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Jüdische Volksstimme · 1913-04-10 · Heft 15 (10.4.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 15 (10.4.1913)
Date
1913-04-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 ^Jtdlsche SifiafKttme." «eite S. einer von ihnen. Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, will. Ansicht nach diese erwähnte Auffassung in den sogar eine Renaissance des Judentums herbeigeführt \ Augen des Herrn Präsidenten zeitigen. V־Vfr»t« rt fr» OE)/fr fr Art f tfrfrtfr^Aitrfrt*rtfrfr ^rfrfr« Vrtfr» TI/fr fr» ifrAf ifr /fr fr«/fr •fr* Vfr fr• 1 ‘ CW\ - _.! t '* _ .... _ * I * . . _ Wissen. Beide konstatieren, daß der Zentralverein für volle Gleichberechtigung der Juden in Deutschland kämpfen müsse , sehen also eine noch bestehende Zurücksetzung des Judentums voraus und trotzdem finden sie eine Befreiung der Ostjuden und deren totale Bersendung nach Palästina für berechtigt, verargen aber ei» gleiches Bestreben den deutschen Zwnisten. Sie sind stolz auf unsere Jugend und können es sich trotzdem nicht versagen zu den Fenstern hinaus zu sprechen und die Behörden auf die totale Unverwendbarkeit derselben Jugend für den Staatsdienst aufmerksam zu machen. Upd last not least wollen sie nach ihrem Bekenntnis innerlicher, positiver und jüdischer werden, finden es aber trotzdem für unerläßlich, daß der deutsche Jude neben der Erfüllung seiner staatbürgerlichen Pflichten und des deutschen Hurrapatriotismus auch deutscher Gesinnung, sein, und diese betätigen müsse . Die Referenten bewegten sich zwischen Gegensätzen, wollten sogar diese Gegensätze schon miteinander vereinigt wissen. Verstehe so etwas, wer will. Ich meinerseits halte das für höheren Unsinn. Eines aber beweisen diese Ansichten der beiden zitierten Referenten: daß in ihren Herzen ein Zwiespalt ist, der über kurz oder lang zur Klärung wird führen müffen. Ein harter Kampf bereitet sich vor. Biegen oder brechen, wird jetzt das Losungswort werden in Deutschland. Das indifferente Jn-den-Tagleben hat auch für die deutschen Juden ein End. funden. Eine klare Scheidung ist im Begriffe, sich zu vollziehen und dann wird aus so manchem Resolutionisten von heute, ein Zionist von morgen — oder besser gesagt — ein strammer Jüdischnationaler sich entpuppen. Wer gute Augen hat, kann die Ansätze dieser Entwirklung schon heute sehen. Zum Niedergang der Judengemeinden Mährens. Die Leser des geschätzten Blattes werden wohl schon zu oft mit derartigen Artikeln und Abhandlungen belästigt, mag sein, aber insolange das ersehnte Ziel nicht erreicht ist, wäre es eine Zeigbeit, nicht die Gelegenheit zu erfassen, um denn doch einmal den richtigen Weg zu finden, es hieße, den Mut gänzlich verlieren, ließe man sich von der Untätigkeit der seinerzeit angerufenen Faktoren abschrecken. Ich habe doch die Vertretung der größten Kultusgemeinde in Mähren, die Vertretung der ältesten Gemeinden, endlich die Vertretung des Kuratoriums des mährischen jüdischen Landcsmassafondes äugerufen und auserkoren zur Hilfeleistung, um den Verfall des Judentums in Mähren Einhalt zu tun. Alle gefielen sich bis heute in dem Nichtstun, wohl haben einige Außenstehende passende Artikel geschrieben, zuweilen an den Vorschlägen heftige Kritik geübt, aber, wie wir sehen, kam bis heute auch nicht das mindeste Handgreifliche zustande. Nur die Aeußerung des Herrn Präsidenten des mähr, jüdischen Laudesmassafondes will ich als ein Lebenszeichen von dieser Seite betrachten, vielleicht doch, doch zuvor muß ich eine Behauptung und Auslegung desselben auch der Oeffcntlichkeit gegenüber ins Reine bringen. Er ist der Ansicht, durch Sparen und durch Unbesetztlassen etwaiger Vakanzen die kleinen Gemeinden noch fortfretten zu lassen, so sehr Herr.Hofrat Spitzer ad personam sowohl hochznachwn, zu schätzen ist, als auch durch seine wißenschaftliche Begabung, Leistungen und Erfahrungen zu loben ist, so sehr mußte es auch überraschen, von dem Munde eines solchen Manncs als einziges, radikales und spezifisches Mittel, um dem Niedergang der jüd. Gemeinden Mährens Einhalt zu tun, gerade das zu e^upfehlen, das uin so rascher zum Verfalle führen würde. Was das Sparen betrifft, so haben die kleinen Geineinden nicht viel hinauszuwerfen, sparen läßt sich nur dort, wo etwas vorhanden ist. Was das Unbesetztlassen der Vakanzen und das Anschlicßen an größere Geineinden anbelangt, will ich sogleich erörtern. Es mag die Anschauung vom Standpunkte der nunmehrigen Finanzgebarung des mährischen jüdischen Laudesmassafondes richtig sein, weil man sich be- Mußt wird, daß kleine Gemeinden nur durch finanzielle Nachhilfe erhalten werden können. Woher diese nun nehmen? Nur von der Kassa des mähr. jüd. Landesmassafondes heißt es. Also nur die Furcht, finanziell mehr in Ansprach genommen zu werden, konnte meiner Man muß eine längere Zeit in einer solch kleinen Äultusgemeinde gelebt und gewirkt haden, inan niuß Erfahrungen gesammelt haben, wie es in solchen Kultusgemeinden zugeht, wenn die Funktionäre abgehen, da wird man sicherlich zu dem Resultat kommen, daß nur hierdurch der totale Verfall besiegelt würde. Die alten ehrwürdigen Gemeinden, die über Tempel, Fried- Hof, Stiftungen aller Art verfügen, die huinanitäre Anstalten erhalten, die ins Leben zu rufen, in den neuen großen Gemeinden nicht rasch Wurzel fassen, von unseren Vorfahren im Schweiße des Angesichts eingeführt wurden, die sollen alle zunichte werden? Mit dem Abgänge t> ׳׳ Funktionäre hört sicherlich jede religiöse Be .!tiguug auf. Fehlt der Kantor, so weiß man vo! einem Gottesdienste gar nichts, man verliert len Zusammenhang mit den Feiertagen, man vergißt auf die Schlachtungen, wer die Bekräftiget, w dieser Behauptung anstrebt, möge nur die Mi!.,׳anvereine studieren, wie verkümert bei den Leuten das religiöse Gefühl ist, die Kinder wi.'en nicht einmal mehr, wozu ein Tempel da is.. da auch nicht einmal im Jahre dort ein Gottesdienst abgehalten wird, nur zu den hohen Feiertagen wird ein beliebig Hergereister als Vorbeter ausgenommen und da wird nicht gebetet, sondern Mißbrauch und aller möglicher Schabernak getrieben; fehlt der Rabbiner in einer Gemeinde, wer sollte den nur noch formell bestehenden Religionsunterricht erteilen? Wer' sollte die wenigen Juden noch ein bißchen belehren, sie anhalten, Juden zu sein? Eine so weit getriebene Sparsamkeit müßte an Stelle bestehender geordneter Gemeindeverhältnisse Zustände schaffen, die das Judentum gänzlich zum Verfalle führen und in den Augen Andersgläubiger auch immer mehr und mehr verächtlich machen. Meine Ansicht geht dahin, daß die alten ehrwürdigen Kultusgemeinden, wenn sie noch so klein sind, erhalten bleiben sollten, es soll zur Pflicht jedes Einzelnen gemacht sein, nach Kräften zur Erhaltung beizutragen nicht etwa, wie es bis jetzt geschehen, kaum daß der Jude anderswo unter besseren Verhältnissen fortkommt so vergißt er schon, woher er stammt, er kümmert sich nicht weiter um das Schicksal seiner .Heimatsgemeinde, seiner Geburts- und Erziehungsstätte. Nein, diese alten Ruinen müssen als ehrwürdig erhalten bleiben, die Folgen wären sonst in jeder Beziehung für die Zukunft unberechenbar. Bestehen die Gemeinden weiter, so finden unsere Kinder als Rabbiner, Lehrer, Kantoren alich Unterkunft, und auch das sind die Faktoren, auf die man rechnen muß, will man den Verfall des Judentums hintanhalten ohne Funktionäre keine Gemeinde ohne Gemeinden kein Judentum mehr. Die alten Gemeinden haben ihre Tempel — Bethäuser, ihre Schulgebäude, humanitäre Anstalten. verfügen über Stiftungen, es fehlt blos hin und wieder an Mittel zur würdigen Erhaltung der Funktionäre, auch die finb zu beschaffen, wenn nur der gute Wille und ein offenes Herz vorhanden ist. Ich wiederhole nochmals alle Vorteile, die dem Judentum durch die Erhaltung der alten Gemeinden erwachsen, sind für die Zukunft unberechenbar und es wäre unverzeihlich eine Gemeinde wegen einer kleinen Beisteuer zur Erhaltung, zu Grunde gehen zu lassen. Wenn, auch die vorgeschlagene Organisation der jüdischen Gemeinden nicht so schnell und so leicht bewerkstelligt wird, in der Zukunft wird es doch einmal geschehen müssen, da wird erst Ordnung in jeder Hinsicht geschaffen werden. Jetzt vorläufig müssen wir trachten, vor allem etwas ausfindig zu machen, wodurch es ermöglicht wird die alten Gemeinden zu erhalten. Schon oben habe ich als eine solche Quelle die freimütigen Spenden nur ausschließlich zur Erhaltung von Seite der gegenwärtigen anwesenden, als auch der in der Fremde lebenden Gemeindeangehörigen, und als fernere ausgiebige Quelle wäre das Kuratorium des mährischen Landesmassafondes zu nennen. Unter den Gemeinden Mährens dürften kaum 10 Gemeinden sein, die unterstützungsbedürftig sind und wenn nun das Kuratorium mit einer Summe von 10.000 fl. für so lange nachhilft, als andere Einnahinsquellen mangeln, so hat es geziemend geleistet, und aber auch nicht über seine Kräfte. Unterstützungen für Vereine und Anstalten haben zu Gunsten der Erhaltung der Gemeinden zu entfallen, denn bestehen die Gemeinden fort, so werden diese die Humanitären Anstalten, wie bis allher nach Kräften unterstützen, was gewiß auch dem Kuratorium zugute käme. Eine Einwendung die erhoben werden könnte, darf ich nicht unerwähnt lassen, nämlich die. daß die kleinen Gemeinden nur zusammengesthrumpft sind durch die Freizügigkeit, durch das Streben der Einzelnen sich eine bessere Erisienz zu fehaffen und hiedurch nicht mehr lebensfähig geworden sind, das ist wohl wahr, aber man könnte auch in dieser Hinsicht ein wenig nachhelfen, man könnte febr leicht gewisse Anstalten, die errichtet werden in solch kleine Städte verlegen, wie Kinderbewabrernstalt, Siechenhäuser, Versorgungsanstalten usw. aus diese Weise kämen Lehrer, Verwalter und andere mehr in solche Gemeinden, es würden größere Einnahmsguellen herauswachsen, der Handwerker, der Geschäftsmann fände einen Erwerb, und die Neigung ausznwander», wäre behoben. So wäre nun vorgesorgt, wie eind auf welche Weise Geineinden weiter erhalten bleiben können. Nur der gute Wille, ein Herz für das Judentum und es müßte geben. Jvri. YERLOBUNQ5-RINQE BR/lUT5CHnUCK .. H0O1ZE1T5QE5C11ENKE EHE-RINQE. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. 0■^ Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. Betriebsgesellschaft Bezalel in Krakau. Vor sechs Monaten tveerde in M tau au eine VertriebSgesellschaft der Bezalelschnle i 11 Jerusalem eröss net, tvelche sich zur ׳Aufgabe gemocht Hot, bei den Inden ÄaUztcns lebhaftes Interesse per die Erzeugnisse der .;eeinjtgetverbeschnle Bezalel in Palästina, hervorznrnfen. In ztvei genug geräninigen und gemütlichen Ziintnern send die mannigfaltigen Erzeugnisse der einzelnen Ateliers der Bezalelsechnle hier übersichtlich vorgefiihrt. —- Schon die 'Ausstellung und 'Anordnung der Wege »stände verraten viel weschmack und Liebe. 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