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Jüdische Volksstimme · 1913-04-03 · Heft 14 (3.4.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 14 (3.4.1913)
Date
1913-04-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Rr. 14 ^Ltzsschr wollen. Wohlan: errichten wir schon Heuer und zunächst in der geschichtlich überaus denkwürgen, auch jetzt noch bedeutenden , und durch ihre Sabbathheiligung hierfür besonders berufenen ״heiligen Gemeinde" Nikolsburg die erste Ferialhochschule für die Geschichte uud Wissenschaft des Judentums! Ist nur erst der erste Anfang glücklich gemacht, dann können die übrigen Gemeinden Mährens, die einst eine blühende Jeschiwah hatten (Boskowitz, Holleschau, Leipnik) ebenfalls solche moderne, aber von echt jüdischem Geiste durchleuchtete Ferialkurse erhalten, deren zahlreicher Besuch durch die studierende Jugend und seitens aller Kreise von Erwachsenen, die sich wenigstens einige Ferien gönnen können, ebne Zweifel, hohen geistigen Gewinn brin-- gen tvird. ganz im Sinne des echten jüdischen Ideals. Möge sich der hochgeschätzte Verband der inährisch-schl'esischen'Rabbiner raschest und nachknicklichst für die Durchführung vorstehenden Vorschlages einsetzen! Die Nachricht hör' ich wohl... Die Ereignisse auf dem Balkan haben die Frage der Stellung der Juden in Rumänien wieder in Fluß gebracht. Wir haben in mehreren Aufsätzen und Notizen die völkerrechtliche Seite dieser Frage und den offenen Vertragsbruch Rumäniens stigmatisiert und die Ansicht ausgesprochen, daß nun der geeignete Moment wäre. Rumänien zur Einlösung seines Wortes zu zwingen. Tatsächlich haben sich die Mächte bereits der Sache angenommen und aus Bukarest kommt die Meldung, daß der Ministerrat mit knapper Majorität beschlossen habe, dem-Senat und der Kammer eine Gesetzesvorlage zur Annahme zu empfehlen, durch welche allen Juden des Landes die volle Gleichberechtigung gewährt wird. Diescr Beschluß soll auf Verlangen und auf Drängen des demokratischen Ministers Take Jonescu zustandegckommen sein. Die Parlamcntssession soll wegen dieser Gesctzesvoclage um weitere 15 Tage verlängert werden. DaS gefälschte Rabbinerdiplom. Triest. Vor dem hiesigen Strasbezirksgerichte fand eine interessante Ehrenbeleidigungsasfäre ihren vorläufigen Abschluß. Im Jahre 1910 hatte sich der damalige Vizcrabbiner der Triester Gemeinde Uscher Brettholz um die freie Nabbinerstelle beworben und zahlreiche, in hebräischer Sprache abgefaßte Zeugnisse vorgelegt, die im Aufträge des Vorstandes der Kultusgemeinde Dr. Sanguinetti von den Lehrern Emil Schreiber und Salvator Sabbdihi einer Prüfung unterzogen wurden. Brcttholz strengte gegen diese eine Ehrenbeleidigungsklage an, da sie sich dritten Personen gegenüber geäußert hätten. Brettholz sei ein Fälscher und Dieb. Tie Klage wurde gegen Schreiber auf Grund einer Ehrenerklärung zurückgezogen. Sabbadini wurde zu 150 K verurteilt. Dem gegen dieses Urteil erhobenen Rekurse wurde stattgegeben. Sabbadini der Wahrheitsbeweis bezüglich des Wortes Fälscher zugesprochen und die Angelegenheit zur neuerlichen Verhandlung vor das Bezirksgericht verwiesen. Emil Schreiber gab als Zeuge an, daß sich die von Brcttholz vorgcwiesenen Zeugnisse nur als Anerkennungsschreiben und von Mitschülern ausgestellte Zeugnisse hcrausstellten. Die Hatharoth-Haroc stellte ein von einem gewissen Schlesinger, der dazu nicht berechtigi ivar, ausgestelltes Schriftstück dar. Dieses sogenannte Diplom sei wegen der Form geeignet gewesen, eine Prüfungskommission in Irrtum zu führen. Ein zweites Dokument, Semicha. erklärte der Zeuge als eine Kombination zweier echter Diplome. Der Wiener Oberrabbiner Dr. Güdemanii bezcichnete in einer Zuschrift die Zeugnisse Brcttholz als solche ohne jeden Wert. Daraufhin wurde Sabbadini frcigefprochen. Russische Verlegenheiten. Zu welchen Konsequenzen die unselige Judenpoli tik Rußlands fühlt, das zeigen mit jedem Tage immer neue Erscheinungen. Immer tauchen neue Fragen auf diesem Gebiete auf. Tic Ausnahmen im Gesetze für die Juden bilden ein Ehaos, in dem sich niemand mehr auskennt. Das Resultat ist natürlich, daß mit der größteil Willkür verfahren wird und daß der niedrigste- Beamte über die Juden herrscht. Vor kurzem tauchte in Rußland ein neues Problem auf, das Problem der anonymen Juden. Es gibt nämlich in Rußland Juden, die Ausländer sind und doch keinem Staate angehören. Diese Sorte von Juden entstand wohl nur durch die Liederlichkeit der Bcgmten und durch die schlechte Matrikclführung. Aber diese Juden sind nun einmal da, und nun iveiß man nicht, nach welchem Schema man sic behandeln soll. Die Provinzialregicrungen waren in Verzweiflung und sie wandten sich an den Senat. Aber auch der Senat, der sonst stets bereit ist, die Rechte der Juden zu verkümmern, war hier ratlos. So weiß man nicht, was man mit dies.n Juden beginnen soll. Das ist ein klassisches Beispiel für die Wirtschaft der russischeu Regierung. Vielleicht sieht man auch in Rußland endlich ein, daß die heutige Judentaktik zu Absurditäten aller Art führt und daß endlich eine Aenderung auf diesem Gebiete eintreten muß. Drit»e Hauptversammlung des Jüdischen Handlungsgehilfen - Verbandes, Zentrale Wie«. Während der beiden Osterfeiertage tagte in Wien die dritte ordentliche Hauptversammlung des jüdischen Handlungsgehilfenverbandes. Anwesend waren 30 Delegierte der Ortsgruppen und Zahlstellen Wien, Proßnitz. Mähr.-Lstrau, Ilng.-Hradisch, Dombrau, Orlau, Karwin, Oderberg, Frcistadt, Göding und Ung.-Brod. Ferner hatte der Verband der jüdischen Handels- und Privatangestcllten in Lemberg einen Vertreter zur Begrüßung dieser für die jüdischen Angestellten so wichtigen Beratung entsandt. Dem Jahresberichte, Ivelcher der Versammlung vorlag ist zu entnehmen, daß sowohl die Zahl der Mitglieder sich verdoppelt hat, als auch die Zahl der Ortsgruppen und Zahlstellen gewachsen ist. Speziell in Mähren und Schlesien hat der Gedanke der gewerkschaftlichen Organisation der jüdische» Handels- und Privatangcstelltcn großen Anklang gefunden; die Agendender Organisation sind infolgedessen so gesticgen, daß sich die Anstellung ciges Sekretärs als unbedingt notwendig ergibt. Die Rechtsschutz und Stellenvcrmittlungsabtcilung habe in der abgelaufenen Pcriode eine stets wachsende Frequenz aufzuweisen; die materiellen Mittel des Verbandes wurden durch die mit der Wirtschaftskrise verbundene außerordentliche Stellenlosigkeit sehr stark in Anspruch genommen, doch weist dessenungeachtet der Stellcnlosen-Unterstützungsfonds eine erhebliche Steigerung auf. Die Tagung beschäftigte sich u. a. mit zahlreichen organisatorischen, vor allem aber grundlegenden programatischen Fragen und sind besonders von den Beschlügen hcrvorzuheben jene, die sich mit der Festlegung eines endgültigen Einvernehmens mit dem Verband der jüdischen Handels- und Privatangestellten in Lemberg, mit der Schaffung von Jugendorganisationen befassen. In programmatischer Beziehung wurde fcstgelegt, daß der Verband auf nationaler Basis stehe, mit Ausschaltung irgendwelcher parteipolitischer Betätigung, der Jüdische Handlungsgehilfenverband erstrebt die Vereinigung aller jüdischen Kollegen, und soll die so geschaffene nationale Gewerkschaft gemeinsam mit allen anderen Gewerkschaften durch eine nach dem Proporz zusammengesetzte Reichs-Gewerkschafts-Exekutive ihre .Krönung finden. Mit einer scharfen Resolution gegen die Einschränkung jüdischer Reisender in Rußland, sowie der» Aufträge an die Leitung, bei den kompetenten Behörden diesbezüglich zu intervenieren, schloß die äußerst eindrucksvolle Versammlung. YERLOBUNQ5'RINQE BRdUT5a1nUCK - - HOCHZEIT 5QE5CHENKE EHE-RINQE in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldu. Si-berwarenhandlu״g Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. W• Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. Tagung des jüdischen Frauenbundes in Leipzig. In der Zeit vom 13. bis 20. März tagte im Hotel de Prusse die 1. Delegierten- und Mitglicderversammlung des Jüdischen Frauenbundes. Am Dienstag vormittag 11 Uhr fand die Begrüßung der Delegierten statt. Tic Vorsitzende Frl. Pappenheim «Frankfurt am Main« begrüßte besonders das Ehrenmitglied des Indischen Frauenbundes Frau Henriette Goldschmidt, die einzige noch lebende Mitbegründerin des Deutschen Fraucnvereiucs. Der Vorsteher der Leipziger Gemeinde. Dr. Magnus, entbot als Vertreter der Leipziger Orgaue der jüdischen Wohlfahrtspflege den Erschienenen herzliche» Willkommengruß. Frau H. Goldschmidt dankte in kurzer Ansprache, in der sie ausführte: Ter Lebensinhalt eines Volkes ist die von ihm geschaffene Kultur. In Deutschland gibt es kein Gebiet — nicht nur materieller, sondern auch geiiter Art — auf dem das Jnd.ntum nicht tätig wäre. So sind auch die jüdischen Frauen eingetreten als Mitarbeiterinnen in die gemcinsame Arbeit der deutschen Frau. Möge jedem jüdischen Frauenvcrcin, so schloß die Rednerin, der Seife 3. Wunsch vor Augen schweben: Heilig sei die Geschichte der Väter, heilig aber auch die Zukunft, in welcher der Genius des deutschen Voltes auch der seiner jüdischen Bevölkening sei. Tann erstattete die Schriftführerin des Bundes, Frau Henriette May «Berlin), den Jahresbericht. Aus diesem geht hervor, daß sich dem Jüdischen Frauenbünde 100 Vereine und zehn Ortsgruppen mit zusammen 32.000 Mitgliedern angcschlossen haben. Aus der Verbandsarbeit sei besonders hervorgehoben, daß der jüdische Frauenbund gemeinsam mit den beiden anderen Konfessionen ein Plakat zum Schutze allein-!tehender Mädchen schuf, das in der 3. und l. Klasse der Eisenbahnwagen ausgehängt. Ferner wurde geschaffen eine Srellcnvermittluiig für Mädchen und ein Tienstvertrag. — Der von Frau Dr. M. Frankl «Berlin) erstattete Kass.nb׳.׳: acht zeigte einen guten Bestand und wurde genehmigt. Den Schluß der Vormittags- Verhandlungen bilde:.- das Referat des Frls. Berta Pappenheim ,Frankfurt a. M.■׳. die über daS Thema: .,Aus unserem Programm" sprach. Sie gedachte der Eulwicklung des Jüdischen Frauenbundes, der - auf seiner ersten Tagung in Berlin — sich anfangs in kleinen Kreisen bewegte, aber seit seiner dritten Tagung in München sich als ein wichtiger Faktor in der allgemeinen deutschen Frauenbewegung erweist. Das lebendig gewordene Buiidesprogramm zeigt in der praktischen Arbeit als Hauptaufgabe das Streben, die traditionelle Wohltätigkeit in eine rationelle Wohlfahrtspflege umzuwandeln. BnndeSaufgaben. die von Einzelvereinen nicht gelöst Iverden können, sind: die Einrichtung und Erhaltung des Heims in Isenburg für schwer erziehbare israelitische Jugendliche, die Stellenvermittlung, die Jugendfürsorge und Jugendpflege sowie die Teilnähme an den Bestrebungen zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Ter ideale Teil des Programms soll die latenten Kräfte der jüdischen Frauen lebendig machen, um das Ziel der Bcivegung der jüdischen Franen zu erreiche» lind den Wunsch zu iveckeu zur Mitarbeit zur Erhaltung jüdischer Eigenart, der Frau das geistige Leben zugänglich zu mache», damit sie aus dem Boden jüdischer Ethik stehend, Trägerin deutscher Knlnirar beit iverde. An den Vortrag schloß sich ein Diskussion. Am Nachmittage behandelte Fran Anna Neumaiiil;Leipzig) in einem Vortrage ״Die jüdische» Wohl fahrtöeinrichtungen Leipzigs. Tie Rednerin zeigte, nne die jüdische Gemeinde Leipzig von jeher bestrebt war, die Armut der Volksgenosse» zu lindern und ivie nach uud nach die verschiedenen jüdischen Hilfo- und Wobl tätigkeitsvereine, Kaisen und Institute in Leipzig ent standen, unter denen der schon 1*70 gegründete Jsrae litische Frauenverein der älteste in. Hierauf sprach Frl. Sidonie Werner «Hamburg! .,;!»1־ Schäctitfrage". Die Rescrentin betonte, daß sie die Frauen in dieser Frage erst urteilsreif machen!volle. Sie sprach zuerst über die Schlachtung mit vorlirrgeliender Betäubung, die sie als unsicher erklärt, wobei außerdem die Ona lität de-S Fleisches leide. Das Schächten ii! nach Ansicht der Rednerin die iveniger schmerzliafte und schnellere Art des Tötens, ist zudem eine religöise Vorschrift der Juden, die bugieuisch beste Schlachimetliode. den anderen mindeüeiiS gleich nnd human. Eine äußerst rege Aussprache, die diesen! Vorträge folgte, zeitigte die nmb folgende einstimmig angenommene Resolnrion: ..T>e vierte Deiegierleuversaiumlung des Indischen Frauen bundes in Leipzig am 1S. März 1913 erklär:: I. Tas Schächten ist ein jüdisches Religionsgeseg. Das Schächten ist nach dein Urteil von Sachverständigen der Plwsiologie, der Medizin. deß*-Lierl1ei!k״nde soivie z»bl reicher Schlachthofdirekloren eine eiiuvandireie, den an deren Tölung-Sinelhoden durchaus gleiänverlige Srblaetn Methode. 3. Die jüdische Religion verurteilt jede Tier quälerei aufs schärfste. Am Abend!and im Vernimm lungssaale ein öffentlicher Vortrag!kalt, in der Fran Juftizrai Paula Ollendorff über ״Jüdische soziale Hilisarveil" sprach. Jiidische Reichtümer. Das Märchen von den ,»»nensen Reichtümern der Juden tvird nicht nur von den Antifemiten. sondern auch von sonst vorurteilsfreien Männern gern geglaubt. Man gehl eben an die jüd. Fragen selten in!r der Sonde der Kritik heran, sondern läßt ürh gern von unkon trollierbaren Gefühlen lenken. Vor nüchternen Zahlen aber schmilzt die ganze auliiemirii'che Weisheit wie die Butler an der Sonne zusammen. Gewiß gibt es reiche Inden in Deutschland, aber die reichsten im Lande find es nicht. Dazu kommt die nnläugbare Tatsache, das; die Juden in der :!leget größere soziale Pflichten haben und daß bei ihnen der Wohltätigkeitssinn stärker ansge prägt ist. Ererbte Eigenschaften und religiöse lieberlieferniigen spiele» hier mir. Von dem Jahrbuch der Millionäre des Regierungs rates a. D. Rvooa :st soeben ein neuer Band erschienen, welcher die M««!!e.äee in der Rheinprovin; auszählt. Nun weiß daß die Zahlen Marlins

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