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Jüdische Volksstimme · 1913-04-03 · Heft 14 (3.4.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 14 (3.4.1913)
Date
1913-04-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SfC2?iÄ נ£*& Seite 4 ״Jüdische LolkSstimme". Nr. 14. nicht überall absolute Zuverläffigkcit beanspruchen dürfen. Im großen und ganzen aber werden sie doch in den meisten Fällen auf Wahrheit basieren. Und nun ersehen wir aus diesen Zahlen, daß unter den vielen Millionäre» Rheinlands, die Vermögen von über zehn Millionen versteuern, sich nicht ein einziger jüdischer Name befindet. Für den Eingeweihten bildet dies leine Uebcrraschung. Man weiß, daß die Juden im großen und ganzen nur einen besseren Mittelstand bilden und daß die reichen hier sehr selten sind. Wer aber ans Tat. sachcn zu lernen vermag, der kann sich hier überzeugen, wie es mit den antisemitischen Dogmen bestellt ist. Das Märchen von, Reichtum der Juden ist so tief cingcwurzelt, daß man cs nicht leicht ausrotten tvird. Sache der Wissenschaft aber ist es, aufklärcnd zu wirken und alte Vorurteile zu beseitigen. Auch auf diesem Gebiete würde die strenge Durchführung der -Gleichberechtigung am leichtesten den sozialen Ausgleich herbcisührcn. Eine freie Bahn für den Wcttbciverb der firäfte zu schassen, das ist die Lösung des Problems. itimdlcliaij. Zwei Jahre Ritualmordaffäre. Vorige Woche sind gerade zwei Jahre seit der Erinordung des Knaben Justschinski verflossen. Anlaß-!ich dieses Tages haben die Vcrbändlcr hetzerische Flugblättcr verbreitet und im Michailowkloster eine Totenmesse veranstaltet. So benutzen die Pogromgcistcr unausgesctzt jede Gelegenheit, um von neuem die Wut des Pöbels gegen die Juden anzufachcn. Gerade in diesem Moment aber, kurz vor den russischen und jüdischen Ostern, ist ein solches Treiben durchaus nicht ungefähr-!ich, namentlich da die Regierung selbst den Hetzern ausgiebigen Stofs gewährt. Heißt cs doch mit Bestimmtbeit, daß die neue Anklageschrift, die nunmehr gegen Bcilis angcfertigt wird oder bereits «״gefertigt sein soll, unumwunden den angeblich rituellen Charakter der Ermordung Justschinskis hcrvorhcbt. Was in dein frü- Heren Anklageakte nur schüchtern und versteckt zum Ausdruck gekommen sei, werde jetzt klipp und klar ausgcsprachen. Man kann sich also leicht vorstcllcn, welches Kapital die Pogromagitatorcn daraus zu schlagen vcrsichen. Darin bestärkt tvcrdcn sic auch durch das geheimnisvolle Dunkel, in das immer noch die ergänzende Untersuchung getaucht ist. Soviel steht nur fest, daß der Untersuchungsrichter Maschkcwitsch permanent von Kiew »ach Petersburg und zurück hcrumreist. Was hat cigcntlich, fragen manch naive Geister, die Eruierung der Mörder Justschinskis mit Petersburg zu tun? Ja, wo in aller Welt läßt sich ein Untersuchungsrichter so offen von den höheren Instanzen beeinflussen. Neuerdings heißt cs, daß Maschkcwitsch nach seiner jüngsten Rückkcbr aus Petersburg das ganze Untcrsuchungsmatcrial systematisiert, was also daraus hindcutet, daß der Pro zch selbst nicht mehr allzu fern ist. Indes jeder Tag tan» auch jetzt noch eine neue Wendung bringen. Denn alles Material, das gegen Bcilis gesammelt worden ist, scheut das Licht der Ocsscntlichkeit, und trotz aller Anstrcngungcii muß die Anklageschrift die oberste russische Justiz mit Schmach bedecken. Es ist daher kein Wunder, daß ein noch so ״strebsamer" Untersuchungsrichter mit der Aushändigung der Materialien und der Anklageschrift in so auffälliger Weise zögert. Tie Entwicklung des Turnvereins in Krakau. Dank der ersprießlichen Tätigkeit des in Krakau bestehenden jüdischen Turnvereines hat der Gedanke der physischen Erziehung der Judcnhcit daselbst weite Verbreitung gesunden. Der Verein nimmt eine sehr ertreuliche Entwicklung, zu welcher sehr viel der neue Saal beiträgt, der sich im jüdischen Zentrum befindet. Im Februar l. I. hat dieser Verein ein Wctturncn abgebalten, bei welchem seine Mitglieder eine überaus große Gewandtheit zeigten. Im Schoße des Turnvcreines befindet sich auch ein Skautscktion, die unter der studierenden Jugend große Dimensionen annimmt, klm den Fond der Skautscktion zu vergrößern, veranstaltete der Turnverein einen Skautabend, wo der unermüdliche Obmann dieses Vereines, Ing. Zimmcrmann, in seiner Festrede die Aufgaben des Staut besprach. In, .letzten Jahre ist nämlich ein Arbeiterinnenturs ins Leben gerufen lvordcn und in der näch- 11111־ Zukunft wird solcher auch für Arbeiter bestehen. Der Ausschuß des Turnvereines hat sich unlängst an den Verein für ״Erziehung der Waisen" 1 ) gewendet, mit. der Proposition, für die sich dort befindenden Kinder einen TurnerkurS cinzuführcn; leider hat aber der Ausschuß dieses Vereines für die Notwendigkeit der physischen Regenerierung des Indentums kein Verständnis. Auch lvurde dem tätigen Ausschuß des Turnvereines seitens des Militärs die Erlanbniö gewährt, eine Schützenscktion cinzusührcn, die lürzestcns entstehen wird. Ter Turnverein befindet sich im vollste» Arbeitstempo, er besitzt zusammen sieben Kurse und in eine», Boriurncrkurs ivird das hebräische Kommando gesübrt. Sonntag den >1. April 1913 veranstaltet dieser Turnverein im Prachtsaale (״Stary Teatr") von Krakau ein Schauturnen mit mannigfacheM Programm. Vorbereitungen für dieses Schauturnen sind in vollem Gange. Hoffentlich-wird es auch alle Erwartungen der Judcnhrit Krakaus erfüllen. Israel Hammer. Rabbinerstreik. Krasnolupi. Infolge entstandener Differenzen zwischen den hier bestehenden chassidischcn Parteien wurden zwei Rabbiner angestellt. Nachdem die Mittel zur Bestreitung des Lebensunterhaltes zweier Rabbiner nicht ausrcichcn, haben dieselben um Gchaltsaufbesscrung ersucht. Eine Ablehnung des Ansuchens hatte zur Folge, daß beide Rabbiner in den Streik traten und es ablehnten,!Schaalos zu paskcncn. Ein jüdisches Kinderkonzert. In Ncwhork fand dieser Tage ein Kinderkonzert statt und nahmen an demselben 250 jüdische Kinder teil. Der Erfolg war ein hervorragender. Juden nicht glaubwürdig. Wiburg, Finnland. Das hiesige Gericht hat anläßlich eines Prozesses Juden -zur Ablegung einer Zcugcnschaft nicht zugelaffen. J Tob eines jüdischen Komponisten. In Italien ist im 33. Lebensjahre der talentierte jüdische Komponist F. Lwow gestorben. Lwow hat das Petersburger Konservatorium mit Auszeichnung - absolviert. Misiionserfolge in Jerusalem. Tie hiesigen Zeitungen berichten, daß jüdische Mädchen, die die Misiionsschulc besuchen, anläßlich eines Lcichenbcgängnisies Kreuze und Heiligenbilder durch die Straßen trugen. Es wäre intereffant zu erfahren, welcher Parteirichtung die Eltern «״gehören. Emigrationsstatistik. Dem Berichte der jüdischen Hilfsassoziation für Emigranten in Ncwhork ist zu entnehmen, daß im Jahre 1912 64.738 jüdische Emigranten nach Amerika ernwandcrtcn. Die Emigranten hatten 7,000.000 bares Geld mitgebracht. Rechnet man die Nciscspescn und eine Million Kopfsteuer, die die Emigranten bezahlten, hinzu, so haben dieselben über einen Betrag von 28.000.000 verfügt. Im letzten Jahre haben sich 16.250 Emigranten naturalisiert. Pogromnachklängr. Jvanowozinsk. An, 24. März begannen h,er die Verhandlungen des Pogromprozcffcs aus dem Jahre 1905. Der Schaden wurde auf 160.000 Rubel geschätzt. Angeklagt erscheinen 52 Personen und wurden 182 Personcn als Zeugen cinvcrnommcn. Das Rabbinerseminar in London. Wie bekannt gewährt die Hauptgcmcinde dem Rabbincrscminar eine Subvention von einigen hundert Pfund Sterling. DstTHauptgcmcindc hat auch die Oberaussicht über dieses Institut innc. Nachdem die Mittel nicht ausrcichcn, um das Seminar würdig zu erhalten, hat die Leitung desselben an die Hauptgcmcinde das Ansuchen wegen Erhöhung der Subvention gestellt. Dieses Ansuchen wurde abgclchnt, und zwar aus dem Grunde, weil das Institut nur Rabbiner und nicht Kantorcn und Thoravorleser hcranbildct. Herr Prof. Büchlcr, der dem Seminar vorstcht, ist der Meinung, daß die erste Bedingung eines Seminars die Ausbildung tüchtiger Rabbiner ist. Jüdischer Hirtenbrief. Ein furchtbarer Kampf ist zwischen Alt und Jung in Rußland auf allen Gebieten ausgcbrochc». Die llrsache dieser Fehde ist die Erziehungsmethode des alten und des neuen Glaubens. Fast sämtliche Wundcrrabbis :Rußlands, die viele Tausende Anhänger in allen Teilen Rußlands zählen, erließen einen Hirtenbrief, an die Gläubigen, indem sic gegen die »wd. hcbr. Schule Stellnng nehmen. Insbesondere wird gegen die Anstellung Littaucr Lehrer in scharfen Worten geschrieben. Der Brief ist von hervorragenden Rabbinern unterfertigt. II. a. von den Rabbincn Auszurg, Parisow, Radzimin, Afstrowzc, Alexander, Radzin, Tkcrncwitz, Lublin und Sachctschow. Rituelle Ostcrvrrpflcgung für jüdische Pasiagierr auf Dampfern des Norddeutschen Lloyd. Der Norddeutsche Lloyd hat, wie in früheren Iahre», anch dieses Jahr Vorsorge getroffen, damit allen jüdischen Pasiagierr״, die während der bevorstchciiden jüdischen Ojterfcicrtagc in Bremen oder auf den Lloyddampfcrn sich befinden werden, eine den jüdischen Vorschriften entsprechende rituelle Ostcrvcrpflegnng zuteil wird. Juden ausgenommen. Petersburg. Entgegen dem Beschlüsse des Senats hat das Ministerium die Entscheidung getroffen, daß Inden, deren Kinder sich dem Militärdienste entziehen. von der 300 Rubelstrüfe, die im Manifeste allen Bür-, gern nachgesehcn wurde, nicht zu befreien sind. Gegen die jüdisch-kulturellen Bestrebungen^ . _ Kiew. In neuester Zeit treten die Behörden jeder Betätigung aus jüdisch-kulturellem Gebiete entgegen. Unter anderem ivurdc dem jüdischen Volksmusikvereine die Aufführung von Konzerten untersagt. In Berdirschew verbot die Behörde die Vorlesung zweier Stücke. Eenso wurde die Abhaltung eines jüdischen Blumentages zu wohltätigen Zwecken nicht genehmigt. Ausweisungsstatistik. Zitomir. Laut Bericht der Gouvernementsverwaltung wurden im Jahre 1912 aus den Dörfern des Woliner Kreises über 4000 Juden ausgewiesen. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN,־ I , ASPERNPLATZ I. Reserven ci,ka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit M jäarlich fallender garantierte £ a“״el.Oenera:־Agentur für Wien. I., Asp<.rnplata I, Leiter David Nebenzabl, Sub.DirekUon für Prag, Ferdinand.-str. 20. neu, Lener Roheit Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, Szaioucha 3. Leiter Löbi Taubes. General-Agentur für Krakau Natban Rössner, St. Sebasüana 10, Generalagentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf HeiUing. Hauptagentur für BrQnn, Wawiaatrasse 10. Leiter: Samuel Reiniger. - Russischer Protest. Die russische Zeitung ״Dien" erhebt Protest gegen die Petersburger Tclegraphenagentur. weil sie den Königsmord in Saloniki den Juden in die Schuhe schicben wollte. Die Juden an ben Hochschulen. Petersburg. Laut Anordnung des Küitusministeriums wird die Prozentnorm der jüdischen Studenten ״ach der allgemeinen Schülerzahl berechnet. Zufolge dieser Anordnung werden die Pforten der Hochschulen den Juden auf Jahre verschlosien bleiben. Polen mosaischer Konfeffion. ־' In der Versammlung der jüdischen Handclsangcstellten ging cs stürmisch zu, als einige Mitglieder anstatt polnisch jüdisch sprechen wollten. Eine Resolution wurde angenommen, in der die polnische Sprache als Verhandlungssprache des Vereines bestimmt wurde. Fürwahr ein schönes Zeichen des Solidaritätsgefühles in Boykottzeitcn. Ein Jude rumänischer Konsul. Aus Warschau wird der jüdischen Korrespondenz Rabbinowics, Boskowitz, offiziell mitgeteilt, daß die rumänische Regierung Herrn B. Neumark zum Konsul ernannt habe. 41 jüdische Handwerker auf der Anklagebank. Moskau. Dieser Tage begann hier ein Prozeß gegen 41 jüdische Handwerker, die angeklagt sind, den Zunstsckretär bestochen zu haben, ihnen Meisterzeugnisse auszustellcn, um die Möglichkeit zu haben, außerhalb des Ansiedlungsrayons wohnen und Werkstätten eröffnen zu können. Kaukasische Kurorte für kranke Juden. Der Inspektor der kaukasischen Kurorte ist an die Regierung mit der Bitte herangetretcn, kranken Juden die Bewilligung zu erteilen, in den Kurorten sich aufhalten zu dürfen. Non ölet. Ein verurteilter Redakteur. Zitomir. Ter Redakteur der hiesigen Schwarzenhuitdcrtzeitung hat in einem Artikel Herrn Dr. Bienenstock revolutionärer Umtriebe beschuldigt. Zufolge der Klage des Dr. B. wurde der :Redakteur zu drei Monate» Kerker verurteilt. Neuartiger Boykott in Nusiland. In jüngster Zeit haben Geistliche auf den Kirch- Höfen Geschäfte eröffnet, um sw den Juden Käufer abwendig zu machen. Diese Tatsache hat nicht nur unter den jüdischen, sonder» anch unter den christlichen Kauflcutcn eine Erbitterung hcrvorgcruscn. Die christlichen Kauslcutc haben eine diesbezügliche Eingabe an das Ministerium gerichtet. Jüdische Minister vor Gericht. London. Wie wir bereits berichteten, hat die Zeitschrift Matin in einem Artikel die jüdischen Minister Mr. Herb. Famuel und Sir Rusus Eisit beschuldigt, ein persönliches Interesse, an dem Kontrakt mit der Markonigescllschaft gehabt zu haben. Die Minister brachten telegraphisch die Klage ein, und es fand ckm 19. März die diesbezügliche Verhandlung statt. Nach längerer Per- Handlung wurde die Unschuld der Minister erwiesen und Matin wurde zur Abgabe einer Erklärung soivie zur Zahlung sämtlicher .Kosten verurteilt.

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