Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1913)
- Date
- 1913-04-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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? Nr. 14. ״Irische v»lttfti««e." Seitr S. Reisrrindrückr aus dem netten Palästina. Uebcr dieses Thema sprach Sonntag abends der bekannte Wiener Kanzelredner Dr. Max G r u n w a l d als Gast des Zentralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten Km Festsaal des jüd. Rathauses in Prag. In überaus fesselnder Weise geleitete er das den Saal bis auf das letzte Plätzchen füllende Publikum durch die jüdischen Kolonien an der Küste von Jaffa, ihre Schulen, vom Kindergarten bis zu den zu gründenden Hochschulen,- deren Unterrichtssprache die hebräische ist. Er führte die Zuhörer durch die Unterrichtsräume, den Turnsaal und die Thcaterhalle und ^gewährte Einblick in die Lehrbücher. Die Abiturienten des Gymnasiums sollen Bahnbrecher der kulturellen Erschließung des Orients sein. Die Kolonien erstanden mit ihrer landwirtschaftlichen und kulturellen Arbeit vor den Augen des Publikums. Interessante Vergleiche der jüdischen Kolonisatoren — Bauern mit den Fellachen und Beduineu und Ausblicke auf die Zukunft der Kolonien, welche eine Reorganisation der europäischen Juden behufs Beseitigung der gegen sie herrschenden Vorurteile herbeiführcn sollen, beschlossen den überaus lichtvollen Vortrags den beifällig aufgenonimene Lichtbilder wcscntlich ergänzten. Schekelversammlung in - Krakau. Montag den 23. März 1913 fand in Krakau eine vom zionistischen Lokalkomitee einbcrufene imposante Schekelversammlung statt, lieber die Zukunft der Juden referierte daselbst Dr. David Bulwa. Än seine Ausführungen knüpfte sich eine Debatte, in welcher unser junge jüdische Dichter Josef Löwi und Dr. Feldbluin Anteil nahmen. Während der Erste für die Entwicklung der jüdischen Sprache zu agitieren verstand, entwickelte der Zweite die großen Aufgaben des Zionismus und die Pflichten des Judentums ihm gegenüber. Zum Schluffe ergriff Dr. Warhastig das Wort, lvclcher r. die Bedeutung des herannahenden 11. Zionisienkongresscs' anknüpfcnd, die zahlreiche Versammlung zur Abführung des Schekels zurief. Aus dem Lande der Blutmärchen und Pogrome. Saslaw. Porige Woche fuhr der Schuster Jakob Lapidos mit seinem eheinaligcn christlichen Lehrling nach Minsk. Letzterer erkrankte an einer Blinddarmentzündung und mußte ins Spital gebracht werden. Nachdem einige Tage verstrichen waren, und der Lehrling nicht hcimkam, begannen die Schwarzen Hundert öiitualinordgcrüchtc auszustreue». Tie Inden verbrachten viele Tage in Aufregung und Angst, bis es der Polizci gelang den Aufenthalt des Jünglings zu eruieren. Warnung. Aus Borzeolv, Galizien, schickt ein gewisser Josua Krohn hebräische Gratulationen lind Kondolenzbriefe an Hunderte (Glaubensgenossen. Krohn gibt in seinem jeloeiligcn Briefeil immer andere Gründe an, warum er genötigt ist, um Hilfe zu bitten. Es ivird vor >!rohu gewarnt. Zum öüjährigcn Jubiläum Morris Rosenfelds. Ter bekannte jüdische Dichter erhält von Nah und Fern Glückwünsche zu seinem Jubiläum. Die amrcitanischcn Juden planen größere Festlichkeiten zu Ehren des Jubilars. Das jüdische Hilsswerk für Adrianoprl. Die vom jüdische» Hilfskomitee für Adrianopel organisierte .Hilfsmission ist mit Sonderzug nach Adrianopcl abgereist. Sic besteht aus elf Mitgliedern, unter denen sich zwei Krankenschwestern aus Berlin befinden. Es wurde ein Wagen mit lebendem Geflügel mitgeschickt. Die übrigen Vorräte (Konserven, Medikamente, Verbandstoff) gehen wegen der Störung des Bahnverkehres vor Adrianopel infolge Beschädigung der Ardabrücke erst heute ab. — Ein zweiter Arzt ans Berlin wurde telegraphisch erbeten. Die .Hilfsmission wird gleich provisorische Lazarette e.inrichien lind die Verteilung der Lebensmittel in allen Stadtteilen Adria- »opels organisieren. Für die ersten Ausgaben :vurden vom Berliner .Hilfsverein der deutschen Inden gegen 100.000 Franken überwiesen. Die bulgarische Bal!1׳.ver waltung hat dem Großrabbinate für die Hilfsaktion einen eigenen Wagen beigestellt. Finanzinstitut der jüdischen Kaufleute in Lemberg. In den jüdische» kaufmännischen .Kreisen in Leinbcrg wird jetzt der Gedanke propagiert,'eine große jüd.- kaufmännische Bank mit der Aufgabe zu gründen^ in der Krisezeit den jüdischen Kaufmannsstand zu itützen. Es sollen für diesen Ztveck 300.000 K in den gaiizischen Städten gesammelt werden und sodann wird sich die Organisation der jüdischen Kaufleute in Galizien an die Jka mit der Proposition wenden, daß sie dieser Bank ein größeres Kapital zur Verfügung stellen soll. Auf der letzten Konferenz des SclbsthilfevereineS in Franksurt sollte nämlich die Jka erklärt haben, daß sie bereit 1 ist, einen größeren Betrag für eine derartige Bank zu 1 geben, sobald die galizischen Kaufleute ein gewisses Gründuiigskapiial zilsainmenbringen werden. Tie in Lemberg bestehenden jüdisch-kaufmännischen Vereine habei? bereits diesbezüglich eine größere Aktion unternommen. Jüdische Arbeiterfürsorge in Paris. Unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten des Jentralkonsistoriuins Emile Levp und in An- Wesenheit von 00 Notabeln wurde nach einem Referate ein Verband für jüdische Arbeitersür-! sorge ins Leben gerufen. Ter Zweck dieses VerdandeS isr die Hintanhaltung der Wohnungsübersüllnng der jüdischen Arbeiter und zu diet sein Behufe die Errichtung jüdischer Arbeiterj Häuser. welche den Gesetzen der Hygiene nach; jeder Richtung hin entsprechen. Ferner die Erziehung der jüdischen Arbeiterkinder in franzöüschem Geiste, die Anleitung der jüdischen Arbeiter im Tparsinn. die Einführung des Mutter- und Länglingsschntzes auf kooperativer Basis unter den jüdischen Arbeitern und dergleichen mehr. Tb und wie für die jüdische Erziehung der jüdischen Arbeiterkinder gesorgt wird, darüber besagen die Statuten des neuen Verbandes leider nichts. Ungarische Rabbiuerkonfercnz. Budapest, Tie Ziabbinerkonferenz war von Alt Rabbinern beschickt. Unter den Gästen be-! rand sich auch der Präses der Landeskanzlei, Adolf Frankl. Ten Vorsitz führte Oberrcibbiiier .Koppel Reich. Kvreiu referierte über den Ttand des Tonntagsrnbegesetzes: er hofft, dass es gelingen werde, die Verlegung der Tabbathmärkte durchzusetzen. Tie Aktion werde von Landeskaufmaunsverband unterstützt und von der Regiernng begünstigt. Es wird eine siebengliedrige .Kommission gewählt, die in Gemeinschaft mit der Landeszentrale sich mit der Frage der Altersversorgung der Rabbiner befassen soll. Tie Hatara-Frage wurde einer Rabbinerkoiiimission! überwiesen. I Ein 11 ö Jahre alter Jude. In dem rumänischen Torfe Torolio verstarb dieser Tage ein Jude, Tmil Easapu, der im Jahre 1 TSf) geboren war und ioniit!ist Jalire s alt geworden ist. Eine interessante Spende. Ter Prokurisl der Bndapesler lüeiverbebank Ignaz Hehle!u überreichte dem Präses des Isr. Landes-Patronagenvereines Hofrar Franz Tzekelp -00o K, das; dies ein nngenannt sein wolle'ider christlicher Philantrop für den Isr. Laudes-Patronagenverein spendet. Diskonte Jsselischaft bei der Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft, reg':3t rierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt -ich kür alle einschlägigen Bankgeschälte. hauptsächlich auch für den ע Eskompt offener Buchforderungen unter den alltr^ünstigstcn Bedingungen. fahr) vom 1. Oktober, 5 Uhr nachmittags, bis Z. Oktober. Z Uhr abends; Jomkippnr (Versöhnungstag) vom 10. Oktober, st Uhr nachmittags, bis 11. Oktober, 7 Uhr abends; 21tffoth (Lanbbüttenfesl» vom Ist. Oktober, st Ubr nachmittags, bis 1Z. Oktober. <>' Uhr abends. Ten lsolpaten jüdischer .Konfession ist während der Pessachfeiertage die Teilnahme an den rituellen Mahlzeiten außerhalb der >>Lajerne in der Feit vom 21. April,!) Uhr früh, l>is?0. April, K Uhr abends, zu gestalten. Die staatliche Alterszulage der Rabbiner in Ungarn. Tas Kultusminifkerium hat beschlossen, allen jenen Rabbinern, die einen Jahresgehalt von weniger als 1000 K beziehen, eine;j 11 läge zu gewähren, solche sind insgesamt I2st;liabbiner. unter denen in jedem halben Jahre Z000 K, also zusammen 10.000 K zur Verteilung kommt, und zwar erhalten :;0 Rabbiner, die bereits über zehn Jahre wirken, je 100 K, die übrigen, welche mindestens fünf Jahre wirken, je stO K. Verlanget in alten Kurorten die Volksstimme"! ,Jüdische Tie jüdischen Feiertage im Jahre 1913 und die Armee. Geinäs; den Veslimninngen des Tiensrregle ments 1. Teil (Punkt bist! sind die Soldaten mosaischer Konfession im Jahre 191:1 an den nachbenannten Feiertagen dienstfrei zu belassen: Pessach (Ostern vom 21. April, st Ubr nachmittags, bis 23. April, K llhv abends; schewonlb! Pfingsten 1 vom 10. Juni, 7 Ubr abends, bis 12. Juni, 9 Uhr abends: Roschhaschanob <Ren- Tie Maffenausmeisungen von Juden. Das Nviiianvwiuvltäuni sollte angeblich auch de» Juden in Rußland zugute kommen. Es wurde bebauptet und allgemein erwartet, daß die Regierungszentrale fäintlicheAiisweisungen von Juden aus den Dörfern rückgängig machen würde. Damit würde wenigstens eiu Teil des Unheils, von dem die rufsischeu Juden perma- »ent belroffeu werde», schwinden. Den» die ruinierten Zebntauieude. die bereits ihre Wohnsitze verlassen ha beu. würden noch kaum irgendwelche Vorteile aus den Tegiillngeil der Jubiläumsguade ziehen könne». II111 nur ein Beispiel anzurühreu, sei mitgeteilt, daß allein .im Gorvcriiemeilt Wolhlmien i 11t Laufe des vergangenen Jahres laut den Nachrichten der (üouvernemenlsver Wallung gegen viertausend Juden ausgewieieu worden sind. Die meisien dieser Geplagten, zu denen sich Tausende anderer Lcidensgenoffen in den weiteren Teilen des Reiches gesellen, füllen breits die Slädte durch ein neues Proleiariat, das dazu keine Beschäftigung zii findeii vermag. Indes es siiid noch viele Tausende vorhanden, deren Schicksal i 111 Vlpi'il entschiede» werden sollte. Ins besondere iin Gouvernement Kiew harten im verflossenen Winter die :Naneiiausweisungeii einen Kataiiropheuckiarakter aiigenomme», und Tausenden iolvotst hier als in den Gouvernemems Jekateriiioslaw, Minsk u. a. war bloß ein Auffdiub bis zum Frühling gewährt wor den. Ta halle es nun anfaiigs geheißen, daß anläßlich des :itomauowjubiküums an Stelle des Aufschubs die völlige Aufhebung der grausamen Maßnahme erfolge» iviirde. Nachher wurde dieses Gerücht durch die Mitiei tung eingeschränkt, daß die eigenartige ..Amuestie" üeli nur aus diejeuigen erstrecken würde, die unter das be kannte Slolppinsche;jirkular fallen, d. k. aur diejenige», die sich vor 1000 im velreifenden Dorfe augejicdelt ha? te». Tiefe 'Nachricht icheiut in der Tal auf Wahrheit zu beruhen. Dein, die Gouverneure regijlciereil jev! die Juden in den Dörfern entsprechend dem;;irfnlar. Allein die Negiilriernngen dieser Ar! werden so null lürlich ansgefühil, daß man schon jetzt voriiusiagen kau», daß die Milderungen ans t!e11׳ Papier vleiven iverde». Tenu da wird bei jedrui uulerfuchl. ov er eil! Haus vesitzl, ob er Fauiilieuvater isi, ob er der ״Väuer liche» Bevölkerung nicht zum Schaden gereiche" u»r>. ׳Nainenklicki die letztere Feuilellniig üt es aber, vei der die Gouverneure ganz eigenmächtig vorgehe», n»> den oben vorherrschende» ant!10111 i t i 1'chcii Jnlenlioneil :,iectin it »!ן zu!ragen. Zudem toniiiien schon Nachridue» von ganz frische!׳ Ausiveisiiligeii aus Dörfern. So iind soeben ans dein Torfe Sagaidag, Gouverneinent Poltaiva. unler tKe Währung einer zirieimoiiatige!1 Frül I!I Faniilieu ansgewiesen worden, so aus einer ländliche» Aniiedlung 111 ׳ ("mutenu'iucnt Minsk, die von Jude» gegründet!oordeil lliid die nun ga!׳z r!ud gar der Ausweisnug verfällt. Mehrfach ist seiig.iiell:, daß erst in den jüngiren Tagen Vertreivllugeu solckicr Jnd 11 ans Dörfern er folgt ünd, die seil Jahrze,nten daselvü ihre Wohiisitze haben. Man weiß es also schon aus naheliegender Ersahruiig. daß die Zurückiiahme der Aus>r>eiirl!1gsverorduniig in den mciste»! Fällen eine 1 e:!e Duelle von Sebiia,1ier»»ge11 bilden w vd. s S Spezial-Geschäft in Strumofu. Wirk- Hprfftl ofifi waren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. S3C1 l׳llVrlvl 1 1.Ci 1 1T1 Ci II11 Strümpfe Socken, Handschuhe, Sportartikel AN Brünn, Herrengasse Nr. 8—10. iSm