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Jüdische Volksstimme · 1913-04-10 · Heft 15 (10.4.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 15 (10.4.1913)
Date
1913-04-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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״Jüdische BolkSstimme". Seite 4. vens in Erez-Jisroel nehmen, die Wohnungen mit Bezalcl-Erzeugutsscn ausstattcn. Soll der Schmuckschrank und die Toilette der jüdischen Frau, ihre Sabbath- Leneiucr, Eierbecher und Salzsässcr, der Cigarettentauen, Brieföfnter und Federhalter ihres Gemahls und Lobncs, ihr und der ganzen Familie von jüdischer Liunst und von der Negencratioiisidcc des jüdischen Volkes in seiner uralten Heimat erzählen. — Tie Vertriebsgcsellschast Bczalcl in Krakau wird hiezu die günstige Gelegenbeit bieten, indem sic eine Wanderausstellung des ..Bczalcl" in einer Anzahl galizischer Städte wie Rzctzviv, A'cu-Saiidcz, Jaroslaw, Zloczotv, Tarnopol, Kolo- >nca uslv.. zu arrangieren gedenkt. In Chrzanow und Tarnolv lvarcn bereits in den letzte» zwei Wochen solche Bezalel-Ausnelluiigen, welche günstige Resultate und viele Nachbestellunggn erbrachten. Israel Hammer. Ungarischer Brief. Bon Tr. Al., Eisenstadt. Tas össcutlichc Leben der ofsiziellcn ungarischen Fudenhcit steht gegenwärtig unter dem Zeichen von materiellen Fragen, die ganz sonderliche Blüten zeitigen. Tie vtabbiuer beider Parteien entfalten einen bei ihnen nngewohnlcn regen Elser in diesen Fragen und wir :vollen es gleich betonen, datz wir die orthodoxen Nab- »:״er tvohl begreifen, wenn wir auch die Mittel und Wege nicht ganz billigen, die sie zur Erreichung ihrer Zwecke aulvcudcn. Es bandelt sich um die Frage der .! llerszuIagc der Seelsorger, die von der Regierung geplant wird. Hier, wie seinerzeit bei der Kongrua :oill die Regierung einen Unterschied zwischen qualisizierten und minder qualisizicrtc» biabbincn statuicreu, wobei als qualifiziert solche Rabbincn gelten, die über ein gehöriges Mas; von Am-Harazus verfügen, ater acht Gyinnasialtlassen absolviert haben, als minder qualifizierte Rabbincn (.!) gelten alle hcrvorragcnden Talmidi Ehachamim des Landes, die aber nur über ein Zeugnis von vier Gymnasial Nassen verfügen. Fast alle orthodoxen Nabbinen des Landes gehören zur Kalegorie der minder qualifizierten und lvürdcn bloß eine lächerliche Kleinigkeit als Altersznlagc erhalten, tvogcge» die Zöglinge der Rabbinerfabrik auch hier ein ganz glanzendes Geschäft machen. Und doch lvarcn sic cs, die beim Minister vorsprachcn, um für sich noch mehr zu erbitten» was übrigens entschuldbar ist, aber sic begnitglen sich nicht damit, sondern benützten die Gelcgeirbeit, um ihre orthodoxen Kollegen zu verleumden und dein Minister nabez!!!egen, das; er den orthodoxen Nabtunen nichts geben möge. Fm Märzhefte des ״Magyar Jztail", Organ des Landesverbandes der ungarischen Nabbtuer berichtet der Führer der Tcputation über diesen Empfang und ans jedem Worte der Begrünung-:׳- rede des Ragvtaniszacr Rabbiners spricht glühender Has; gegen die Orthodoxie. Ter :Redner beginnt mit einer oifenknndigeii Lüge, indem er dem Minister vortilg!, das; der Verein im Namen aller ungarischen Nabbinen zu sprechen berufen sei. Ivo doch zumindest drei Vierteln der ungarischen Ravvinen von diesem Vcrein nichts wissen!vollen. Aber die Herren leiden nun einmal an Grötzenwalir, gegen den anzutämpsen ich für ganz überflüssig halte,;'lach der Einleitung kommt ein Seiienhieb gegen die Lrihodoren, die als mindcnvertigc Patrioten hingesiellt!verden sollen. Tann mit voller Enivbase schildert llledncr das Bestreben der zum Verein gehörenden Rabbiner, ״deren ernstestes Bestreben, »eigener Wunsch und heiligstes Ideal cs ist, das; jede jüdische Svuagoae eine Fee, eine Bastei der Ungarik.Kii Slaatsidee sei. ein 'Altar der ungarischen Rationallultur." Run ivissen ivir!venigjlens, ivarum es der ׳'keologie!:ickt gelingen lvill, Juden zu erziehen, ivarum jiti! die Bansen von Fahr zu Fahr mehren. Sind doch i 1110־ Snnagoaen Pslegeslätten der ungarischen Staatsidee, Altare ungarischer Ratiouallultnr! Bei uns Errbodoren dienen unsere Svnagogen allerdings blasi zur Verlieiung und Verinnerlichung des religiösen Gefühls wie auch die Kirchen der anderen Konfessionen blas; diese Beilimmling haben dürften, aber der Assimilalionsjiide inns; um jeden Preis!riechen, sollte er dabei ,-nch seine Heiligtümer enuveiben. Rach dieser samoten Eanleitnng nun rückt der Redner mit der Farbe heraus. Herr Minister, diese Gesinniingslosigkeit mutz bezahlt iverden. lind nun beginnt die eigentliche Bitte, die ich uim in wortgetreuer Uebersevung bringe. ״Ter :llavvin-.-rne: ns ii! zu einem Marmr:!!»: gelvorden. 1111b die ganze Schivere trifft in erbötnem Matze diejenigen, die ickieinnar in besseren Verhältnissen lebe» als ihre von d!: Mulntr ferner ::ebenden Kollegen, die ans die durch di» barere Bildting bedingten Kulinrbedürsuisse nicht verzichten!Snncn. die sich de» Verpklicklungeu nicht enlzieben töunen. die ihnen ihre böbere gesellschaftliche Stellung an'erteg:. die ibre >tiudee nicht so erziehe!: :oniien, wie diejenigen: die ibre religiöse Ansiassnug von der Mnhuv sernbäliü' :niedriger bangen!! T!e armen orth. unkultivierten Rabbiner verlangen ja nur Brot für sich und ihre Kinder, wozu soll der Staat ihnen geben. Tie ueologen Rabbiner brauchen diese Staatszulage für Theater. Kasino, für Bälle und hie und da fühlt der eine oder der andere auch das Bedürfnis aus die Jagd zu gehen, das sind Auslagen, für die der Staat schon auskommcn mutz. Datz die Herreu den Mut hatten, dies einem intelligenten Menscheu, tvic der Minister cs doch unzweifelhaft ist, vorzutragen, ist kaum Verständlich. Welche Fülle von Bosheit liegt in den wenigen Worten, wieviele versteckte vergiftete Pfeile eines unversöhnlichen Hasses in jeder Silbe. Tic orth. Rabbineu sind unkultiviert, sind Feinde der ungarischen Staatsidce, erziehen ihre Kinder in diesem finsteren, kulturfeindlichen Geiste, all diese Denunziationen werden da unverblümt vorgcbracht. Als ob Kenntnis des jüdischen Schrifttums, als ob jüdische Kultur gar keiuc Kultur wäre. Und das sagen Rabbiner, die ja Träger jüdischer Kultur sein sollten. Welchen Mangel an Bildung verrät doch diese Anschauung. Kultiviert ist also nur der, der die Sprache Arpads beherrscht und Jokaischc Romane im Urtext zu lesen imstande ist. Und diese Leute wollen, datz wir uns mit ihnen vereinigen sollen, verlangen von uns unbedingtes Bertrauen und geraten ganz autzcr sich, datz die Orthodoxie trotz aller Sircncnklänge nichts von ihnen hören will. Und in den Dienst dieser Uiiifikatiousbewcguiig, die doch nur die Orthodoxie untergraben will, haben sich auch die ungarischen Zionisten gestellt! Ist cs auch ihr hei- Ngstcs Ideal, dah alle jüdischen Bcthäuscr Pflanzstättcn der ungarischen Kultur seien? Diese Rede soll und wird austlärcnd wirken, man lvird endlich cinschen, datz die Orthodoxie mit ihrer Behauptung recht hat, datz diese Leute Feinde des Judentums sind, von denen ein rechter Jude sich lossagcn mutz. Die Kommisiion der Unisikationsbctvegung hat beschlossen, Tausende von Broschüre» im Lande zugunsten der Unifikationsidec zu verteilen. Wir werden die Bcgrützungsrcdc des Nagykaniszacr Rabbiners in Tausenden von Exemplaren verteilen ״und lvcr die Schlange sehen lvird, wind genesen." NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, I., ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven ciika 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit 50/0 jährlich fallender garantierte P> Linie, General-Agentur für Wien, l-, Aspernplatz I, Leiter David Nebenzahl, Sub.Direktion für Prag, Ferdinandsstr. 20. neu, Leiter Roheit Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szajoucha 3. Leiter Loht Taubes. General-Agentur für Krakau Nathan Rössner, St. Sebastiana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Ldter Adolf Heilling. Hauptagentur für Brünn, Wawrastrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. Wiener llucfmc&tm Wiener Blumcntag 1013. Tic hoch- und höherivohlgeborcucn Tanten der Wiener haute volce haben sich nun glücklich und endgültig über den wohltätigen Zweck geeinigt, dem sic das Reinerträgnis des nüchstcu Blumcntagcs zuweiiden tvollcii. lind da auch der Tag bereits sestgescsit ist, kann die Mvnstrc-Wurzcrci beginnen. Wir wollen davon abstrahieren, dah die Institution des Blumciiiages nicht so sehr den bedachte» Wobltätigkeitsanstaltcu zunutze kommt, denen mit einer einmaligen Zuwendung überhaupt nicht gcholscn ist, als den einzelnen Tanten des hohen und höheren ׳Adels, die im Winter als Patronesscn verschiedener Veranstaltungen staiidesgcmähc Verwendung finden und froh sind, in der folgenden toten Saison auch eine einigermatzen passende und davci dock philantropiscke Beschäftigung zu finden. Wir!vollen davon abschcn und in der ganzen Inszenierung der Wiener Blumentage btoh den Jndcnpunkt seslballen. Es!nutz da, wie schon oft bei ähnlichen Anlässen kanslaticrt werden, dah die Inden bei solchen Veranstaltungen ein prozctitncll über ihre Zahl weit hinansgchcndes Spender- und Tpcitdcnkontingcnt sielten, datz jedoch die jüdischen Wohltätigkcitsanstaticn ebenso sicher bei der allgemeinen Aufteilung der jeweiligen — Pardon, bald Hütte ich gesagt Beute — also der Sa mm tu ngsergeb n i ss e am schlcchtesten wcgkommcn. Gewöhnlich sind es gerade die llcrikalcn Jitsiitutionen, die den Löwenanteil erhalten. Tc» Rnbm schöpft mau für die Schwarzen ab, die Juden aber brauchen zum Schaden nicht für den Spott zu sorgen. Diesen erhalten sie regclmätzig in reichlichstem Ausmaße von den klerikalen und christticksozialeu Blättern, die sich lustig machen über die ad majorem bei gloriam ,.fechtenden" Jüdinnen und autzcrdcm auch einen!eisen Verdacht an deren Ehrlichkeit einfliehen lassen. Ailch liciter lvird sich ein Ausruf mit hcrzbrcwenden, adeligem Geplärre über Elend und Menschenpilickt an das goldene Herz der Wiener, das ist an die Nr. 15. vollen Taschen der reichen Juden wenden. Wir sind sicher: nicht wenige unter ihnen werden auch diesmal würdelos genug sein und den sammelnden Gräfinnen, Baroninnen, Prinzessinnen usw. Patent-high lisc, grötzcrc Spenden anlählich des Blumcntagcs übergeben. Gegen diesen Wohltätigkcitssinn unserer Geldjuden oder besser gesagt, Geldisracliten kämpfen Götter selbst vergebens. Wir müssen uns eben mit dem sait accompli abfinden. Für uns Nationaljudcn jedoch gibt es nur eine Parole anlählich dieser kontinuierlichen Ungcrcchtigkeit, die nicht einmal vor Spitälern Halt macht, und diese lautet: ״Taschen zu!" ״Keinen Heller den klcrikalen Blumentäglcrinneu!" A. E. N—r. Bilder aus Neu-Serbien. Offizielles und Inoffizielles. — Das Treiben der Komitatschis. — Die Juden von Jschtip. -- Tas Entgegenkommen der serbischen Regierung. Jschtip in Trümmern. Von Dr. H. Urbach. Mit einer ganz spezifisch balkanifchen Verschlagenheit wird der Krieg der Verbündeten gegen die Türkei geführt. Tabei wird offiziell äußerst korrekt vorgegangen und die Unkorrekthciten, ohne die es leider keine erfolgreiche Kriegführung gibt, werden durch ein offengelasscncs Hintertürchen oder durch inoffizielle, veranwortungslosc Elemente veranstaltet. So waren alle Balkanstaatcn von Anfang an für den Frieden und bereit, auf die Großmächte zu Horen, aber in! geeigneten Momente schlug das kleine Montenegro los, und die Bundesfürsten mußten da natürlich dem bedrängten beistehen und auch ihrerseits losfchlagcn. Der Wasfcnstillstand wurde seinerzeit von allen äugeuominen, nur Griechenland stellte besondere Bedingungen, um mit seiner Flotte die türkischen Küsten auch während der Friedensverhandlungen zu zernieren. Serbien ist auch heute bereit gewesen, auf Aufforderung der Mächte seine Truppen von Skutari zurückzuziehen; da springt wieder der kleine Nikita ein, der sowieso nichts zu verlieren hat, da er tot oder lebendig seinen Thron verlassen wird müssen, und läßt zum allgemeinen Sturm aus Skutari blasen. Natürlich ist das für die Serben wieder ein casus foederis und die Serben stürmen mit. Die Heere der Verbündetcn halten sich nach Möglichkeit an das Völkerrecht und respektieren Leben und Eigentum in den okkupierten Provinzen; aber wenn cs gilt, die Statistik der Nationalitäten zu korrigicrcn, so ist das eine würdige Arbeit für Dolch und Revolver für Tynainitpatroncn und Handbomben der Komitatschis. Wenn auch die regulären Truppen der Balkanverbündeten im großen und ganzen ziemlich stramme Disziplin hielten und wenigstens keine gröberen Ausschreitungen gegetl das Leben und die persönliche Freiheit der Juden und der anderen Nationalitäten sich zuschulden koiiimeil ließen, so muß konstatiert werden, daß die sogenannten Komitatschis oder die Freischaren der patriotischen Komitees, deren Banden auch in Friedenszeiten blutige Arbeit geleistet haben, jetzt in diesem Kriege schaurige Bluttaten verübten. Mord/ Brand und Notzucht, Vcrftümmelung und Leichenschändung, Ausrottung der ihnen nicht genehmen Nationalitäten mit Stumpf und Stiel, Hinschlachtnng von Greisen und Kranken, Weibern und Säuglingen war die Frucht ihrer Patriotischen Begeisterung überall, wohin sic kamen. Das Grausen und Entsetzen zog ihnen voran und wer nur vor ihnen fliehen konnte, suchte Zuflucht in den größereif Städten. So flohen unter anderen auch 700 Inden aus Jschtip nach Saloniki, als dieses noch von den Türken besetzt war, mit Zurücklassung ihrer ganzen Habe, um nur das nackte Leben der Ihren vor den bulgarischen Komitatschis zu retten. Die Not und der Jammer der Aermsten spottete aller Beschreibung. Der Deutsche Hilfsvcrein, die Belgrader Juden und die jüdische Gemeinde in Saloniki mußten bloß zur Deckung der Nahrung und Unterkunft der Jschtiper Geflüchteten bei den horrend teueren Preisen, die in Saloniki herrschen, 10.000 Franken wöchentlich aufbringen. Und da ist es nur natürlich, daß inan strebte, diese Armen wieder in ihre Heimatsstadt zurückzubringen. Wenn sic auch ihr Heim nicht mehr erkennen können, da Jschtip ein Trümmerhaufen ist (die Truppen demolierten

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