Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1913)
- Date
- 1913-03-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13. Seite 4. ״Jüdische BolkSstimme". Ieschiwah, Rabbiner Raphael Schapira, des Schwiegervaters des Brisker Raws, zu erwähncn, der es für absolute und heiligste Pflicht insbesondere der Rabbinen. erklärt, der ״Agudas Iisroel" nicht nur selber sich anzuschließen, sondern ihr werbend Mitglieder zuzuführen. In ähnlichem Sinne äußert sich ein äugesehener russischer Ehassidimrabbi, Rabbi Israel Tanw Bär Lerner in Schumsk. Sehr interessant sind die Mitteilungen, die über den Stand der Propaganda in Rußland gemacht werden. Trotz der bekannten anßcrordentlichen Schwierigkeiten, die sich einer Propaganda in Rußland in den Weg stellen, ist es der Agnda dach gelungen, in fast allen großen Zentren jüdischen Lebens sowohl innerhalb als außerhalb des Annedlnngsrayons, außerdem aber in nahe an hundert kleineren Plätzen Fuß -,״ sassen. 311111 erstenmal ist nir die deutsch sprechenden Länder im ״Hadereäi" eine deutsche Beiläge beigegeben, die den wichtigsten Inhalt der Annulier, zum Teil wörtlich, zum Teil anszngs- UH'ik in deutscher Sprache wiedergibt. An unsere Leser. Behufs Ausgestaltung unseres Blattes und um unseren Lesern, die für das Hebräische Inleresie haben, auch in dieser Hinsicht entgegcnznlammen, legen wir von jetzt ab unserer Zei- Hing als Beilage die Zeitschrift ״Hamizpe" bei. Dieselbe wird unseren Abonnenten in Wcflöstcrreich und Deutschland gegen Vergütung von 2 K ver anno zngehen. ״Hamizpeh" ist das einzige hebräische Blatt in unserem Reiche und zählt die hervorragendsten Schriftsteller zu ihren Mitarbeilern. Tie Beilage wird nur an diejenigen Abonnenten versendet werden, die den Abonncmentsbetrag zuzüglich der 2 K für die Beilage bezahlt haben. Wir hoffen, daß unsere Abonnenten von dieser Einführung zahlreichen Gebrauch machen iverden und bitten um postwendendc Bekanntgäbe resp. um Zusendung des Betrages. Tie Redaktion. Aufruf! des Jüdische» Wanderbundes ״Blau-Writz", Wie». Jüdische lästern lind Jugendfreunde! Wir riiioi! lidid! zu einem Werte der Liede an euren mindern ans, im Perlranen aus eure bewahrte?aitraft, die nach nie versagte, ivenn cs galt für Eure Kinder zu ivirte». 11 ab es gilt mit geringen Mitteln Grvtzes und Schönes zu schassen. Ihr werdet wissen, weis!vir wollen. Lein sie nur an, jene ernsten, bleichen Kinder, wenn sie vertrüminl über ihren Büchern sitzen und emsig Rü,!zeuge sainineln iür den schivercn Taseinstamps, der ihrer Harri! Ted! unsere jüdische Jugend nur au, >vic sie in den «tratzen der Grvtzsiadt die stunden verbringt, die ihrer Erholung und Freiheit gewidmet sein 01׳ Neu! Da lauern Versuchungen aller '.׳m, und der Tiratzenlärm droht die innere ivarnende Tlimme zu übenönen. Tie ׳eben nicht-- als da- Jagen der Menscheu, die vor Ban ibr (üiüct säst versäumen. Tie Natur aber ist ihnen iremd, ihre Sprache verliehen sie nickt mebr, ibre Tckönbeii leben sie nickt und ihre Erhabenbei! und Größe vermag sic nick! zu beglücken, denn!11 tvohlgepslegien Ziergärten und Naturalientabinettcn ist sie nidu zu sinden. Wir!vollen unsere Jungen und Mädchen hinauslübren in die lreie Natur, in sonnige Landsckaftcn, damit die Tonne and! jüdische Kinderüerzen!nieder erivärmc, damit sie als Männer und Frauen sidi ihrem Lickte ollen ballen, das sie Heine vergeblich um Einlatz binend, umtlutet. Tie sollen Tiere, Blumen und Ttcinc!ennen und lieben lernen. Tie sollen ihre jungen Glieder niüde laurcn, damit sie erstarten und die Ruhe, der sü iid> dann hingcben. ehrlick verdient ist. Ter jüdischen Jugend soll die Tebnsud» iiadi der reinen iVanir eingevllanzt iverden. sic bedeutet das innere Glück. sie!ätzt Männer und Frauen erwachsen, deren ein Volk bedarf. Las zum Lichte will. Wir iverden unter Leitung verläßlicher Führer planmäßige Wanderungen veranstalten, die durch die Einfachheit (Alkohol- und Nikoiingenutzverbot1 die auf ihnen herrschen, allen Kindern zugänglich sein werden. Junge Juden durch turnerische Zucht zur Herrschaft über den eigenen Körper, durch Einordnung in harnwnisch gefügte Verbände zu gefunden Gemeinsinn zu erziehen und durch die Zugehörigkeit zu einer frohen jüdischem Gemeinschaft ihr Selbstbewußtsein zu heben, ist eines unserer Ziele. In vielen Ländern und bei vielen Völkern bat diese Einrichtung sich vortrefflich bewährt und gcsi ätzt aus Eure Liebe zu Euren Kindern wird diese edle Sache auch der jüdischen Jugend ihren Segen bringen. Nniv.-Pros. Tr. Albert Bing, llniv.-Prof. Tr. Ludwig Braun, Vorstands-Mitglied der isr. Kultusgem. Tr. I. Ehrlich, Univ.-Prof. Tr. Salomon Ehrmann, Vize-Direktor der llnivcrsitäts-Biblvothck, Rcgierungsrat Tr. Salomon Frankfurter, llniv.-Prof. Tr. Sicgmund Freud, Tdiriststellcr Adolf Gelber, Hof- und Gerichts-Advokat Tr. Ludivig Gelber, llniv.-Prof. Tr. Markus Hajek, Direktor Alexander Hecht, Dozent Tr. Earl Hochsingcr, Dozent Tr. Alexander Holländer, K. u. k. Oberst Wilhelm Husscrl, Ncgicrungsrat Prof. Tr. Wilhelm Jerusalem, Akademischer Maler Isidor Kaufmann, Akademischer Maler David Kohu, Univ.-Prof. Tr. Leopold Königstein, Akademischer Maler Lazar Krcstin, Univ.-Prof Tr. Wilhelm Knöpfelmacher, Univ.-Prof. Tr. Otto Marburg, Präsident des inncröstcrrcichischen Dislrikts-Komites Hof- und Gerichts-Advokat Tr, Leopold Meisl, Univ^-Prof. Tr. Mar Neuburger, Univ.-Prof. Tr. Josef Pollak, Vorstands-Mitglied der israel. Kultusgcmcinde, Schriftsteller Josef Poppcr-Lynkeus, Univ.-Prof. Dr. Emil Redlich, MUTr. A. Sachs, Präsident des ״Jüdischen Wandcrbundcs ״Blau-Weiß", Berlin", Kaiser!. Rat Leopold Sachs von Sachsenhall, Schriftsteller Felix Salten, Vorst.-Mitglied der isr. Kultusgcm. Tr. I. Samuely, ülkadcmischcr Maler Nikolaus Tchattenstcin, Professor Otto Simon, Hofmusiker Profcffor Joseph Sulzer, Tr. Wilhelm Stckcl, Vorstands-Mitglied der isr. Kultusgcmcindc, Obering. Robert Stricker, Tchriststcllcr Jakob Wassermann, Univ.-Prof. Dr. Maximilian Wcinbcrgcr, Direktor Tozent Tr. Julius Zappcrt, Tr. Ignaz Zollschan, Univ.-Prof. Tr. Otto Zuckerkand!, K. u. k. Gcncralstabscirzt Tr. Jakob Zuckermann, Tas Exckutiv-Komitc: MUTr. Alfred Czapek, Obmann, Prof. Max Guttmann, Obmann-Stellvertreter, MUTr. Rudolf Fischer, Kassier, MUE. Otto Gersunh, Zeugwarl und Obmann der Führerschaft, sind. iur. Jakob Landau, t. Schriftführer, s!ud. iur. Max Ultmann, ü. Schriftführer, Rudolsinc Waltuch, Bibliothekar, Ing. Robert Kien, Obmann des 2. iwcsiöslerr.x Kreises der Jüdischen T-urncrfchafi. Beisitzcndcr, Zuschriften sind an die Adresse des t. Schriftführers, Herrn sind. iur. Jakob Landau, i. Zirkusgassc 10 zu richten. Zum Rückgang des Judentums in den mährischen Gemeinden. ,Was ist bisher zur Behebung dieses Hebels unternommcii worden? Tic Verhältnisse schreien nach Verbesserung. Wer will den ersten Schritt tun? Welche bestehende Organisation ist berufen und gewillt helfend cinzugrcisen? Wir haben eine neue, also jugcndfrische Wcltorganisation, die Agudas Jisrocl. Bier wäre ein Feld zu ihrer Betätigung. Ter weit vorgeschobene Westen mit seiner dünnen jüdischen Bevölkerung kann geistig und materiell dem Judentum erhalten werden und dann für die kompaktere Menge im Osten einen wlditigen Stützpunkt bilden. Wir sollen die kleinen Geineitiden und die in kleine Ortschaften und Dörfer versprengte» einzelne» Juden in lebhafteren Kontakt mit dem übrigen Judentume gebracht werden?׳ Nur die allermodernsien Mittel können da mit Nutzen angewendet werden: ״Presse" und ״Wanderunterricht." Die Prcffc, die täglich oder wöchentlich in das Haus des Juden gelangen kann, soll ihn und wenn er iveit und breit der einzige Jude ist, an alles das erinnern, was in der größten Gemeinde das tägliche Leben tausendfältig vorführt. Die soll die Jugcnderinnerungen, die mit der jüdischen Religion verknüpft sind wach erhalten und soll dem auf sich angewiesenen Juden in religiöser Hinsicht ein Berater sein, sic soll so gut cs geht, einen Ersatz für die fromme Umgebung bilden. Kein einziger Jude darf von der Presse übergangen werden. So wird sich durch dieses Band allein der Zusammcnhang zwischen den zerstreuten Resten Israels fester gestalten. Kommt noch von Zeit zu Zeit das lebendige Wort des Wanderlehrers dazu, dann wird in den fast verdorrten Acstcn kräftiges Leben erwachen. Man bezeichne meinetwegen die angeregte Idee als künstliche Atmung — wenn sie nur hilft. Aber um Gottcswillen, nur nicht lange warten. R. Diskonto-Gesellschaft bei der - Nordtisterreichischen Bank <- ftr Industrie, Handel und Landwirtschaft, rexistrlerte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch nir den ע Eskompt offener Buchforderangen unter den allergünstigsten Bedingungen. Zur Generalversammlung des mähr. jüd. Landesmassafondes. Zur Generalversammlung des mähr. jüd. Laudesmassafonds. Bei der am 17. d. abgchalteueu Sitzung des Landesmassafonds richtete der Vorsitzende an die anwesenden Kultusvorstände folgende Bemerknng: Tie kleineren Kultusgemeinden sollen sich in ihren Ausgaben Sie größtmöglichste Sparsamkeit auferlegen. Diese Bemerkung und Mahnung an die Kultusvorsteher ist gänzlich überflüssig, denn im Punkte der Sparkamkcit haben sie cs zu großer Meisterschaft gebracht. In einigen Kultusgemeindcn hat man bloß einen Kantor, welcher alle Funktionen so recht und schlecht versehen muß, ob die rituellen Ansprüche der Knltusmitglicder befriedigt werden, wer fragt darnach, man spart, ob die Thorarollen, welche in der Lade sind, auch zum Vorlesen geeignet sind, wer fragt darnach, auf ihre Aufbesserung wird kein Heller verwendet, man spart, wenn auch in einigen Gemeinden an Wochentagen bloß zweimal wöchentlich Gottesdienst abgehalten wirb, was wird da im ganzen Jahr alles nicht erspart, an Licht, Abnützung der Tempelgcräte usw. Sehen Sie, Herr Vorsitzender, die Mahnnng zur Sparsamkeit war Ihrerseits ganz überflüssig. Auch ist es nicht notwendig, daß sie. kleinere Kultusgenieinden einen Rabbiner nehmen. bas ist ganz überflüssig, wer braucht heute einen Rabbiner, zum Religions- oder hebräischen Unterricht, was soll solcher heute einem modcrneu Menschen, was fängt man damit an? Ter Herr Vorsitzende schlägt vor, daß im Falle einer Vakanz in einer kleinen Kultusgemeinde keine A'cnbesetznng des erledigten Rabbinatspoftcns erfolgen soll, sondern es sollen sich mehrere Gemeinden zu einem Rabbinate vereinigen, so soll es geschehen, jedoch sollen auch diese sich vereinigten Kultusgcmeindcn bloß einen Kultusvorsieber tzaben, und zwar dort, wo der Nabbinaissitz ist, diese Gemeinden brauchen dann keinen Kultnsvorskeher und keinen Knltnsausschuß, der Kultnsvorstchcr ans der Zentrale leitet dann alles, was doch heute im Zeitalter des Teleptzons und Telegraphen keine Schwierigkeiten bereiten würde, auch der Rabbiner könnte ja ans dem Zentralsitze alles per Telephon und Telegraphen, mit Ausnahme der Leichenrede, leiten. Ich hätte gedacht, daß der Landesmassa-