Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1913)
- Date
- 1913-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ל■'^3 ־ל W►. Nr. 13 ״J»>1sche «.»»Pi»«.- Sette ». aus kleinen Broschüren und aus Flugschriften. Auch diese Klasse, ist nicht ganz überzeugt׳ von den geschriebenen Buchstaben, auch ihnen steigen zuweilen Zweifel und Bedenken auf, auch sic wollen gleich Acosta an dem Satze: ״Wahr es. weil es geschrieben steht," nicht glauben. Ueberhaupt hat die harte Not den Juden gezwungen nur an das zu glauben, was er mit eigenen Augen sieht. Diese meine Behauptung bestätigt das im Volksmunde verbreitete Sprichwort: Eine Katze im Sack, kauf' ich nicht, vollends. Hier ist der Wundpunkt der so schwachen Betätigung der Juden an der praktischen Palästinaarbeit zu suchen. Dein könnte aus folgende Weise abgeholfer werden: Die Juden müsien Palästina sehen müssen dorthin Reisen unternehmen und dann in ihrer Heimat vom neuen Leben in Palästinc berichten. Hundert Broschüren werden nicht dies,. Wirkung haben, wie die Schilderung eines ge sctzestreuen Juden in seinem Kreise. Er wird mehr Propaganda machen, als zwanzig zionistische Agitatoren. Unwillkürlich wirft sich bir Frage auf, wie sollen wir den Juden die Mög lichkeit geben, Palästina zu sehen und hievon dann in den Goluthländern Bericht zu erstatten? Die Sache stelle ich mir folgendermaßen vor: Das Engere Aktionskomitee resp. die Zentralleitung gibt Lose in der Höhe von einer Kronc heraus, die dann von den Vertrauensmännern abgesetzt werden. Ich will die kleine Bukowina als Beispiel anführen, wo wir mit Leichtigkeit 8000 Lose absetzen könnten. Auf diese Weise wäre ungefähr fünfzehn Gewinnern die Gelegenheit geboten, Palästina zu besuchen. Von Czernowitz bis nych Jaffa via Konstantinopel kostet tour und retour 250 K (2. Klasse): mit dem restlichen Betrage kann man zumindest drei Wochen in Palästina verweilen. Dieser Losenverkauf würde im Laufe der Zeit zu einer förmlichen Institution werden, die dem Zionismus rasch recht viele Anhänger zuführen würde. Einer unserer Gesinnungsgenossen in Galizien sprach bei jeder Gelegenheit von Palästina als dem Lande der Träume. Im vorigen Jahre besuchte er cs und siehe da, unser Gesinnungsgenösse wurde der erste Vorkämpfer Galiziens für die Palästinaarbeit. Er brachte so zum Erempel ein hübsches Sümmchen für das Jerusalemer hebräische Gymnasium zusammen. Ties eine Folge seiner Palästiuareise. Es würde uns 'wahrlich nicht an agitatorischen Kräften fehlen, zumal jeder Palästinabesucher ein eifriger Verfcchter des Zionismus werden müßte. Auf diese Weise würde das Volk selbst Palästina vom Lande der Träume zum Lande der Tat, der Wirklichkeit machen. ״Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen." Observanzen unserer Gesetze eine verwerfliche ' dieser großen Schwierigkeiten gelang es aber dock, viele Miene machten, gingen die Augen auf und prieder Umstände sestzustcllen, welche dagegen zeuge», daß sen sie als weise. Lange natürlich hält ein derartiges Lob nicht an. Die Zeitströmung schwemmte es mit sich weg. Nun hat die Akademie des Sciences wieder einmal unseren Gesetzen .׳echt gegeben, und so die Tiefe des alten Wahrvortes nachempfinden lassen daß, die unbeabsichtigten Folgen der jüdischen Gesetzeserfüllung hinter ihren eigentlichen Zwecken an Bedeutungsgröße kann! zurückstehen. Für uns sind allerdings unsere Thoragesetze keine sanitären Maßregeln, sondern göttliche Gebote, deren Grund wir richt kennen und nicht zu kennen brauchen, dasin liegt eben die Größe des Judentums, die Gesetze der Tbora zu befolgen, auch wenn sie uns anfaßlich scheinen, auch wenn sie sich mit unseren Anschauungen nicht decken, weil wir an dem Glauben unerschütterlich festhalten, daß jedes hebot viel höhere Zwecke in sich birgt, die der nenschlichc Geist unmöglich fassen kann. So geviß aber auch unsere Gesetze direkt mit der Hy- Hilsner der Täter war. Ten verdächtige» Mann haben auch einige Heger aus der Umgebung geseben, diese erklärten alle ausdrücklich, das; er mit Hilsner nickt -dentisch sei. 'Auf die Frage, ob man auch auf andere Leute Verdacht hatte, erklärte Hofrat Clic: ״jawohl, wir hatten sogar gegen andere Leute mehr Verdachtsgründe, als gegen Hilsner. sich kann freilich niemanden mit Namen anführen. Sehr gewichtige Verdachtsmomente bestanden auch gegen einen Mann, der sich damals in der Umgebung von Polna aufgebalten Halle. Dieser Mann mußte in späteren fahren ivegen TobsucktSanfällcii ins Irrenbaus gebracht werden, sich bin davon vollständig überzeugt, daß der Mann mit dein abgeschnittenen Stocke, den der Pfarrer Vlcek und die betagte GemeindevorsieberSgattin gesehen batten, mit Hilsner nicht identisch ist. Tie Frau des (»temeindevorstehers ist sogar eine klassische Zeugin und man ״mi! ihr vollständig glauben. Sie kannte Hilsner schon lange vor dem Morde und behauptete mir aller Bestimmtheit, daß jener Mann nicht Hilsner war. Das ist ein nnleugbares Faktum. Leider gelang es dem Mörder trog nn ziene nichts zu tun haben, so fest steht es doch! ’cr0״ gründlichen Suckens zn entkoinmen. Tie^ Ei»- anderseits, daß derjenige, der nach den Vorschrif-! wohner von Polna unterlagen^ vollständig der «ugge- Pn unserer Thora lebt, auch seinen Körper vor "'""׳ daß der Mord aus religiösen Gründen gescheiten so mancher Gefahr bewahrt, der andere viel!'""'-'״" 3"יי יי' ׳ct) '6''"'׳" vollständig aiisgeleichter ausgesetzt sind. Wie es in einem bereits! schlossen. Ten Mord hat Ivohl :euer Mann verübt, Vesten ׳m Jahre 1800 erschienenen Werke des Dr. G.' " " " H. Heran, eines berühmten englischen, nichtjüdischeu Arztes wissenschaftlich dargelegt ist. In diesein Buche findet ein Kapitel über die angebliche Freiheit der Juden von tuberkulösen Krankheiteil. Ter Verfasser untersucht auf Grund ihm vorliegenden Materials die Ursache der angeb- 'siche Unempfindlichkeit des jüdischen Volkes uitd benützt hierbei auch die ihm von anderen hervorragenden Aerzten gewordenen Mitteilungen und führt aus, wenn sich auch die Tatsache, hcrausstellt, daß die Juden nicht als geradezu! ganz unempfänglich für die Schwindsucht be Ä genaue Beschreibung wir in Händen barte» und der gewiß nicht Hilsner war. Vergeblich verwies ich damalS die Behörden im Laufe der Voruntersuchung und auch später auf verschiedene Nmiiände. Trog alledein wurde Hilsner zweimal verurteilt. ES steht feit, daß die fire Idee, von der die ganze Tesfenilickkeit beieisen lvar, zum Urteil der Geschorenen veitrug. liniere Wahrnehmungen, nämlich die der Polizei, waren dem .Nuttenberger Preisgericht bekannt, leider ivnrdeu aber die Aussagen der -zeugen, welche Hilsner als Mörder bezeichneten, für gewichtiger gehalten, als liniere, iveiche von seiner Unschuld überzeugt ivaren. Ich liege die Hoffnung, daß e-S gelinge» wird, den ivirklichen Mörder Ich und die Zivilwuchlente habe» unsere Pflicht getan und nach unserem Gewissen gebandelt.!n Sunt Kapitel des Waschens der Hände. Von Rabbiner Berisch W i n t e r, Wien. Unter obiger Uebcrschrift hat die geehrte Redaktion in vorwöchentlicher Nummer Ihres gcsch. Blattes den Bericht über den in einer der letzten Sitzungen der ״Academie des Sciences", von dem mit der Bekämpfung der im Kanton Nenville-sur-Saone wütenden Epidemie betraliten Arzt gehaltenen Referat, in dem das Waschen der Hände beim Verlassen der Aborte als vorzüglichstes Mittel empfohlen wird, mit der Beinerkuitg begleitet: ״Uns ist damit nichts Neues gesagt. Darüber enthält unser Schnlchan Aruch ein besonderes Kapitel mit der lieberschrift: ״Das Waschen der Hände". Eine ebenso richtige, wie wichtige Bemerkung. Denn nicht nur zur Beseitigung manches Vorurteils unserer Feinde, sondern auch zur Weckung der Glaubensbcgeisterung in unserer Mitte ist es nötig, diese Tatsache immer wieder in Len Vordergrund zu rücken. Wie cs noch erinnerlich sein dürfte, ging vor Jahren ein Schrei der Entrüstung durch alle Welt, als man Kenntnis nahm von den Zuständen in den Konservenfabriken Amerikas. J,n ganzen Lande gab es Agenten, deren Aufgäbe darin bestand, alles gelähmtes, krankes Vieh ausfindig zn machen, dessen Fleisch in Buchsen eingemacht werden könne. Ta gab es Tiere, die mit häßlichen Beulen und Geschwüren bedeckt waren — alles wurde zerhackt und gepfeffert, damit es nach etwas schineckt. Damals wurde unwillkürlich der Blick auf die jüdischen Speisegesetzc gerichtet und auch denjenigen, die sonst über die Kleinigkeiten und die minutiösen zeichnet werden können, so glaube er, soweit die! au-.zuforscht.-n. Juden in London in Betracht kommen, einen '"יי triftigen Grund gefunden zu haben, der auch Wohl im allgemeinen stichhältig fein dürfte. Die angeborene Immunität der Juden in der Ge-. genwart wurde dadurch beeinträchtigt, daß sie,' was Wohnung und Nahrung betrifft, unter den! denkbar ungünstigsten Bedingungen ihr Leben! fristen, dadurch an ihrer Widerstandsfähigkeit! Einbuße erleiden und auch manche in ihrer Mitte ' dem Tuberkelbazillus zum Opfer fallen. Wenn! nun schließlich trotz alledein konstatiert werden׳ kann, daß jene Immunität in gewissem Grade vorhanden ist, jo kommt Verfasser zu der. Schlußfolgerung: ״Es ist von großer Wichtigkeit, festznstellen, warum diese Immunität vorhanden ist. Tie für die Entscheidung dieser Fragen wichtigen Tatjachen scheinen folgende zu sein: einmal und in Die soeben zur Ausgabe gelangende neueste ganz hervorragendem Maße die weisen G e- Nmumer des ״Haderech" enthalt einen in seiner Ver!obung8s!ngs Brautschmuck, Hochzeitsgeschenke hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen! BrRTHOLD BAChNCR, Brünn, k. U. k. Hoflieferant Juwelenhandlung nur Ferdinandsgasse Nr. 2. Bon der ״Agudas Jisroel". Tie soeben zur Ausgabe gelangende neue ... . - .... - ,..immer des ״Haderech" enthalt einen in sein.. ן e tz e, 1ז1:1(0]שע oisZu e:nem beträchtlichen Grade lapidaren Kürze besonders eindrucksvollen ׳N'ach- Vre Qualität der Speisen der Juden regulieren." i ״lf auf den heigegangenen verdienstvollen Bor- Zur Wiederaufnahme des Prozesses Hilsner. Tas Justizministerium hat Vorcrhcbnngei, zur abfälligen Wiederaufnahme des Prozesses Hilsner an sitzenden Kommerzienrat der Lrganiianon, Louis F e i st s. A. An leitender Stelle werden alsdann die dem nächst zur Ausgabe gelangenden ״Agudas- I i s r o e l" - M a r k e n angekündigt tind ihre vielseitigen Verwendnngsmvglichkeiten dargegeordnet. Es wurden in den letzten Tagen beim Prager stellt. Abgesehen von der finanziellen Stärkung Strafgericht aus diesem Grunde eine Anzahl von Zcualler Fonds der Organiiation, Oie aus der timgen cinvernommcn. Es ist auch die Einvernahme des fassenden Verwendung der Marke erwachsen Hvfrates Clic, des früheren Chefs des Sicherheitsdekann und von der propagandistischen Wirkung, partements der Prager Polizeidirekiivn in Aussicht gedie von diesen kleinen zeichnerischen Sendboten nommen. ' jausgeht, soll die Marke auch niinoerbemiikelten Hofrat Clic, der seinerzeit die Borcrhebuiigen in Kreisen die Möglichkeit geben, selbst bei Zeich der Polnaer Mordaffäre leitete, erklärte einem Redak- NUllg eines relativ größeren Jahresbeitrages die teur der ״Bohemia" unter anderem: Ter erste Umstand, Mitgliedschaft der Agnda zn erwerben. Zn der mir außerordentlich wichtig erschien, war die Aufdiesem Zwecke gelangen Karten mit :Hi Feldern findung eines Stockes am Tatorte, mit dem der Mörzur Ausgabe, die jeden zur Mitgliedschaft sich der sein Lpfer über den Kopf geschlagen hatte. Nach Anmeldenden, sobald er nur mindestens 20 Pt. langem Suchen konnten wir endlich sestftellen, daß ei» ' einklebt, ausgehändigt werdeit und die in ver Mann mit hcrvorquellenden Augen den Stock von einem 1 schiedenen kleinen Markenraten zu begleichen. Fichtenbaum abgeschnitten hatte. Dieser Mann wurde Zur Ausgabe gelangen Marken zu 5, U-, 20, 50 uns genau beschrieben. Der damalige Pfarrer von Pf- und l Mk-, sowie die entsprechenden Werte Polna Vlcek hatt ihm begegnet, auch die Gattin des in Kopeken, Hellern, Pence, Cents und Een- Gemeindevorstehers eines kleinen Dorfes bei Polna times. hatte ihn im Walde getroffen und ihn gefragt, was er [ Die Nummer enthält dann eine bemerkensda mache, als er den Stock abschnitt. Er antwortete, er werte Kundgebung zugunsten der ״Agudas Jissuche Nuten. Dieser Mann nur war in der kritischen roel", die vom Warschauer Gesamtrabbinal er- Zeit in nächster Nähe des Tatortes. Leider gelang es lassen Wurde und die sämtliche vierzehn Unter uns nicht, den Mann zu finden, auf den die Beschreischriften der Warschauer Dajanim trägt. Bon bung waßte. Unsere diesbezüglichen Bemühungen wursonstigen Zustimmungsschreiben hervorragender den durch die Leute erschwert, die der Ueberzeugung Männer ist eilt in glübenden Worten gehaltener waren, daß der Mann nur Hilsner sein könne. Trotz Aufruf des bekannten Leiters der Wolosiner