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Jüdische Volksstimme · 1913-03-20 · Heft 12 (20.3.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 12 (20.3.1913)
Date
1913-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 Sette S. Spitzen zu haben sind. Die Geschäftsstelle befindet sich im Bureauhaus Börse, Berlin C. 2, Burgstraße 27, Bureau Nr. 11 und ist täglich von 9—1 und von 3—7 Uhr geöffnet, mit Ausnahme der Sonnabende und Feiertage. Konferenz der galizischen Toynbeehallen. Sonntag den 9. März 1913 hat in Lemberg die Konferenz der Toynbeehallen Galiziens stattgefunden, welche einen würdigen Verlauf nahm. Vor ungefähr 30 Delegierten und zahlreichen Gästen, unter denen die bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten Galiziens, ivie Profesior Dr. Scharr, Profesior Dr. Balaban, die Rabbiner Dr. Guttmann und Dr. Caro, Frau Rosa Pomeranz-Melzer. und viele andere waren, eröffnete der Präsident der Zentrale der galizischen Toynbeehallen Tr. Josef Löwenhcrz die Konferenz. Cr begrüßte die anwesenden Vertreter und Repräsentanten und besprach nach Erledigung der Formalitäten ausführlich die Aufgaben der Konferenz; dann gab er Rechenschaftsbericht von der Tätigkeit der Zentrale, welcher ein sehr befriedigender ist. Die Toynbcehallc wurde in den letzten zwei Jahren eine sozial und kulturell hochbcdeutcnde Institution, die Stätte wirklicher Volksbildung und Volksvercdlnng. Die Zahl der Vorträge — von verschiedenen Gebieten der Wissenschaft — und der Zuhörerschuft, welche alle Volkselcmente umfaßt, vermehrt sich nach und nach. Seine Behauptungen illustriert der Referent mit Zahlen. In den letzten zwei Wintersaifönen wurden 517 Vorträge abgehalten. Mit diesen Vorträgen waren auch sehr oft Konzerte verbunden. Auch veranstaltete die Toynbcehallc in Lemberg mehrere Spiele für Kinder. In der letzten Zeit hat sich die Zentrale zu der Erkenntnis durchgcrungen, daß sie in der nächsten Zeit populäre und wissenschaftliche Broschüren in jüdischer Sprache hcrausgeben und eine jüdische Amatorenbühne schaffen soll. Der Redner blickt mit froher Zuversicht in die zukünftige Entwi8lung der galizischen Toynbeehallen. Sodann referierte Tr. Isidor Schneider über: ״Tie Organisation der Aufklärungsarbcit. Es muß — glaubt er — endlich eine rechtliche Basis für diese Institution geschaffen tverden und legt auch gleich den Entwurf eines Statuts für die Toynbeehallen vor, welches die Gründung eines Vereines der jüdischen Toynbeehallen in Galizien mit dem Sitz in Lemberg bestimmt. Tic Debatte über die beiden Referate brachte manches Wort ehrlicher Kritik und viele wertvolle Anregungen für die künftige Arbeit. Sie zeigte, daß die einzelnen Toynbeehallen sich ihres Wertes und ihrer Pflichten bewußt sind. Es folgten die Referate von Tr. M. Geier und Tr. Ignaz Schipper. Ter erste sprach über: ״Die Aufgaben der Tonnbeehallen." Er definierte vorerst den Begriff ״Kultur und führte ungefähr folgendes aus: Tie jüdische Toynbcehallc soll das Ansehen und den Charakter einer jüdischen Volksunivcrsität haben. Ihr unparteiischer, fpezifisch jüdischer Charakter soll der allergrößte Vorzug der Toynbeehalle werden. Tie darf sich bestreben, auch den gesellschaftlichen Verkehr unter den Juden zu heben. Stach diesen ׳Ausführungen cntlvickelte Dr. Jg> Schipper in einem überaus sachlichen und großangelegten Referate die Ideen, welche die Führer der Toynbeehallen, als Volkserzichcr, realisieren müssen. Tas Wichtigste sei, den logischen, psychologischen Begriff für die Kulturarbeit der Toynbeehallen hcrauszusindcn. wenn sie produktiv sein soll. Durch entsprechende Refcrenten muß man in die jüdische Gasse kommen, um das Wesen der jüdischen Kultur, des jüdischen Geistes, des jüdischen Herzens und Körpers zu erklären. ״Bei der jüdischen'Masse den Wissensdrang zu wecken — das ist unsere Losung." Tie Erweckung des jüdischen Bewußtseins in den untersten Volksklassen ist eine gebieterische Notwendigkeit. Die Gesundung des jüdischen Bolkorganismus muß aus seiner innersten Tiefe heraus sich vollziehen; wir dürfen nirgends von oben nach unten, wir müssen überall von unten nach oben bauen. Tie Frage einer jüdischen Schule und das Schaffen einer Reserentcnschule bieten auch der Toynbeehalle ein wichtiges Arbeitsfeld. Nach einer längeren Tiskusiion wurde das Organisationsstatut mit manchen Ausbesserungen angcnommen. Mit der Wahl einer neuen Zentralleitung war diese ernste Konferenz zu Ende. Israel H a m!!! e r. Die staatlichen Funktionen der Seelsorge und Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinden. (Rabbiner, Kantoren und Religionslehrer.) Am 14. d. fand vor dem Verwaltungsgerichtshofe unter Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Freiherrn v. chenk die Verhandlung über eine Beschwerde der israelitischen Kultnsgemcinde in Karlsbad gegen das Ministerium des Innern wegen der von diesem Minisrcrium ausgesprochenen Pcnsionsverfichcrungspflicht Rabbiners, des Lberkantors, des Kantors und des Religionslchrcrs statt. Diese vier Personen hatten sicki der Beschwerde der Kultusgemeinde angeschloffen. Tas Ministerium hatte die Pensionsversicherungspilicht mit der geistigen Tätigkeit und dem Beamtencharakter dieser Funktionäre motiviert, während die .Kultusgemeinde den Standpunkt vertrat, daß diese vier Funktionäre als in öffentlichen Diensten stehende Angestellte zu beirachten und daher von den Bestimmungen des Pensions- Versicherungsgesetzes ausgenommen seien. Der Beschwerdevcrtreter Dr. Fleischncr ans Karlsbad führte diesfalls aus, die israelitische Religionsgenossenschaft sei vom Staate anerkannt, sie habe daher Anspruch auf die im Staatsgrundgesetze anerkannte Autonomie, wonach jede staatlich anerkannte ReligionSgcsellschaft ihre inneren Angelegenheiten selbst zu besorgen habe. Eine Kultusgemeinde sei ein Verband öffentlichrechtlicher Natur, ihr Zweck ist die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder im Rahmen der Gesetze. Ties sei aber mit Rücksicht auf die Verhältnisse in Oesterreich nicht allein Gegenstand der betreffenden Gemeinschaft, so»- dern auch des Staates selbst. Es wird von einer Amisgewalt der Religionsdiener gesprochen und von einer solchen könne man doch nur dann sprechen, wenn es sich um eine staatliche Funktion handelt. Ten iSraclitischen Knltnsgemeinden wird ferner die politische Crekution gewährt, und zwar wie es heißt, ״aus Gründen sraatswisienschaftlicher Natur", womit gesagt sei, der Staat anerkennt, daß die Kosten zur Befriedigung der Ausgaben der Kultusgemeinden vom Staate geleistet werden sollte, dafür aber die politische Erckution zur Einhebung dieser Beiträge gewährt wird. Ter Staat nimmt ferner in vielfacher Richtung Einfluß auf die Kultusgemeinden und in der juristischen Literatur gel ten die .Kultusgemeinden alisnahmSloS als Korporation Gott! Aber ich hol ihm heut Fisch." ״Ich bin immer etwas verstimmt," sagte der Schuster Nathan, ״wenn ich Purim Fisch sehe. Ta ha sich meine selige Mutter wie sie schon totkrauk war, nur ein Stückchen davon gewünscht — aber wie ich Pech mehr als aner Hab, hat mir die reiche Wirtin bei uns gleichgültig abgesprochen und kann Ihnen, Freilinta, meine Tochter Fanny bezeugen, daß ich just Purim kein Fisch essen möcht." ״Tafür wird Ihre gute Mutter im Paradies vom Leviatan, dem großen Fisch ein großes Teil genießen," sagte ich. ״Tas ver stehe ich nicht," lächelt er kopsschüttelnd, ״das ist der Ausgleich sür die Leiden — im shmboli scheu oder höheren Sinn auszulegen —,״ sagte ich und ging eilends nach Hause, zufriedener mit mir, als mit der Welt — mit der kleinen Welt hier in der Gasse. Zu Hause angelangt, kam mir mein kleiner Neffe mit dem anmutigen, süßesten Lächeln ent gegen, und Vieser herzige Junge, mit seinen großen, schwarzen Augen war mir Ersatz für die äußeren Unannehmlichkeiten und Pein. Er war der heitere Sonnenschein im Häuschen. Sauf״ schlummert der Schmerz um den Verlust seiner jungen, dahingeschiedenen Mutter in unserem Herzen.... ״Alle sind sie wcggelaufen — nur mich haben sie zu Hause delassen," klagte er des öffentlichen Rechtes. Ebenso werden die Religionslehrer als Angestellte des öffentlichen Dienstes angesehen und die in der Seelsorge angeflellten Geistliche» haben das privilegierte Wahlrecht, sie genießen die Befreiung vom Geschworencndiensr und von der Dienstleifrung als Gerichts zeugen. Was den Seelsorgern untcr dem Siegel der Verschwiegenheit anvcrlrant ivird, darüber kann ihnen keine Auskunft»- oder Zeugenpflicht auferlegt werden, ihre Zeugnisse find nach der Zivil- Prozeßordnung öffentliche Urkunde». Der Staat hat endlich die Knltusgemeinde mit der wichtigen ösfenllichen Funktion der Matrikenführnng betraut. Ans allen diesen Gründen seien die israelitischen Kultusgemeinden Korporationen öffentlichrechtlichen Charakters und ihre Seelsorger und Religionslehrer somit Angestellte des öffentlichen Dienstes, auf die sich &.1. PensionSversichernngsgeset; nicht bezieht. Der Regierungsvertreter Hofsekretär Dr. R. v. Thaa gab keine ineritorische Erklärung, sondern betonte, daß sich das Ministerium nach der Entscheidung des VerwaltungSgerichtShofeö richten werde. Der VerwaltnngsgerichtSkof gab nach längerer Beratung der Beschwerde der Kultusgemeinde hinsichtlich des Rabbiners und deS Religionslehrers Folge und hob diesbezüglich die augefochtene Entscheidung als ungesetzlich ans, da diese beiden Funktionäre als Angestellte des öffentlichen Dienstes zu betrachten feien. Bezüglich des OberkainorS und des KanlorS wurde die augefochtene Entscheidung wegen mangelhaften Verfahrens aufgehoben״ da über die Art ihrer Funktion keine Erhebungen vorliegen. vor einem halben Jahre — hart an der Tür sick stemmend — als man ihn zn uns brachte. — Glückliches Alter, schnell warst dn getröstet. Tie fremden Kinder, die Nachbarn alle liebten ihn und neckten sich herzlich mit ihm. Er kam zu einer armen Frau, die machte leeren Kuchen, da fragt er: ״Warum gibst du keine Kirschen hejein'B ״Hab kein Geld, kann nicht kaufen." ״Geh znn Lejbl, dea hat Geld, ea gibt mia imma drei Kjeiza." ״Heimchen." frag ich: ״Was wirst du werdend ״Ein Jabina (Rabbiner) so wie da Gjoßvata!" - Heute erwarteten wir Gäste. Es war Abend Heimchen war schläfrig, ich wollte ihn munter halten und erzählte ihm kleine Geschichtchen. ״Horch, sie kommen" — es klopft so heftig ahnungslos die Haustür öffnend, stürzen, tram pelnd, heulend einige derbe Kerle mit russigen Gesichtern, nur zwei zuletzt maskierte folgten leise, ehrerbietig grüßend: Guten Purim wünsehend; ihre Tracht, ihr zurückhaltendes Wesen schien uns vertrauend bekannt, als Ursache dessei: empfingen wir die ersieren freundlich. Reichten ihnen den gefüllten Teller mit süßem Gebäck; sie langten hastig, stopften sich den Mund. heul ten, johlten, schrieen: Noch, noch! Hustend, pfeisend, stellten sie sich um den Tisch, zwei schlichen zum niederen Kasten, worauf noch vom Abend- Chewra-Sude in Brünn. Ein Fest, wie es seit undenklichen Zeilen in den Mauern Brünns nicht stattgefunden har, bot die vom Verein Machsike Hadas veranstaltete Ehewra Suva. Es war eine wahrhaft jüdische Feier von großer Konzeption und durchdrungen von echt jüdischem Geiste. Ter gewöhnliche Abendgottesdienst, der im Bethause des Vereines Machsike Hadas stattfand bildete eine würdige Einleitung deS großen Festabends. TaS Amt des Vorbeters übernahm in wirklich liebenswürdiger Weise Herr Hberkanlor Müller vom Schisftempel aus Wien und entzückte das anwesende Pnüiknm durch diskrete Entfaltung seiner Herrichen Stimmittel und seiner großen Kunst, llm S Uhr abends wurde das Brudermahl im großen Festsaale des Grandhotels eröffnet. Tas Vorstandsmitglied Herr Rudolf Meisl begrüßte namens des Vereinsvorstandes die aus Nah und Fern erschienenen Gäste in herzlicher Rede und entwickelte Zweck und Ziel des Vereines Machike Hadas, sowie die Absicht der Ehewra Sudos, durch welche eine Annährung der in Brünn wohnenden Inden angebahnt tverden soll, damit die Ausübung der ererbten Väterreligion und die Pietät gegen die Verstorbenen auch uns er möglicht werde. Tie Festrede hielt Herr Rabb. Flesch (Montefiori-Bethaus) ans Wien unb bot eine geradezu meisterhafte orarorische Leistung, sowohl inhaltlich als auch nach der Form. Wir können es uns nicht versagen, diese Rede in der nächsten Nnmmer wenigstens auszugsweise zu bringen. Tie Ausführungen dieses glänzenden Festredners erweckten bei deir Anwesenden slürmischen, nicht endenwollen Beifall. essen etwas Kuchen stand, nahmen imD schluckteil große Stücke hastig. Einige kleine Masten waren auch da - - jedoch still und nur answeichend Veit großen, schmutzigen (Gesellen, ans Furcht, daß diese iie nicht zerren und stoßen. Jetzt war die Geduld unserer vornelunen Bauernburschen zn Ende. ״Ruhig, anständig sich benehmen sollt ihr euch; ihr seid doch Indens" Ein höllisches Gelächter die Antwort. Ta schlich sich ein kleiner Junge es war die kleine Minna verstellt, sie zog die Larve ab . und sagte leise: ״Fräulein, der Hinkende ist einer 011ג den wirklichen Bauern, ein Taglöhner, ein Mazzesbäcker." Ali! Schnell machte ich das Fensrer auf, rufe die ׳Nachbarn .... im Moment trollten sie schimpfend, heulend und liefen nach allen Richtungen hin. Unsere lieben Eltern saßem umschlungen von ihrem lieben Sohn, dem Studenten. Ter kleine Heiny ans dem Sckioß meiner größeren Schwester, neben ihr im freundlichen Gespräche der Andere, der Sohn der weiland Frau Paliine. Alles atmete leicht ans. Tie kleinen Masten .nußten in ihren tollsten -vrüngen und Einsällen chre jugendsrische Laune und Witz zum Beiten geben nnO alle verlangten ein Buss! vom rleiuen öeimchen, der sich überzeugte, daß sie alle seine guten alten Freunde waren.

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