine Stärke. Sie haben sich daran gewöhnt, mit einem Auge zur Außen- Welt und mit einem zur Innenwelt gekehrt, zu leben und das Resultat ist, daß sie die Kraft beider Augen verlieren. Die Juden werden nun von einem Ertrem ins andere getrieben. Entweder sie verzweifeln bei kleinster Ebbe oder sie erhalten sich schwimmend durch Hoffnungen, die niemals verwirklicht werden können. Wir haben die Ruhe des Denkens, die Kraft der Regulienn1g und Reinheit unserer Vorstellung verloren. Wir müssen, was unsere Grundsätze betrifft, zugeben, baß sie vom leichtesten Windfloß gerüttelt werden können. Und unsere Erziehung lind Bil düng ist weder jüdisch noch uiijüdisch. Das -st das Resultat der Veränderung und Ennvicklung eines Jahrhunderts. Wir müssen es nun wieder lernen, den einmal getanen Weg zurückzugehen, unser Gleichgelvicht wieder herzustellen, unseren Blick klar zu machen, Miseren Charakter zu stärken und uns wieder von Tugend, Wohl tat, Wahrheit und (Glauben bestimmen zu lasien. Dies sind die Hauptpunkte, für die wir Partei ergreifen müssen, wenn wir uns sonst treu bleibei! und deei Nationen, in deren Mitte wir leben, nützen wollen. Wir haben die Lehre de>׳ Bergangenheit ganz schlecht verstanden, wenn wir g!auoen. daß wir. um gute Bürger sein zu können, schlechte Inden sein müssen, die wirkliche Lebre ist: sei ein guter Jude, dann tvirst du auch ein guter Bürger sein. Wir dürfen die große Hoffinnig nicht verlieren, daß unserem Volke eine Alliance bei allen Nationen eingeführt. Wenn ich dieses sage, dann geschieht es nicht in Form einer Klage. Ich wünsche, daß meine Leute es verstehen, daß diese Phänomena psychisch und ethisch sind, obwohl sie weder recht noch ideal sein mögen. Tie Welt hat ihre eigenen Begriffe, die mit denen der Juden in Kontakt gekommen und aneinander gestoßen waren. Es schien der Welt, daß die Juden ein zersetzendes Element seien, bas da kommt, um seine Rechte zu verlangen, von denen es so lange ausgezchlosen war und die zu fordern es heute nicht mehr )erechtigt ist. Das war das herrschende Gefühl, ob mit" Recht oder Unrecht. Und wie gab es ach kund? Sobald die Deutschen sich von ihrem großen Rausche der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichfei und kosmopolitischer Liebe erholt hatten, begannen sie zu sagen, daß die deutschen Juden die deutsche Literatur verdorben und sie judäiiert haben. Hatten die Juden sich der Musik zugewandt, dann beklagte Wagner sich über die Judäisierung der deutschen Musik und als die jüdischen finanziellen Genies das politische und industrielle Leben des Staates gehoben hatten, dann hieß cs im Spotte, daß die Juden die finanziellen Meister der Welt seien. So konnten die Juden niemals und niemand recht machen, md wo man an sie ungestraft herankommen konnte, da tat man es. Und nach dem großen Kriege des Jahres 1S<0, als die Juden endlich doch volles Bürgerrecht erhalten haben, wurde ver Antisemitismus in Deutschland geboren und wurde auch über das Wasser gebracht. Es!st ein natürliches Ereignis. Es wollte, daß soziale chranken ober soziale Ghetti errichtet werden, weil sonst eine Welt in der anderen aufgehen könnte. Sie konnten sich nicht identifizieren; sie stießen aus einander. Wo stehen sie nun heute und was ist die Lehre? Die jüdischen Aktiva wurden zur Oeffentlichkeit'gebracht. Die andere Welt erwartete, daß wir ihnen sie überreichen werden, sie waren ein sehr willkommener Beitrag als wir aber einen Gegendienst verlangten, er hielten wir eine unerwartete, nicht vorhergese heue Lehre. Man warf uns vor, daß wir viel zu vie einreben, daß wir das Versprechen der anderen zu buchstäblich nehmen, daß wir die Welt ganz judäiileren, sie sagten es, ohne zu.bedenken» das viele Juden sich dem Christentume zuwandten daß wir mehr verloren als erhielten. Was wir gaben, war recht und gut, sie dachten, daß wir es zu tun verpflichtet seien. Verlangten wir etwas, dann wurde uns Impertinenz vorgeworfen. Um die Berechtigung unserer Forderungen für gleiche Behandlung. Gerechtigkeit usw. zu reduzieren, wurden unsere Aktiva vermindert und ihre eigenen über alle Maßen erhoben. Tie Inden sind in die Falle gegangen und ihre Rechte gingen verloren, ^ie befanden sich auf einem! wir aber ausgelien. schiffe, auf dem all ihre Ladung pechschwarz; Wilden zu morden, zu rauben und!! Wien gemacht war und dessen Stricke sogar durchichnit-j ein Stückchen Land zu erobern, das darf ten wurden, sie werden nun, ein Spiel vom Winiw!,,als sein! Dos sind die L und Wetter dahingetricben. werden dem 11116^ j (vit; sie und in unierein heiligen kannten entgegengetragen. wenn nicht etwas ge-!wahrt in! schehen wird, das ihr Schlepptau fassen und sie'Hand tre Wiedererweckung beschieden sein wird. Die Na tion, die kein Ideal bat, bat auch kein :liecht, zu eben. Zu welcher Zeit wären wir es mebr verpflichtet, als zur jetzigen, alle die großen Prinz!- pien der Wahrheit, Menschlichkeit, Liebe und Ehre, all die großen Tugenden unseres öffentichen Lebens zu proklamieren? Wo ist unsere moderne Zivilisation für die wir alles geopfert, ür die wir Hunger und Durst gelitten und im sere Hoffnungen gänzlich zerstör! haben? Wo st diese Zivilisation? Setzet was vorgehr'.! Ick! stehe jetzt auf keiner politischen Plaiifori». aber es ist unmöglich, hier zu stellen, hier, im Lande der Freiheit, das bis jetzt der Vertreter der menschlichen Rechte und Liebe war und bedrück tem Volke iiumer geholfen hat, ohne;!! erwäb neu, daß England es znließ, daß in den Balkan sraaten an nnschnldigem Volke so viel w>eme:׳׳A und Raub verübt wird und 10 viel w'iausamkeit und Mord. Und dies geschieht von eine!» chi'ist ichen Volke in einer christlichen Well. ״Wo ist oie alte englische Prene?" frage ich. J,h iaae, sie ist hin! Wo habet ihr ein einziges Won ge gen alle diese ttn!!1en1'chlichie!ten gefnnden. die täglich verübt werden? Und die Zeitungen nmß ten es. Alle, von der Times abwärts. Doch Eng land hat sich verlauft. Haben nur Juden unu noch eine Mission'!' Ich sage ja! Ja lind wieder ja! Stellet auf und saget es den! Volke: Das sind nicht die Früchte einer Zivilisation und dafür wolle» wir kein Jota unserer alten Tra dition und Tugend ansgeben. Unsere gr!׳ßen Prinzipien sind Liebe, Menschlichkeit, Wahl beit nnd Ebre. Bei diesen Prinzipien!nüsien!:>:!׳ immer ml! A י<־ ih bleiben und diese Prinzipien stnd noch unsere Botschaft für die Welt. Frankreich zwanzig Millionen, mit die Waffen des Mo! zu vermebren. England nnd Deimchland gibt viele Millionen, alles von! Schweiße der Armen und vom Blute der Unschuldigen genommen, um es auf dem Altäre des Moloch, des Krieges, zu opfern. Und wann tvird es Gutes tun? Ist das Zivilisation und Fortschritt? Uno dafür iollen wir unser großes Leben und unsere Tradition ausgeben??kein, niemals! Mißverstebe! muh nicht! Um für Freiheit zu streite!!, unser He.u! zu schützen und für unsere Rechte zu kämpfe!!, wenn sie angegriffen werden, ünd nur nnie׳׳en letzten Tropfen Blut zu 1׳e׳׳gies:en bereit. Daß gleich den Barbaren ־..u■' Vergun-'u: Buche au׳ '!׳ und mit dieser göttlichen Urkunde i״ treten wir der Welt entgegen und ,.׳; ':-י: